Wiesbaden – vielfältig und elegant

Wiesbaden war in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhundert die wohlhabendste Stadt des Deutschen Reiches, vielfältig und elegant. Vieles davon hat sich bis heute erhalten. Das nahe Rheingau und in die Römerstadt Mainz können bei dieser Städtereise leicht in das Programm eingebunden werden.
 
Empfangen wird der Reisende im schönen Hauptbahnhof von Wiesbaden, der 1906 im Neobarock mit dem typischen roten Sandstein der Gegend erbaut und von Kaiser Wilhelm II persönlich eingeweiht wurde. Wir, zwei befreundete Ehepaare, steigen im Radisson Blu Hotel SCHWARZER BOCK ab. Als  Badehaus existiert der Schwarze Bock seit 1486, das Hotel seit 1871/72. Die Holzvertäfelung des Ingelheimer Zimmers stammt aus dem 16.Jhrdt., den Thermalpool im Wellnessbereich speist die „Drei Lilien Quelle“.  Fjodor Dostojewski schrieb in diesem Haus seinen Roman „Der Spieler“, ein Werk der Weltliteratur.
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Vor dem Hotel erstreckt sich der  Kranzplatz mit dem Kochbrunnenn 68° der schon 1366 als Brühborn erstmals urkundlich erwähnt wurde. Die Hessische Staatskanzlei nebenan befindet sich im ehemaligen Grandhotel Rose. Die elegante Taunusstraße mit vielen Antiquitätenläden, Möbelgeschäften und Restaurants quert den Platz.
 
1. Tag: Am westlichen Rand der Altstadt befindet sich die Heidenmauer mit Römertor, ein ehemaliges römisches Äquadukt. In der Touristen Information am Schloßplatz holen wir uns  mit unserer Wiesbaden Card vier Audioguides ab und nehmen sie mit auf unseren Stadtrundgang. Zuerst schlendern wir an der Marktkirche (1852-1862 neogotisch/Westturm 98m) vorbei über den großen bunten Wochenmarkt zum Neuen Rathaus, das 1884-1887 in deutscher Renaissance von Georg von Hauberrisser erbaut wurde. Der Münchner hat in meiner Heimatstadt das Neue Rathaus, die Paulskirche und die Haubenrisser Villa in der Schwanthalerstraße erbaut und im Alten Südlichen Friedhof seine letzte Ruhestätte gefunden.
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An der Marktsäule intoniert ein Bläsertrio einige moderne Musikstücke. Dahinter steht das Alte Rathaus, 1610 im Renaissance-Stil erbaut. Gegenüber befindet sich das Stadtschloß, erbaut 1837-1842 im spätklassizistischem Stil als Stadtpalais für Herzog Wilhelm von Nassau. Heute ist es Sitz des Hessischen Landtags.
 
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Nordöstlich der Altstadt schließt sich das Kurviertel an. Das Kurhaus wurde auf Wunsch von Kaiser Wilhelm II von Friedrich von Thiersch 1904 bis 1907 im neoklassizistischen Stil erbaut. Er baute auch das Bernheimer Palais und den Justizpalast im München. Heute beherbergt das Wiesbadener Kurhaus die Spielbank. Das Hessisches Staatstheater daneben wurde 1894 erbaut. 1902 wurde zusätzlich das Foyer im Rokoko-Stil ausgestattet. Am Eingang des Kurparks im Englischen Stil steht die Büste von Fjodor Dostojewski.
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In der Nähe findet man die Villa Söhnlein-Pabst, 1903 – 1906  im Stil des Weißen Hauses erbaut für die amerikanische Frau des Sektfabrikanten Wilhelm Söhnlein. Vornehmster der vielen schönen Straßenzüge der Stadt ist die Wilhelmstraße von Christian Zais geplant. Im Erbprinzenpalais ist die Industrie- und Handelskammer untergebracht und in der Villa Clementine (1878-1882 im monumentalen Historismus erbaut) wurde die Fernsehserie „Die Buddenbrooks“ mit Armin Müller-Stahl im Jahr 2008 gedreht.
 
 

Jetzt ist es Zeit für eine Busfahrt zur Talstation der Nerobergbahn, einer Wasserballastbahn  von 1888. Der Neroberg (245 m) ist der Wiesbadener Hausberg und gleichzeitig ein Weinberg mit Rieslinganbau. Highlights sind der Monopteros von 1851 und das Opelbad von 1934 im Bauhausstil mit einem hübschen Restaurant (Aussichtsterrasse). Hier machen wir Mittagspause.

Die Russische Kirche liegt etwas unterhalb. Sie wurde 1847 bis 1855 als Grabkirche der Großfürstin Elisabeth Michailovna und ihres Kindes erbaut. Alexej von Jawlensky hat sein Grab auf dem Russischen Friedhof daneben. Der Expressionist, war von 1921 bis 1941 in Wiesbaden. Wir wandern hinunter ins Nerotal mit seinen noblen Villen. Danach nutzen wir den Thermalpool in unserem  Hotel. Abends laufen wir durch die nahe Goldgasse mit ihren vielen Cafés und Restaurants. Wir entscheiden uns für Wenzels Restaurant und werden nicht enttäuscht.
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2. Tag: Ein weiterer Höhepunkt der Reise ist ein Frühstück im Café Maldaner, dem ersten Wiener Kaffeehaus in Deutschland. Die Wiener Kaffeehauskultur wurde vor kurzem zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.
Weitere Sehenswürdigkeiten in Wiesbaden: Landesmuseum, Landeshaus, Adolfsallee, Sektkellerei Henkel, Solmschlößchen, Schloss Biebrich am Rhein.
Fürstbischöfliches Mainz 
Wir fahren mit dem Regionalexpress bei Wiesbaden-Biebrich über den Rhein und durchqueren das Gelände der Firma Schott, des weltgrößten Glasproduduzenten. Mainz ist Medienstadt und Sitz des ZDF. Nach dem Halt am Hauptbahnhof stoppt der Zug auch am Römischen Theater, wo direkt neben dem Bahnsteig Überreste aus der römischen Geschichte aufragen. Gute 10 Gehminuten sind es zur St. Stephanskirche mit den magisch blauen Fenstern von Marc Chagall, darunter das letzte Werk des jüdischen Künstlers in seinem 98. Lebensjahr geschaffen ( *7.Juli 1887 in Witebsk – +28. März 1985 in St. Paul de Vence).
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Unterhalb am Schillerplatz steht der große Fastnachtsbrunnen. Durch die Heiliggrabgasse an vielen kirchlichen Gebäuden vorbei gelangt man zum Leichhof. Auf diesem Platz machen wir in der Sonne Mittagspause im Café Rizelli direkt hinter dem Dom St. Martin, dessen Ursprungsbau aus dem Jahr 975 stammt und unter Erzbischof Willigis errichtet wurde. Die Mainzer Erzbischöfe waren zugleich Erzkanzler und die mächtigsten Kurfürsten des Reiches.  Entsprechend groß wurde der Dom ausgebaut, er war auch Krönungsort deutscher Könige. Besonders aufgefallen ist uns die gute Akustik und die uniformierte Garde während besonderer Messen im Dom.
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Danach bewundern wir die Markthäuser mit der Heunensäule, den Marktbrunnen aus der Renaissance um 1526 und das Palais Zum Römischen Kaiser, das heute das Gutenbergmuseum beheimatet. Johannes Gutenberg (* 1400 und + 1468 in Mainz) ist der Erfinder des Buchdrucks.

Vor dem Staatstheater, erbaut 1829-1833 unter Baumeister Georg Moller steht das Gutenbergdenkmal. Hier verläuft auch der 50. Breitengrad. Richtung Rhein findet man das Heilig-Geist-Spital von 1236, erbaut für Pilger, Arme, Alte und Kranke. Über die Fischtorstraße und Fischtorplatz erreicht man das Stresemannufer mit dem modernen Rathaus und der Rheingoldhalle. Flußaufwärts sieht man vor der Eisenbahnbrücke die Mainmündung.
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Weitere Mainzer Sehenswürdigkeiten: Augustinerkirche, Christuskirche, Eisenturm (1240), Landtag, Römerschiff und Kurfüstliches Schloß.

Ausflug ins Rheingau 
3. Tag: Am Morgen fahren wir mit dem Stadtbus zum Bahnhof und mit einen Triebwagen der VIAS Rheingaulinie nach Eltville, das sich Rosenstadt am Rhein nennt und Sitz von MM Sekt und Chantré ist. Wir frühstücken im Café Schwab, das seit 80 Jahren am Platz ist. Auf dem Rhein fahren einige Frachtschiffe. Die Burganlage war 150 Jahre lang Sitz der Mainzer Erzbischöfe und Kurfürsten.
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Mit dem Bus ging es weiter in ein Seitental des Rheins zum Zisterzienserkloster Eberbach (ursprünglich romanisch mit gotischen und Barockelemente) – Drehort des Films „Der Name der Rose“ nach dem Buch von Umberto Eco mit Sean Connery. Die Geschichte der Abtei beginnt am 13.2.1136 mit einer Absprache zwischen den Heiligen Bernhard und dem Mainzer Erzbischof und dem anschließenden Einzug von 13 Mönchen unter Abt Ruthard aus Clairvaux. Höhepunkte: Die Klosterkirche erbaut von 1145 bis 1186, der Kapitelsaal erbaut vor 1186, die Grabplatte von Graf Eberhard I. von Katzenelnbogen + 1311, der Schlafsaal und der Speisesaal der Laienbrüder und späterer Weinkeller.
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Am frühen Nachmittag geht es mit dem Bus zurück nach Eltville und mit dem Zug an die Pforte des Mittelrheintals, ein Unesco Weltkulturerbe. Unterwegs grüßt von der Höhe Schloss Johannisberg. Hier wird seit 817 Wein angebaut, heute vornehmlich Riesling und hier wurde die erste Spätlese weltweit gekeltert. In Aßmannshausen steigen wir aus und kehren in einen typischen Weingasthaus ein, dem Gasthof Schuster. Mit der Sesselbahn fahren wir hinauf zum Jagdschloss Niederwald. Vom Rheinsteig, einem Höhenwanderweg, haben wir einen wunderbaren Blick auf Bingen, die Nahemündung mit Bingerbrück, auf Hunsrück und Odenwald.
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In Bingen kann man auf einem Spazierweg auf den Spuren der Heiligen Hildegard wandeln. Nach einer knappen Stunde erreichen wir das Niederwald Denkmal (1877-1883). Es feiert die Wiedereinrichtung des Deutschen Reiches nach dem deutsch-französischen Krieg von 1870/1871. Die Germania aus Eisenerz ist 38 m hoch und 75 Tonnen schwer.
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Mit der Kabinenbahn fahren wir schließlich hinunter nach Rüdesheim. Durch die Drosselgasse erreichen wir den Rhein. Zum Abendessen gibt es rheinischen Spezialitäten im Weinhaus Endlich – hier wird auch ein guter Riesling ausgeschenkt. Neben der Schnapspralinenfabrik von Asbach Uralt, vornehm Confiserie genannt, liegt der schön renovierte Rüdesheimer Bahnhof. Mit Bahn und Bus sind wir gegen 9 Uhr wieder im Hotel, gerade noch rechtzeitig für einen kurzen Besuch im Thermalbad.
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Einen weiteren sehr interessanten Beitrag zum Rheingau finden Sie bei meiner Blogger-Kollegin Isabelle: https://lustloszugehen.de/rheingau-kloster-eberbach/
 
Service Wiesbaden:
Radisson Blu Hotel Schwarzer Bock DZ 106 € (Frühbuchertarif  Wochenendrate) inkl. Thermalpool und Sauna (7-22 Uhr), Bademäntel, Frühstück: 24.95 € pro Person 
Wiesbaden Card 2 Tage ÖPNV in Mainz und Wiesbaden, Audioguide, Ermäßigung Nerobergbahn, Maldaner Praline etc. für bis zu 5 Personen 17 €.
Service Rheingau:
Bahn und Bus Gruppentageskarte ins Rheingau 16,40 €
Kloster Eberbach Eintritt 8 € bei Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln
Kombikarte Sesselbahn Aßmannshausen / Kabinenbahn Rüdesheim 9 € pro Person
Service Anreise:
Bahn nach Wiesbaden Super-Sparpreis 2.Kl. ab 19,90 €,  1.Kl. ab 29,90 €.
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Diese Reise fand im April 2017 statt. Ich reiste mit meiner Frau und einem befreundeten Ehepaar.
 
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