In Ulm und um Ulm und um Ulm herum – an der schwäbischen Donau

In Ulm wurde vor 125 Jahren der höchste Kirchturm der Welt fertig gestellt. Das Jubiläum ist ein guter Anlass zum Besuch der Stadt an der schwäbischen Donau.

Günzburg – die Frauenkirche ist ein Juwel des Rokokos

Der letzte Halt meines Eurocity-Zuges vor Ulm ist Günzburg. Hier siedelten schon die Kelten und Römer. 1301 kam die Stadt in den Besitz der Habsburger. Nach der Vertreibung der jüdischen Gemeinde aus Ulm im 15. Jahrhundert siedelten sich die meisten Juden hier an und Günzburg wurde eines der bedeutendsten Zentren des süddeutschen Judentums. 1617 wurden die Menschen auch von hier vertrieben. Namen wie Ginsburg, Gainsbourg oder Ginsberg belegen heute noch die Herkunft.

Zehn Minuten oberhalb des Bahnhofs beginnt die Altstadt. Bei einem Stadtbrand im Jahr 1735 wurde die Stadtkirche und 176 Häuser zerstört. Auf dem frei gewordenen Gelände wurde Platz für die Frauenkirche. Sie hat einen berühmten Baumeister: Dominikus Zimmermann, der später auch die Wieskirche erbaute. Die Deckenfresken zeigen Figurengruppen aus den damals  bekannten Erdteilen. Nach einem Kaffee auf der Terrasse von Tchibo direkt am Unteren Turm starte ich einen Spaziergang durch die Altstadtgassen.

Der große, längliche Marktplatz wird durch das Untere Tor abgeschlossen. Unter Kaiser Joseph II. wurde Günzburg Garnisonstadt und war wichtiger Handelsplatz auf dem Weg von Wien nach Paris. Das große Schloss wurde 1577-1580 durch den italienischen Baumeister Alberto Lucchese erbaut. Maria Theresia ließ hier eine Münzprägestätte einrichten, die die meist verbreitetste Silbermünze der Welt prägte, den Maria-Theresia-Thaler. 1803 wurde Günzburg Hauptstadt von Vorderösterreich.

Alles änderte sich 1805: Die Truppen Napoleons standen vor der Stadt und der Kaiser sprach zu den Honoratioren: „C´est un Malheur d´être a l´Autriche (Es ist eben ein Unglück zu Österreich zu gehören)“. Nach dem Frieden von Preßburg wurde die Stadt bayerisch. Der Stadtpfarrer predigte am Neujahrstag 1806: „Jetzt sind wir also bayerisch geworden – wahrscheinlich haben wir es wegen unsrer Sünden auch nicht besser verdient.“ 

Auf dem Platz vor der Fachhochschule findet ein Bürgerfest mit Blasmusik statt. Wieder zurück am Marktplatz, setze ich mich auf die schöne Terrasse eines der zahlreichen Gasthäuser zum Mittagessen.

Kloster Wiblingen – die fantastische Rokokobibliothek

Bei  herrlichem Sommerwetter geht es mit der Privatbahn Agilis weiter nach Ulm. Dort quartiere ich mich im Intercity-Hotel ein. In den Intercity-Hotels bekommt man immer eine Netzkarte für den ÖPNV.

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Diese nutze ich gleich für eine Fahrt im Stadtbus nach Wiblingen. Die 1093 gegründete Benediktiner-Abtei wurde 1714 zu einem barocken Gesamtensemble umgebaut und erweitert. Im luftigen und heiteren Rokoko präsentiert sich der Bibliothekssaal.

Ulm – das Münster in der alten Reichsstadt

Zurück in Ulm bummle ich am späteren Nachmittag durch die Fußgängerzone zum Ulmer Münster. Der höchste Kirchturm der Welt mit 161,53 m wurde vor 125 Jahren fertig gestellt. Der Reichtum der Stadt gründet sich auf der Herstellung von Barchent, einem Mischgewebe aus Baumwolle und Leinen, dem Kunstzentrum, dem Handel und dem Warenumschlag.

854 wurde Ulm erstmals urkundlich erwähnt, wurde bald Kaiserpfalz und 1184 Freie Reichsstadt. Ulm hat eine große bürgerliche Tradition: Der kleine Schwörbrief gilt als älteste Verfassung einer deutschen Stadt, der große Schwörbrief galt ab 1397. Albert Einstein (geb. 1879) ist der größte Sohn der Stadt. Im 2. Weltkrieg wurde Ulm stark zerstört. So findet man in der Innenstadt oft auch moderne Architektur. An der Adlerbastei am Donauufer unternahm der Schneider von Ulm 1811 seine Flugversuche.

Ich laufe am Donauschwabenufer entlang. Hier war der zentrale Sammelort dreier Auswanderungswellen in die neu eroberten Gebiete der Habsburger in Südosteuropa. Die zukünftigen Ungarndeutsche und Donauschwaben fuhren flussabwärts auf Flossen und Holzschiffen, den sogenannten Ulmer Schachteln. Die meisten Auswanderungen fanden im späten 17. Jahrhundert und Anfang des 19. Jahrhundert statt. Nach dem 2. Weltkrieg gab es eine Rückkehr vieler Donauschwaben nach Ulm. Ich gehe weiter bis ins ehemalige Fischer- und Gerberviertel. Hier landeten die Holzflösse an, die über die Iller aus dem Allgäu kamen.

Kurios ist das Hotel Schiefes Haus, eines der ältesten noch erhaltenen Gebäude. Den wunderbar lauen Abend genieße ich am Münsterplatz auf dem großen Ulmer Weinfest.

Neu Ulm – die größte Festungsanlage Deutschlands

Am Sonntag fahre ich mit dem Stadtbus nach Neu Ulm zur größten Festungsanlage Deutschlands, der Bundesfestung. Sie wurde von 1842 bis 1859 gebaut. Ich wandere am Wasserturm, dem Wahrzeichen von Neu Ulm, vorbei auf den begrünten Wällender Festung zum unter die Erde verbannten Bahnhof.

Donauwörth – die prachtvolle Reichsstraße

Mit dem Agilis geht es von Neu Ulm weiter nach Dillingen, wo ich frühstücke. Nächster Stopp ist in Donauwörth mit den historischen Gebäuden auf der Wörnitzinsel Ried. Im Jahr 500 gab es dort schon eine Fischersiedlung. Auf einem Hügel über der Wörnitz erbaut, wurde 1049 das Kloster zum Heilig-Kreuz von Papst Leo IX geweiht. 1193 wurde „Wird“ zur Stadt erhoben, 1214 siedelte sich der Deutsche Orden an und somit ist hier die älteste Niederlassung des Deutschen Ritterordens in Bayern. Das Rathaus wurde 1236 erbaut und 1301 wurde Donauwörth Reichsstadt.

Vom Rathaus führt die prächtige Reichsstraße am Tanzhaus aus dem Jahr 1400 und am Liebfrauenmünster vorbei zum Fuggerhaus, dem heutigen Landratsamt. Über das Kloster und den Wörnitzsteg komme ich zurück zum Bahnhof. 

Service Ulm:
Intercity Hotel Ulm Wochenendrate EZ 67,50 € inkl. ÖPNV
Bahn ab München Sparpreis mit Stopp auf der Hinfahrt in Günzburg und auf der Rückfahrt in Donauwörth 2.Kl. ab 49,80 €  1. Kl. ab 59,80 €
Werbung: Sparpreis mit ICE, IC und EC:
Das Bayernticket gilt im Nahverkehr auch bis Ulm Hbf:
Kloster Wiblingen Eintritt 5 €
Stadtrundgang Günzburg: Bahnhof – Schützenstr. – Frauenkirche – Unteres Tor – Rathausgasse – Schloss – Hofgasse – Wätteplatz – Marktplatz – Dillinger Str. – Bahnhofstr. – Bahnhof ca. 2 km
Stadtrundgang Ulm: Ulm Hbf – Albert-Einstein-Denkmal – Ulmer Münster – Kunsthalle Weishaupt – Grüner Hof – Adlerbastei – Stadtmauer – Saumarkt – Fischergasse – Schwörhausgasse – Schwörhaus – Ulm Hbf ca. 3,5 km
Stadtrundgang Donauwörth: Bahnhof – Bahnhofstraße – Insel Ried – Rathaus – Reichsstraße – Fuggerhaus – Kloster Heilig-Kreuz – Wörnitzsteg – Neurieder Weg – Dillinger Straße – Bahnhof ca. 3 km
Deutscher Donauradweg: Donaueschingen – Ulm – Donauwörth – Regensburg – Passau ca. 500 km

Diese Reise fand im August 2015 statt. Ich reiste allein:

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