Deutschland

Die Borstei – eine zukunftsweisende Siedlung wird 100

Der Architekt und Bauunternehmer Bernhard Borst machte sich in den 1920er-Jahren Gedanken über das moderne Wohnen von Familien in der Stadt und steht damit in einer Reihe mit Walter Gropius und Hannes Meyer in Dessau und Bruno Taut und Martin Wagner in Berlin. Die Borstei, eine Wohnanlage des Mittelstands, entstand auf 70.000 m² Fläche mit 77 Häusern, großen Gartenanlagen, zahlreichen sozialen Einrichtungen, 14 Läden und einem Café in den Jahren von 1924 bis 1929 im Nordwesten von München.

Diesen Beitrag gibt es hier auch zum Hören (MP3):

 

Bernhard Borst suchte für sein Unternehmen zunächst nur ein Gelände als Ersatz für seinen von der Stadt gekündigten Lagerplatz. Er fand ein großes Grundstück, das neben der Errichtung des Lagers und eines Bauhofs auch viel Platz für eine Wohnbebauung bot und konnte es für 18 Millionen Reichsmark erwerben.

Pickelstraße 7 - Borstei

Ein Architekturwettbewerb unter Teilnahme von 60 Architekten brachte nicht die von Borst gewünschten Ergebnisse. Er begann daraufhin selbst mit den Planungen und bekam von der Stadt 1924 die Genehmigung zum Bau der ersten Häuser mit 33 Wohnungen an der Dachauer Straße / Ecke Pickelstraße.

Pickelstraße 9 - Borstei

1925 folgten dann weitere Wohnhäuser in diesem Bereich. Nachdem die Kündigung des alten Lagerplatzes rückgängig gemacht worden war, fasste Bernhard Borst im Jahr 1926 den Entschluss, das gesamte Gelände zu bebauen.

Schlosspark Schleißheim

In einem Brief an seine Mieter vom Mai 1951 schrieb Bernhard Borst:

„Vor 25 Jahren, nachdem ich schon die ersten Häuser der Borstei erbaut hatte, kam mir an einem wundervollen Maisonntag-Morgen im Schleißheimer Schlossgarten der Gedanke: Warum baut man nicht Wohnungen um den Garten herum, der den Menschen so viel Freude, Ruhe und Entspannung geben kann?“

Den längeren Brief beschloss er mit den Worten: „Bitte gehen Sie geruhsam von Garten zu Garten, freuen Sie sich über Blumen und Blüten und promenieren Sie in der Kastanienallee! Mir selbst machen Sie damit die größte Freude, weil ich Ihnen durch meine Gärten Freude machen konnte. Ihr Bernhard Borst.“

Hildebrandstraße 7 - Borstei

Im Jahr 1927 musste Bernhard Borst auf Grund einer Gesetzesänderung einen Diplomarchitekten bei seinen weiteren Planungen hinzuziehen. Er wählte mit Oswald Bieber, einen sehr erfahrenen und renommierten Kollegen, der das Verwaltungsgebäude der Münchner Rückversicherung am Englischen Garten, zahlreiche Kirchen, auch einige Kasernen und das Parkcafé in München entworfen hat. 1929 wurden die letzten Häuser der Borstei fertig gestellt.

Doppeltor-Einfahrt von der Pickel- zur Hildebrandstraße - Borstei

Bernhard Borst, ein Förderer der Kunst.

Tritt man durch eines der Tore in die Borstei, fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt. Wir gehen durch das große Doppeltor am Durchgang von der Pickelstraße zur Hildebrandstraße. Gleich rechts stoßen wir auf die Kastanienallee, die Bernhard Borst den Mietern in seinem Brief ans Herz gelegt hatte. Borsts Sehnsucht nach dem Schönen spiegelt sich nicht zuletzt auch in der Ausgestaltung der Borstei mit Kunstwerken wider.

Kastanienallee - Borstei

Am 13. Mai 1951 schrieb er: „Seit vielen Jahren bin ich bestrebt, die Borstei mit erstklassigen Werken großer Künstler wie Wackerle, Bleeker, Rauch, Knecht, Fehrle, usw. auszuschmücken.“ In einer Rede sagte der Maler Prof. Max Unold 1952: „Darüber hinaus hat er aber eben diese Gärten der Borstei mit erlesenen Kunstwerken geschmückt, mit Brunnen, Skulpturen, Statuen, Reliefs, einem Kenotaph und Fresken.

Und die jungen Menschen, die hier in solch einer Umgebung heranwachsen, nehmen … fast ohne es gewahr zu werden, diese Eindrücke in sich auf. … Und dies ist die Idee Bernhard Borsts, die ihn – sozusagen nebenbei – zu einem großen Mäzen gemacht hat.“

Zusätzlich förderte er einige junge, talentierte Künstler und stellte Ihnen Ateliers und Wohnungen zur Verfügung. Martin Mayer hat 58 Jahre Borstei gelebt, Ernst Laurenty auch 33 Jahre.

Neptunbrunnen - Borstei
Neptunbrunnen – Ernst Laurenty schuf hier die Hippokampen

Bernhard Borst bestimmte testamentarisch die Gründung der BERNHARD BORST STIFTUNG zur Unterstützung bedürftiger Bildhauer und Architekten, die unverschuldet in Not geraten sind.

Das Urteil des Paris - Borstei - Bildhauer Prof. Jakob Wilhelm Fehrle

Hier am Beginn der Kastanienallee, stehen wir nun vor dem Brunnen “Das Urteil des Paris”. Paris ist umgeben von den grazilen Bronze-Göttinnen Hera, Athene und Aphrodite. Den Entwurf lieferte Bernhard Borst selbst, die Ausführung erfolgte 1960 durch den Bildhauer Prof. Jakob Wilhelm Fehrle. Folgen wir der Kastanienallee, kommen wir zur Bronzeskulptur des Hirtengottes Pan von Ernst Laurenty. Dahinter scheint das Fresko von Heinrich Bickel “Apoll und die Musen” auf der Rückwand der Häuser an der Pickelstraße durch das Laub der Kastanien.

Bronzeskulptur des Hirtengottes Pan von Ernst Laurenty - Borstei

Fresko von Hinrich Bickel "Apoll und die Musen" - Borstei

Apoll fährt hier auf dem vierspännigen Pferdewagen, umgeben von den neun Musen. Am Ende der Kastanienallee stoßen wir auf die Südost-Einfahrt in die Borstei an der Pickelstraße.

Original des "Sitzenden Keiler" von Hannes Mayer - Borstei

An der Ecke Bernhard-Borst- / Löfftzstraße sehen wir den “Sitzenden Keiler”, eine 1,24 Meter hohe Plastik, die im Auftrag von Bernhard Borst vom Bildhauer Martin Mayer im Jahr 1960 geschaffen wurde. Ein Abguss steht seit 1976 in der Münchner Fußgängerzone vor dem Deutschen Jagd- und Fischereimuseum.

Borstei Museum

In der Löfftzstraße Nr. 10 befindet sich das Borsteimuseum mit seinem Archiv im Hinterhof. Leider gibt es zurzeit dort keine regelmäßigen Öffnungszeiten. In den Räumen wurden zu Lebzeiten Borsts regelmäßigen Kasperltheaterstücke für die jüngsten Bewohner der Borstei aufgeführt.

Fresko "der Minnegarten" - Borstei

Der Garten der Ruhe und ein unerfüllter letzter Wunsch.

Wir schlendern jetzt zurück zur Bernhard-Borst-Straße. Am Haus Nr. 5 führt eine schmale, leicht abschüssige Durchfahrt hinunter in der “Garten der Ruhe”. Wenn wir uns jetzt umdrehen, sehen wir auf der Hofseite des Hauses das große Fresko “der Minnegarten”.

Teich im Garten der Ruhe - Bronzefigur des "Badenden" von Richard Knecht - Borstei

Im Zentrum des “Gartens der Ruhe” gibt es einen mit Schilf bewachsenen und mit Steinplatten eingefassten Teich mit der Bronzefigur des “Badenden” von Richard Knecht, umgeben von weiteren Kunstwerken: Zwei kürzlich neu vergoldete Büsten, den Frühling und den Sommer darstellend, unter einem Laubengang,

Amphore im Garten der Ruhe - Borstei

eine Amphore auf einem quadratischen Rasenstück, ein vergoldeter Bronze-Reiher von Ernst Andreas Rauch und einen Kenotaph. Dieser wurde vom Bildhauer Bernhard Bleeker auf zwei liegende Löwen gesetzt und sollte die letzte Ruhestätte für Bernhard Borst und seine Frau Erna inmitten seiner Siedlung werden. Die Friedhofsverordnung lässt das aber nicht zu.

Kenotaph - Bernhard Bleeker - Borstei

Borst, der ab 1947 selbst in der Borstei lebte, ist daher 1963 auf dem Westfriedhof beerdigt worden, auf der anderen Seite der Dachauer Straße, gleich hinter einer Kleingartenanlage.

Prominentengräber: Bernhard Borst - Westfriedhof München

Wir kehren zurück zu unserem Ausgangspunkt an der Hildebrandstraße, die auch am Nordende ein Doppeltor aufweist, das zur Hengelerstraße hinausführt.

Hirsch, 1905, von Heinrich Düll und Georg Petzold - Borstei

Rechts davor steht die bronzene Skulptur eines kapitalen Hirsches, die 1905 von Heinrich Düll und Georg Petzold für die Villa Lindenhof geschaffen und 1954 von Bernhard Borst erworben wurde. Diese Bildhauer sind auch als die Schöpfer des Münchner Friedensengels bekannt.

„Das beste Material ist gerade gut genug“.

Die 778 Wohnungen haben eine durchschnittliche Größe von 91 m² und sind bis ins Detail sehr komfortabel ausgestattet. Höchste Priorität hatte der Einsatz von hochwertigen Materialien. Die Häuser der Borstei bestehen komplett aus Ziegeln, bis zu drei Reihen nebeneinander, um eine Wandstärke von 60 cm zu erreichen, welche neben Naturkork eine gute Dämmung gegen Hitze und vor allem Kälte gewährleistet.

Für den Anstrich der Innen- und Außenwände wird auch heute noch nur Kreidezeit-Sumpfkalkfarbe, Rauputz und Leimfarbe benutzt. Die Baufirma Borst hatte eine eigene Ziegelei bei Freising und ein Sägewerk in Thalkirchen. Slowenische Eiche wurde für die Parkettböden und die Treppenhäuser genommen, für die Böden in den Nassräumen und für die Fensterbretter roter Kalkstein aus Ruhpolding, heller Kalkstein aus Treuchtlingen, Solnhofen und Kelheim, dazu Kupferbleche für Gauben und Dachrinnen,

Hengelerstraße 1 - Borstei

Messingknäufe an den Außentüren aus Eiche, darüber oft filigrane, handgeschmiedete Gitter. Für die grafische Gestaltung des Borstei-Logos,

Benhard-Borst-Straße 5 - Hausnummer

der Hausnummern und der Beschriftung über den Läden zeigte sich der Grafiker Eduard Ege verantwortlich, der auch das Bayerische Staats- und das Münchner Stadtwappen entworfen hat.

Der Rosengarten und das Heizkraftwerk.

Das große Plus der Siedlung sind die großzügigen Gärten. Nur 23% der Fläche der Borstei sind überbaut. Die Planung der Gärten samt detaillierte Pflanzpläne übernahm der Landschaftsarchitekt Alwin Seifert, ein früher Vertreter der Ökologiebewegung.

Rosengarten - Borstei

An der Hildebrandstraße Nr. 7 besteht ein Zugang zum Rosenhof. Hier gibt es seltene Fliederarten, botanische Exoten wie drei Amerikanische Gleditschien, Weidenblättrige Birnen, ein Japanischer Schnurbaum und ein Lebkuchenbaum.

Bronze-Reiher von Ernst Andreas Rauch im Garten der Ruhe - Borstei

„Lassen Sie den Tag ausklingen durch einen kleinen Spaziergang oder Aufenthalt in den Gärten und benützen Sie die Bänke, um sich eine Stunde zu erholen.“, Bernhard Borst in einem Brief von 1954 an die Mieter. Immer wieder lud Bernhard Borst seine Mieter zu Freiluftkonzerten in den Rosenhof ein. Es spielte z.B. das Münchner Kammerorchester und es sangen bekannte Tenöre in diesem außergewöhnlichen Ambiente. Bernhard Borst wollte auf diese Weise vielen Menschen die Möglichkeit geben, in den Genuss solcher klassischen Musikdarbietungen zu kommen.

"Pallas Athene" vom Bildhauer Ernst Laurenty - Rosengarten - Borstei

Unter den zahlreichen Skulpturen im Rosengarten, sticht die “Pallas Athene” vom Bildhauer Ernst Laurenty hervor, die auf ihrem Schild den Grundriss der Borstei trägt.

goldener Hahn von Andreas Rauch - Rosengarten - Borstei

Der goldene Hahn stammt, wie auch der goldene Reiher, von Ernst Andreas Rauch. Der Zentaur mit dem auf ihm reitenden Eros ist eine Kopie der antiken Skulptur der Bildhauer Aristeas und Papias. Das Original steht in der Villa Hadrian (Kapitolinische Museen in Rom).

Zentaur - Borstei - Rosengarten

Der Neptunbrunnen setzt sich aus einer von Bernhard Borst im Kunsthandel erworben kleine Kopie des Neptuns von Giovanni di Bologna aus der Zeit der Renaissance und den erst 1955 von dem deutschen Bildhauer Ernst Laurenty dazu neu geschaffenen Hippokampen zusammen.

Spielplatz - Borstei

Im Nordteil des Rosengartens sehen wir einen Kinderspielplatz für kleinere Kinder mit Rutsche, Klettertürmen, Sandkasten und zwei “Hexen-Häuschen”, bemalt mit Märchenszenen. Diese stammen ebenfalls von Heinrich Bickel, dem Fresken- und Lüftlmaler aus dem Werdenfelser Land.

Märchen-Fresken von Heinrich Bickel - Spielplatz Borstei

Als gelernter Maurer, ausgebildeter Baumeister und erfolgreicher Bauunternehmer, konnte Bernhard Borst in seiner Borstei einige innovative Besonderheiten entwickeln. Für die Heizungs- und Warmwasserversorgung erhielt die Borstei 1928 das erste zentrale Heizkraftwerk Deutschlands, das bis heute in Betrieb ist und die Bewohner 24/7 mit warmem Wasser versorgt.

Heizkraftwerk Borstei

Bis 1993 wurde es sogar von einem eigenen 60 Meter tiefen Brunnen mit „weicherem“ Wasser gespeist, was gegenüber dem mit bis zu 18,9° harten M-Wasser ein großer Vorteil war. Zudem hat ein angeschlossener Generator bis dahin für alle betrieblichen Einrichtungen der Borstei eigenen Strom erzeugt.

Heizkraftwerk Borstei - München

„Der Grundgedanke für die Borstei war die Entlastung der Hausfrau“ [Bernhard Borst, Mai 1929]

Zur Entlastung der Hausfrau trug eine Großwäscherei bei, die den Bewohnern ihre Wäsche schrankfertig innerhalb 24 Stunden wusch und lieferte. Mahlzeiten konnten in einer Großküche bestellt werden und wurden dann mit Elektrokarren ausgeliefert. Zentralheizungen, eigene Bäder mit Bidet und Küchen in den Wohnungen,

Borstei

ebenerdige Einstellräume für Kinderwagen und Fahrräder, Entstaubungsräume zum Teppichklopfen und einen Staubsaugerverleih – das alles war zur Entstehungszeit der Siedlung nicht selbstverständlich und trug genauso wie die natürlichen Baumaterialien zu Gesundheit der Bewohner bei. 

Voitstraße - Borstei

Bernhard Borst hatte ein Ziel: „Ich erkannte die Nachteile des Einfamilienhauses, wusste aber auch um die Trostlosigkeit der Mietskasernen in der Stadt. So suchte ich die Wohnfrage zu lösen: Das Schöne des Einfamilienhauses mit dem Praktischen einer Etagenwohnung zu verbinden.

Einfahrt zur Ladenzeile - Borstei München

Für Arbeiten im Haus stehen den Mietern stundenweise – auch heute noch – Schreiner, Installateure, Gärtner, Maler und andere Handwerker zur Verfügung. Es gab eine Telefonzentrale, einen Einkaufsservice und Dienstboten standen den Mietern zur Verfügung. Für die autarke Versorgung der Bewohner gibt es 15 Läden und ein Café.

Franz-Marc-Straße 4 - Feinkostgeschäft in der Borstei

Die Ladenzeile…

…beginnt auf der östlichen Seite der Franz-Marc-Straße mit dem Feinkostgeschäft im Haus-Nummer 4.

Franz-Marc-Straße 6 - Einhorn Apotheke in der Borstei

Es folgt die Einhorn Apotheke mit einem zusätzlichen Schwerpunkt in onkologischer Versorgung und eigener Herstellung im Hausnummer 6. Im gleichen Haus befindet sich die “Goldschmiede in der Borstei” mit individuellen, hochwertigen Neuanfertigungen von Verlobungs- und Trauringen, Geschenke zur Geburt oder Taufe und von stilvollen Einzelstücken

Franz-Marc-Straße 6 - Goldschmiede in der Borstei München

und daneben eine Filiale der Bäckerei Ziegler. Im Haus Nr. 8 gibt es eine Post und Lottoannahmestelle mit Schreibwarenverkauf, daneben hat der Schuster Markus Spanier seinen Laden. Anschließend hat die Nähschule “näh dir was” von Benedicta Schlegel ihre Räume und bietet zahlreiche Kurse für Erwachsene und Kinder.

Ladenzeile in der Borstei

Im Haus Nr. 10 gibt es ein Lederhosen-Spezialgeschäft, der “Kgl. bayr. Lederhosenwahnsinn”, ein Geschäft für Fußpflege und Kosmetik, das Fotostudio von Elvira Peter und die Pils- und Cocktailbar “Happy Corner”.

Ladenhof Borstei München

Gegenüber steht auf dem Platz eine hohe Säule aus Ruhpoldinger rotem Kalkstein mit der Figur des Merkur ganz oben. Die Figur des Götterboten wurde von Borst aus dem Fundus des 1931 bei einem Brand zerstörten Glaspalastes München für den Ladenhof der Borstei erworben. Die Statue ist ein Werk von Joseph Wackerle.

Café in der Borstei - München

Am Nordende der Grünfläche, in Franz-Marc-Straße Nr. 9, befindet sich das Café “Nini” in der Borstei  mit einer schönen Sonnenterrasse inmitten von Grünpflanzen. Die Pächterin Sabrina Peter ist Konditormeisterin und hat in ihrem Beruf vier Jahre lang bei Dallmayr gearbeitet.

Café in der Borstei - München

In der nordöstlichen Ecke unterhalb des Cafés kommt man in den recht dunklen Weidenhof. Die Franz-Marc-Straße wir im Norden ebenfalls durch eine Torausfahrt zur Hengelerstraße begrenzt.

Haupteingang der Borstei

Im Süden liegt der Haupteingang von der Dachauer Straße in die Borstei. Zwischen dem Doppeltor lohnt sich ein Blick in den Verwaltungshof mit einem kleinen Rosengarten und mit hübschen Majolika-Figuren.

Verwaltungshof Borstei - Die Figuren der "Vier Jahreszeiten" Bildhauer Prof. Joseph Wackerle

Die Figuren der “Vier Jahreszeiten” stammen wie der Schutzgott der Händler (Merkur) ebenfalls vom Bildhauer Prof. Joseph Wackerle, der ab 1906 bis zum 1. Weltkrieg künstlerischer Leiter der Porzellanmanufaktur Nymphenburg war.

Direkt vor dem äußeren Tor hält die Trambahn Richtung Hauptbahnhof.

Borstei - Eingang Voitstraße

Der Paul-Bürck-Garten.

Die letzte Einfahrt in die Borstei führt etwas nordwestlich von der Dachauer Straße aus in die Voitstraße, markiert durch zwei quadratische Säulen. Hier befindet sich das Relief “Unsere Weide war hier” von Andreas Lang, eine Szene mit einem Schäfer und seiner Herde.

"Unsere Weide war hier" von Andreas Lang - Borstei

Die letzten Schafe weideten jedoch hier schon Ende des 18. Jahrhunderts, danach war das Oberwiesenfeld per kurfürstlichen Beschluss als Artillerieübungsplatz ausgewiesen und für die Viehwirtschaft gesperrt. 100 Jahre später wurde ein Teil des Geländes als Landeplatz für Ballone und Luftschiffe, ab 1909 offiziell als Flugplatz genutzt und die entsprechende Infrastruktur aufgebaut.

Nach der Eröffnung des Flughafens München-Riem im Jahr 1939 verlor er seine Bedeutung. In gefährlicher Nachbarschaft zur Borstei stand der Gaskessel Oberwiesenfeld von 1906 bis 1992 (Betriebsende 1975), erst recht in Nachbarschaft zum Flugplatz. Nach dem 2. Weltkrieg wurde südöstlich der Anlage der Kriegsschutt der zerstörten Häuser auf dem Schuttberg aufgehäuft.

Olympiapark München

Nach der Vergabe der Spiele der XX. Olympiade nach München entstand der Olympiapark mit seinen Gebäuden in unmittelbarer Nachbarschaft der Borstei.

Relief “Sauhatz” von Andreas Lang am Eingang von der Dachauer Straße zur Voitstraße

Folgt man der Voitstraße, führt gleich links eine Abfahrt hinunter in den interessanten Paul-Bürck-Garten. Eine Vielzahl an Garagen wurde hier, wie in den meisten anderen Innenhöfen der Borstei für die Anwohner gebaut, teils beheizt und mit Warmwasseranschluss durch das Borstei-Heizwerk versehen.

Garagen im Hinterhof - Voitstraße Borstei

Das ist heute sicher nicht mehr zeitgemäß. Viele der Garagen werden heute nicht mehr ihrem ursprünglichen Zweck entsprechend genutzt, da unsere Autos immer breiter werden, und nun dort nicht mehr hineinpassen.

Christopherus - Hinterhof Voitstraße Borstei

Wir laufen direkt auf eine große Christopherus Figur zu, dem Schutzpatron der Autofahrer, geschaffen von Ernst Laurenty.

"ein Bub auf einem Meerpferd reitet" von Ernst Laurenty - Borstei

Auf der Rückseite der Garagen gibt es überdachte Ruhebänke am zentralen Brunnen, in dessen Mitte “ein Bub auf einem Meerpferd reitet”, ebenfalls von Ernst Laurenty geschaffen. Weitere hübsche Figuren bereichern diesen idyllischen Garten, eine Diana und Kinderfiguren, “Kind mit Taube” und “Kind mit Buch und Flöte” von Irmintrud Ferdin-Rummel.

Paul-Bürck-Garten Borstei

Der Namensgeber des Gartens, Paul Wilhelm Bürck, war ein Mitglied der Darmstädter Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe, zog später nach München und hat für die Borstei einige Fresken an den Hauswänden gefertigt.

Paul-Bürck-Garten Borstei

Die gute Verkehrsanbindung und die Nähe zum Dantebad, dem Olympiapark mit der Olympia-Schwimmhalle sind weitere Pluspunkte für das Leben in der Borstei, gemeinsame Feste und Veranstaltungen gibt es auch heute noch in der Siedlung und bei meinem Besuch war zu sehen, dass sich die Mieter kennen und grüßen.

Pickelstraße - Innenhof mit Garagen - Borstei
Pickelstraße – Innenhof mit Garagen

Es soll nicht verschwiegen werden, dass es in der heutigen, für alle Münchner Mieter schwierigen Zeit, auch zu Auseinandersetzungen zwischen der Verwaltung und der Mietergemeinschaft kommt, beispielsweise über geforderte Mieterhöhungen und die Anwendung des Mietspiegels bezüglich der Wohnungsausstattung.

Ladenzeile Franz -Marc-Straße - Borstei

Ich wünschen den Mietern (und der rührigen Mietergemeinschaft Borstei e.V.), dass sie noch lange in ihrer einzigartigen Wohnsiedlung bleiben können und nicht durch übertriebene Mietforderungen zum Umzug genötigt werden. Die Verwaltung und die Bewohner müssen sicher mit Einschränkungen auf Grund des Denkmalschutzes leben.

Die Verwaltung freut sich über das Interesse an der Borstei und befürwortet den Besuch. Bitte nehmen Sie bei Ihrem Rundgang auf die Bewohner Rücksicht.

Service München:
Bahnfahrt ICE SuperSparpreis nach München z.B. ab Berlin Hbf oder Frankfurt Hbf 2. Klasse ab 17,90 €, 1.Klasse einfach ab 23,90 €.
Leonardo Hotel Munich City North in der Dachauer Straße 421 – Comfort DZ bei DERTOUR ab 108 €.
MVV-Gruppenticket bis 5 Personen 17,80 € – Einzelperson 9,20 €. Trambahn 20 und 21 Haltestelle Borstei.
Werbung:



Taristand: März 2024. Diesen Beitrag auf YouTube ansehen: https://youtu.be/WD8lCXPTM9Q

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