Saas Fee – Wandern, Klettern, Radeln und Skifahren

Unterhalb des Feegletschers auf 1.800 Meter Höhe in den Walliser Alpen gelegen, ist Saas Fee von elf Viertausender eingerahmt. Bei einem Gewinnspiel von DERTOUR hatte ich den Hauptpreis gewonnen, einen achttägigen Aufenthalt für zwei Personen in diesem Schweizer Bergdorf. Ich reise mit meinem jüngeren Sohn Christian (16) und wir planen zusammen einige sportliche Aktivitäten. An jeweils zwei Tagen wollen wir  Wandern, Skifahren und die Gegend mit dem Mountain-Bike durchstreifen. Am letzten Tag muss ich mich vom ganzen Sport erholen und auf der Terrasse sonnen, während Christian sich fürs Schluchtenklettern angemeldet hat.
Obere Dorfstraße Saas Fee mit Täschhorn und Dom (4.545 m)
Stilgemäße Anreise in einen autofreien Ort.

Samstag: Sass Fee gehört der „Gemeinschaft autofreier Schweizer Tourismusorte – GaST“ an. Auf meiner großen Schweizreise mit dem Schweizer Ferienpass im August 1975 habe ich sechs dieser neun autofreien Orte kennen und schätzen gelernt: Braunwald, Mürren, Wengen, Rigi, Zermatt und damals auch schon Saas Fee. So fiel die Entscheidung leicht, auch dieses Mal mit Bahn und Postauto anzureisen. Wir nehmen den Eurocity Bavaria ab München Hbf bis Zürich Flughafen. Hier können wir bequem umsteigen, da der nachfolgende Intercity nach Bern am selben Gleis einfährt und die Bahnsteige wettergeschützt in einem Tunnel liegen. Werbung:


ab 18,90 € – mit dem Sparpreis Europa in die Schweiz.

In Bern wechseln wir auf einen Zug der BLS (Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn). Nach passieren des Lötschbergtunnels haben wir am Hang des Rhônetals entlang fahrend einen schönen Blick auf die Walliser Alpen. Ab Brig nehmen wir das Postauto, das uns hinauf nach Saas Fee bringt. Im Terminal wartet schon ein Elektrokarren, der uns und unser Gepäck zu unserer Unterkunft im nördlichen Teil des Bergdorfes bringt.

Mountain Inn – Saas Fee

Das „Sports-Hotel Mountain Inn“ ist ein ansprechender Neubau mit viel Naturholz. Unser Zimmer verfügt über eine riesengroße Terrasse in sonniger Südlage mit Blick auf sieben Viertausender und vier Gletscher – ein Traum! 

Aussicht von unserer Terrasse – Mountain Inn Saas Fee – Werbung:


Wer jetzt in der letzten Woche der bayrischen Sommerferien ein volles Haus erwartet hatte, sieht sich getäuscht. Trotz fantastischem Spätsommerwetter belegen nur eine handvoll Gäste die schönen Zimmer. Zu unserer Halbpension gibt es aus diesem Grund kein Buffet, wie angekündigt. Wir werden stattdessen einfach nach unseren Wünschen gefragt und entsprechend bekocht. An einem Abend gibt es Fondue, zum Hauptgang mit Käse und zum Nachtisch eines mit Schokolade.

Dom und Täschhorn - Saas Fee

Auf dem Zuckmayer-Wanderweg unterhalb von Dom (4.546 m) und Täschhorn (4.491 m).

Sonntag: Das historische Chalet Vogelweid aus den 1920er Jahren liegt nur 100 Meter oberhalb des „Mountain Inn. Der aus Rheinhessen stammende Carl Zuckmayer verbrachte in diesem Haus aus Lärchenholz zusammen mit seiner Frau Alice von 1957 bis 1977 die letzte Station seines bewegten Schrifstellerlebens. „Der fröhliche Weinberg“ (1925), „Der Schinderhannes“(1927), das Drehbuch zum „Blauen Engel“ (1929), „Der Hauptmann von Köpenick“ (1931) und „Des Teufels General“ (1945) sind seine bekanntesten Werke. Seine Autobiographie „Als wär’s ein Stück von mir“ in der er im letzten Kapitel auch vom Chalet Vogelweid und der Magie der Saaser Bergwelt berichtet entstand hier. Seine Schreibstube ist heute im örtlichen Museum zu sehen. Im Jahr 1966 wurde ihm das Gemeindebürgerrecht von Saas-Fee und das Schweizer Bürgerrecht verliehen. Seine Grabstelle befindet sich auf auf dem örtlichen Friedhof.

Zuckmayer-Wanderweg – Blick auf Allalin und Alphubel – Saas Fee

Der Zuckmayer-Wanderweg folgt der Lieblingsrunde des Schriftstellers und beginnt direkt am Chalet. Auf der anderen Talseite grüßt das pyramidenförmige Almagellerhorn mit 3.327 Metern Höhe. Am Ortsende entscheiden wir uns für eine etwas längere Variante und folgen zunächst dem Höhenweg Richtung Grächen. Am „Waldhotel Fletschhorn“ vorbei und durch den Weiler Sengg gelangen wir zum Senggboden. Darüber ragt der immer noch beeindruckende Bidergletscher auf. An der Bärenfalle in 1.891 Meter Höhe stoßen wir dann wieder auf den Zuckmayer-Wanderweg. Es geht weiter hinauf durch den einzigartigen Lärchen- und Arvenwald zum Melchboden.

Zuckmayer-Wanderweg – Melchboden

Dort angekommen rasten wir an dem kleinen Teich mit Brücke. Es gibt auch einen Spielplatz und einen kleinen Grillplatz auf einer Lichtung. Nach einigen weiteren Serpentinen erreichen wir den höchsten Punkt dieser Wanderung, das „Café Alpenblick“ auf 2.030 Metern. Carl Zuckmayer kehrte hier oft ein und schrieb oder las auf der Terrasse und genoss die herrliche Aussicht auf die Berge, die er bei seinen Ausflügen ins Saastal im Jahr 1938 zusammen mit einem Bergführer bestiegen hatte. Zu dieser Zeit waren die Werke des Schriftstellers von den Nazis in Deutschland längst verboten worden und er war mit seiner Familie bereits ins Exil an den Genfer See geflohen – 1939 wanderten die Zuckmayers dann in die Vereinigten Staaten aus.

Zuckmayer-Wanderweg mit Dom und Täschhorn

Der Panorama-Rundweg verläuft nun unterhalb der Bergriesen Lenzspitze (4.293 m), Dom, Täschhorn und Alphubel (4.206 m) sanft absteigend zurück ins Bergdorf Saas Fee.

Allalin bei Saas Fee

Zwei Skitage auf dem Feegletscher.

Montag und Mittwoch: Wir nehmen recht früh die Gondelbahn „Alpin Express“ von Saas Fee zum Felskinn auf 3.000 Meter Höhe.

Metro Alpin - Saas Fee

Dort steigen wir um in die „Metro Alpin“, eine vollständig unterirdisch verlaufende Standseilbahn zur Station Mittelallalin auf 3.500 Meter Höhe. Zur Station gehören

Allalin (4.027 m) mit Station Mittelallalin

das höchste Drehrestaurant der Welt, ein 70 Meter langer Stollen zu einer 5.000 m³ großen Eisgrotte, dem „Eispavillon“, und der Durchgang auf den Feegletscher mit dem Sommerskigebiet zwischen 3.162 und 3.573 Meter Höhe. Es gibt drei Lifte und 20 Kilometer Abfahrtspisten. Im Winter führt eine 14 Kilometer lange Abfahrt von hier hinunter nach Saas Fee.

Feegletscher - Saas Fee

Leider haben die im Sommertraining befindlichen Nationalteams „alpin“ und „Snowboard“ aus verschiedenen Länder große Bereiche des Skigebiets für Trainingszwecke abgesperrt, so dass für uns Skitouristen sehr wenig Platz bleibt. Trotzdem lohnt die Auffahrt nicht zuletzt wegen der großartigen Aussicht. Oberhalb des Gletschers beherrscht die Eiskuppel des Allalin (4.027 m) die Szenerie. Es sind dutzende Seilschaften unterwegs zum Gipfel, zählt der Berg doch zu den leichtesten und meistbestiegensten Viertausendern der Alpen, da die Metro Alpin bis auf etwa 570 Höhenmeter an den Gipfel heranführt und er von dort aus in etwa zwei Stunden erreichbar ist.

Feegletscher - Saas Fee

Um 14 Uhr wird der Skibetrieb auf dem Feegletscher eingestellt, die Pisten sind dann auch schon sehr sulzig. Zudem lockt unsere schöne Terrasse.

Saas-Almagell - Mattmark

70 km Mountainbike-Trails.

Dienstag: Unsere erste von zwei Mountainbike-Touren führt von Saas Fee (1.798 m) nach Saas Grund und von dort in den am tiefsten gelegenen Ort des Saastals nach Saas Balen auf 1.483 Meter Höhe. Ein Schweizer Kulturerbe ist die eigenwillige Rundkirche Maria Himmelfahrt, erbaut von 1809 bis 1812 im Spätbarock. Der tosende Fellbach stürzt über eine 40 Meter hohe Felsklippe mitten ins Dorf.

Walliser Holzhütten - Saas Fee
Spaziergang durchs Dorf zum Gletscherabbruch.

Donnerstag: Heute nehmen wir an einem geführten Spaziergang durch Saas Fee teil. Wir bekommen die Walliser Holzhütten im Ort zu sehen. Auf vier massiven Holzpfosten liegen Steinplatten – oberhalb kommt erst der eigentliche Aufbau, was vor Mäusefrass in den oft als Getreidespeicher genutzten Hütten schützt.

Ein Denkmal im Ort erinnert an Johann Josef Imseng, einem vielseitigen Pionier: Er war Pfarrer, Hotelier, Bergführer und erster Skifahrer der Schweiz. Im Jahr 1849 fuhr er erstmals auf Brettern von Sass Fee nach Saas Grund um einem Sterbenden beizustehen, 1856 wurde das „Hotel Monte Rosa“ auf seine Anregung hin erbaut (heute Ferienwohnungen) , das Hotel Mattmark betrieb er gar selbst. Wir erfahren, dass die Region um Saas-Fee über 350 Kilometer Wanderwege verfügt.

Feegletscher – Saas Fee – Blick aufs Jungfrau-Massiv

Wir folgen der Empfehlung und nehmen den Weg zum Gletschersee. Hier ist zu sehen, wie stark der Feegletscher an Substanz verloren hat, seit meinem letzten Besuch im Jahr 1975, als der Gletscherabbruch noch fast an den südwestlichen Dorfrand reichte.

Feeblitz - Saas Fee

Auf dem Rückweg fahren wir noch mit dem Fee-Blitz auf der 900 Meter langen Sommer-Rodelbahn. Wanderwege Saas Fee.

Mit dem Mountainbike über Saas Almagell  hinauf zum Mattmark Stausee.

Freitag: Wir fahren durch den Vogelwald hinunter nach Saas Almagell. Dort ist der unvergessene Pirmin Zurbriggen zu Hause. Er wurde Olympiasieger 1988 in der Abfahrt bei den Winterspielen von Calgary, gewann dort auch Bronze im Riesenslalom, errang insgesamt 4 Weltmeistertitel und 40 Weltcup-Siege. Heute besitzt er ein großes Hotel in Saas Almagell und ist Präsident des Walliser Skiverbandes.

Saas Almagell - Mattmark

Jetzt wird es etwas anstrengend, denn es gilt mehr als 500 Höhenmeter zu bewältigen. Im südlichen Saastal befindet sich der grösste Erddamm Europas mit 120 Meter  Höhe, der Mattmark-Staudamm dessen Staudammkrone auf 2.204 Meter Höhe liegt. Der Stausee ist 3,2 Kilometer lang und fasst 100 Millionen Kubikmeter Wasser.

Straße zum Mattmark-Staudamm

Im Bergtal der Saaser Vispa staute der Allalingletscher während der Jahre seiner größten Ausdehnung um 1600 und Mitte des 19. Jahrhunderts regelmäßig im Winter einen Bergsee an, der im Frühsommer nach der Schneeschmelze oft zu katastrophalen Sturzfluten führte, die Dörfer und Weiden im Saastal verwüsteten. Um das zu verhindern, wollte man um das Jahr 1900 einen unterirdischen Abflusskanal bauen. Das Geld dafür konnte aber nicht aufgebracht werden.

Mattmark-Stausee mit Schwarzbergbächen und Fluchthorn

Erst die Idee das Gefälle zur Stromerzeugung zu nutzen brachte die Wende. Die Bauarbeiten am Staudamm begannen im Mai 1960. Am 30. August 1965 jedoch kam es zur nächsten Katastrophe: Bei einem Gletscherabbruch des Allalingletschers wurden 88 Bauarbeiter vorwiegend italienischer Nationalität unter zwei Millionen Kubikmeter Eis und Geröll begraben.

Mattmark-Stausee mit Allalingletscher

Bei den mehrmonatigen Bergungsarbeiten konnte unter der stellenweise bis zu 50 Meter starken Geröllschicht keiner der Verschütteten lebend geborgen werden. Kein anderer Stausee in der Schweiz forderte beim Bau so viele Opfer.

Der Autor am Mattmark-Stausee mit Stellihorn

An beiden Seiten des Mattmark-Stausees führt ein Weg entlang. Beide münden in den Wanderweg über den Monte Moro Pass in 2.868 Meter Höhe. Er führt nach Italien ins Valle Anzasca. Bis zum Stausee kann man auch mit dem Schweizer Postauto fahren.

Feeschlucht - Saas Fee

Mit einem Bergführer durch die Feeschlucht.

Samstag: Während ich mich auf unserer Terrasse bequem mache, unternimmt Christian an unserem letzten Tag im Wallis eine geführte Klettertour durch die wildzerklüftete Feeschlucht zwischen Saas Fee und Saas Grund. Es geht auf Leitern und Hängebrücken und im Pendelgang durch die Schlucht. Es wird auch eine Tyrolienne benutzt, eine Seilrutsche ähnlich einer Zip-Line.

Saas Fee – Täschhorn und Dom (4.545 m)

Diese Reise fand im September 2004 statt. Ich reiste mit meinem Sohn. Einen besonderen Dank für gilt Frau Juliane Anthamatten von der Saastal Tourismus AG für ihre freundliche Unterstützung. Tarifstand: Sommer 2020.

 

Service Saas Fee:
Hotel Alphubel DZ Südseite mit Balkon, Halbpension, inkl. SaastalCard bei DERTOUR ab 1.173 € für 2 Personen (z.B. in der 1. Septemberwoche).
Sommerskigebiet 70 € pro Tag¹.
Feeblitz 6 €¹.
Museum Eintritt 4,70 €¹. – Dorfrundgang 7,50 €¹.
PKW Vignette Schweiz wird gegen Vorlage der Quittung im Hotel Alphubel ersetzt. Parkhaus 1. Tag 13 € – ab den 2. Tag 9.75 €¹
Bahnfahrt z.B. ab Stuttgart nach Saas Fee mit Eurocity und Postauto ab 29,90 € pro Strecke (über SBB Ticketshop)
¹= mit SaastalCard – freie Nutzung vieler Bergbahnen und aller Postautos im Tal inkl. Stausee Mattmark.
Bergtour 5 Tage – Leichte Viertausender um Saas Fee und Zermatt ab 780 € pro Person bei guiders.de – Werbung:



*** der Autor von toeightycountries.com verfügt über 47 Jahre Touristik-Erfahrung ***

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