Kempten – im Glanz der Fürstäbte

Ein Spaziergang durch Kempten ist ein besonderes Vergnügen. Weite Plätze, eine großzügige Fußgängerzone und drei schöne Parks laden zum Verweilen ein. Wir besichtigen die Fürstäbtliche Residenz mit ihren barocken Prunkräumen, den Hofgarten mit der Orangerie, zwei wichtige Kirchen und das historische Rathaus.

Kempten - historisches Rathaus

Kempten ist eine der ältesten Städte Deutschlands, die schon der griechische Geschichtsschreiber Strabon als keltische Stadt Kambodounon erwähnt hat. Sie war wohl danach die erste Hauptstadt der römischen Provinz Rätien bevor das neu gegründete Augsburg neben Chur römisches Zentrum wurde.

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Vom 13. bis zum 19. Jahrhundert gab es dann zwei nebeneinanderliegende, rivalisierende Städte mit gleichem Namen, die Stiftsstadt Kempten und die Reichsstadt Kempten.

Die Stiftsstadt der Fürstäbte.

Wir starten unseren  Rundgang am Königsplatz, dem Zentralen Umsteigegepunkt für die öffentlichen Regional- und Stadtbuslinien (ZUM) mit guter Verbindung vom Hauptbahnhof. Hier befindet sich auch ein großes Parkhaus. Die Königstraße führt uns zum 200 Meter nördlich gelegenen Residenzplatz, der an der Nordseite von der 145 Meter langen, dreigeschossigen Residenz begrenzt wird.

Fürstäbtliche Residenz Kempten und St. Lorenz

An dieser Stelle gab es im Mittelalter erst eine kleine Kirche, erbaut vom St. Galler Mönch Theodor, dann wurde hier im Jahr 752 ein Kloster gegründet. Der erste Abt war Audogar. Einer Legende zufolge förderte Königin Hildegard, die dritte Frau von Karl dem Großen und ihr Sohn Ludwig der Fromme das neue Kloster in den folgenden Jahrzehnten.

Karl der Große und Hildegard auf einem Deckengemälde im Festsaal der Residenz

852 wurde auch das weite Umland als „Marca Campidonesis“ dem Kloster zugesprochen. Ab dem 12. Jahrhundert führten die Kemptener Äbte den Fürstentitel. Im späten 13. Jahrhundert bildete sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum mächtigen Kloster ein Gegenpol mit der Reichsstadt Kempten. Diese wurde bald eine unabhängige Enklave im Herrschaftsgebiet der Fürstäbte. Die Reformation und damit verbundenen Bauernkriege brachten das Kloster Anfang des 16. Jahrhunderts in eine schwierige Situation.

Fürstäbtliche Residenz - Innenhof

Die Rivalität zwischen den beiden konkurrierenden Kempten nahm weiter zu und fand ihren Höhepunkt im Dreißigjährigen Krieg, der von 1618 bis 1648 dauerte. Die katholische Fürstabtei und die evangelische Reichsstadt unterstützten ihre jeweiligen Bündnispartner bei der Bekämpfung des Nachbarn. Das Kloster wurde schließlich durch Anstiftung der Reichsstadt im Jahr 1632 durch die Schweden niedergebrannt und anschließend durch die Bürger der Reichsstadt geplündert und zerstört.

Der junge Kemptener Fürstabt Roman Giel von Gielsberg stammte aus einer alten Adelsfamilie, die im Dienst des mächtigen Klosters von St. Gallen stand. Nur drei Jahre nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges begann er trotz großer finanzieller Schwierigkeiten mit dem Neubau des Klosters in Kempten. Er ließ ab 1651 das barocke Residenzgebäude und die Stiftskirche durch den Vorarlberger Baumeister Michael Beer planen. Ab 1654 stellte Johann Serro aus Graubünden die Gebäude fertig und verband zuletzt im Jahr 1670 die Kirche mit der Residenz durch die Sakristei. Die beiden Türme der Kirche wurden zunächst nicht fertiggestellt.

Enfilade in der Fürstäbtlichen Residenz Kempten

Gut 60 Jahre später wurden unter Fürstabt Anselm Reichlin von Meldegg eine Raumflucht in der Residenz nach dem Geschmack der Zeit mit einer verschwenderischen Rokokoausstattung versehen. Kurz zuvor hatte die Stiftsstadt von Kaiser Karl VI. offiziell das Stadtrecht erhalten. Das gesellschaftliche Leben war geprägt durch den fürstäbtlichen Hof mit seinen zahlreichen Hofbeamten und Handwerkern.

Altes Brauhaus Kempten - Brauereigaststätte zum Stift

Wichtige Wirtschaftsbetriebe waren das Brauhaus mit der Mälzerei und die Stiftsdruckerei. Im zum Kloster gehörenden Umland befanden sich mehrere Marktorte, der älteste entstand 1407 und heißt Obergünzburg. Übliche Berufe waren in diesen Märkten Metzger, Müller, Schneider, Schuhmacher, Schmiede, Weber und Strumpfstricker. Eine große Bedeutung hatte auch die Forst- und Landwirtschaft, besonders die Viehzucht, Acker- und Getreideanbau, sowie Fischzucht. Auch der Flachsanbau und seine Verarbeitung florierte.

Fürstensaal in der Fürstäbtlichen Residenz

Mit der Säkularisation wurde die Fürstabtei aufgelöst. Die bayerischen Könige übernahmen die Herrschaft. 1818 gelang dann der Zusammenschluss der beiden Siedlungsgebiete zur heutigen Stadt Kempten. Die meisten Räume in der Residenz werden jetzt von der Staatsanwaltschaft und von Amts- und Landgericht genutzt.

Prunkräume der Fürstäbtlichen Residenz

Die Prunkräume der Fürstäbtlichen Residenz

besichtigen wir jetzt bei einer Führung, der Zugang liegt an der Westseite des Gebäudes. Der erste Raum der Enfilade ist die Kanzlei. Der Fürstabt war nicht nur der Herrscher sondern hatte auch die Funktion des Richters über die Stiftsstadt. Recht wurde damals in der Kanzlei gesprochen. An der Decke sehen wir das Wappen des Fürstabtes Anselm prangen. Durch die erste Tür mit einer Supraporte kommen wir ins Schlafzimmer des Fürstabtes. Das Deckengemälde zeigt hier „Jakobs Traum von der Himmelsleiter“.

Wohn- und Arbeitszimmer / auch Tagzimmer

Die nächste Tür mit einer Supraporte führt uns ins Wohn- und Arbeitszimmer, auch Tagzimmer genannt. In drei Ecken stehen wunderschöne Kabinettschränke. Der weiße Kachelofen in der vierten Ecke kam nachträglich in diesen Raum, das farblich zum Zimmer abgestimmte Original ist leider nicht mehr erhalten.

Wohn- und Arbeitszimmer, auch Tagzimmer

Die großen Ölgemälde von Franz Georg Hermann entstanden im Jahr 1734 und zeigen die vier Kardinaltugenden. Sehr schön ist neben dem eindrucksvollen Deckengemälde „der Weg der christlichen Seele in den Himmel“ und der an einer Seite befindliche halbplastisch ausgearbeitete „Höllensturz“ auch der helle Parkettboden mit dunklen Intarsien.

Wohn- und Arbeitszimmer / auch Tagzimmer - Parkett

Es folgt das repräsentative Audienzzimmer mit einem Kamin aus Stuckmarmor mit Herkules, der die Weltkugel auf seinen Schultern trägt. In ihr befindet sich eine Uhr. Darüber schwebt Chronos als Sinnbild für die Zeit auf einer Wolke und zeigt auf den Zeitmesser. Die wertvollen Spiegel im Raum stammen aus der fürstäbtlichen Glasmanufaktur.

Audienzzimmer der Fürstäbtlichen Residenz

Ebenfalls von Hermann stammt das Deckengemälde „Salomon empfängt die Königin von Saba“, passend zum Thema Audienzsaal. Der nächste Raum auf unserer Tour ist das Vorzimmer zum Audienzzimmer bevor wir zum glanzvollen Höhepunkt der Führung kommen, dem Festsaal der Fürstäbte.

Er wird auch als Thronsaal bezeichnet und entstand zwischen 1740 und 1742. Der ganze Raum ist reich mit vergoldetem Stuck und Stuckmarmor verziert. Die Arbeiten stammen von Johann Georg Üblhör, der sein Handwerk in den Werkstätten von Johann Baptist Zimmermann in Wessobrunn gelernt hatte und auch an den Arbeiten im Marienmünster Dießen, Stift Engelszell, Kloster Ettal und in der Münchner Residenz beteiligt war.

Festsaal / Thronsaal - der Fürstäbtlichen Residenz

Das Deckengemälde von Franz Georg Hermann im Festsaal zeigt die Förderer des Klosters, Königin Hildegard und ihren Ehemann Kaiser Karl der Große. Über dem nördlichen Eingang des Festsaals ist eine Allegorie der Wissenschaft mit astronomischen Geräten und wissenschaftlichen Büchern angebracht.

Festsaal / Thronsaal - der Fürstäbtlichen Residenz

Über der Thronnische ist das Wappen des Fürstabtes Anselm Reichlin von Meldegg mit Schwert, Zepter und Abtstab und durch Musikinstrumente eine Allegorie der Künste angebracht, ergänzt durch eine Allegorie auf die Architektur. Erwähnenswert ist auch der schöne Kristalllüster im Thronsaal.

Fürstensaal in der Fürstäbtlichen Residenz

Der große barocke Fürstensaal der Residenz wurde um 1680 unter Fürstabt Rupert von Bodman mit einer weißen Stuckdecke aus verschiedenem Rankenwerk ausgestattet. 50 Jahre später wurden die großen Ölgemälde von Franz Georg Hermann mit den Porträts der Fürstäbte angefertigt. Heute tagt in diesem Saal das Amtsgericht.

St. Lorenz zu Kempten

Die Verbindung der Residenz mit der Stiftskirche wurde durch die Große Sakristei hergestellt. Heute dient das Gotteshaus als Pfarrkirche der Pfarrei St. Lorenz. Im Jahr 1969 verlieh Papst Paul VI. ihr den Ehrentitel „Basilica minor“.

Hochaltar von St. Lorenz - Kempten

Ab 1660 wurde mit der Ausgestaltung der neuen Kirche begonnen. Den teils vergoldeten Stuck hat Giovanni Zuccalli geschaffen, der Vater des Münchner Baumeisters Enrico Zuccalli. Den Hochaltar aus rotbraunem Stuckmarmor schmückt ein Gemälde mit der Himmelfahrt Mariens.

St. Lorenz in Kempten - Innenraum

Das Kirchenschiff ist über 40 Meter lang, und bis zu 16 Meter hoch. Die Kuppel über dem Chor hat eine Höhe von von 42 Metern. Die Doppeltürme, die erst im Jahr 1900 fertiggestellt wurden, sind 65 Meter hoch. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde das Kircheninnere im Rokokostil umgestaltet und erweitert.

Chorgestühl in St. Lorenz - Kempten

Mitte des 19. Jahrhunderts versetzte die Kirchengemeinde das schöne Chorgestühl aus der Entstehungszeit der neuen Kirche von der Mitte des Chors an die Seitenwände. Die Scagliola-Tafeln mit Architektur- und Landschaftsdarstellungen sind besonders kunstvoll gearbeitet.

Chorgestühl in St. Lorenz - Kempten

Die Kanzel aus dem Jahr 1685 besteht ebenfalls aus rotbraunem Stuckmarmor, zwei Putten halten das Wappen von Fürstabt Rupert von Bodman. Auf dem goldenen Aufsatz steht ein Posaunenengel. Die geschnitzte Figur „Christus trägt das Kreuz“ unter der Kanzel stammt aus der Zeit um 1520.

Gegenüber der Kanzel ist ein Kruzifix des 17. Jahrhunderts aufgehängt. Rechts und links des Durchgangs zum Chor stehen der Rosenkranz- und der Laurentiusaltar.

Westempore mit Walcker-Orgel - St. Lorenz in Kempten

Die letzte Umbauphase begann 1864 mit dem Einbau der Westempore und dem Aufstellen der Walcker-Orgel. Auf dem Hildegardplatz vor der Kirche findet jeden Mittwoch und Samstag ein Wochenmarkt statt. Auf der Südseite des Residenplatzes steht das Zumsteinhaus mit dem Kempten-Museum. Auf 580 m² wird die mehr als 2.000-jährige Geschichte der Stadt erzählt. Besonders eindrucksvoll ist das Stadtmodell im ersten Obergeschoss, mit neun Quadratmetern ist es bayernweit das größte Stadtmodell, das im 3D-Druck entstand.

Wir nehmen jetzt den Durchgang unter der Sakristei hindurch Richtung Norden und erreichen nach wenigen Schritten den Hofgarten. Die barocke Gartenanlage erstreckt sich über zwei Etagen.

Die obere Ebene war früher als Ziergarten mit Heckenpflanzungen und Blumenbeeten angelegt, während die untere Ebene dem Anbau von Obst und Gemüse und der Fischzucht in eigens angelegten Teichen diente.

Zwischen 1760 und 1785 regierte Fürstabt Honorius Roth von Schreckenstein. Er verband die beiden Etagen mit einer repräsentativen Freitreppe und ließ am Nordende des Hofgartens die Orangerie errichten um sich im Trend der Zeit an kälteempfindliche Gewächsen erfreuen zu können.

Orangerie - Kempten

Der Marstall an der Landwehrstraße westlich des Hofgartens ist Teil der ehemaligen Wirtschaftsgebäude des Klosters. Heute befindet sich hier das Alpinmuseum Kempten. Zu den Wirtschaftsgebäuden gehört auch die nahe Stiftsmälzerei, das ehemalige Kornhaus und das Gebäude des Alten Brauhauses, der heutigen „Brauereigaststätte zum Stift“ mit einem schattigen Biergarten.

Hildegardplatz - Kempten

Jetzt sind wir wieder zurück am Hildegardplatz und  laufen weiter über den großzügigen Residenzplatz zum westlichen Ende der Gerberstraße um in den anderen Teil der Doppelstadt zu gelangen:

St. Mang zu Kempten

Die Reichsstadt Kempten.

Die wirtschaftliche Grundlage bildete hier der vom Reich geschützte Fernhandel mit Salz, sowie der Verkauf von Leinen und Eisenwaren. Am Ufer der Iller entstand 1477 mit den ersten beiden Papiermühlen zusätzlich ein neuer Wirtschaftszweig.

Durch Kaiser Friedrich III. erhielt die Reichsstadt Kempten im Jahr 1488 das Recht, den Reichsadler mit der Kaiserkrone in ihrem Stadtwappen zu führen. Während der Reformation bekannte sich die Reichsstadt 1529 auf dem Reichstag von Speyer zu Martin Luthers Lehre. Danach war die Situation zwischen Reichsstadt und Kloster angespannter als je zuvor. Zwischenzeitlich fühlten sich die Bürger mehr zu einem anderen, radikaleren Reformer hingezogen, zu Huldrych Zwingli. Über die Geschehnisse des 30-Jährigen-Krieges die Kempten betreffen, haben wir schon gehört.

Anfang des 19. Jahrhunderts verleibte sich Bayern das Gebiet um Kempten ein. Besiegelt wurde dieser Gebietsanspruch durch die Gründung des Königreichs Bayern im bayerisch-französischen Vertrag von Brünn und dem Frieden von Preßburg im Jahr 1805. Bei der Säkularisation wurden sämtliche Klöster im Land aufgelöst und es war damit der Weg frei für die Vereinigung der Doppelstadt Kempten. Mit der Industrialisierung ab Mitte des 19. Jahrhunderts stieg die Bevölkerung der Stadt stark an.

Gerberstraße - Kempten

Früher war die Gerberstraße eine der Hauptstraßen der Reichsstadt und mit Zunfthäusern im gotischen Stil bebaut. Heute ist sie Teil der ausgedehnten Fußgängerzone von Kempten und verbindet die Residenz in der ehemaligen Stiftsstadt mit dem historischen Rathaus in der ehemaligen Reichsstadt.

Mühlrad in der Gerberstraße - Kempten

Am Anfang der Gerberstraße, direkt unterhalb des Residenzplatzes, befindet sich ein Brunnen und ein vier Meter hohes Mühlrad. Das Wasser fließt von da, wie auch schon damals der ehemalige Stadtbach, südöstlich in die Iller ab.

An der Kronenstraße biegen wir rechts ab und stehen schon nach wenigen Metern vor dem historischen Rathaus aus dem Jahr 1474, heute noch Sitz des Oberbürgermeisters und des Stadtrats von Kempten.

Historisches Rathaus Kempten - West- und Südseite
Historisches Rathaus – West- und Südseite

Anfangs war das Rathaus ein schlichter Steinbau auf der heutigen Grundfläche von etwas mehr as 800 m². Mitte des 16. Jahrhunderts wurde mit der zunehmenden Bedeutung der Reichsstadt das Rathaus mit gotischen Elementen verschönert und die Innenausstattung erneuert. 60 Jahre später fand eine weitere Umgestaltung im Stil der Renaissance statt, ab 1874 ergänzt im Rahmen des Historismus durch Elemente der Neorenaissance.

Historisches Rathaus Kempten - Südseite

Die westliche Querseite an der Kronenstraße mit ihrem Treppenvorbau aus dem Jahr 1568 wird von einem kleinen, rechteckigen Glockenturm gekrönt. Die südliche Längsseite verfügt im 2. Stock über einen Balkon, in der nördlichen Längsseite befindet sich im Erdgeschoss der Haupteingang des Rathauses. Hier ist das Veranstaltungsamt von Kempten beheimatet, die Schrannenhalle dient als Empfangssaal. 

Historisches Rathaus Kempten - Nordseite
Historisches Rathaus – Nordseite

Im 1. Stock hat das Trauzimmer eine schöne Biedermeierausstattung und in das benachbarte Besprechungszimmer wurde die gotische Einrichtung aus dem Weberzunfthaus eingebaut. Der große Sitzungssaal im 2. Stock verfügt über eine Holzdecke aus dem Jahr 1460. Diese stammt ursprünglich ebenfalls aus dem Zunfthaus der Weber.

Rathausbrunnen in Kempten

Auch die schmucke Querseite im Osten hat einen Treppenvorbau. Darüber sehen wir ein Wappen mit dem Reichs-Doppeladler des Deutschen Bundes und rechts und links davon etwas kleinere Wappen von jeweils vier Kemptener Patrizierfamilien. Den Treppengiebel krönt auch hier ein Turm, diesmal mit einer zierlichen Zwiebelhaube. Auf den zwei Seitentürmchen sehen wir ebenfalls Doppeladler stehen. Richtung Osten setzt sich der Rathausplatz fort. Hier steht seit 1576 der Rathausbrunnen.

Café Sissi - Rathausplatz Kempten

Das nette Café Sissi neben diesem Marktbrunnen bietet sich für eine kleine Kaffeepause im Herzen der Stadt an. Am Übergang zum St.-Mang-Platz steht linker Hand ein beeindruckendes Palais im Rokokostil, erbaut von der Patrizierfamilie Fehr im Jahr 1764.

Londoner Hof in Kempten

Das Haus wurde 1827 in ein Hotel umgebaut und heißt seit dem „Londoner Hof“. Heute ist der „Londoner Hof“ ein Geschäftshaus. Das große Portal aus späterer Zeit schuf der bekannte Münchner Architekt Emanuel Seidl. 

St. Mang in Kempten

Wenige Meter weiter öffnet sich der St.-Mang-Platz mit der evangelischen Stadtpfarrkirche St. Mang. Funde belegen, dass wie auch im Bereich der katholischen St. Lorenz-Kirche, es hier schon im Frühmittelalter eine Vorgängerkirche gab.

Die St.-Mang-Kirche stammt aus dem 15. Jahrhundert und wurde im 19. Jahrhundert im neogotischen Stil umgebaut. Diese Architekturelemente sind nur noch im Innenraum erhalten geblieben. St. Mang spielte während der Reformation eine wichtige Rolle

St. Mang in Kempten - Innenraum

Das bekannteste Ausstattungsstück ist ein 1893 gefertigte Hochaltar, der im selben Jahr bei der Weltausstellung in Chicago ausgezeichnet wurde. 1608 entstand die Renaissance-Kanzel aus Nussbaumholz, das Gestühl der Kirche stammt zum Teil ebenfalls noch aus dem 17. Jahrhundert. Die Chorfenster der Kirche wurden in den Jahren 1866 bis 1869 in der königlich-bayerischen Kunstgewerbeschule in Nürnberg gefertigt.

Orgelempore St. Mang - Kempten

Die Orgel wurde 1987 von der Orgelbauwerkstatt Schmid in Kaufbeuren gebaut und in das vorhandene Gehäuse intigriert. Sie ist eine der größten Orgeln im Allgäu. Südlich der St.-Mang-Kirche stand ab dem 13. Jahrhundert eine doppelstöckige Friedhofskapelle.
Zugang zur Erasmus-Kapelle - Kempten
Das Erdgeschoß war dem Heiligen Michael, das Untergeschoss dem Heiligen Erasmus geweiht und diente auch als Beinhaus. Rund um die Kapelle befand sich ein Friedhof. 1857 wurde das Obergeschoss abgebrochen und der Grund zugeschüttet. Vor zwölf Jahren wurde nach Ausgrabungen der „Schauraum Erasmuskapelle“ mit einer interessanten archäologischen Ausstellung eingerichtet.

St.-Mang-Brunnen - Kempten

Der St.-Mang-Brunnen wurde im Jahr 1905 vom Bildhauer Professor Georg Wrba im Jugendstil gestaltet. Lebensgroßen Bronzeplastiken zeigen den heiligen Magnus von Füssen, der als „Apostel des Allgäus“ verehrt wird, umgeben von einem Hirsch, einer Hirschkuh, einem Steinbock und einem Einhorn auf denen jeweils ein Knabe reitet. Am Baldachin über dem Brunnen sind noch Eichelhäher, Kohlmeise, Grünspecht, Oachkatzl und Buchfink zwischen Blüten zu sehen.

St.-Mang-Platz - Kempten

Östlich des Brunnens befindet sich im Haus St.-Mang-Platz Nr. 2 das Evangelisch-Lutherische Dekanat. An der Südseite stehen einige Patrizierhäuser, darunter das Rote Haus (Nr. 3), dessen Kern aus dem Spätmittelalter zu datieren ist. Das Haus Nr. 6 nördlich der Kirche ist das Pfarrhaus, das im Obergeschoss mit der Kirche durch einen Gang verbunden ist. In diesem Haus verbrachte Carl von Linde seine Jugend, während sein Vater hier Pfarrer war. An der Westseite stehen mit dem Stadtarchiv im alten Zollamt und im anschließenden Neubronner Haus weitere Bauwerke.

St.-Mang-Platz 7 - Kempten

Südlich des St.Mang Platzers befindet sich die sog. Burghalde auf einer Anhöhe oberhalb der Iller. Diese war ab der Spätantike besiedelt, leicht zu verteidigen und sicher vor Hochwasser. Im Mittelalter entstand hier eine Burganlage, die bis 1363 zum Machtbereich der Fürstäbte gehörte und von einem Vogt verwaltet wurde. Danach kam die Burganlage in Besitz der Reichsstadt. Heute gibt es davon nur noch Ruinenreste.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Burghalde-Verein gegründet. Er kümmerte sich um die Ruine und baute das Areal zu einem kleinen Bürgerpark und einem Veranstaltungsort aus. Durch seine Lage oberhalb der Iller öffnet sich von hier ein weiter Blick über die Stadt bis hin zur Alpenkette.

Rathausstraße in Kempten

Zurück auf dem Rathausplatz gelangen wir in westlicher Richtung über die Rathausstraße, wo früher der Holzmarkt stattfand, weiter zur Freitreppe. Sie ist eine 1903 geschaffene Verbindung zwischen der Rathausstraße und der höher gelegenen Fischerstraße und stellt ein wichtiges Verbindungselement zwischen der Reichsstadt und der ehemaligen Stiftsstadt dar. In diesem Bereich stehen weitere schöne Patrizierhäuser, das Zorn-Haus aus dem Jahr 1604 und das Dorn-Schlößle im Renaissancestil. Noch wenige Schritte und wir sind zurück am Königssplatz. Im nahen Stadtpark kann man sich noch ein wenig auf einer der Parkbänke setzen und nach unserem Stadtrundgang ein wenig ausruhen.

Die römische Stadt

befand sich leicht erhöht am Ostufer der Iller und hatte wohl eine Ausdehnung von 700 x 500 Meter. Heute befindet sich hier der „Archäologische Park Cambodunum“. Das Freilichtmuseum ist der größte Römerpark Süddeutschlands zeigt die archäologischen Zeugnisse dieser Stadt verbunden mit Nachbauten. Zu sehen ist der ehemalige Tempelbezirk, die Thermen und das Forum. Die Blütezeit hatte die Urbis im 1. und 2. Jahrhundert unter den römischen Kaisern von Claudius bis zu Hadrian.

Imbisswagen - Allgäuer Kässpatzen

Ein besonders liebenswerten Imbisswagen haben wir auf dem Residenzplatz gesehen, hier gibt es Allgäuer Kässpatzn. 

Service Kempten (Allgäu):
Bahnfahrt: Super-Sparpreis ab Frankfurt 2. Klasse ab 23,90 €, 1. Klasse ab 33,90 €.
Bayerische Regiobahn BRB Tagesticket ab 24 € .
JUFA Familienresort Kempten *** bei DERTOUR DZ mit Halbpension 2 Personen für 2 Nächte ab 278 €.
Allgäu Art Hotel Kempten **** bei DERTOUR DZ ab 130 €.
Prunkräume in der Fürstäbtlichen Residenz (Öffnungszeiten beachten) Eintritt mit Führung 3,50 €.
Zumsteinhaus Museum Eintritt frei.
APC (nur März bis November) Eintritt 5 €.
Schauraum Erasmuskapelle Eintritt mit Führung 5 €. d Herkomermuseum (nur im Sommerhalbjahr geöffnet) Eintritt 5 €.
Stadtbus Nr. 1 Bahnhof/Hauptplatz – Pössinger Straße (nähe Bayertor) Fahrpreis 1,90 €.
Parkgarage in der Lechstr., 1 € pro ¹/² Stunde.
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Tarifstand: März 2023. Diesen Beitrag auf YouTube ansehen: Beitrag folgt demnächst.

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