Mit dem Wohnmobil durch die Schweiz

Um diese Reiseform einmal auszuprobieren haben wir uns die Schweiz ausgesucht. Andere Klima- und Wetterzonen lassen sich hier mit dem Camper schnell erreichen, falls das Wetter vor Ort schlecht wird.

Das Fahrzeug mieten wir von privat. Es ist ein umgebauter Mercedes-Benz-Lieferwagen vom Typ 207 D. Er bietet Platz für die ganze Familie und zusätzlich nehmen wir noch ein kleines Zelt für die Kinder mit.

Durch das Engadin und über den Maloja-Pass ins Tessin

1. Tag/284 km: Wir verlassen München auf der Garmischer Autobahn (A95) und fahren bis zum Autobahnende bei Eschenlohe. Es geht weiter auf der Bundesstraße 2 nach Garmisch-Partenkirchen, an der Zugspitze vorbei erreichen wir die Österreichische Grenze. Über den Fernpass kommen wir an den Inn und folgen dem Fluss zur Schweizer Grenze bei Martina. Die Berggipfel sind hier im Engadin ein wenig von Wolken verhüllt. Am Silvaplanersee entdecken wir einen schönen Campingplatz für die Nacht. Das Abendessen nehmen wir in einem traditionellen Gasthaus im Ort ein: Für mich gibt es ein wohlschmeckendes herbstliches Wildgericht.

2. Tag/128 km: Wir bereiten unser erstes Frühstück im Wohnmobil zu. Danach fahren wir zum 1.812 Meter hohen Malojapass, der auf gleicher Höhe wie Silvaplana liegt. Auf der Südseite warten nun neun Kehren hinunter ins Bergell, einem der schönsten Alpentäler. Der Maler Giovanni Segantini hat diese Landschaft in zahlreichen schönen Ölgemälden festgehalten. Im unteren Teil des Tales an der italienischen Grenze wachsen an den Hängen Kastanienbäume und an der Straße werden bereits geröstete Maronen angeboten.

Am Westufer des Comer See machen wir Brotzeit. Bei Menaggio zweigen wir ab und erreichen wenig später den Ostzipfel des Luganer Sees. Es geht über die Grenze wieder zurück in die Schweiz und wir durchqueren das geschäftige Lugano. An der Mündung des Vedeggio in den See finden wir einen passenden Campingplatz. Er liegt zwar in der Einflugschneise des Flughafen Lugano-Agno, das bietet aber eher Abwechslung als Belästigung, landen hier doch nur drei Linienflüge am Tag aus Zürich und einige Privatflugzeuge.

3. Tag: Heute wechseln wir die Verkehrsmittel und steigen in die roten Wagen der Lokalbahn „Ferrovie Luganese SA“ von Agno nach Ponte Tresa und dort ins Boot. Die Fahrt geht auf dem See über Caslano, Morcote und Brusino nach Campione d’Italia. Es ist herrliches Spätsommerwetter und wir genießen die schöne Landschaft mit ihren kleinen, schmucken Dörfern am Ufer. Nach einer Pause geht es mit einem anderen Schiff weiter nach Lugano. Nach einem Bummel durch die größte Stadt der Südschweiz fahren wir mit der Bahn zurück nach Agno.

Durch den Gotthardtunnel in die Zentralschweiz:

4. Tag/ 205 km: Für die Zentralschweiz ist gutes Wetter gemeldet und so beschließen wir auf der A2 nordwärts zu fahren. Es geht durch den Gotthardtunnel, mit 17 Kilometer Länge für uns alle ein kleines Abenteuer. In Göschenen am Nordportal empfängt uns strahlend blauer Himmel. Jetzt bekommt der etwas schmalbrüstige Motor mächtig zu tun, denn wir nehmen die Sustenstraße in Angriff. Der Dieselmotor zieht in den Kehren und Kurven gut von unten raus, aber mehr als 30 – 40 Stundenkilometern sind während der Auffahrt nicht drin.

Nach vierzig Minuten erreichen wir das Dach unserer Rundreise auf der Passhöhe mit 2.224 Meter Höhe. Am Steingletscher legen wir eine Pause ein, der Eisstrom fließt in einen See. Beeindruckend ist für uns auch die Aareschlucht oberhalb von Meiringen. Der Fluss zwängt sich tosend durch die hohen Steinwände. Am Brienzer See fahren wir auf einen Campingplatz und verabreden uns mit guten Freunden für den nächsten Tag zu einer Fahrt auf dem See.

5. Tag: Der Salondampfer DS Lötschberg ist ein wunderbares Schiff. Es war das 299. und letzte Dampfschiff das von «Escher, Wyss & Cie.»  in Zürich gebaut wurde. Seit 1914 fährt es auf dem Brienzer See. Von der Galerie aus können wir der Dampfmaschine bei der Arbeit zusehen. Nach dem Ablegen in Brienz ist der nächste Halt Giessbach.

Eine Standseilbahn fährt von der Anlegestelle hinauf zum 100 Meter höher an einem Wasserfall gelegenem Grandhotel Giessbach aus der Belle Epoque. In Interlaken endet schließlich unsere Fahrt.

6. Tag/ 108 km: Wir fahren mit dem Wohnmobil am Thuner See entlang in die Schweizer Bundeshauptstadt Bern.

Hier parken wir und durchstreifen die wunderschöne, auf einem Felsrücken liegende Altstadt, um die die Aare eine Schleife zieht. Der Zytglogge-Turm, das Münster, das Bundeshaus und der Bärengraben sind die bekanntesten Attraktionen. Wir unternehmen einen Spaziergang unter den Laubengängen der Rathaus- und der Kramgasse. Die Altstadt steht unter dem Schutz des UNESCO Weltkulturerbes.

Am Murtensee fahren wir einen netten Campingplatz an und zum Abendessen gehen wir in die mittelalterliche Stadt, die von einer Ringmauer mit dem Berntor umschlossen ist. Auf der Speisekarte unseres Restaurants finden wir Eglifilets vom Flussbarsch frisch aus dem Murtensee.

In die Welsche Schweiz

7. Tag/130 km: Wir fahren in die nächste mittelalterliche Stadt: Fribourg. Nach einem kurzen Rundgang zieht es uns an den Genfer See. In Lausanne fahren wir mit der Metro-Linie 1 vom Seeufer bei Ouchy hinauf in die Altstadt mit der Kathedrale Notre Dame. Am Ostende des Sees bei Villeneuve haben wir die Wahl zwischen drei Campingplätzen.

8. Tag: Wir treffen einen Freund in Montreux. Er ist Chauffeur auf einem Schweizer Postauto und seine Mutter wohnt herrlich, direkt oberhalb von Schloss Chillon.

Zermatt – umgeben von Viertausendern.

9. Tag/169 km: Wir fahren das Rhônetal hinauf bis zum Vispertal. In Stalden teilt sich dieses Seitental der Rhône in das Saastal und das Mattertal.  Über diese Täler werden 38 Viertausender erschlossen, darunter das zweithöchste Bergmassiv der Alpen, der Monte Rosa. Wir entscheiden uns für das Mattertal, das man bis Täsch befahren kann. Hier müssen wir auf die BVZ Zermatt-Bahn umsteigen um in das berühmte Alpendorf Zermatt zu gelangen, das autofrei ist.

Nach einem Bummel durch den Ort mit seinen alten Holzhäusern wandern wir hinauf zu einem Aussichtspunkt und wir haben Glück: Für einen kurzen Moment ist das Matterhorn wolkenfrei.

Am Abend nächtigen wir auf dem schönen Campingplatz Brigerbad im Rhônetal.

10. Tag/115 km: Heute geht es von Brig über den 2.006 Meter hohen Simplon zurück ins Tessin. Nach der Passhöhe beeindruckt uns die fünf Kilometer lange Gondoschlucht.

Am Lago Maggiore

Wir folgen der Strecke der bekannten Centovalli-Bahn bis Locarno am Lago Maggiore. Es fängt an zu schütten und so beeilen wir uns, den Campingplatz am See zu erreichen. Petrus schickt wahre Wasserfluten vom Himmel und alsbald steht das Wasser 15 Zentimeter  hoch auf dem Gelände. Da wir keine Gummistiefel dabei haben, gelangen wir barfuß zu den Sanitären Anlagen und zum Restaurant.

11. Tag: Heute scheint wieder die Sonne und das Wasser ist in der früh abgelaufen. Wir machen einen Ausflug mit der „Funicolare“ zur Wallfahrtskirche Madonna del Sasso hoch über der Stadt. Die Aussicht auf den See ist großartig hier heroben. Am Nachmittag flanieren wir über die Seepromenade von Ascona.

Über den San Bernadino ins Fürstentum Liechtenstein

12. Tag/172 km: Wir fahren mit unserem MB 207 D auf die Autobahn A2 auf. In Bellinzona zweigt die San-Bernadino-Straße rechts ab. Sie ist gut ausgebaut und steigt mäßig an. Erst nach Mesocco folgen fünf weite Kehren, um die Höhe von 1631 Meter zu erreichen.

Auf dieser Höhe liegt das Südportal des Scheiteltunnels. Auf der Nordseite überrascht uns eine „weiße Pracht“ – der erste Schnee des Jahres! Wir folgen dem Hinterrhein und passieren nach einigen Kilometern die berüchtigte Via Mala. Nach Chur geht es für uns in der Ebene am Alpenrhein entlang ins Fürstentum Liechtenstein. Am Campingplatz „Mittagsspitze“ wollen wir übernachten. Der erste angewiesene Stellplatz auf diesem terrassenförmig angelegten Platz war nicht eben genug und der Untergrund seifig durch die Regenfälle. So rutschte das Fahrzeug und hatte keinen festen Halt. Ein Platzwechsel brachte schließlich Abhilfe.

13. Tag/240 km: Wir besichtigen Vaduz und fahren hinauf zum Schloss. Das Wahrzeichen von Vaduz wurde im 12. Jahrhundert errichtet und im 17. Jahrhundert erweitert. Es ist Wohnsitz des Fürsten und für die Allgemeinheit nicht zugänglich. Danach geht für uns über Bregenz und Lindau zurück nach München.

Fazit: Es hat sich gezeigt, dass uns das Leben im Wohnmobil zu eng und dass der Urlaub auf dem Campingplatz nichts für uns ist. Aber es waren wertvolle Erkenntnisse für unseren geplanten Urlaub im nächsten Frühjahr im Südwesten der Vereinigten Staaten. Wir werden jetzt Lodges und Hotels vorbuchen.

Diese Reise fand im September 1991 statt. Ich reiste mit meiner Familie (meine Kinder waren damals drei und fünf Jahre alt). Tarifstand: Juni 2019.

Service Schweiz:
Autobahnvignette 2019: 36,50 €
DS Lötschberg Brienz – Interlaken 28,30 €
Metro Lausanne ab 2 €
Parkplatz Täsch bis 6 Stunden 9,30 €
BVZ Zermatt-Bahn Täsch – Zermatt H+R  14,50 €
Funicolare Locarno – Madonna del Sasso H+R 6,40 €

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