Augsburg – Heimat des reichsten Mannes aller Zeiten

Folgen Sie mir auf einen Rundgang durch Augsburg zu den Wirkungsstätten von Jakob Fugger in die Maximilianstraße und in die von ihm im Jahr 1521 gestiftete Sozialsiedlung Fuggerei, bestaunen Sie den Goldenen Saal im Rathaus und lernen Sie das einmalige Wassersystem der Reichstadt kennen, das seit 2019 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.
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Jakob Fugger als Stifter
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Die Bedeutung von Jakob Fugger beim Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit.
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Der im Jahr 1459 in Augsburg geborene Jakob Fugger entstammt einer Tuchhändlerfamilie und wurde im Alter von 14 Jahren zur Ausbildung nach Venedig geschickt. Italienische Kaufleute und die alteingesessene Augsburger Kaufmannsfamilie Welser erkannten in dieser Zeit den Kapitalbedarf von Fürsten und Bischöfen.

Fuggerei Augsburg
Fuggerei mit Rathaus und Perlachturm

Auch Jakob Fugger leiht den Herrschenden immer höhere Summen aus dem Kapital seines Unternehmens zum Bau von Schlössern und zur Finanzierung von Kriegs- und Eroberungszügen. Er verlangt jedoch im Gegensatz zu seinen Kollegen statt Zinsen oft direkte Beteiligung am Bergbaugeschäft.

Fuggereibrunnen Augsburg

Sein größter Schuldner war der Habsburger Kaiser Maximilian I., der ihm beispielsweise Anteile am größten Silber- und Kupferbergwerk des Spätmittelalters bei Schwaz in Tirol überschrieb. Hier arbeiteten damals bis zu 10.000 Knappen. Mit den Gewinnen aus dem Bergbau kann er weitere Darlehen an die Könige von England und Portugal vergeben.

Fuggerhäuser Augsburg
Fuggerhäuser in der Maximilianstraße

Er finanziert Schiffsexpeditonen nach Amerika und Asien. Der Papst lässt Jakob Fugger für ein Darlehen die römische Münzstätte betreiben, so dass er sein eigenes Geld drucken kann. Durch Partner und Angestellte in ganz Europa bekommt er Lage- und Geschäftsberichte übermittelt, so dass er immer frühzeitig über neue Entwicklungen informiert ist.

Rathausplatz Augsburg
Rathausplatz

1520 ist er auf dem Höhepunkt seiner Macht und erhält den Beinamen „der Reiche“. Als er am Ende des Jahres 1525 stirbt hat er ein Vermögen von 2,1 Millionen Gulden, was in heutiger Kaufkraft etwa 400 Milliarden $ entspricht. Damit war Jakob Fugger der reichste Mensch, der jemals lebte (Quelle: Vermögen Magazin).

Fuggerei Augsburg
Eine der ältesten Sozialsiedlungen der Welt, die Fuggerei.

1521 stiftete Jakob Fugger eine Reihenhaussiedlung für bedürftige Augsburger Mitbürger, hauptsächlich Handwerker und Taglöhner, die unverschuldet in Not geraten waren. Bettler wurden laut Satzung nicht aufgenommen. Im Gegenzug sollen die Bewohner täglich dreimal für das Seelenheil ihres Gönners und seiner Familie beten, ein Vaterunser, ein Glaubensbekenntnis und ein Ave Maria.

Fuggerei Augsburg - Haupteingang

Erbaut wurde die abgeschlossene Siedlung mit sechs Gassen und einer Mauer mit drei Eingangstoren zwischen 1516 und 1523. Im Dreißigjährigen Krieg wurde sie von den Schweden weitgehend zerstört. Etwas später schon wurde der Wiederaufbau durch das das Fürstlich und Gräflich Fuggersche Familienseniorat in Auftrag gegeben, wie auch die Erweiterungen der Fuggerei in den Jahren 1880 und 1938.

In der Fuggerei - Augsburg

Bei britischen Fliegerangriffen im Zweiten Weltkrieg kam es erneut zu größeren Zerstörungen. Bis 1947 war alles mit Mitteln der Stiftung wieder aufgebaut und in den folgenden Jahrzehnten durch den Zukauf von Trümmergrundstücken sogar auf 140 Wohnungen erweitert worden.

In der Fuggerei - Augsburg

Die meisten Wohnungen in der Fuggerei sind um die 60 Quadratmeter groß und verfügen über einen separaten Eingang. Die Wohnungen im Erdgeschoss haben einen kleinen Garten, die im Obergeschoss einen Speicher. Die Jahresmiete beträgt den Gegenwert eines Rheinischen Gulden, also 0,88 €. Die Nebenkosten im heute üblichen Rahmen kommen hinzu.

In der Fuggerei - Augsburg

Wer eine Wohnung in der Ausstattung des Jahres 1517 sehen möchte, muss ins „Fuggereimuseum“ in der Mittleren Gasse 13-14  gehen, eine Musterwohnung in der heutigen Ausstattung befindet sich im „Museum der Bewohner“ in der Ochsengasse.

Hier sind in einem Raum auch 150 Fotos von jetzigen Bewohnern und ihren Besuchern aufgehängt. Das „Museum des Alltags“ in der Fuggerei schließt sich im Nebenhaus an.

Fuggereibrunnen - Augsburg

An der Kreuzung zur Herrengasse steht der Fuggereibrunnen aus dem Jahr 1880. Folgt man der Herrengasse bis zum Markuskirchlein mit seiner Sonnenuhr, findet man davor den letzten der Pumpbrunnen, der mit einem eisernen Schwengel bedient wird.

Herrengasse mit Markuskirchlein - Fuggerei

Die Fuggerei liegt in der Jakobervorstadt im Osten der Altstadt innerhalb der alten Stadtbefestigung von 1340. Das Jakobertor diente als östlicher Stadtausgang.  In der Jakobervorstadt lebte vorwiegend die soziale Unterschicht der Reichsstadt Augsburg.
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Die Fuggerei liegt in der Jakobervorstadt im Osten der Altstadt innerhalb der alten Stadtbefestigung von 1340. Das Jakobertor diente als östlicher Stadtausgang.  In der Jakobervorstadt lebte vorwiegend die soziale Unterschicht der Reichsstadt Augsburg. 

Jakobertor - Augsburg
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Aus diesem Grund legten die Fugger ihre Armensiedlung hier an und nicht etwa in der Oberstadt. Im Zeitalter der Industrialisierung lebten in der Jakobervorstadt viele Familen von Fabrikarbeitern.

Aus diesem Grund legten die Fugger ihre Armensiedlung hier an und nicht etwa in der Oberstadt. Im Zeitalter der Industrialisierung lebten in der Jakobervorstadt viele Familen von Fabrikarbeitern.

Fuggerei - Augsburg

Augusta Vindelicum – römische Hauptstadt Rätiens.
Die Stadt Augsburg geht auf ein römisches Heerlager zurück, das im Jahr 15 vor Chr. angelegt wurde. Unter Kaiser Trajan wurde Anfang des 2. Jahrhunderts aus dieser Siedlung die römische Hauptstadt der Provinz Raetia: Augusta Vindelicum.
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Bei den sieben Kindeln - Augsburg
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Unterhalb des Mauerbergs, dem Übergang von der Jakobervorstadt zur Bischofsstadt befindet sich das Haus „bei den sieben Kindeln“ mit einem römischen Steinrelief. Einst wohnte ein römischer Beamter mit seiner Frau und sieben Kindern in dem Haus am heutigen Stadtbach. Auf dem Relief sind nur sechs Kinder zu sehen, das jüngste Geschwisterchen soll im Bach ertrunken sein.
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Stadtbach - Augsburg
Die Bischofsstadt.
Auf der anderen Seite des Stadtbaches führt eine Stiege hinauf auf den Mauerberg und in die Bischofsstadt. Bei Ausgrabungen wurden Fundamente eines frühchristlichen Bischofssitzes aus dem 4. Jahrhundert innerhalb der römischen Befestigungen gefunden. Der heutige Augsburger Dom hat einen romanischen Baukern aus dem Jahr 993 und gotische Ausbauten.
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Dom - Augsburg
Kustosgäßchen mit Augsburger Dom
Ab dem 13. Jahrhundert machten die Patrizierfamilien den Fürstbischöfen die Macht in der Stadt streitig. Im 15. Jahrhundert wurde gar die Hauptresidenz von den Bischöfen nach Dillingen an die Donau verlegt.
Nördlich an die Bischofsstadt schließt sich die Unterstadt und südlich die Oberstadt an. Der Straßenzug Hoher Weg, Karolinenstraße- und Maximilianstraße führt von der Bischofsstadt aus durch die Oberstadt und war im Mittelalter eine der wichtigsten städtischen Verkehrsachsen in Europa.
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Stadtmarkt - Augsburg
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Der Stadtmarkt in der Oberstadt.
Wir beginnen unseren Rundgang durch die Oberstadt am Stadtmarkt (Tram 4, Haltestelle Staatstheater bzw. Parkgaragen Annahof oder Ernst-Reuter-Platz). Im Jahr 1930 wurden die Gebäude einer ehemaligen Tabakwarenfabrik westlich des Rathausplatzes zum heutigen Stadtmarkt umgestaltet, der wochentags von 7  bis 18 Uhr und am Samstag von 7  bis 14 Uhr geöffnet ist.
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Im Stadtmarkt - Augsburg
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Es gibt eine bunte Obst- und Gemüsegasse, einen Bauernmarkt, Blumenstände, eine Bäcker-, eine Fischgasse und eine Fleischhalle.
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Stadtmarkt Augsburg
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Am Rathausplatz – die gute Stube von Augsburg.
Am Rathausplatz angekommen, versorgen wir uns in der Tourist-Information mit einem kostenlosen Stadtplan und weiteren Unterlagen über die Fuggerstadt.
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Stadtstrand auf dem Rathausplatz - Augsburg
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Vor der Tourist-Information ist ein Stadtstrand aufgebaut, mit feinem Sand und Liegestühlen. Das ganze ist dekoriert mit bunten Luftballons. In der Mitte des Platzes dreht sich ein Kettenkarussell. Es verdeckt fast den schönen Augustusbrunnen.
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Karusell auf dem Rathausplatz - Augsburg

Zu Beginn der Neuzeit entwickelte sich Augsburg zu einem der bedeutendsten Handels- und Wirtschaftszentren der Welt, was vor allem auf den Einfluss der Kaufmannsfamilien Fugger und Welser zurückging. In dieser Zeit zählte Augsburg zusammen mit Köln, Prag und Nürnberg zu den größten Städten des Heiligen Römischen Reiches, hatte Beziehungen zu den Hansestädten an Nord- und Ostsee und nach Italien.

Rathaus von Augsburg

Das Rathaus zeugt vom Reichtum der Stadt.
Das Rathausgebäude aus dem Jahr 1385 wurde in den Jahren 1449 und 1515 umgebaut und erweitert. 1614 entschloss sich der Stadtrat den Auftrag eines kompletten Neubaus an den Baumeister Elias Holl zu vergeben. Das 57 Meter hohe Augsburger Rathaus wurde der bedeutendste Renaissancebau nördlich der Alpen.
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Rathaus Augsburg - Giebel
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Der Reichsadler im Giebel symbolisiert die Reichsunmittelbarkeit, die große kupferne Zirbelnuss die antiken Ursprünge der Stadt. Im Inneren befinden sich drei große, übereinander liegende Säle. Der Goldene Saal im zweiten Stock erstreckt sich sogar über zwei Etagen.
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Goldener Saal im Rathaus Augsburg

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Wir betreten das Rathaus durch eine kleine Pforte an der rechten Frontseite und gehen durch einen Vorraum in den unteren Saal mit seinen Marmorsäulen und einer massiven Gewölbedecke. An einem Automaten löse ich die Eintrittskarte für den Goldenen Saal. Über das nördliche der beiden Treppenhäuser steige ich hinauf in den 2. Stock. Dabei komme ich im 1. Stock am Sitzungssaal des Augsburger Stadtparlaments vorbei.

Goldener Saal - Augsburg

Der Goldene Saal beeindruckt mich nicht nur durch seine Größe mit einer Fläche von 552 m² und einer Deckenhöhe von 14 Metern sondern vor allem mit seiner üppigen Ausgestaltung. Ich schreite zunächst durch das nördliche Portal und richte meinen Blick sofort auf die prachtvolle, vergoldete Kassettendecke aus Nussbaum.

Godener Saal - Hauptdeckengemälde - Weisheit

Das ovale Hauptgemälde dort zeigt eine Allegorie der Weisheit (Sapientia Salomonis) und ist 24 m² groß. Es wird von zwei Rundgemälden flankiert.

Goldener Saal

Das westliche stellt Elias Holl beim Bau des Augsburger Rathauses dar, umrahmt ist das Bild von vier Frauengestalten, die Allegorien auf Wissen, Fruchtbarkeit, Fleiß und Frömmigkeit darstellen. Das östliche Rundgemälde zeigt die bildhafte Darstellung der Wehrhaftigkeit der Reichsstadt Augsburg, ebenfalls umrahmt von vier Frauengestalten.

Goldener Saal - Südportal

Über einem der Portale ist die Stadtgöttin Augusta mit dem Reichsadler und den vier Augsburger Wasserläufe zu sehen, dem Lech, der Wertach, der Singold und dem Brunnenbach.

Der Goldene Saal war zunächst als Tagungsort für die Reichstage gedacht. Die Einführung des Immerwährenden Reichstags mit Festlegung auf Regensburg führten allerdings dazu, dass nur 1713 und 1714 der Reichstag in Augsburg tagte, da Regensburg in diesen beiden Jahren von der Pest heimgesucht wurde.

Goldener Saal - Augsburg

Genutzt wurde der Goldene Saal nicht nur als Empfangs- und Versammlungssaal der Stadt, sondern auch für die Wahl von Ferdinand IV. zum römisch-deutschen König im Jahr 1653, für das Festbankett anlässlich der Krönung von Joseph I. im Jahre 1690, für den Empfang von Kaiser Franz II. und seiner Frau Maria Theresia von Neapel-Sizilien im Jahr 1792, zur Verleihung der Ehrenbürgerschaft an den ehemaligen Reichskanzler Otto von Bismarck 1891 und für einen festliches Bankett für den letzten bayerischen König Ludwig III. im Jahr 1914. 

Goldener Saal - Nordportal

Zum 2000. Stadtjubiläum im Jahr 1985 wurde der im Zweiten Weltkrieg ausgebrannte Saal frisch renoviert der Öffentlichkeit vorgestellt. Heute ist der Goldene Saal ein Veranstaltungsort für städtische Empfänge, Konzerte und Festakte und kann in der veranstaltungsfreien Zeit besichtigt werden.

Angrenzend befinden sich die Fürstenzimmer, die ehemals als Versammlungsorte anlässlich der Reichstage und als Rückzugsräume für hohe Gäste entworfen wurden. Die vier Räume mit jeweils 150 m² haben holzgetäfelte Wände, Parkettböden und Kachelöfen,  und sind mit kunstvoll gearbeiteten Schreibpulten, Tischen, Sessel und Stühlen gemütlich eingerichtet. In den historischen Gewölbekellern des Rathauses befindet sich die Traditionsgaststätte „Ratskeller“.

Der Perlachturm – vom Wachturm zum Schmuckstück.

Perlachturm - Augsburg

Der heute 70 Meter hohe Perlachturm neben dem Rathaus wurde ursprünglich im Jahr 989 als 30 Meter hoher Wachturm erbaut. 1348 installierte man eine schwere Feuerglocke im Turm, mit der man die Bürger vor Gefahren warnen konnte. Bei seinem ersten bedeutenden Umbau 1526 ist er auf eine Höhe von 63 Metern aufgestockt worden. Wenige Jahre später wurde er zudem mit Uhrwerk und Glocke ausgestattet, die der Bevölkerung mit viertelstündlichen Glockenschlägen die Uhrzeit anzeigte. Von 1612 bis 1618 wurde der Perlachturm von Baumeister Elias Holl umgestaltet und an das neu entstandene Rathaus angepasst und gilt heute mit ihm zusammen als das Wahrzeichen Augsburgs.

Augustusbrunnen - Augsburg

Hommage an den Gründer der Stadt – der Augustusbrunnen.

Die dritte Sehenswürdigkeit auf dem Rathausplatz ist der 1594 errichtete Augustusbrunnen. Er stellt den Stadtgründer, den römischen Kaiser Augustus dar. Die 2,50 Meter hohe Figur besteht aus Bronze, das Becken und die Brunnensäule aus Marmor und die vier Wassergottheiten aus Messing.

Maximilianstraße - Augsburg

Römerstraße, Weinmarkt, Party- und Veranstaltungsmeile – die Maximilianstraße.

Wir setzen unseren Rundgang am Südende des Rathausplatzes fort. Direkt vor dem Rathaus beginnt die prächtige Maximilianstraße, die auf den ersten 200 Metern bis hinter den Merkurbrunnen mit dem Verlauf der historischen Via Claudia Augusta übereinstimmt. Wir passieren die ehemalige Stiftskirche St. Moritz und stehen nun vor dem 1599 fertiggestellten Merkurbrunnen.

Merkurbrunnen - Augsburg

Merkur wurde in Augsburg schon in der Antike verehrt. Als Gott des Handels soll die Brunnenfigur auf die Bedeutung der Stadt als Handelsmetropole aufmerksam machen. Im Mittelalter reihten sich hier der Brotmarkt, der Holzmarkt und der Weinmarkt aneinander.

Fuggerhäuser - Maximilianstraße

Auf der rechten Seite der Maximilianstraße stehen nun die Fuggerhäuser, erbaut in den Jahren 1512 bis 1515 im Stil der italienischen Renaissance als Hauptsitz des Fuggerschen Unternehmens und als Residenz von Jakob Fugger. Sein Neffe und Nachfolger Anton Fugger ließ einige Räume für seinen wichtigen Geschäftspartner Kaiser Karl V. hier einrichten. 

Herkulesbrunnen - Augsburg

Jetzt laufen wir auf den südlichsten der drei Prachtbrunnen zu, den Herkulesbrunnen. Der Brunnen steht für den Wasserreichtum der Stadt. Herkules kämpft gegen Hydra, ein vielköpfiges Wasserungeheuer. Der Held steht für die Überwindung der Gefahren durch Wasser, die drei Nymphen symbolisieren die nutzbringenden Eigenschaften.

Schaezlerpalais - Augsburg

Rechts neben dem Herkulesbrunnen steht das Schaezlerpalais im Rokokostil, erbaut durch den Bankier Johann Adam Liebert. Die Gebäudefassade ist nur 19 Meter breit, erstreckt sich aber mit einer Länge von 107 Metern entlang der Katharinengasse. Bei der Einweihungsfeier im zweigeschossigen Festsaal des Hauses tanzte Marie Antoinette angeblich ein Paar rote Schuhe durch. Das Palais ging 1821 durch Heirat an Freiherr Johann Lorenz Schaezler über. Die Familie bewohnte das Palais über vier Generationen, bevor es 1958 an die Stadt Augsburg übergeben wurde mit der Auflage der kulturellen Nutzung. Heute beherbergt das Schaezlerpalais die Städtische Kunstsammlung.

Maximilianstraße 52

Im Haus Maximilianstraße Nr. 52 befindet sich an der Ecke Hallstraße die Ulrichschule. Auffällig ist das Ateliergeschoß mit seinen großen Fenstern, in dem von 1905 bis zum Zweiten Weltkrieg die Städtische Kunstschule untergebracht war.

Ulrichplatz - Augsburg

Jetzt erreichen wir das Ende der Maximilianstraße am Ulrichplatz. Hier steht die katholische Stadtpfarrkirche St. Ulrich und Afra, seit 1937 ist sie Päpstliche Basilika. Zudem erfüllt sie die Funktion einer Wallfahrtskirche für die Bistumsheiligen Ulrich, Afra und Simpertus und dient als Abteikirche für ein Benediktinerkloster.

Sie zählt zu den letzten großen spätgotischen Kirchenbauten in Schwaben. Ihr 93 Meter hoher Zwiebelturm wurde später zum Vorbild für unzählige barocke Kirchen in Bayern. Das erste Gotteshaus an diesem Platz war eine spätrömische Kirche, die im 7. Jahrhundert durch eine merowingische, um 800 durch eine karolingische und im 11. Jahrhundert durch eine frühromanische Kirche ersetzt wurde.

St. Ulrich und Afra

Dem Langhaus vorgebaut ist ein niedriger Giebelbau, in dem sich vor der Reformation der Eingang und die Sakristei der Kirche befand. Im Jahr 1526 wurde der Bereich im Rahmen der „Augsburger Parität“ den Protestanten als Predigtsaal zur Verfügung gestellt und beherbergt heute die evangelische Kirchengemeinde St. Ulrich.

St. Ulrich und Afra

Wir gehen ein Stück den Milchberg hinunter, halten uns dann rechts und gehen durch die schmale Peter-Kötzer-Gasse entlang der Außenmauer der katholischen Pfarrei südwärts.

Saurengreinswinkel - Ulrichviertel

Das Ulrichsviertel mit dem Roten Tor und der Augsburger Puppenkiste.

Jetzt sehen wir die schöne, neu restaurierte Sonnenuhr an der Südseite der Pfarrkirche. Sie zeigt die „Wahre Ortszeit“ für Augsburg an. Wir sind jetzt im idyllische Ulrichsviertel. Besonders malerisch ist hier der Saurengreinswinkel.

Augsburger Puppenkiste

In der Spitalgasse 15 im Heilig-Geist-Spital befindet sich eine Institution, die Augsburger Puppenkiste. Seit 1948 gibt es das Marionettentheater hier, ab 1953 erfreuen die virtuos geführten Marionetten die Fernsehzuschauer in Deutschland mit den Stars der Muminfamilie, Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, Der kleine dicke Ritter, Kater Mikesch, Räuber Hotzenplotz und dem Urmel aus dem Eis.

Augsburger Puppenkiste

Seit 1997 schaffte die Augsburger Puppenkiste den Sprung auf die Kinoleinwand. Etwa 900.000 Besucher haben den Premierenfilm gesehen, der im gleichen Jahr mit dem Bayerischen Filmpreis als „Bester Kinderfilm“ ausgezeichnet wurde. 

Gegenüber dem Heilig-Geist-Spital kann man im Haus Am Roten Tor 2 die bekannten Marionetten, DVDs und Fanartikel in einem Laden erwerben.

Großer Wasserturm - Augsburg

Seit 2019 UNESCO-Weltkulturerbe – das Augsburger Wassersystem.

Auf der anderen Seite des Platzes steht der Große Wasserturm. Mit dem Bau des Großen Wasserturms wurde schon im Jahr 1412 begonnen, seit 1416 bis zum Jahr 1879 diente er der Versorgung mit Trinkwasser.

Am Roten Tor

Hier wurde das Trinkwasser aus dem Lechtal in die 12 Meter höher liegende Oberstadt gepumpt, speiste die Brunnen der Stadt und floss in einem Rohrleitungssystem direkt in die Häuser der Bewohner. Der Kleine Wasserturm direkt daneben wurde 1470 fertiggestellt. Karte Stadtrundgang (2 km).

Rotes Tor - Augsburg

Augsburg profitiert von seiner außergewöhnlichen Lage zwischen den Flüssen Lech und Wertach. Es fließen 29 Lech- und Wertachkanäle mit knapp 200 Kilometern Länge durch die Stadt und das Umland. Besonders wichtig waren der Hintere, der Mittlere und der Vordere Lech im Lechviertel, wo sich im 18. Jahrhundert bis zu 163 Wasserräder an Getreide-, Öl-, Säge- und Schleifmühlen drehten. Die Lech-Kanäle wurden aber auch für den Transport von Waren benutzt. Handwerker wie Färber, Kürschner und Gerber benötigten die billige Wasserkraft für ihr Handwerk.

Stadtbach

Die drei Lechkanäle fließen weiter nordwärts in der Jakobervorstadt zusammen und bilden den Stadtgraben. An dieser Stelle, gleich hinter dem „Haus mit den 7 Kindeln“ steht seit 1450 der Untere Brunnenturm. Am Anfang hoben sieben Archimedische Schrauben das Trinkwasser in den Brunnenturm. 1626 wurde der Turm auf sechs Stockwerke erhöht und das Wasser mit Kolbenpumpen und ab 1821 mit der Wassersäulenmaschine des badischen Ingenieurs Georg von Reichenbach den Mauerberg hinauf in die Bischofsstadt gepumpt. Schon früh trennten hölzerne Scheidewände das Trink- vom Brauchwasser, ein großer hygienischer Fortschritt.

Unterer Brunnenturm am Mauerberg

Seit 2019 ist das Augsburger „Wassermanagement-System“ UNESCO Weltkulturerbe. Zu den 22 namentlich aufgeführten Objekte gehören neben den Wassertürmen und -werken auch die drei Prachtbrunnen in der Oberstadt.

Der Lech bei Hochzoll

Ein Großteil der Kanäle und Bäche wird vom Lech gespeist, Die Ableitung erfolgt seit 1346 am Hochablass nördlich des Stadteils Hochzoll. Neben dem Hauptstadtbach wird durch das Wehr auch der Eiskanal gespeist.

Die 20. Olympischen Sommerspiele in Augsburg.

Der Eiskanal ist die erste künstlich angelegte Kanuslalomstrecke der Welt und wurde für die 20. Olympischen Sommerspiele angelegt, bei denen der Kanusport erstmals olympisch war. Die Tribünen im Augsburger Olympiapark bieten Platz für 20.000 Zuschauer. Neben dem regelmäßigen Training der Sportler finden im Eiskanal auch Welt- und Europameisterschaften statt. Zur Zeit ist die Strecke nicht zu besichtigen, da sie samt der Gebäude und Außenanlagen für die Austragung der Kanu Weltmeisterschaft vom 26. bis 31. Juli 2022 denkmalgerecht saniert wird. Der Eiskanal und der Hochablass gehören ebenfalls zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Service Augsburg:
Rathaus Besichtigung Goldener Saal 2,50 €.
Fuggerei Eintritt 6,50 €.
Schatzsuche oder digitale Schnitzeljagd in Augsburg ab 13 € bei guiders.de.
AVV Tram – Kurzstrecke 4 Haltestellen (z.B. Rotes-Tor-Staatstheater oder Rathausplatz 1,60 €, Cityzone (z.B. Hbf – Staatstheater oder Rathausplatz) gratis.
Bahnfahrt ab Frankfurt ICE Super-Sparpreis 2.Kl. ab 17,90 € , 1. Kl. ab 29,90 €.
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Tarifstand Februar 2022.

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