Bezauberndes Landsberg am Lech
Landsberg am Lech lädt zu einem schönen Rundgang durch die gut erhaltene Altstadt ein. Von der fast vollständig erhalten gebliebenen Stadtbefestigung mit ihren zwei Erweiterungen gibt es noch bis zu acht Meter hohe Mauern, fünf Stadttore und zahlreiche Türme zu sehen. Der Hauptplatz ist einer der schönsten Marktplätze Süddeutschlands mit dem Marienbrunnen in der Mitte, dem Historischen Rathaus und dem Schönen Turm.
Version 2023. Diesen Beitrag gibt es hier auch zum Hören (MP3):
Erste Eindrücke nach der Ankunft.
Dass Landsberg nicht nur von und in seiner Vergangenheit lebt, sondern auch eine sehr moderne, zukunftsorientierte Stadt mit lebenswerten Konzepten ist, merkt man schon bei der Ankunft am schmucken Bahnhof. Ohne Stufen bewältigen zu müssen, kann man von der Bayerischen Regionalbahn in die Stadt- und Regionalbusse auf kurzem Weg umsteigen. Die Fahrzeiten sind aufeinander abgestimmt. Sollte es in einer der sonnigsten Städte Deutschlands ausnahmsweise mal regnen und der Anschluss noch nicht bereitstehen, alle Wartebereiche sind überdacht.
Im Jahr 2007 wurde der frisch renovierte „Bürgerbahnhof Landsberg“ von der „Allianz pro Schiene“ zusammen mit dem Berliner Hauptbahnhof zum „Bahnhof des Jahres“ gewählt.
Die Bedeutung des Lechs für Landsbergs Geschichte.
Vom Bahnhof sind es nur drei Minuten zu Fuß an den Lech. Wie auch schon bei der Gründung von München spielte der Bau einer Brücke im Jahr 1158 über einen reißenden Alpenfluss den entscheidenden Anstoß für den Aufstieg der Stadt Landsberg. Bauherr war auch hier der Braunschweiger Herzog Heinrich der Löwe und wieder war es der Ausbau der wichtigen Salzstraße von Reichenhall zum Bodensee.
Der Lech entspringt in Vorarlberg und fließt durch Tirol. Das Tiroler Lechtal ist einer der letzten naturbelassenen Alpenflusstäler und als Naturpark ausgewiesen. Bei Füssen erreicht der Lech Bayern und fließt unterhalb in den Forggensee. Er ist mit mehr als 15 km² der größte Stausee Deutschlands.
Früher bedrohten häufige Hochwasser die Anwohner von Landsberg. Das breite Lechwehr schaffte ab dem 14. Jahrhundert Abhilfe und prägt heute noch das Stadtbild. Zuvor fiel der Lech über einen Flinsfelsen ins weiter unten liegende Flussbett. Das Treibgut, das er mitbrachte, staute sich an diesem Felsen und verursachte einen gefährlichen Rückstau.
Rund um den Hauptplatz.
Links hinter der Brücke taucht nun das ehemaliges Ursulinenkloster auf. Im Jahr 1719 wurden die Nonnen nach Landsberg berufen, um den Mädchen der Stadt eine schulische Ausbildung zu ermöglichen.
Nach anfänglicher Unterbringung der Einrichtung in bestehenden Bürgerhäusern konnte der Neubau des Klosters nach Plänen des Münchner Hofbaumeisters Johann Baptist Gunetzrhainer mit der Fassade zur Hauptstraße hin im Jahr 1765 fertiggestellt werden.
Die Inneneinrichtung der Klosterkirche ist aus dieser Zeit fast vollständig erhalten geblieben. Die eindrucksvollen Lüftlmalereien des Augsburges Johann Baptist Bergmüller an der Straßenseite wurden zwischenzeitlich nach altem Vorbild erneuert.
Wir erreichen auf unserem Rundgang den schönen Hauptplatz, der ein Dreieck bildet. In der Mitte steht der um das Jahr 1700 errichtete Marienbrunnen mir seinen vier wasserspeienden Delfinen.
Im Westen des Platzes befindet sich das Historische Rathaus mit einer wunderbaren Rokokofassade von Baumeister Dominikus Zimmermann. Dominikus Zimmermann war u.a. auch der Schöpfer der Wieskirche (UNESCO-Weltkulturerbe) und der Frauenkirche zu Günzburg. Er stammte aus Wessobrunn und siedelte sich schon früh in Landsberg an, war hier auch Stadtrat und später Bürgermeister.
Im Keller des Rathauses gab es eine Arrestzelle und im Erdgeschoss das Brothaus, im 1. Stock befindet sich ein Foyer und zum Hauptplatz hin die ehemalige Ratsstube des Inneren Rates, heute wird der Saal für Eheschließungen genutzt.
Im 2. Stock sehen wir ebenfalls ein Foyer und die ehemalige Ratsstube des Äußeren Rates, das heutige Sitzungszimmer des Stadtrats. In diesem Stockwerk sind die Original-Stuckdecken von Dominikus Zimmermann erhalten geblieben. Im 3. Stock befindet sich der Festsaal. Zurück im Erdgeschoss hole ich mir einen Stadtplan bei den freundlichen Damen der Tourist Information.
Auf der Rückseite des Historischen Rathauses gibt es eine modernen Anbau mit Toilette/WC und Fahrstuhl in die oberen Stockwerke, alles ist barrierefrei zugänglich.
An der Ostseite schließt der Schmalzturm den Hauptplatz ab. Er ist ein Teil von der ersten Stadtbefestigung. In seinem Schatten verkauften die Marktfrauen damals Schmalz.
Im Jahr 1458 gab es schon einen erweiterten Mauerring und dieser ehemalige Wehrturm hatte keine Funktion mehr. Er wurde umgebaut, erhielt die Uhr und einen Glockenstuhl und wurde forthin „Schöner Turm“ genannt.
Auf der Alten Bergstraße zum Bayertor.
Hinter der Durchfahrt beginnt die Alte Bergstraße mit einer Steigung von 18 Prozent. Sie war teil der historischen Salzstraße und wurde von zahlreichen Pferdefuhrwerken befahren. Dabei kam es in westlicher Richtung durch das starke Gefälle häufig zu Unfällen.
So wurde vom Magistrat auf Grund der örtlichen Gegebenheiten auf der Alten Bergstraße zur besseren Sicherheit Linksverkehr angeordnet. Die Fuhrleute liefen neben den Fahrzeugen auf der linken Straßenseite entlang zum Hauptplatz hinunter. Sollte ein Fahrzeug außer Kontrolle geraten, wurden diese durch Steinpoller gebremst. Türen und Einfahrten der Häuser mussten offen gehalten werden, so dass Passanten und Fuhrleute sich notfalls in die Eingänge drücken konnten.
Südlich davon, direkt an den Hang gebaut, zieht die Gasse „im Hexenviertel“ den Berg entlang. Sie ist nur auf einer Seite mit geduckten, kleinen Häusern, die mit Holzvorbauten versehen sind bebaut. Die romantische Gasse geht über in den Hofgraben am Landsberger Schlossberg.
Das Schloss ist im frühen 19. Jahrhundert abgebrochen worden, der Schlossberg wurde 1905 mit dem Realschulpensionat im Neorenaissancestil neu bebaut.
Die östliche Stadtbefestigung.
Das Bayertor am oberen Ende der Alten Bergstraße stammt aus dem Jahr 1425 und war die repräsentative Einfahrt in die Stadt aus der Residenzstadt München kommend.
Herzog Ernst von Bayern-München, seine Gemahlin Elisabetta Visconti und sein Bruder Herzog Wilhelm finanzierten die Befestigungsanlage, ihre Stifterwappen findet man unter der gotischen Kreuzigungsgruppe an der Außenseite des Bayertors.
Die mittelalterliche Stadtmauern von Landsberg entstand in drei Abschnitten vom 13. bis zum 16. Jahrhundert und wurden zuletzt noch durch vorgelagerte Bastionen verstärkt.
Ein schattiger Weg führt vom Bayertor an der Stadtmauer entlang, an Bastionen und dem Zwingerturm vorbei nordwärts bis zum Durchgang an der Kommerzienrat-Winklhofer-Straße. Wir kehren hier in die Altstadt zurück und stoßen auf den Säulenhof, dem letzten Rest des ehemaligen Jesuitenkollegs aus dem 16. Jahrhundert.
Westlich schließt sich die direkt auf dem Lech-Hochufer die von 1752 bis 1754 erbaute Heiligkreuzkirche mit ihren zwei Rokoko-Haubentürmen an. Im Inneren glänzt diese Wandpfeilerkirche mit den flächenmäßig größten Deckenfresken Bayerns, gefertigt von Thomas Scheffler, der als Geselle von Cosmas Damian Asam diese hohe Kunst erlernt hatte.
Hinunter in die nördliche Altstadt.
Das Neue Stadtmuseum daneben befindet sich im Umbau und ist zur Zeit geschlossen. Ein Steig geht in eine Treppe über, die hinunter in die Unterstadt führt.
Auf dem Weg ergibt sich ein schöner Blick auf die große spätgotische Stadtpfarrkirche, erbaut von 1458 bis 1488. Sie wurde ab 1678 barockisiert. Auf den schlanken und hohen Turm wurde eine Zwiebelhaube aufgesetzt, das Innere mit den Wessobrunner Stuckarbeiten von Matthias Stiller geschmückt.
Eine der idyllischsten Ecken der Altstadt ist die Ledergasse, die sich von der Kochgasse am Ende unserer Treppe zur Blatterngasse zieht. Parallel führt der Hintere Anger zum Sandauer Tor, dem Nordausgang der Altstadt. Es wurde 1630 in die bereits bestehende Stadtmauer eingebaut.
Oberhalb, in östlicher Richtung. stehen der hohe Dachlturm aus dem 15. Jahrhundert und der mächtige Pulverturm, der im 16. Jahrhundert als Kanonenturm und Pulverlager ausgebaut wurde. Westlich des Schandauer Tors ist noch ein besonders hohes und wehrhaftes Stück Stadtmauer erhalten.
Am Vorderen Anger lohnt es sich in den Innenhof des ersten Hauses auf der rechten Seite zu gehen. Der Färberhof ist ein schöner Renaissancehof mit Laubengängen.
Ein paar Meter weiter taucht ebenfalls auf der rechten Seite ein Kleinod des Rokoko auf. Es ist die Johanniskirche, erbaut nach Plänen von Dominikus Zimmermann in den Jahren 1742 bis 1752. Die Darstellungen und die Beleuchtung des Altarraums erinnert an die berühmten Arbeiten der Gebrüder Asam, sind aber ein Entwurf von Dominikus Zimmermann, ausgeführt von seinem Schüler Nikolaus Schütz.
Vor einer gemalten Landschaft stehen die beiden plastisch gestalteten Figuren von Johannes bei der Taufe Jesu im Jordan. Aus der Landschaft fließt ein in Stuck geformter Wasserfall, der den Jordan darstellen soll. Rechts und links des Altarraums stehen zwei große Seitenaltäre von Johann Luidl. Die von Säulen getragene ovale Kuppel zeigt ein Deckengemälde des Landsberger Malers Carl Joseph Thalhaimer.
Am Mühlbach.
Auf unserem Spaziergang durch Landsberg biegen wir jetzt rechts in die Hintere Mühlgasse ab. Durch das 1425 errichtete Bäckertor erreichen wir den Mühlbach. Die Bäcker, hier in der Nähe der Getreidemühlen ansässig, waren für den Unterhalt und die Verteidigung dieses Stadttores zuständig. Wer wie wir, von der Ostseite kommt, sieht einen gotischen Treppengiebel über dem Durchlass aufragen.
Nach der Durchquerung des Tors wenden wir uns um und sehen zu unserer Überraschung auf der anderen Seite ein Walmdach über dem Durchlass. Wir überqueren nun den Mühlbach und stehen auf den Rossmarkt.
Der Mühlbach wurde am Lechwehr zur Nutzung der Wasserkraft durch die Müller der Stadt abgezweigt. Auf beiden Seiten standen an einem Gefälle seit dem 14. Jahrhundert bis zum Jahr 1960 zwei Getreidemühlen. An der Hintermühle am Westufer kann man noch ein altes Mühlrad sehen.
Wir gehen jetzt durch das Färbertor. Seit 1530 steht es am westlichsten Punkt der Stadtmauer. Vor dem Färbertor wurden auf den Kiesbänken am Lech die Stoffe gebleicht. Die Herstellung von Textilien und das Färben der Stoffe waren ein wichtiger Wirtschaftszweig der Stadt. Ein Mischgewebe aus Baumwolle und Leinen, gefärbt mit Waid, war besonders begehrt. Das Landsberger blaue Barchent bekam vor dem Verkauf das Stadtsiegel aufgedruckt.
An der Vorderen Mühlgasse steht der fünfstöckige Hexenturm aus dem 13. Jahrhundert. Er ist ein Teil der ersten Stadtmauer und diente bis 1899 als Gefängnis. In Landsberg sind im 16. und 17. Jahrhundert neun Hexenprozesse dokumentiert.
Der Flößerplatz und die Salzstadel.
Entlang des Lechs.
Auf der Fläche zwischen der ehemaligen „Langen Fahrt“ und dem Lech befindet sich heute das schöne Inselbad von Landsberg. Das Freibad verfügt über ein großes, beheiztes Schwimm-, ein Wellen- und ein Sprungbecken. Dazu kommt eine Freifallrutsche von zehn Meter Höhe, eine Breitbandrutsche mit 4 Metern und ein Kiesbadestrand am Lech.
Am westlichen Lechufer steht auch der 30 Meter hohe Mutterturm mit seinem vergoldeten Dach. Der Erbauer Hubert von Herkomer war ein vielseitig begabter Künstler, der in der Nähe von Landsberg im Jahr 1849 zur Welt gekommen ist. In seiner Kindheit zog er mit seinen Eltern, die seine künstlerische Begabung nach Kräften förderten, erst in die Vereinigten Staaten und dann nach England. Heute ist er vor allem in England für die von ihm gemalten vielen hundert Porträts bekannt. Seine Eltern waren 1877 nach Landsberg zurückgezogen und der renommierte Maler verbrachte die Sommer in der Stadt.
Nach dem Tod der Mutter erwarb er hier ein Grundstück neben dem Haus seiner Eltern und baute im Gedenken den Mutterturm in der Art eines normannischen Burgturms im Stil des damals bei Künstler und Architekten beliebten Historismus. Nach seiner Fertigstellung im Jahr 1887 richtete er ein Atelier ein. Heute befindet sich im Turm das Herkomer-Museum und ein beliebtes Café mit einer Außenterrasse inmitten des vom Künstler entworfenen kleinen Englischen Parks.
Wir gehen nochmal vor zum Lech, um das Wehr und die Stadtsilhouette aus einem anderen Blickwinkel zu genießen und laufen anschließend in wenigen Minuten zurück zum nahen Bahnhof.
Noch einige Tipps:
Der Wochenmarkt findet jeden Mittwoch und Samstag in der Zeit zwischen 8:00 Uhr und 13:00 Uhr und der Bauernmarkt jeden Donnerstag zwischen 14:00 Uhr und 18: 00 Uhr auf dem Hauptplatz statt. Ab 25. November 2022 findet ein schöner Christkindlmarkt hier statt.
Wem der Aufstieg vom Hauptplatz über die Alte Bergstraße zum Bayertor zu anstrengend ist, der kann vom Bahnhof oder vom Hauptplatz den Stadtbus der Linie 1 bis zur Haltestelle Pöschinger Straße benutzen.
Service Landsberg am Lech – an der Romantischen Straße:
Bahnfahrt: Super-Sparpreis ab Frankfurt 2. Klasse ab 23,90 €, 1. Klasse ab 33,90 €.Bayerische Regiobahn BRB Tagesticket ab 24 € .
Hotel Vienna House Easy Landsberg **** bei DERTOUR DZ mit Frühstück ab 74 €.
Mutterturm und Herkomermuseum (nur im Sommerhalbjahr geöffnet) Eintritt 5 €.Stadtbus Nr. 1 Bahnhof/Hauptplatz – Pössinger Straße (nähe Bayertor) Fahrpreis 1,50 €.Parkgarage in der Lechstr. 1,20 € pro Stunde.
Tarifstand: März 2023. Diesen Beitrag auf YouTube ansehen: https://youtu.be/Kz3bEEVYf-s
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