Die Kurpfalz – Heidelberg und Mannheim

Diesen Beitrag widme ich meiner Geburtsstadt Mannheim und der Heimatstadt der meisten meiner Vorfahren: Heidelberg. Durch das Studium meinen Sohnes Christian an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg sind meine Frau und ich in den letzten Jahren wieder häufiger in die Kurpfalz gekommen. Außer in Heidelberg haben wir auch in Mannheim und Heppenheim übernachtet und Ausflüge in die Umgebung unternommen.

Heidelberg – der Philosophenweg

In Heidelberg tritt der Neckar aus dem Odenwald in die Oberrheinische Tiefebene. Eine der schönsten Spaziergänge Deutschlands beginnt nördlich der Theodor-Heuss-Brücke: Der Philosophenweg. Auf halber Höhe an blühenden Apfelbäumen vorbei hat man einen Traumblick auf den Neckar, die Alte Brücke, die romantische Altstadt und das Schloss.

Heidelberg – die alte Brücke und die Heiliggeistkirche

Wir überqueren den Neckar auf der Alten Brücke von 1788 und schreiten durch das Brückentor. Auf der Steingasse erreichen wir den Marktplatz mit der Heiliggeistkirche. Die gotische Hallenkirche mit barockem Dach und Turmhaube wurde von 1398 bis 1515 errichtet und war Grablege der Kurfürsten von der Pfalz und repräsentatives Gotteshaus der kurpfälzischen Residenzstadt. Kurios: Von 1706 bis 1936 war die Kirche durch eine Mauer in zwei Teile geteilt. Das Langhaus war protestantisch, der Chor katholisch. Seit 1936 gehört die gesamte Kirche zur Evangelischen Landeskirche in Baden.

Hinter dem Kornmarkt am Burgweg befindet sich die Talstation der Standseilbahn zum Schloss und zum Königstuhl.

Das Heidelberger Schloss

Das Heidelberger Schloss aus rotem Neckartaler Sandstein ragt 80 Meter über der Altstadt auf. Der erste Bau an diesem Platz wurde Anfang des 13. Jahrhunderts errichtet. Im Jahr 1556 trat Ottheinrich die Herrschaft als „Kurfürst von der Pfalz“ an. Er hatte zuvor in Neuburg an der Donau residiert und die dortige mittelalterliche Burganlage in ein Renaissance-Schloss umgestaltet und erweitert. In Heidelberg baute er den „Ottheinrichsbau“ an das Heidelberger Schloss an, der bedeutendste Palastbau der Renaissance in Deutschland.

Im Jahr 1616 ließ Kurfürst Friedrich V. den Renaissancegarten „Hortus Palatinus“ anlegen, um seiner Gattin, der englischen Königstochter Elisabeth Stuart, ein standesgemäßes Hofleben bieten zu können.

Die Aussicht von der Terrasse auf die Stadt, die Alte Brücke und das Neckartal ist großartig.

Aus den Erbansprüchen, die der französische Sonnenkönig Ludwig XIV. mit Verweis auf seine Schwägerin Elisabeth Charlotte – die „Liselotte von der Pfalz“ – erhob, resultierte der „Pfälzische Erbfolgekrieg“. Das Schloss war bis zur Zerstörung durch die Soldaten Ludwigs XIV. im Jahr 1689 Residenz der „Kurfürsten von der Pfalz“.  Danach war das Schloss unbewohnbar und entsprach auch nicht mehr dem barocken Zeitgeschmack, der großzügige Schlossanlagen nach dem Vorbild von Versailles bevorzugte.

Pläne, eine solche Residenz in der Ebene im Bereich des heutigen Stadtteils Bergheim zu bauen, scheiterten am Widerstand der Heidelberger Bürgerschaft. Nach einem weiteren Streit mit den Heidelberger Protestanten um die evangelische Heiliggeistkirche, die der katholische Kurfürst für sich beanspruchte, entschloss sich Karl III. Philipp 1720 seine Residenz nach Mannheim zu verlegen. Er ließ das prunkvolle Schloss Mannheim errichten. Heidelberg verlor seine Stellung als politisches Machtzentrum und litt auch ökonomisch durch den Weggang des Hofstaats.

Heidelberg – auf dem Königstuhl

Wir steigen wieder in die Standseilbahn ein und fahren durch den Wald hinauf zum Königstuhl (568 m). Oben machen wir Mittagspause im Biergarten und genießen die schöne Aussicht auf die Rheinebene.

Heidelberg – die Altstadt und die Universität

Zurück am Kornmarkt in der Altstadt schlendern wir von dort auf der Hauptstraße in Richtung Bismarckplatz . Im „Pfälzischen Erbfolgekrieg“ wurde Heidelberg zweimal, 1688 und 1693, von französischen Truppen eingenommen und dabei komplett verwüstet. Ab 1697 baute man die zerstörte Stadt im Stil des Barock auf dem mittelalterlichen Grundriss wieder auf.

Der einzige nicht zerstörte Renaissancebau ist das „Hotel Ritter St. Georg“ aus dem Jahr 1592 in der Hauptstraße (Nr. 178). Das Haus überstand diesen Krieg, den 1. und den 2. Weltkrieg und auch schon den 30-jährigen Krieg. Victor Hugo beschäftigte sich mit dem Haus in seinem prosaischen Reisebericht „Rheinreise“.

In der Grabengasse steht das Hauptgebäude der ältesten Universität Deutschlands. Die Ruprecht-Karls-Universität wurde 1386 gegründet. 56 Nobelpreisträger werden mit ihr in Verbindung gebracht. Heute sind mehr als 30.000 Studenten eingeschrieben. Richtung Neckar im alten Marstall befindet sich die Zeughausmensa. Hier sind auch Gäste zugelassen und so machen wir im wunderschönen Innenhof, umgeben von historischen Gebäuden, eine Pause mit Kaffee und Kuchen.

Service Heidelberg:
Bahnfahrt ab/bis München 2. Klasse ab 59,80 €, 1. Klasse ab 79,80 €
Leonardo Hotel DZ ab 72 € inkl. Frühstück
Heidelberger Bergbahn Gesamtstrecke Berg- und Talfahrt 12 €
Mannheim – die Quadrate

Mannheim hat eine Besonderheit: Die schachbrettartig angelegte, hufeisenförmige Innenstadt zwischen Rhein und Neckar. Innerhalb der Ringstraßen wird das gitterförmige Straßennetz durch 144 nahezu gleichgroße Baublöcke – die Quadrate – gebildet. Im Südwesten steht das Mannheimer Schloss als eine Art Grundlinie. Die Altstadt geht in den Grundzügen auf den Festungs- und Stadtbau von Kurfürst Friedrich IV. aus dem Jahr 1606 zurück. Nach dem Pfälzischen Erbfolgekrieg mit Zerstörung und Wiederaufbau und der anschließenden Erweiterung der Stadt wurde die heutige Systematik mit Buchstaben und Ziffern als Straßennamen eingeführt.

So wohnte beispielsweise meine Großeltern im Haus U6, 24, wie die meisten Häuser aus rotem Sandstein gebaut. Um die Ecke in der Wirtschaft „Kleiner Rosengarten“, Adresse U6, 19, war oft ein bekannter Sohn der Stadt anzutreffen, Sepp Herberger.

Zwei große Plätze gibt es in der Innenstadt. Der Paradeplatz diente ursprünglich für Truppenaufmärsche, 1745 wurde hier das erste Kaufhaus Mannheims gebaut. Auf dem Marktplatz wird seit 1607 ein Lebensmittelmarkt abgehalten. 1709 wurde die Stadtpfarrkirche eingeweiht. Daneben wurde im gleichen Baustil das Alte Rathaus errichtet. Mein Großvater Heinrich war Oberamtmann bei der Stadtkasse Mannheim.

Mannheim – die kurfürstliche Residenz

Das größte Barockschloss Deutschlands war von 1720 bis 1777  Residenz der Kurfürsten von der Pfalz und ist heute Sitz der international renommierten Universität Mannheim. Es bildet zusammen mit der Jesuitenkirche, der Alten Sternwarte, dem Alten Rathaus und der Pfarrkirche St. Sebastian ein einheitliches Ensemble.

Mannheim – der Wasserturm

Am östlichen Rand der Quadrate liegt der Wasserturm, 1986 – 1989 erbaut, Mannheims Wahrzeichen mit 60 Meter Höhe. Umgeben wird er vom Friedrichsplatz, einer der größten zusammenhängenden Jugendstilanlagen Deutschlands. Mit seinen Arkaden, Wasserfontänen und Spazierwegen ist er beliebter Treffpunkt der „Mannemer“. Nach Osten führt die Augustaanlage, eine Allee zweireihig mit Platanen bepflanzt, zur schon im Jahr 1935 eröffneten Autobahn nach Heidelberg.

Mannheim – Kunst und Kultur durch Kurfürst Karl Theodor

Kurfürst Karl Theodor gründete 1763 die Mannheimer „Akademie der Wissenschaften“ und zog als Mäzen viele Künstler an seinen Hof, wie Wolfgang Amadeus Mozart und Voltaire. Diese goldene Ära Mannheims endete im Jahre 1777, als die bayerische Linie der Wittelsbacher ausstarb. Karl Theodor erbte Bayern und musste vertragsgemäß seine Residenz 1778 nach München verlegen. Das gerade eröffnete Nationaltheater in Mannheim wurde von ihm aber weiter unterstützt. 1782 fand hier im Beisein des Dichters die Uraufführung des Dramas „Die Räuber“ von Friedrich Schiller statt. Das renommierte Haus befindet sich 200 Meter nördlich des Wasserturms am Goetheplatz. München verdankt Kurfürst Karl Theodor den „Englischen Garten“ und das Karlstor mit seinen Flügelbauten am Stachus.

Mannheim – am Neckarstrand

Der am Neckar liegende Luisenpark wurde 1892 eröffnet und zur Bundesgartenschau 1975 aufgewertet. Auf der anderen Neckarseite war mein erstes Zuhause im Stadtteil Feudenheim.. Gegenüber der Innenstadt befindet sich das Arbeiterviertel Waldhof mit dem in den 80er Jahren in der Bundesliga spielenden Fußballclub „SV Waldhof 07“. In Mannheim rollte 1886 das erste Automobil von Carl Benz über die Straßen. Mein Großvater Georg war fast 50 Jahre bei Benz in Waldhof als Dreher beschäftigt.

Mannheim – am Rhein

1817 baute Karl Freiherr von Drais das erste Zweirad, mit dem er von seinem Wohnhaus in M1, 8 zum etwa sieben Kilometer entfernten Schwetzinger Relaishaus im heutigen Stadtteil Rheinau fuhr. Er benötigte für die Hin- und Rückfahrt nur eine Stunde.

Im Ursprünglich für Eisenbahner gegründeten Pfingstberg, einer idyllischen Siedlung in der Nähe von Rheinau, umgeben von Föhrenwald, wurde ich eingeschult. (Heidelberg-Mannheim 19 km)

Service Mannheim:
Bahnfahrt ab/bis München 2. Klasse ab 59,80 €, 1. Klasse ab 79,80 €
Mercure Hotel Mannheim am Friedensplatz DZ ab 59 € ohne Frühstück
Blütenpracht an der Bergstraße

Wir fahren mit der OEG Linie 5 vom Heidelberger Hauptbahnhof auf der Theodor-Heuss-Brücke über den Neckar und durch Neuenheim und Handschuhsheim nach Dossenheim.

Im Frühjahr zur Obstblüte ist ein Spaziergang oberhalb der Bergstraße ganz wunderbar. Zu einer Brotzeit kehren wir in der Besenwirtschaft „Dossema Weinhof“ ein. (Heidelberg-Dossenheim 7 km)

Heppenheim – Fachwerkhäuser am historischen Marktplatz

Einen schönen Marktplatz mit zahlreichen Fachwerkhäusern hat Heppenheim. Gegenüber des barocken Rathauses steht die Apotheke. Hier hat Justus von Liebig zehn Monate seiner Lehrzeit absolviert. Neben dem Gasthaus Goldener Engel befindet sich das Geburtshaus der Großmutter von Fürstin Gracia Patricia von Monaco. Der Mühlenrundweg führt zu einigen der ehemals 55 Mühlen der Stadt. Im Odenwald, am Lindelbrunnen oberhalb der Stadt, soll Hagen von Tronje den Helden Siegfried aus der Nibelungensage erschlagen haben. (Heidelberg-Heppenheim 33 km)

Kloster Lorsch – UNESCO Weltkulturerbe

Das Kloster wurde 764 gegründet und war bis zum hohen Mittelalter ein bedeutendes Macht-, Geistes- und Kulturzentrum. Die Torhalle ist ein spätkarolinischer Bau, erbaut um das Jahr 900. Die gesamte Anlage steht unter dem Schutz des UNESCO Weltkulturerbes. Gut gefällt uns auch der Klostergarten mit anschaulichen Erklärung zur Wirkung von Pflanzen und Kräutern.

Das Alte Rathaus im nahen Ortskern wurde nach dem Vorbild des Rathauses der Nachbarstadt Heppenheim gestaltet. (Heppenheim-Lorsch 8 km)

Service Bergstraße:
Bahnfahrt ab/bis München nach Heppenheim oder Bensheim  2. Klasse ab 59,80 €, 1. Klasse ab 79,80 €
Michel Hotel in Heppenheim ab 85 € inkl. Frühstück
Ladenburg – die Römerstadt am Neckar

Hier war schon in der Keltenzeit eine Siedlung. Der römische Kaiser Trajan erklärte in seinem ersten Regierungsjahr 98 n. Chr. „Lopodunum“ zur „civitas“. Um das Jahr 220 besaß die Römerstadt ein Forum mit Marktbasilika, einen Wochenmarkt, Tempel, ein römisches Theater, Thermen, Paläste und eine Stadtmauer.

Im Jahr 496 errichteten die Merowinger einen Königshof mit dem Namen „Palatium“. Auch in Karolingischer Zeit im 9. Jahrhundert behielt Ladenburg den Königshof.  Bischof Johann II. von Fleckenstein erhob die Stadt im Jahr 1400 zum Bischofsitz. Unter Bischof Johann von Dalberg (1455–1503) erlebte Ladenburg seine größte Blüte. Kaiser Maximilian besuchte 1512 die Stadt.

Wir bummeln durch die schöne Altstadt mit der Kirche St. Sebastian mit Bauteilen aus dem 9. Jahrhundert und dem späteren Dom St. Gallus aus dem 11. Jahrhundert. Die Reste der mittelalterlichen äußeren Stadtmauer stammen aus dem Jahr 1200.

Zu ihr gehören der Hexenturm, der Pfaffenturm und das Martinstor. Einzigartig sind die zahlreichen Fachwerkhäusern aus dem 15. bis 18. Jahrhundert. Die blumengeschmückten, mit Kopfstein gepflasterten Gassen und der Marktplatz mit dem Marienbrunnen und den hübschen Straßencafés bezaubern uns.

Als Carl Benz sich 1903 mit der Geschäftsleitung des von ihm gegründeten Mannheimer Automobilherstellers Benz & Cie. überworfen hatte, gründete er in Ladenburg 1906 ein neues Automobilwerk mit seinem Sohn Eugen. Heute ist in dem Fabrikgebäude aus der Gründerzeit ein Automuseum mit 120 Fahrzeugen untergebracht. (Heidelberg-Ladenburg 14 km)

Das Kuckucksbähnel im Pfälzer Wald

Heute geht es mit der S-Bahn über den Rhein, an Ludwigshafen und Neustadt an der Weinstraße vorbei nach Lambrecht. Dort wartet der Dampfzug zur gemütlichen Fahrt durch das romantische Tal des Speyerbachs zur Endstation im 14 Kilometer entfernten Elmstein.

Die Fahrt dauert eine knappe Stunde und für durstige Seelen wird ein Barwagen mitgeführt. In Elmstein haben wir eine gute Stunde Aufenthalt – Zeit genug für Kaffee und Kuchen im KuckucksStübchen.

Von Worms nach Bensheim mit der 23042

In Worms am Rhein, der Nibelungenstadt, besuchen wir den Karfreitagsgottesdienst im romanischen Kaiserdom. Worms war schon in der Jungsteinzeit besiedelt, unter Kaiser Augustus ein römischer Militärstützpunkt und im Mittelalter fanden hier Reichs- und Hoftage statt.

Auf dem Reichstag zu Worms im Jahr 1521 verteidigte Martin Luther gegenüber Kaiser Karl V. seine 95 Thesen.

Nach dem Gottesdienst laufen wir zum Hauptbahnhof und steigen in den Nibelungenexpress, einem historischer Dampfzug ein, der uns über den Rhein nach Bensheim an die Bergstraße bringt. Vorgespannt ist die schwere Schnellzuglokomotive 23042.  In Bensheim steigen wir in die Regionalbahn um und fahren zurück nach Heidelberg. (Heidelberg-Worms 43 km)

Der Speyer Dom – UNESCO Weltkulturerbe

Dieser Kaiserdom ist die größte erhaltene romanische Kirche der Welt und UNESCO Weltkulturerbe. Der salische König und spätere Kaiser Konrad II. ließ 1025 mit dem Bau beginnen. Sein Sohn Heinrich III. stiftete zur Altarweihe im Jahr 1046 eine wertvolle Pergamenthandschrift, das „Speyerer Evangeliar“. Unter Heinrich IV wurde der Bau im Jahr 1061 geweiht. Er ließ den Dom später umbauen und vergrößern. 

Der letzte salische Kaiser war Heinrich V. Diese vier Kaiser sind in der Krypta beigesetzt. (Heidelberg-Speyer 25 km)

Service Pfalz:
Kuckucksbähnel Lambrecht – Elmstein und zurück 14 €

Diese Reisen fanden im April und August 2009 und 2010 statt. Ich reiste mit meiner Frau, Verwandten und Freunden. Tarifstand September 2018.

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