Kairo – ein Besuch bei vier Kulturen

5.000 Jahre Geschichte haben ihre Spuren im Großraum Kairo hinterlassen. Folgen Sie mir zu den Pyramiden und Ausgrabungsstätten von Sakkara und Gizeh aus der Zeit der Pharaonen, zu den alten, koptischen Kirchen und zu den bedeutenden Moscheen des Islam. Entlang des Nilufers befindet sich das neue, westlich geprägte Zentrum der Stadt.

Kairo - Hochhäuser am Nil

Anreise

Am Taxistand ist es fast noch so wie damals im Jahr 1978, als ich das letzte Mal auf dem Flughafen in Kairo ankam: Viele Fahrzeuge sind mehr als 25 Jahre alt, meist vom Typ Fiat 1200 und Peugeot 403, die Lackierung schwarz mit weißen Kotflügeln; Stoßstangen, Kofferraumdeckel, Motorhaube und Türen teils mit Kabelbindern, Draht oder Schnur an der Karosserie fixiert. Jetzt heißt es erst handeln, wir wollen in unser Hotel im Stadtteil Maadi, südlich des Zentrums, direkt am Ufer des Nils gelegen. Bei 20 € sind wir uns einig für die knapp 30 Kilometer lange Strecke, die auf dem Mokattam-Plateau südöstlich um die Stadt führt.

Kairo - Sofitel Maadi Towers - Pool

Unsere Unterkunft, das „Sofitel Maadi Towers“, liegt verkehrsgünstig an der „Nile Corniche“, die Pyramiden von Sakkara und Gizeh sind jeweils nur 20 Kilometer entfernt, zur Station Maadi der Metro-Linie 1 sind es nur 1.100 Meter. Nach vier Stationen erreicht man „Old Cairo“ und nach acht Stationen den Al-Tahrir-Platz.

Kairo - Sofitel Maadi Towers - Blick auf den Nil

Der schöne Frühstückssaal hat eine breite Glasfront zum Nil und auf dem Dach gibt es einen großen Swimmingpool, ebenfalls mit einem schönen Blick auf den Nil, die Flussinsel von Maadi bis hin zu den Pyramiden von Gizeh.

Stufenpyramide von Sakkara

Die Stufenpyramide von Sakkara.

2. Tag: Der Concierge vermittelt uns einen vertrauenerweckenden Taxifahrer für diese Tour. Der erste Pharao Menes hat die Stadt Memphis ca. 3.000 v. Chr. gegründet. Oberhalb am Hochufer entstand die nach dem Totengott Sokar benannte Begräbnisstätte von Sakkara.

Totenstadt von Sakkara

Zunächst wurden für die verstorbenen Höflinge Mastabas gebaut, flache, blockartige Grabbauten und damit Vorläufer der Pyramiden.

Stufenpyramide von Sakkara

Mit der Stufenpyramide des König Djoser aus der 3. Dynastie setzte um das Jahr 2.700 v. Chr. der Bau von Pyramiden ein. Das sechsstufige Bauwerk ist 60 Meter hoch, in seinem Inneren befindet sich die Grabkammer des Pharaos Djoser.

Sakara - Mastaba des Ptahhotep

Wir besichtigen das Innere der Mastaba des Ptahhotep, der Wesir und Stadthalter unter Pharao Isesi aus der V. Dynastie war, also gegen Ende des Alten Reichs lebte. Er verfasste die älteste vollständig erhaltene Weisheitslehre mit 37 Lebensmaximen. Wir sehen in seinem Grabbau recht gut erhaltene, farbige Reliefs.

Cheopspyramide von Gizeh - Großraum Kairo

Die Pyramiden von Gizeh und die Sphinx.

Am folgenden Tag gehen wir erneut mit dem Taxi auf Tour. Unser Ziel sind die drei großen Pyramiden von Gizeh, ebenfalls auf dem westlichen Hochufer des Niltals gelegen. Wie in Sakkara standen auch hier zunächst Mastabas.

Cheopspyramide von Gizeh - Großraum Kairo

Die älteste und größte Pyramide auf dem Plateau von Gizeh ist die Cheopspyramide. Sie war 146 Meter hoch, heute beträgt ihre Höhe noch 138 Meter. Sie besteht aus drei Millionen Steinblöcken von denen jeder 2,5 Tonnen wiegt.

Cheopspyramide von Gizeh - Großraum Kairo

Die ganze Cheopspyramide war ursprünglich mit Kalksteinplatten verkleidet. Ihr Bau begann um 2.620 v. Chr. Nach ihrer Fertigstellung war sie rund viertausend Jahre lang das höchste Bauwerk der Welt.

Chephrenpyramide von Gizeh - Großraum Kairo

Die Chephren-Pyramide war ursprünglich 143 Meter hoch und misst heute noch 136 Meter. Chephren war der Sohn von Pharao Cheops. Der Bau dieser Pyramide begann um 2.550 v. Chr. Sie ist gut von der Cheops-Pyramide zu unterscheiden, da an ihrer Spitze noch Reste der Verkleidung vorhanden sind.

Chephrenpyramide von Gizeh - Großraum Kairo

Die Mykerinos-Pyramide ist mit 65 Metern Höhe deutlich kleiner als die anderen beiden Pyramiden. Mykerinos war ebenfalls Pharao und Sohn von Chephren. Die Bauzeit seiner Grabstätte lag um 2.530 v. Chr. Das ganze Ensemble ist das einzig erhaltene der sieben antiken Weltwunder.

Sphinx von Gizeh - Großraum Kairo

Die Große Sphinx von Gizeh stellt einen liegenden Löwen mit einem Menschenkopf dar und wurde vermutlich während der Herrschaft von Pharao Chephren errichtet. Die Sphinx steht direkt unterhalb der Chephren-Pyramide und es wurde auch der selbe Stein wie für diese Pyramide verwendet. Die 73 Meter lange und 20 Meter hohe Figur war meist bis zum Hals mit Sand bedeckt und ist daher recht gut erhalten.

Sphinx von Gizeh - Großraum Kairo

Sphinx von Gizeh - Großraum Kairo

Die Nase der Sphinx wurde 1378 vom fanatischen Scheich Mohammed Saim el-Dar abgeschlagen, der die Tat mit seinem Leben bezahlen musste, als ihn die einheimische Bevölkerung für diesen Frevel umbrachte. Zu dieser Zeit wurde die Sphinx von Teilen der Bevölkerung noch immer als Gott verehrt, der strenggläubige Moslem verabscheute diesen Kult.

Das Gerücht, dass Soldaten von Napoleon Bonaparte oder türkische Truppen bei Artillerieübungen die Nase zerstört haben sollen ist falsch. Napoleon war von Ägypten begeistert und schätze es als die „Wiege der Wissenschaften und Künste der gesamten Menschheit“. Chronisten seiner Reise zeichneten die Sphinx schon damals nach ihrer Ankunft ohne Nase.

Freiluftbühne - Open Air - Gizeh

Vor der Sphinx gibt es ein Open-Air Theater mit 3.000 Sitzplätzen. Hier werden regelmäßig Light & Sound-Shows aufgeführt. Noch beliebter sind die Opernaufführungen, besonders die der Oper Aida, die von Guiseppe Verdi nach der Eröffnung des Suezkanals und des Kairoer Opernhauses komponiert wurde und in der Zeit der Pharaonen spielt.

Hängende Kirche - Alt-Kairo

Das koptische Viertel „Alt-Kairo“.

Am Ende der 26. Dynastie um das Jahr 525 v. Chr. fiel das geschwächte ägyptische Pharaonenreich zunächst an die Perser. Versuche die Perser durch Bündnisse mit den Griechen wieder loszuwerden gelangen nicht dauerhaft. Erst zum Ende der 31. Dynastie um 322 v. Chr. gelangte das Land am Nil in die Hände von Alexander dem Großen.

Im Bereich des heutigen „Alt-Kairo“ gab es da schon lange eine Siedlung, die von den Griechen „Babylon“ genannt wurde. Sie befand sich in der Nähe der Stelle, wo Moses als ausgesetzter Säugling von einer Pharaonentochter aus der 19. Dynastie am Ufer des Nils gefunden worden sein soll.

Koptisches Viertel Alt-Kairo

Die Römer eroberten ab 30. vor Chr. unter Kaiser Augustus das Land am Nil und lösten die Griechen ab. Auf dem Gebiet von „Alt-Kairo“ wurde die vorhandene Festung von Babylon ausgebaut. Unterhalb der Festung gab es zu dieser Zeit eine jüdische Gemeinde, bei der die Heilige Familie Unterkunft auf ihrer Flucht nach Ägypten gefunden haben soll.

Das Christentum existiert in Ägypten bereits seit dem ersten Jahrhundert. Der Evangelist Markus soll in Ägypten schon um das Jahr 50 missioniert haben. Kyrill I., Patriarch von Alexandria war 449 n. Chr. im Präsidium des Konzils von Ephesos vertreten. Im koptischen Christentum leben bis heute Teile der pharaonischen Kultur fort. Die Kopten hier sind oftmals wohlhabend, Inhaber von Geschäften, Firmen und Einrichtungen – der reichste Ägypter ist ein koptischer Christ.

Hängende Kirche - Alt-Kairo

Im 4. und 5. Jahrhundert wurden in „Alt-Kairo“ zahlreiche Kirchenbauten errichtet. Im 13. Jahrhundert gab es bereits 37 Kirchen und 5 Klöster im Gebiet von Alt-Kairo.

4. Tag: Heute wollen wir das koptische Viertel besichtigen. Wir fahren mit der Metro-Linie Nr. 1 vier Stationen von Maadi nach Mar Girgis/St. Georgskloster.

Hängende Kirche in Alt-Kairo

El Muallaqa, die „Hängende Kirche“, wurde im 5. oder 6. Jahrhundert auf den südwestlichen Tortürmen der römischen Festung errichtet. So ist die der Heiligen Maria geweihte Kirche nur über eine Freitreppe zu erreichen. Nach ihrer Zerstörung wurde sie im 11. Jahrhundert als dreischiffige Basilika neu erbaut.

Hängende Kirche in Alt-Kairo

Das Mittelschiff ist durch filigrane Marmorsäulen, auf denen Spitzbögen ruhen, von den Seitenschiffen getrennt. Beachtenswert sind die fein gearbeitete Kanzel aus Marmor, die hölzerne Abgrenzung des Altarraums, für die Ebenholz und Elfenbein verarbeitet wurden und die Sitzbänke aus Zedernholz.

St. Sergius und Bakchos - Alt-Kairo

Die Kirche „St. Sergius und Bakchos“ ist das älteste Gotteshaus im heutigen Stadtgebiet von Kairo und wird von den Ägyptern „Abu Serga“ genannt. Die diesen zwei Märtyrern aus dem 4. Jahrhundert geweihte Basilika stammt in seinen Ursprüngen aus dem 5. Jahrhundert. Sie wurde über dem Raum erbaut, in dem die Heilige Familie während ihrer Flucht nach Ägypten Unterschlupf fand. Heute bildet dieser Raum die Krypta des im 11. Jahrhundert vergrößerten, nun kreisrunden Kirchenbaus.

St. Georg - Alt-Kairo
Innenraum von St. Georg in Alt-Kairo

Im Koptischen Viertel befinden sich in der Nähe der Festung auch das Koptische Museum mit über 16.000 Ausstellungsstücken, das St. Georgskloster und das St. Barbara-Kloster. Seine Heiligkeit Tawadros II., der 118. Papst auf dem Apostolischen Stuhl von Alexandria und Ägypten, residiert in der 1968 erbauten großen Markuskathedrale, die zehn Kilometer in nordöstlicher Richtung gelegen ist.

Kairo
Ibn-Tulun-Moschee mit der Alabastermoschee im Hintergrund
Das Islamische Kairo.

Wir besichtigen drei bedeutende Moscheen aus verschiedenen Epochen. Die „Ibn-Tulun-Moschee“ ist eine der ältesten Moscheen der Stadt und flächenmäßig die größte. Sie ist das einzig noch erhaltene Gebäude von Al Qatai, eine von Ahmad ibn Tulun gegründeten Residenzstadt, vier Kilometer nordöstlich der älteren Siedlung am Nil. Die klassische Hof-Moschee wurde von 876 bis 879 erbaut und besticht durch ihre klare und schlichte Architektur.

Ibn-Tulun-Moschee in Kairo

Der von einem Säulengang umgebene große Innenhof misst 92 x 92 Meter. Das mit einer Kuppel gekrönte Brunnenhaus im Zentrum dient den rituellen Waschungen. Die große Halle weißt in Richtung Mekka, welches die Gebetsrichtung der Muslime ist und immer durch den Mihrab, eine Nische in der Innenwand, angezeigt wird.

Der von einem Säulengang umgebene große Innenhof misst 92 x 92 Meter. Das mit einer Kuppel gekrönte Brunnenhaus im Zentrum dient den rituellen Waschungen. Die große Halle weißt in Richtung Mekka, welches die Gebetsrichtung der Muslime ist und immer durch den Mihrab, eine Nische in der Innenwand, angezeigt wird.

Genau gegenüber ragt das markante Minarett mit seiner spiralförmigen, außen verlaufenden Treppe empor. Seine Bauweise ist in Ägypten einzigartig.

Einen weiteren Kilometer nordöstlich wurde im Jahr 970 vom Feldherrn Dschauhar as-Siqillī eine Siedlung mit dem Namen Al-Qahira gegründet. Erst jetzt taucht der Name Kairo das erste Mal auf.  Sie sollte als neue Residenzstadt der fatimidischen Kalifen dienen und die Keimzelle der heute größten Stadt in der arabischen Welt werden.

Sultan-Hassan-Moschee in Kairo

Die prächtige „Sultan-Hassan-Moschee“ von Al-Qahira war zur Zeit ihrer Fertigstellung im Jahr 1362 die größte Moschee der Welt und als Gebetshaus, Mausoleum, Koranschule und Versammlungshaus für Geistliche geplant. Für einige Zeit lebten und arbeiteten dort Hunderte von Menschen. Der Komplex der „Sultan-Hassan-Moschee“ gilt als eines der Meisterwerke der Architektur unter dem Sultanat der Mamluken.

Zitadelle von Kairo mit Alabastermoschee

Oberhalb der „Sultan-Hassan-Moschee“ auf der Hangkante des Mokkatam-Gebirges befindet sich in der Zitadelle die Alabastermoschee. Pascha Muhammad-Ali, Gouverneur von Ägypten im Osmanischen Reich, gab 1824 den Auftrag zum Bau des Gebäudes. Die beiden schlanken Minarette der Alabastermoschee haben eine Höhe von 82 Metern, die mit Gold verzierte Kuppel ist 52 Meter hoch. Den Namen erhielt die Moschee wegen ihrer Innenverkleidung aus Alabasterplatten. Die Ausstattung mit barocken Dekorationselementen wie Blumengirlanden und Sonnensymbole belegen Muhammad Alis Vorliebe für französische Prachtentfaltung. Der Uhrturm im Hof ist ein Geschenk des französischen Königs Louis Philippe zum Dank für den Obelisken aus Luxor, der heute auf der Place de la Concorde in Paris steht.

Der Nil bei Kairo

Das westliche Kairo.

Ismail Pascha, der Enkel von Muhammad Ali, studierte fünf Jahre in Paris und modernisierte anschließend das Land. Er verbesserte den noch heute wichtigen Baumwollanbau und die Nutzung von Zuckerrohr in Ägypten, sorgte für die Vollendung des Suezkanals und für eine Bahnverbindung von Kairo über Luxor nach Assuan. Er gestaltete das Steuersystem um und modernisierte die ägyptische Post, förderte das Theater und die Oper, baute ein Museum, eine Bibliothek und die Sternwarte. Er holte europäische Architekten für den Bau eines neuen Viertels entlang des Nils im Pariser Stil. Später kamen hier Gebäude im Jugend- und Art Déco-Stil dazu.

Ägyptisches Museum - Kasiro

Das Ägyptische Museum wurde nach Plänen des französischen Architekten Marcel Dourgnon im neoklassischen Stil erbaut. Die Eröffnung war im Jahr 1902. In den 1950er Jahren entstanden am Al-Tahrir-Platz  drei große Bauten: Das Gebäude der Stadtverwaltung, das Hotel „Nile Hilton“ und das Hauptquartier der Arabischen Liga. Auf der Nilinsel Gezira wurde 1961 der 186 Meter hohe Fernsehturm mit drehbarem Restaurant fertiggestellt. Seit 1987 fährt eine U-Bahn / Metro in Kairo.

Nile Hilton - Kairo
BBQ im Garten des Nile Hilton

Auch wir nehmen heute die Metro, von Maadi bis ins Zentrum. Bis zur Station Sadat am Al-Tahrir-Platz sind es acht Stationen. Unser bevorzugter Anlaufpunkt im Zentrum ist die schattige Gartenterrasse des Nile Hilton geworden.

Lunch im Nile Hilton - Kairo

Hier gibt es schmackhafte, kleine Köstlichkeiten aus der orientalischen Küche, dazu frisches Fladenbrot und das traditionelle Stella-Bier.

Ägyptische Museum Kairo

Schräg gegenüber des Ostausgangs befindet sich das Ägyptische Museum und geht man durch den Westausgang steht man auf der Nil-Uferstraße mit ihren modernen Bürohochhäusern.

Schiffsrestaurant Nile City - Kairo

Am Abend empfiehlt sich ein Besuch der Restaurantschiffe, die auf der anderen Seite dieses Nilarms am Ufer der Insel Gezira liegen. Wir sind heute zum Dinner auf dem Schiff „Nile City“.

Hochzeit im Sofitel Maadi Towers - Kairo

Zurück im Hotel treffen wir auf eine Hochzeitsgesellschaft. Jetzt werden Erinnerungen wach an meine zweite Reise an den Nil im Jahr 1978 und an eine Hochzeitsfeier in einem kleinen Dorf bei Luxor.

Ein Rückblick auf meine ersten beiden Ägyptenreisen in den Jahren 1977 und 1978.

Pyramiden von Gizeh 1977

Auf einer Inforeise nach Sardinien hatte ich im Frühjahr 1976 die Fährlinie Canguro SpA kennengelernt. Sie bediente zu dieser Zeit auch eine Verbindung von Genua über Alexandria und Port Said nach Jeddah in Saudi Arabien. Das wäre eine gute Gelegenheit meinen Brieffreund Raouf in Alexandria zu besuchen! Gesagt – getan. Im Juli 1977 befand ich mich auf dem Schiff Richtung Alexandria zusammen mit nur 16 anderen Passagieren und einigen voll beladenen Lastwagenaufliegern.

Plakat mit Muhammar al Gaddafi in Tripolis 1977

Nun war kurz zuvor der Staatenverbund zwischen Libyen und Ägypten innerhalb der Förderation Arabischer Staaten zerbrochen und Gaddafi hatte ägyptische Lehrer und ihre Familienangehörigen des Landes verwiesen. So wurde unser Schiff nach Tripolis umgeleitet um diese insgesamt 200 Personen aufzunehmen. Das gab mir und einem deutsche Ehepaar die einmalige Gelegenheit von Bord zu gehen und einen Bummel durch die libysche Hauptstadt zu unternehmen. Um meinen Freund Raouf über die daraus folgende Verspätung zu benachrichtigen, setzte ich ein Seefunktelegramm über Radio Norddeich ab, das allerdings den Adressaten nie erreichte.

Alexandria 1977

In Alexandria angekommen, verbrachte ich eine interessante und kurzweilige Zeit in dieser alten Hafenstadt am Mittelmeer bei meinem Freund und seiner Familie. Zum Abschluss fuhren wir zu seinen Verwandten nach Kairo und von dort ging es für mich per Flug nach Hause.

Luxor 1978 - Tempel von Karnak

Nach seinem Gegenbesuch in Deutschland ging es im folgenden Jahr für mich nochmal nach Ägypten um mit ihm den Süden des Landes zu erkunden. Wir fuhren mit dem Expresszug in der 1. Klasse von Kairo nach Luxor entlang des längsten Stroms der Welt. Im Speisewagen wurde seltsamerweise Wiener Schnitzel aufgetischt, währen die fruchtbare Ebene des Nils an uns vorbeizog.

In Luxor fanden wir ein preiswertes Quartier und mieteten uns zwei Fahrräder. Es standen schließlich ausführliche Besichtigungen des Luxor- und des Karnak-Tempels auf der rechten Flußseite auf unserem Programm. Nach Theben West und dem Tal der Könige und der Königinnen mussten wir samt Fahrrad auf einer Personenfähre auf dem Nil übersetzen.

Ein Kellner, in dessen Restaurant wir eines Abends ein leckeres Gericht mit gebratenen Tauben gegessen hatten, lud uns zu einer Hochzeit in seiner Verwandtschaft in ein kleines Dorf am Nil ein. So eine Hochzeit wird hier ausgiebig gefeiert und dauert drei Tage bei Tanz und Musik, wobei nur die Männer tanzen und musizieren.

Hochzeit am Nil 1978

Zum Abschluss der Festlichkeiten wurden wir als Ehrengäste zu einem Besuch ins Brautgemach eingeladen. 

Hochzeit am Nil 1978

Für die Rückfahrt nahmen wir einen Schlafwagen – eine stickige Angelegenheit, wobei zu allem Überfluss auch noch Sand durch die Lüftung ins Bett geweht wurde.

Zwei wichtige Dinge sind noch anzumerken: Damals verstanden sich die christliche, koptische Bevölkerung als Minderheit und die Mehrheitsgesellschaft der Mohammedaner noch sehr gut und sind auch gut miteinander ausgekommen. Heute ist das allerorts in den islamisch geprägten Staaten leider nicht mehr selbstverständlich und es gibt große und größte Probleme.

Niltal bei Memphis

Die Bevölkerung Ägyptens stieg von 37 Millionen im Jahr 1977 auf heute mindestens 102 Millionen Menschen. Dieser Bevölkerung steht nur das schmale Niltal und das Nildelta als geeigneter Lebensraum zur Verfügung. Diese Überbevölkerung ist sicher auch eine der Hauptursachen für den weltweiten Klimawandel.

Blick von Sakkara auf das Niltal

Diese Reise fand im April /Mai 2005 statt. Ich reiste mit meiner Frau. Tarifstand: Oktober/November 2021.

Service Kairo:
Linienflug mit Lufthansa ab/bis München ab 267 € inkl. Handgepäck.
Hotel Ramses Hilton (ehem. Nile Hilton) DZ ab 99 €.
Hotel Holiday Inn Cairo Maadi (ehem. Sofitel Maadi Towers) DZ ab 103 €.
Ägyptisches Museum (Al-Tahrir-Platz) Eintritt 2,75 €, zzgl. Mumiensaal 5,50 €.
Pyramiden von Gizeh Eintritt 5,50 €.
Pyramiden von Sakkara
Eintritt 3,30 €.
Koptisches Museum Eintritt 1,90 €.
Zitadelle des Saladin mit Alabastermoschee
Eintritt 2,75 €.
Koptische Kirchen Eintritt frei.
Ibn-Tulun-Moschee und Sultan Hassan Moschee Eintritt frei.
Metro (bis 8 Stationen) 0,30 €.

Werbung:

Einen Direktflug mit Lufthansa nach Kairo (CAI) jetzt hier buchen


Kairo aktuell: Eröffnung des Großen Ägyptischen Museums noch im November 2021?

In unmittelbarer Nähe zu den Pyramiden von Gizeh entstand in den letzten Jahren das größte Archäologische Museum der Welt mit den Fundstücken aus dem Alten Ägypten. Das neue Museum mit einer Fläche von 50 Hektar ist fünfmal so groß wie das 116 Jahre alte ägyptische Nationalmuseum am Al-Tahrir-Platz. Das Gebäude bildet ein Dreieck, dessen 800 m lange Hauptfassade aus transparentem Alabaster besteht. Im Vorhof steht eine große Statue von Ramses II. Eine breite Treppe führt von der Nilebene hinauf zum Plateau auf Höhe der Pyramiden. Dieser Aufgang wird begleitet von 87 Statuen ägyptischer Götter und Könige, die am Rande der Treppe aufgestellt sind.

Sakkara - Ägypten

Es werden hier ca. 50.000 Ausstellungsstücke gezeigt werden, darunter erstmals die vollständigen Grabbeigaben aus dem Grab von Tutanchamun. Das Ägyptische Museum im Zentrum von Kairo wird dann wegen Renovierung geschlossen werden und danach einen bestimmten Teil der Geschichte des Pharaonenreichs zeigen.

Begeisternd ist das große Geschichtsbewusstsein der Ägypter und ihrer Regierung und so kann man zu Recht behaupten, das neue Museum ist ein Geschenk Ägyptens an die ganze Menschheit.

Alle Beiträge – Inhaltsverzeichnis

Weitere Berichte aus Nordafrika und der Levante auf meiner Website:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.