Barcelona – die Vielgeliebte

Von Barcelona nach Valencia – Modernisme von Antoni Gaudí, moderne Architektur von Santiago Calatrava und zwei mittelalterliche Stadtkerne.

Anreise:

1. Tag: Wir nehmen die Morgenmaschine der Lufthansa von München zum Flughafen von Barcelona „El Prat“. Mit einem Shuttlebus gelangen wir zum Flughafenzug der staatlichen Eisenbahngesellschaft „RENFE“. Ein Zug der Linie R2 Nord bringt und zur Station „El Clot-Arago“ in die Nähe unseres Hotels.

Service An- und Abreise:
Flug München – Barcelona / Valencia – München mit Lufthansa ab 181 € inkl. Gepäck
Bahnfahrt Barcelona – Valencia im Talgo: Turista 40,70 € – Turista plus 52,80 €
Poblenou / St. Martí – Torre Glòries

Wir wohnen im modernen Wohn- und Geschäftsviertel Poblenou im Bezirk St. Martí im Hotel „Four Points by Sheraton Barcelona Diagonal“. Es liegt an der Avenida Diagonal, die Barcelona von Nordost nach Südwest durchzieht. In diesem Abschnitt ist die Avenida eine grüne Allee mit einer Promenade, Trambahngleisen und Radwegen in der Mitte.

Am Eingang zum Viertel, an der „Placa des Glòries Catalanes“, steht ein Wahrzeichen des modernen Barcelona, der „Torre Glòries“. Er wurde von den Wasserwerken der Stadt in Auftrag gegeben und 2004 fertig gestellt. Es wird gesagt, der Turm sieht mit seiner schillernden Fassade aus wie eine Wasserfontäne und wirkt aus größerer Entfernung betrachtet wie eine flüssige Masse. Für die Oberfläche wurden 40 verschiedene Lackfarben verwendet, wodurch sich je nach Tageslicht ihre Farbe verändert. Ich finde, er hat die Form eines Zuckerhuts.

Das Gotische Viertel

Nach einer kurzen Rast im Hotel fahren wir mit der Metro zur Station Jaume I. Unsere Tour durchs Gotische Viertel führt uns zunächst zum „Palau Requesens“. Er ist einer der größten mittelalterlichen Paläste mit romanischem Ursprung. Die alte römische Stadtmauer wurde in den Bau mit einbezogen.

Durch enge Gassen, in die durch die abweisenden, hohen Fassaden kaum Licht kommt, erreichen wir den „Placa del Rei“. Er ist der architektonisch geschlossenste Platz im Viertel mit der Pfalz der Grafen von Barcelona und der Könige von Aragon.

In der Mitte des „Placa Sant Felip Neri“ steht ein Brunnen, der Platz diente als Kulisse im Film „Das Parfüm“. Der „Placa de Sant Jaume“ ist das Herz der Stadt mit dem Rathaus und dem Gebäude der autonomen Landesregierung Kataloniens, dem „Palau de la Generalitat“.

In einem Feinkostgeschäft am Platz hängen große Iberico-Schinken an Stangen. Lange Menschenschlangen stehen in der „Carrer Montcada“ am Eingang zum Picasso-Museum an. Auf dem Weg zur gotischen Kathedrale kommen wir an einem Fachgeschäft für Faschingsmasken und Kostüme vorbei.

Der Olympischer Hafen

Den Abend verbringen wir am Meer. Im Olympischen Hafen fanden 1992 die Segelwettbewerbe statt und hier liegt das Olympische Dorf mit 2.000 Wohnungen. Am Zugang zur Strandpromenade steht der große, goldglänzende Fisch des kanadischen Architekten Frank O´ Gehry. Auf der Mole „Moll de Gregal“ gibt es zahlreiche Terrassenrestaurants. 

Am „Nova Icária Strand“ daneben sonnen sich noch hunderte und es wird auch Beachvolleyball gespielt. Wir setzen uns ins Freie bei „Genis Pizza“ und genießen den lauen Spätsommerabend. Die neue Trambahn T4 bringt uns danach direkt zurück zum Hotel.

Sagrada Familia

2. Tag: Von unserem Zimmer aus haben wir einen Blick über die Avenida Diagonal auf die „Sagrada Familia“ – dorthin zieht es uns heute. Der katalanische Architekt Antoni Gaudí überwand den Historismus zugunsten eigener plastischer Strukturen. Maurische, barocke und gotische Elemente fließen in seine Bauten ein, Kacheln bildeten dabei meist das farbige Element. Sein Stil bekam den Namen „Modernisme“ und gilt als katalanische Spielart des Jugendstils.

Sein Hauptwerk ist die unvollendete Kirche „Sagrada Familia“. Der Baubeginn war bereits 1883. 1926 wurde er auf dem Weg zur Baustelle von einer Trambahn überfahren. Da er auf Grund seiner Kleidung für einen Bettler gehalten wurde, wurde er ins Armenhospital Santa Creu eingeliefert und nicht angemessen versorgt. Sein engster Mitarbeiter und der Kaplan der „Sagrada Familia“ fanden ihn erst drei Tage später dort und ließen ihn in ein Privatzimmer bringen. Er starb aber noch am selben Tag. Die ganze Stadt war in großer Trauer.

Er wurde mit Genehmigung des Papstes in der Krypta seiner Kirche beigesetzt. Im Jahr 2000 wurde ein Verfahren zur Seligsprechung eingeleitet. Zum 100. Todestag von Gaudi soll die Kirche endgültig fertig gestellt werden. Sie hat dann 18 Türme, steht aber jetzt schon, wie viele seiner Werke, unter dem Schutz des UNESCO Weltkulturerbes.

Hospital de la Santa Creu i Sant Pau

Wir laufen weiter zum „Hospital de la Santa Creu i Sant Pau“, von 1902 bis 1911 vom katalanischen Architekten Lluís Domènech i Montaner erbaut. Der katalanische Bankier Pau Gil verfügte in seinem Testament den Bau dieses Krankenhauses.

Im Katalanischen Jugendstil sind hinter dem Eingangsgebäude mit dem filigranen Uhrturm 48 voneinander unabhängige Gebäude, sog. Pabellóns, für die verschiedenen medizinischen Abteilungen in eine Gartenanlage eingefügt. Die Verbindungsgänge sind, wie alle anderen technischen Einrichtungen, unter der Erde verlegt. Das Gebäude gehört ebenfalls zum UNESCO Weltkulturerbe.

Das Stadtviertel Eixample – Meisterwerke des Modernisme

Wir fahren mit der Metro ins Stadtviertel Eixample, was auf katalanisch Erweiterung heißt. Gemeint ist die erste Erweiterung des mittelalterlichen Stadtkern nach Nordwesten. Im schattigen Innenhof der 1450 gegründeten Universität machen wir eine kurze Pause.

Am „Passeig de Garcia“ reihen sich einige Perlen des Modernisme aneinander. Das „Casa Lleó Morera“, Hausnummer 35, Architekt ebenfalls Lluís Domènech i Montaner, fällt durch seine Säulen in Erkern und Fensterausschnitten auf. Das „Casa Amatller“, Hausnummer 41, Architekt Josep Puig i Cadafalch, hat einen flandrischen Giebel, in der Beletage einen verspielten, neugotischen Erker und am Eingang die beeindruckende Skulptur des Heiligen Georg, wie er den Drachen tötet. 

Gleich daneben, Hausnummer 43, steht das „Casa Battló“ von Antoni Gaudí das sich ebenfalls thematisch mit dem Heiligen Georg und dem Drachen auseinandersetzt – kein Wunder, denn „Sant Jordi“ ist der Schutzpatron Kataloniens. Das Dach stellt die Schuppen des Drachen da, das Dachkreuz die Lanze und die Galerie im ersten Stock das Maul des Drachen. Die Fassade erhält durch die Kacheln, wie oft bei Gaudí, ihre Farbigkeit.

Drei Block weiter auf der anderen Straßenseite steht das „Casa Milá“, Hausnummer 92. Es hat den Spitznamen „der Steinbruch“ wegen seiner zerklüfteten Fassade. Es war der letzte Profanbau Gaudís und steht wie das „Casa Battló“ auf der UNESCO Welterbeliste. In einem Terrassenrestaurant machen wir Mittagspause und genießen eine köstliche Tortilla, kühles Wasser und ein Glas trockenen spanischen Weißwein.

Der Sitz der spanischen Regierung befindet sich im „Palau Ramón de Montaner“, einer Villa in italienischer Palastbaukunst mit schönen, kupferfarbenen Fliesen, kunstvollen Keramikbildern und schmiedeeisernen Gartenzäunen mit Blüten und Ornamenten. Beim Streifzug durch die Seitenstraßen kommen wir noch am eleganten Wohnhaus „Casa Thomas“ und am burgähnlichen „Casa de les Punxes“ vorbei.

Parc Güell

Mit Metro und Bus erreichen wir den Park Güell. Der Industrielle Eusebi Güell beauftragte Antoni Gaudí mit der Planung der Parkanlage und einer Gartenstadt mit 60 Häusern. Der Verkauf der Häuser schon vor der Bebauung scheiterte. So wurden nur drei Häuser und der Park fertiggestellt. Den Eingang des Parks bilden zwei Pförtnerhäuser mit markanten „Zuckergussdächern“.

Daran anschließend führt eine große Freitreppe zum Terrassenplatz. Gaudí passte seine Pläne dem hügeligen Terrain an. Dabei verwendete er Stützmauern und Terrassen. Die Materialien dafür fand der Baumeister auf dem Gelände. Für die vielen Mosaike verwendete er Abfälle der nahen Keramikfabriken. Vieles musste in Handarbeit angefertigt werden. Der Park beherbergt außerdem das Wohnhaus Gaudís, in dem er von 1906 bis 1925 lebte.

Wir setzen uns in das Café oberhalb der Terrasse, bestellen Eiskaffee und lassen den Blick über den Park und die Stadt zu seinen Füssen schweifen.

Auf dem Judenberg

3.Tag: Wir fahren mit der Metro bis zur Station „Paral-lel“ unterhalb des Judenbergs.

Um die Ecke befindet sich die Kirche „Sant Pau del Camp“ aus dem 12. Jahrhundert mit einem schönen romanischen Kreuzgang.

Nach unserer Besichtigung fahren wir mit der Standseilbahn zur Mittelstation und weiter mit der Gondelbahn auf den Judenberg. Von hier haben wir eine großartige Aussicht auf ganz Barcelona. Von der Festung sieht man auch auf den modernen Containerhafen auf der Südseite des Berges.

Wir laufen durch den Park „Petra Kelly“ am Westhang hinunter zum Olympiastadion auf halber Höhe. Wir werfen einen Blick von der Tribüne auf die Laufbahn, auf der Kevin Young seinen noch heute gültigen Weltrekord über 400 Meter Hürden mit 46,78 Sekunden aufgestellt hat und Gold gewann.

Wir nähern uns dem „Palau Nacional“ von hinten. Er gleicht einem Schloss mit seinen vielen Türmen und Kuppeln und wurde im Jahre 1929 für die 2. Weltausstellung in Barcelona fertig gestellt. Seit 1934 beherbergt er ein Museum für mittelalterliche Kunst.

Vor dem Palast beeindrucken uns die Wasserspiele. Am „Placa d´Espanya“ wurde die ehemalige Stierkampfarena in ein Einkaufszentrum umgewandelt.

Gegenüber der Skulptur „Frau mit Vogel“ des Künstlers Joan Miró setzen wir uns zur Mittagspause an einen Tisch im Freien vor einem kleinen Restaurant.

Nou Camp und der Königspalast

Anschließend fahren wir weiter zur Metrostation „Palau Reial“.

Zunächst besichtigen wir in der Nähe das Stadion „Nou Camp“. Es ist mit einem Fassungsvermögen von 99.354 Zuschauern das größte Fußballstadion Europas und das größte Vereinsstadion der Welt. Im „FC Barcelona Museum“ stehen die errungenen Trophäen und natürlich kann man auch ein Trikot des mehrfachen Weltfußballers Lionel Messi kaufen.

Der Königliche Palast war ein Geschenk vermögender Geschäftsleute an König Alfonso XIII. Er steht in einem lauschigen englischen Park mit verschiedenen Wasserbecken. Neben dem Palast befindet sich die „Finca Güell“. Der erste Auftrag von Eusebi Güll an den noch jungen Architekten Antoni Gaudí beinhaltete die Renovierung, Umgestaltung und Erweiterung des Landguts.

Sehenswert ist das schmiedeeiserne Drachentor mit dem dazugehörigen Pfosten.

Den Abend verbringen wir wieder im Olympischen Hafen.

Palau de la Música Catalana

4. Tag: Wir fahren mit der Metro zur Station „Urquinaona“. Von dort sind es nur ein paar Schritte bis zum Meisterwerk von Lluís Domènech i Montaner, dem prunkvollen Konzerthaus, das unter UNESCO Weltkulturerbe steht. Von außen zeigt der „Palau de la Música Catalana“ reichen Figurenschmuck, im Inneren viel weißen Marmor in Kombination mit buntem Glas, Keramik und eleganten Leuchtern.

Eine Oase der Ruhe direkt hinter der verkehrsreichen „Placa de Catalunya“ ist der Hof des Klosters Santa Anna. Das Kloster geht auf eine Gründung des Ordens von Heiligen Grab im Jahr 1141 zurück, 1493 hielten hier die „Katholischen Könige“ Königin Isabella von Kastilien und König Ferdinand von Aragon einen Hoftag ab.

Ramblas – die Flaniermeile Barcelonas

Im 8. Jahrhundert von den Mauren entlang der Stadtmauer als trockenes Bachbett hinab zum Meer angelegt, das sich bei heftigen Regengüssen füllte und den Abfall mitriss, sind die „Ramblas“ heute einer der beliebtesten Straßenzüge Europas.

Wir laufen mit der Masse auf dem plantanengesäumten, breiten Mittelstreifen hinunter zur „Rambla de les Flors“ mit ihren Blumenständen. Danach zweigen wir rechts ab um den „Mercat de Sant Josep“ zu betreten.

Die Markthalle in Gusseisenkonstruktion wird auch „La Boqueria“ genannt und betört uns mit einer großen Auswahl von herrlichem Obst und Gemüse, Fleisch- und Wurstwaren, sowie Fisch, frisch oder als Stockfisch Bacallà.

Zurück auf den Ramblas gefällt uns besonders gut ein Haus, das bis 1888 im asiatischen Stil umgestaltet wurde. Wir sehen aufgespannte, bunte Schirme an der Fassade und einen Drachen mit einer chinesischen Laterne im Maul und einem zusammengefalteten Schirm am Hauseck. Das Schirmhaus beherbergte den Schirmladen von Bruno Cuadros.

In einer Seitenstraße steht das „Palau Güell“, 1885 – 1889 von Antoni Gaudí erbaut und ebenfalls zum UNESCO Weltkulturerbe gehörig. Auf der anderen Seilte der Ramblas gelangt man durch drei überdachte Eingänge zu einem sehr eleganten, palmenbestandenen Platz, dem „Placa Reial“. In den Arkadengängen locken uns Cafés, Restaurants und Bars zu einer Einkehr.

Am Alten Hafen

Am Ende der Rambla steht die 68 Meter hohe Kolumbussäule von 1888, zur 1. Weltausstellung errichtet. Sie erinnert an den Empfang von Christoph Kolumbus durch die „Katholischen Könige“ Königin Isabella von Kastilien und König Ferdinand von Aragon in Barcelona. Das „Museu Maritim“ befindet sich in der ehemaligen königlichen Werft aus dem 14. Jahrhundert. Ich finde die Form des Gebäudes erinnert an eine Galeere.

Das helle Gebäude der Hafenverwaltung beherrscht den Alten Hafen.

La Barceloneta

Wir gehen am Ufer entlang weiter bis ins Stadtviertel La Barceloneta. Um die Zitadelle im Jahr 1715 zu bauen, musste König Philipp V. 10.000 Bewohner umsiedeln und ließ diesen Stadtteil mit niedrigen, höchsten zweistöckigen Häusern neu anlegen. Es entstanden in der Fischersiedlung bald zahlreiche Restaurants direkt am Meer. Wir nehmen gerne Platz und lassen uns auf der Terrasse ein Fischgericht schmecken.

Service Barcelona:
Hotel Four Points by Sheraton Barcelona Diagonal DZ ab 152 €
Barcelona Card für 5 Tage 57 € inkl. ÖPNV
Telefèric de Montjuic Bergfahrt 8,40 €
Weiterreise nach Valencia:

5. Tag: Wir nutzen heute morgen die Regionallinie R2 Süd um zum Bahnhof Sants zu gelangen. Hier wartet „unser“ Talgozug nach Valencia. Man darf in Spanien nicht zu knapp erscheinen, da man vor dem Zugang zu den Bahnsteigen eine Sicherheitskontrolle mit Gepäckdurchleuchtung passieren muss. Auf uns warten zwei Tage in einer weiteren, spannenden Stadt.

Fazit: Man sollte für Barcelona mindestens fünf Tage einplanen, die vielen Sehenswürdigkeiten sind weit verstreut.

Diese Reise fand im September 2012 statt. Ich reiste mit meiner Frau. Tarifstand: Mai 2018.

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