Mit der Schmalspurbahn ins Himalaya-Vorgebirge

Die 96 Kilometer lange Strecke von Kalka (656 Meter) hinauf zur britischen Sommerresidenz in Shimla in 2.076 Meter Höhe gehört zum UNESCO – Weltkulturerbe.

Chandigarh – Planstadt von Le Corbusier

8. Tag: Ich komme am Morgen mit Kingfisher Airlines aus Jaipur und lande kurz nach 11 Uhr in Chandigarh. Nach der Unabhängigkeit und Teilung von Britisch Indien im Jahr 1947 wurde eine neue Hauptstadt für den indischen Bundesstaat Punjab benötigt. Die alte, historische Hauptstadt des Punjab, Lahore, liegt jetzt in Pakistan.

Für die hinduistische Bevölkerung wurde zudem der neue indische Bundesstaat Haryana vom indischen Bundesstaat Punjab der Sikhs abgetrennt. Der schweizerisch-französische Architekt Le Corbusier wurde mit dem Bau der Planstadt Chandigarh beauftragt. Chandigarh ist eigenständiges Unionsterritorium und gleichzeitig Hauptstadt von Punjab und Haryana. Die Bauten von Le Corbusier gehören seit 2016 zum UNESCO Weltkulturerbe.

Eine Wettfahrt mit dem Taxi gegen den Zug

Ich muss noch auf mein Gepäck warten, dann steige ich in ein Taxi, um die 39 Kilometer bis zum Bahnhof Kalka im Bundesstaat Haryana zu fahren. Der Fahrer bleibt im dichten Verkehr und an einer Baustelle stecken. So ist der Zug schon ohne mich pünktlich um 12:10 Uhr abgefahren, als ich die Station erreiche. Ich wechsle das Taxi und fahre dem Zug auf der kurvenreichen Bergstrecke nach.

Trotz halsbrecherischer Fahrweise, die zu allem Überfluss auch noch einen leichten Blechschaden zur Folge hat, überholen wir den Zug erst kurz vor dem Bahnhof von Solan. Wir befinden uns bereits im Bundesstaat Himachal Pradesh.

Im Himalayan Queen

Der Zug fährt in den Bahnhof ein und ein freundlicher Bahnmitarbeiter gibt meinen im Internet vorreservierten Platz für mich frei. Bei unserer Bahn wäre der Sitzplatzanspruch 15 Minuten nach Abfahrt des Zuges verfallen.

Ich sitze nun bequem am Fenster in einem hellblau-cremefarbenen Waggon im mittleren Teil des Zuges, die ersten Wagen sind dunkelblau-creme gestrichen, ebenso wie die Diesellokomotive.

Die Geschichte von Shimla

Von 1834 bis 1939 zog die gesamte jeweilige Kolonialregierung Britisch-Indiens von Kalkutta, später von Neu-Delhi in den Sommermonaten in die kühle Berglage Shimlas auf bis zu 2.200 Meter Höhe. Der Umzug erfolgte in einer langen Karawane. 

Traditionell blieb es während der britischen Kolonialzeit dem Vizekönig von Indien, dem britischen Oberbefehlshaber der Indischen Armee und dem Gouverneur des Panjab vorbehalten nach Shimla eine Kutsche zu benutzen, während die übrige Kolonialgesellschaft Rikschas für den Personentransport und Ochsenkarren für den Gütertransport benutzte. Mit ihnen wurden auch die Luxusgüter für die Sommerfeste und vornehmen Bälle der Kolonialgesellschaft hinaufgeschafft.

Die Kalka – Shimla – Bahn

Ende des 19. Jahrhunderts wurde mit der Planung einer Bahn begonnen, um die mühsame Anreise erträglicher zu gestalten. Die Schmalspurbahn sollte in Kalka an die Hauptstrecke Delhi – Lahore angebunden werden. 1903 konnte zur allgemeinen Freude die neue Eisenbahnstrecke eingeweiht werden.

Die Strecke überwindet 1.420 Höhenmeter, führt durch 919 Kurven, geht über 864 Brücken, bedient 20 Stationen und Bahnhöfe und führt durch 102 Tunnels, der längste davon bei Barog ist 1.143 Meter lang.

Das Panorama ist großartig: Bewaldete Höhen, tiefe Täler, Pagoden und Tempel und zum Schluss die am Hang klebende Stadt Shimla in der Nachmittagssonne am Gegenhang.

Um 17:40 Uhr kommt der Zug im Bahnhof von Shimla in 2.076 Meter Höhe an. Der Gegenzug steht dort schon zur Abfahrt bereit.

Hotel Springfields – das ehemalige Sommerhaus des Raja von Sheikhpura und seiner Rani

Ich nehme das Taxi in den Stadteil Chotta zum Hotel Springfields. Es liegt am Hang gegenüber der Tibetischen Schule. Mohammad Yahya Khan, ein Aristokrat aus Lahore hat das Haus erbauen lassen. Später bewohnte es der Ex-Raja von Sheikhpura und seine Rani bevor es in ein Hotel umgewandelt wurde.

Die alte, historische Einrichtung ist größtenteils im Original erhalten. Die elf großen Zimmer verfügen über hohe Decken, Holzböden, Kleiderschränke mit handgeschnitzten Holztüren, gusseiserne Boiler, schwere Sessel und offene Kamine. 

Im Speisesaal stehen eine Kredenz aus Tropenholz mit silbernen Warmhalteschüsseln, kunstvoll gedrechselte Holzstühle und Tische, vor dem Haus befindet sich eine Terrasse und

ein Englischer Rasen mit gusseisernen Gartenmöbeln, gelb und dunkelblau gestrichenen. Auf dem Blechdach des Hotels hüpfen Affen lautstark auf und ab. Die Aussicht ist phänomenal.

Ich diniere stilvoll im Speisesaal, wo ich nach einer erholsamen Nacht in der guten Bergluft auch das Englische Frühstück einnehme.

9. Tag: Oberhalb der Mall, der historischen Fußgängerzone im Zentrum der Stadt, habe ich vom Bergkamm einen grandiosen Blick auf die Eisriesen des höchsten Gebirges der Welt.

Die Heimreise

Ich bestelle an der Rezeption ein Taxi. Der Fahrer hält fünf Kilometer unterhalb von Shimla an einem bedeutenden Tempel im Kiefernwald, dem „Sankat-Mochan-Tempel“, geweiht Lord Rama, Lord Shiva und Hanuman, dem Gott in Gestalt eines Affen. Ich besichtige die Anlage und genieße den schönen Blick zurück auf Shimla.

Den Rest der Strecke zum Flughafen von Chandigarh legen wir in der halben Zeit im Vergleich zur Schmalspurbahn zurück. An einen Rastplatz unterwegs plündern Affenhorden die Abfalleimer.

Mein Flug mit Kingfisher Airlines verlässt Chandigarh um 17:30 Uhr und erreicht Delhi um 18:50 Uhr. Der bestellte Transfer lässt sich nicht blicken. So nehme ich ein Taxi zum „Airport Hotel Lohias“. Dafür lasse ich mich am nächsten Morgen auf Kosten des Hotels zurück zum Flughafen bringen.

10. Tag: Mein Direktflug mit Lufthansa nach München startet um 08:55 Uhr, um 13:45 Uhr erreiche ich München.

Service Shimla:
Visum 80 €
Linienflug mit Lufthansa München oder Frankfurt – Delhi und zurück ab 585 € inkl. Gepäck
Flug mit Jet Airways Delhi – Jaipur – Chandigarh – Delhi ab 151 €
Bahnfahrt Kalka-Shimla ab 6 €
Hotel Springfields EZ ab 66 € mit Frühstück
Airport Hotel Lohias in Delhi EZ ab 35 € mit Frühstück

Diese Reise fand im Oktober 2010 statt. Ich reiste allein. Tarifstand: September 2018.

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Ein Gedanke zu „Mit der Schmalspurbahn ins Himalaya-Vorgebirge

  • August 18, 2018 um 8:25 am
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    Sehr schöne Bilder einer spannenden Reise!

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