Nostalgie – Motorradtour auf der Route-des-Grandes-Alpes

1978 fuhr ich mit meinem Bruder Thomas mit zwei Motorrädern die Route-des-Grandes-Alpes von der Zentralschweiz bis an die Côte d`Azur. Der höchste Alpenpass ist der Col de la Bonette mit 2802 m Höhe.

1. Tag / 367 km: Wir starten in München und fahren durch das Allgäu zum Bodensee, den Hochrhein hinauf bis Chur und am Vorderhein entlang über den Oberalppass nach Andermatt. Wir haben unsere Zeltausrüstung dabei und übernachten auf dem kleinen Campingplatz hinter dem Ort. Die Nacht wird empfindlich kühl, Andermatt liegt auf einer Höhe von 1.437 Meter.*

2. Tag / 363 km: Gleich am Morgen steht ein erster Höhepunkt der Reise an: der Furkapass mit dem Rhônegletscher. Wir folgen der jungen Rhône flussabwärts bis Martigny. Hier biegen wir links ab und fahren die Serpentinen hinauf zum Großen St. Bernhard-Pass auf 2.469 m Höhe.

Der Übergang wurde schon in der Eisenzeit genutzt. Unter Kaiser Claudius wurde ein Fahrweg gebaut und ein römischer Tempel errichtet. 1050 gründete der Heilige Bernhard von Aosta ein Hospiz. Ab dem 17. Jahrhundert brachten die Augustiner-Möche die ersten Lawinenhunde hinauf. Napoléon querte mit seiner Armee im Jahr 1800 den Pass und ab 1905 gab es eine für Automobile befahrbare Straße. Wir passieren die italienische Grenze und fahren runter ins Aostatal. Bei Pré-Saint-Didier geht es wieder bergauf, diesmal hinauf zum Kleinen St. Bernhard auf 2.181 m. Hier überqueren wir die französische Grenze. Gleich dahinter steht auf einem kegelförmigen Monolith die Statue des Heiligen Bernhard von Menthon, dem Schutzpatron der Alpenbewohner und Bergsteiger.

Es geht kurvenreich hinunter ins Tal der Isère. Noch vor Bourg-Saint-Maurice zweigt links die Straße nach Val-d`Isère ab. Hier hat sich ein großes Skigebiet entwickelt. Im Dezember findet hier das Kriterium des ersten Schnees statt. Im letzten Winter gewann Marie-Therese Nadig aus der Schweiz die Weltcup-Abfahrt.

Dahinter steigt die Straße zum Col d`Iseran an, ein gewaltiger Alpenpass auf 2.770 Meter Höhe in einer grandiosen Landschaft. Rechts und links reichen die Schneefelder bis zur Straße.

Mit einem durchschnittlichen Gefälle von 7,5 % geht es ins Val Cenis hinunter, wo wir in der Jugendherberge von Lanslebourg übernachten. Es ist ein Gebäude aus groben Natursteinblöcken, das sehr gut in die Landschaft passt. 

3. Tag / 307 km: Über Modane fahren wir bis Saint-Michel-de-Maurienne. Am 12. Dezember 1917 gab es hier ein Eisenbahnunglück mit einem Militärtransport mit ca. 700 Toten. Links hinauf geht es mit unseren Motorrädern über den Col du Télégraphe nach Valloire und weiter in zahlreichen Serpentinen zum oft von der Tour de France überquerten Col de Galibier (2.646 m).

Von der Passhöhe haben wir einen tollen Blick zurück auf das Dach der Alpen, den gewaltigen Mont Blanc mit 4.807 m Höhe. Bei der Abfahrt kommen die Felszacken und die Gletscherlandschaft des 3.983 m hohen Berges Meije ins Blickfeld und dann folgt gleich ein weiterer Pass: Der Col du Lautaret (2.058 m). 

Wir erreichen die Festungsstadt Briancon mit der von Vauban ausgebauten mächtigen Zitadelle. Am Nachmittag stehen noch weitere Pässe der Route-des-Grandes-Alpes an. Zunächst folgt der Col d`Izoard (2.360 m) mit seinen großen Geröllhalden, der Casse Déserte. Danach geht es über den Col de Vars (2.111 m) und den Col de Restefonds (2.680 m). Den höchsten Punkt der Reise erreichen wir am Col de la Bonette (2802 m) in den Seealpen.

Unterhalb des Passes übernachten wir in Saint-Étienne-de-Tinée am Flussufer. Im dem kleinen Dorf findet ein Patroziniumsfest statt.

4. Tag / 108 km: Über Isola erreichen wir das Tal des Var und die Stadt Nizza an der Côte d`Azur. Für unser wohlverdientes Bier zahlen wir in der Stadt 15 Franc = 5 Mark! Abschließend stecken wir im Verkehrsstau bis Monaco. In Menton nahe der italienischen Grenze endet die Route-des-Grandes-Alpes. Wir verbringen ein paar Tage auf einem Campingplatz an der Küstenstraße oberhalb des Mittelmeers.

Die zurückgelegte Strecke betrug einfach 1145 Kilometer.

* Eine ausführlichere Beschreibung der Route von München nach Martigny > im Beitrag „Nostalgie – mit vier Maschinen in den Hohen Atlas“

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