Capri im Spätherbst – ein Fest für die Sinne

Wenn sich bei uns schon die ersten Herbstnebel breit machen und vor Bodenfrost gewarnt wird, ist es Zeit für ein paar Tage in den sonnigen Süden zu entfliehen. Einer der schönsten Ziele ist sicher die Insel Capri im Golf von Neapel, die um diese Zeit nicht mehr so überlaufen ist wie im Sommer. Wir haben uns ein wunderbares Quartier gesucht und genießen die Ruhe und Beschaulichkeit, wenn die Tagestouristen die Insel schon längst verlassen haben.

Capri - Marina Grande

Ankunft im Hafen von Marina Grande an der Nordküste.

3. Tag: Nach einem schönen Aufenthalt in Sorrent mit Ausflügen nach Herculaneum und nach Positano und Amalfi auf der Traumstraße Italiens, der Amalfitana, sind wir heute nach dem Frühstück von unserem „Hotel Zi Teresa“ mit dem Taxi hinunter zum Hafen gefahren. Hier wartet die Schnellfähre „Isola di Capri“ der Reederei Caremar, die 620 Passagiere und 45 Fahrzeuge befördern kann und 25 Knoten schnell ist. So sind wir schon 30 Minuten später im Hafen von Marina Grande auf der Nordseite der Insel Capri.

Capri - Marina Grande

Am Kai herrscht ein geschäftiges Treiben. Reisende werden von ihren Gastgebern abgeholt, Waren werden verladen und Reiseleiter warten auf ihre zahlreichen Tagesgäste. Heute unvorstellbar ist, dass Reisende bis ins Jahr 1876 mit Booten am Kieselstrand anlanden mussten. Erst danach gab es einen einfachen Steg für die zunehmende Zahl von Besuchern. Der Kai wurde erst 1928 gebaut. Längere Zeit auf Capri blieben Friedrich Alfred Krupp, Rainer Maria Rilke, Maxim Gorki, Emil von Behring, Francis Bacon und Axel Munthe. Claude Debussy widmete eine seiner schönsten Präludien den Hügeln von Anacapri – „Les collines d’Anacapri“.

Hotel Weber Ambassador - Marina Piccola - Capri

Unser Hotel in Marina Piccola an der sonnigen Südküste.

Wir gehen nun ein paar Meter zu Fuß zur Talstation der Standseilbahn, die uns bequem hinauf in den Ort Capri bringt, direkt zur berühmten Piazza Umberto I., kurz Piazzetta genannt.

Capri - Taxis auf der Piazzetta

Oben am Taxistand stehen weiße Cabrio-Taxis bereit, für Kleingruppen und Familien auch Open-Air-Vans ohne Dach. Gegenüber hält auch der VW-Bus, der alle 8 Minuten als kostenloser Shuttle-Service von dort auf kurvenreicher Straße zu unserem „Hotel Weber Ambassador“ an die Südküste der Insel nach Marina Piccola hinunter fährt.

Capri - Hotel Weber Ambassador - Marina Piccola

Das Hotel liegt wenige Höhenmeter über der malerischen Bucht mit den Sirenenfelsen am Hang des Monte Santa Maria. Beim Check-in erhalten wir den Schlüssel zu unserem schönen Doppelzimmer mit französischem Balkon und Meerblick.

Hotel Weber Ambassador - Pool

Die Aussicht reicht über den Pool zu den Faraglioni. Der höchste der drei malerischen Felsen im Meer ist 109 Meter hoch. Unter uns befindet sich das Schwimmbad von Marina Piccola und dahinter die Sirenenfelsen. Nach Homer wohnten die Sirenen auf einer Insel und lockten Seefahrer durch ihre bezaubernde Stimme an. Sie gaben an, das ganze Wissen der Welt den Zuhörern offenbaren zu können. Es gelang sowohl Odysseus als auch Orpheus, an der Sirenen vorbeizusegeln, ohne ihrem betörenden Gesang zu erliegen.

Sirenenfelsen auf Capri

Über die Lage der Sireneninsel gibt es unterschiedliche historische Quellen, darunter auch eine die auf Capri und eine die auf die Li-Galli-Inseln vor Positano verweist.

Der Uhrturm von Capri

Ein wunderbarer Spaziergang im Osten der Insel.

Nach einer kurzen Pause im Hotel nehmen wir wieder den Shuttle hinauf zur Piazzetta. Wahrzeichen des Ortes ist der Uhrturm. In seinem Erdgeschoß befindet sich die Touristeninformation und daneben das Rathaus. Jetzt wird es Zeit für einen Imbiss. Wir entscheiden uns für leckere Gemüsepasteten mit Tomaten und Zucchini. Nun sind wir gerüstet für einen längeren Spaziergang. Wir folgen der Via Groce bis zur kleinen Kirche San Michele della Groce. Hier zweigen wir rechts ab in die Via Matermania.

Wanderweg im Osten von Capri

  • Kaiser Tiberius regierte sein Weltreich von Capri aus.

Geradeaus führt die Via Tiberio zur Villa Jovis, dem Palast von Kaiser Tiberius. Schon auf seinen Vorgänger Kaiser Augustus übte die Insel Capri einen großen Reiz aus. Er tauschte die Insel Ischia gegen Capri ein und ließ 29 v. Chr. hier eine Villa errichten. Kaiser Tiberius residierte hier ab dem Jahr 27 n. Chr. und regierte zehn Jahre lang von Capri aus sein Weltreich. Der gewaltige Palast soll mindestens fünf Stockwerke gehabt haben und mit einem großen Leuchtturm versehen gewesen sein. Am Todestag von Kaiser Tiberius gab es ein Erdbeben, durch das der Leuchtturm einstürzte. Nach weiteren Erdbeben und Vernachlässigung der Anlage im Mittelalter, sind heute leider nur noch Ruinen zu sehen.

Capri - Arco Naturale

  • Zum einem natürlichen Felsbogen am Meer und zum römischen Nymphäum.

Wir wandern nun weiter auf der Via Matermania, die am Ortsende zu einem schattigen Wanderweg zwischen aufragenden Hügeln wird. Bald heißt der Weg Via Arco Naturale und führt über Treppen zur Küste hinunter. Am Ende des Weges stehen wir vor einem der Naturwunder der Insel, dem „Arco Naturale“, einem natürlichen Felsbogen mit Blick auf das tiefblaue Tyrrhenische Meer.

Taverne "La Grottelle" - Capri

Wir steigen die Treppe wieder hinauf bis zur Taverne „Le Grottelle“. Dort halten wir uns links und folgen der Via Pizzolungo zur Grotta di Matermania. In dieser Höhle wurde von den Römern eine Quelle kunstvoll als Nymphäum eingefasst und mit Stuck, Muschelschalen und Mosaiksteinen aus Glas verziert. Jetzt geht weiter auf dem Treppenweg Richtung Küste. Im Osten blicken wir auf die Halbinsel von Sorrent.

Auf dem Wanderweg „Via Pizzolungo“ mit Blick auf Sorrent
  • Die extravagante Villa Malaparte war Drehort mit Brigit Bardot und Fotoobjekt von Karl Lagerfeld.

Unter uns liegt jetzt das Capo Massullu. Hier ließ Curzio Malaparte zwischen 1938 und 1942 eine zweigeschossige Villa auf dem vorspringenden Felsen über dem Meer erbauen. Malaparte war eine schillernde Persönlichkeit mit einem unsteten und wechselvollen Leben. Nach seinem Einsatz im 1. Weltkrieg an der Front trat er in den diplomatischen Dienst ein, wurde im Jahr 1921 Mitglied der Faschistischen Partei Italiens und war von 1928 bis 1931 Chefredakteur der Tageszeitung „La Stampa“.

Villa Malaparte - Capri

Nach kritischen Schriften über den Faschismus fiel er in Ungnade und wurde 1933 nach Lipari verbannt, kam aber nach einem Jahr durch seine einflussreiche Freunde wieder frei. 1945 wurde er Verbindungsoffizier der Amerikaner, später Mitglied der Kommunistischen Partei Italiens, bevor er kurz vor seinem Tod zum katholischen Glauben fand. Seine Villa Malaparte auf Capri vermachte er 1957 der kommunistischen Jugend Chinas. Später wurde die Unvollstreckbarkeit des Testamentes festgestellt.

Villa Malaparte - Capri

Die Villa Malaparte fällt durch seine extravagante Form, den roten Anstrich und den weißen Wind- und Sichtschutz auf der großen Dachterrasse auf. Im Inneren ist der Salon mit einer Fläche von hundert Quadratmetern der größte und schönste Raum mit einer offenen Feuerstelle und vielen Fenstern mit Blick aufs Tyrrhenische Meer.  Das Haus hat außerdem eine Bibliothek, zwei Schlafzimmer, einen Raum für die Zofe und eine Wohnung mit vier Zimmern für Malapartes Gäste, darunter Jean Cocteau, Alberto Moravia und Albert Camus. Auch Generalfeldmarschall Erwin Rommel und der Kommunistenführer Palmiro Togliatti waren zu Besuch.

Detailliert zu sehen ist die Villa in Jean-Luc Godards Spielfilm „Die Verachtungaus dem Jahr 1963 mit Michel Piccoli und Brigitte Bardot. Im November 1997 besuchte der Modeschöpfer und Fotograf Karl Lagerfeld fünf Tage lang die Villa. Dabei entstand der Bildband „Casa Malaparte“.

Capri - die Faraglioni

  • Oberhalb der Faraglioni zum Belvedere di Tragara.

Unser Wanderweg Via Pizzolungo führt nun aussichtsreich oberhalb der Südostküste der Insel zurück zu unserem Ausgangspunkt auf der Piazzetta. Vorher kommen wir direkt an den drei Faraglioni vorbei. 20 Meter vor der Küste befindet zunächst sich der „Faraglione di terra“ mit 109 m Höhe. Der zweite Felsen, „Faraglione di mezzo“ genannt, steht 100 Meter südlich im Meer, ist nur 81 Meter hoch und besitzt auf Meereshöhe einen 60 Meter langen Tunnel, der mit kleineren Booten durchfahren werden kann. Schließlich liegt der 3. Faraglione, genannt „di fuori“ nochmal 20 Meter südlicher und ist 104 Meter hoch.

Capri - die Faraglioni

Auf der rechten Seite unseres Weges taucht nun die Villa Monacone auf. Im Jahr 1953 verlässt Monika Mann ihr Exil in den Vereinigten Staaten und fährt nach Italien. Sie findet ein Jahr später ihr Glück auf Capri. Sie verliebt sich in den Fischer Antonio Spadaro und lebt über 30 Jahre mit ihm in seiner Villa Monacone. Der Expressionist Oskar Kokoschka war mehrmals in diesem Haus zu Gast.

Capri - Belvedere di Tragara

Der Aussichtspunkt Belvedere di Tragara bietet nochmal einen schönen Blick auf die Südküste der Insel. Karte Wanderung im Osten von Capri.

Rund um die Piazzetta.

Auf der Piazzetta haben Cafés und Restaurants ihre Stühle und Tische aufgestellt. Wir nehmen hier Platz, trinken eine Caffè und genießen die Atmosphäre des Ortes. Dann geht es zurück ins Hotel. Wenige Stunden später sind wir erneut zurück auf der Piazzetta.

Capri - Piazzetta

Wir haben Halbpension gebucht, aber das Abendessen gibt es aber nicht im Hotel sondern im Ristorante Longano „da Tarantino“. Es gehört den Generaldirektor unseres Hotels Giovanni Tarantino und liegt in einer Seitengasse 30 Meter hinter dem Uhrturm. Wir empfinden diesen Umstand bald als großen Vorteil, können wir uns doch aus dem gesamten Speiseangebot von etwa 10 Vorspeisen und 12 Hauptspeisen und der Desertauswahl ein wunderbares mediterranes Menü auswählen. Auch die Weinauswahl ist vorzüglich.

Hotel Weber Ambassador - Frühstücksterrasse

4. Tag: Das Frühstücksbuffet am Morgen im Hotel lässt auch keine Wünsche übrig und das Wetter ist so mild, dass wir uns auf die herrliche Terrasse setzen können. Wir schmieden hier die Pläne für den heutigen Tag und entscheiden uns bei diesem schönen Herbstwetter für einen Tagesausflug…

Capri - Monte Solano

auf den höchsten Berg von Capri.

Dazu müssen wir wieder mit dem Shuttle auf die Piazzetta, dem Dreh- und Angelpunkt der Insel. Von dort fährt ein geschrumpfter, orangefarbener Linienbus direkt aus der Garage in den zweitgrößten Ort der Insel, nach Anacapri. Wir passieren die Villa San Michele des schwedischen Arztes und Schriftsteller Axel Munthe mit seinen offenen Übergängen zwischen Haus und Garten.

Aussicht vom Monte Solano auf Capri

Am Piazza Vittoria hält der Bus. Von hier sind es nur ein paar Schritte zum Einer-Sessellift der uns in gemütlicher Fahrt hinauf auf 589 Meter Höhe zum Monte Solano bringt. Traumhaft ist der Ausblick auf den Ostteil von Capri, die Faraglioni und die im Dunst verschwindende Amalfiküste.

Anacapri - Sessellift zum Monte Solano

Ein Bummel durch Anacapri im Westen der Insel.

Auf der Rückfahrt haben wir im Sessel sitzend Anacapri und den Westteil der Insel im Blick. Unten angekommen besuchen wir zunächst den Friedhof in der Viale Cimitero.

Friedhof von Anacapri

Auf den Gräbern stehen neben den Grabsteinen und Kreuzen aus weißem Marmor unzählige Vasen mit frischen Blumen, vielleicht schon im Vorgriff auf die katholischen Feste Allerheiligen und Allerseelen. Über die Via Pioletto erreichen wir nach 100 Metern die Hauptachse von Anacapri, die Via G. Orlandi mit dem Casa Rossa.

Anacapri - Casa Rossa

In dem rot gestrichenen Bau aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert flossen in eklektizistischer Weise die Formen der Romanik mit Quadern und Rundbögen ein. Ein alter Wehrturm wurde in das Gebäude integriert. 

Anacapri - Santa Sofia

Wir gehen weiter auf der Via G. Orlandi bis zur Pfarrkirche Santa Sofia mit ihrer barocken Fassade und dem markanten Uhr- und Glockenturm. Dann bummeln wir zurück zur Piazza Vittoria und nehmen den kleinen, orangefarbenen Bus zurück zur Piazzetta von Capri.

Bus Capri - Anacapri

Unterwegs haben wir einen schönen Blick auf Marina Grande an der Nordküste Capris. Karte Westteil von Capri.

Auch heute geht es am Abend wieder ins Ristorante Longano „da Tarantino“.

Capri-Ort mit Monte Solano

Ein letzter Bummel durch die Gassen von Capri-Ort.

5. Tag: Nach dem Frühstück haben wir noch etwas Zeit für einen Bummel durch Capri Ort. Die meisten Boutiquen und Schuhgeschäfte gibt es in der Via le Botteghe, die internationalen Filialen von Parfümerien, Leder-, Schmuck- und Uhrenläden sind in der Via Camerelle zu finden.

Anacapri

Mit dem Schiff am Vesuv vorbei nach Neapel.

Am frühen Nachmittag bringt uns der Fahrdienst unseres Hotels gleich direkt nach Marina Grande, wo wir das Motorschiff „Driade“ besteigen. Es bringt uns in 80 Minuten nach Neapel zum Porto Beverello.

Capri

Von da fährt ein Bus der Firma Alibus direkt zum Flughafen.

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Service Capri:
Flug mit Lufthansa von München oder Frankfurt nach Neapel und zurück ab 137 € (Tarif mit Handgepäck).
Bustransfer ab Flughafen nach Sorrent – 8 x täglich direkte Linienbusse (Curreri Viaggi-Fahrzeit 75 Minuten) 10 €. Ab Flughafen zum Hafen Neapel (mit Alibus) 5 €.
Fähren: Caremar Schnellfähre Sorrrent – Capri 19,70 €, Caremar Motorschiff Neapel – Capri 14,80 €.
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Inselbus und Standseilbahn Fahrpreis jeweils 2 €.
Sessellift Monte Solaro Berg- und Talfahrt 12 €.
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Diese Reise fand Ende Oktober 2006 statt. Ich reiste mit meiner Frau. Tarifstand: Oktober 2020.
Meine Bewertungen:

Hotel Weber Ambassador - Frühstücksraum und -terrasse

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Weitere Berichte aus Italien und Malta auf meiner Website:

FS Driade - Caremar

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