Rhein, Neckar, Mosel und Saar – eine Flusskreuzfahrt

In einer Fachzeitschrift habe ich bei einem Preisrätsel eine Flusskeuzfahrt auf dem Rhein und seinen Nebenflüssen mit dem Schiff „Leonardo da Vinci“ der Croisière Europe gewonnen. Die Elsässer Reederei betreibt mehr als 30 Schiffe. Das Paket umfasst Ausflüge, Vollpension und alle Getränke. Mein Freund Roli erklärt sich spontan bereit mich zu begleiten.

1. Tag: So finden wir uns im ICE nach Mannheim wieder und steigen dort in den TGV nach Straßburg um. Er hat den Zielbahnhof Marseille St. Charles. Seltsamerweise wird der train à grande vitesse“ im Bahnhof Rastatt nacheinander von einem ICE, einem Güterzug und einer Straßenbahn überholt und kommt mit 30 Minuten Verspätung in Straßburg an. Mit der modernen Großraum-Tram geht es durch die schöne Stadt in die Nähe des Rhein-Hafens und dann zu Fuß zum Schiffsanleger.

MS Leonardo da Vinci auf dem Rhein

Ein nettes Team von 23 Personen, vom Kapitän aus dem Elsass bis zu den Zimmermädchen aus der Slowakei und Ungarn empfängt uns herzlich. Die durchwegs älteren Gäste kommen zum Großteil aus dem Raum Oldenburg.

Nach einem Apéretif zur Begrüßung im Salon gibt es das Abendmenü im Restaurant. An unserem Tisch sitzen Marietta und Helmut aus Oldenburg und Rosi und Klaus aus Bremen. Eine sehr nette Tischgesellschaft. Serviert werden Terrine, Hähnchen mit Gemüsetagliatelle und Obsttörtchen. Zur Auswahl stehen zudem acht verschiedene Flaschenweine.

Am späten Abend legt das Schiff ab und fährt durch die Schleuse Straßburg in den Rhein. Hier passiert es gleich die größte Schleuse der Reise bei Iffezheim.

2. Tag: Am Morgen liegen wir in Mannheim an der Neckarbrücke. Drei Busse mit Reiseleitern besetzt, bringen uns am Wasserturm vorbei durch die Augustaanlage und auf einer der ältesten Autobahnen Deutschlands nach Heidelberg (UNESCO WELTKULTURERBE). Leider regnet es in Strömen und so ist der sonst herrliche Blick vom Schloss auf die Altstadt, den Fluss und den Philosophenweg etwas getrübt.

Nach einem verkürzten Spaziergang durch die Altstadt verbringen Roli und ich die restliche freie Zeit bei Cappuccino in der schönen Mensa im historischen Marstall, mal zur Abwechslung umgeben von jungen Leuten. Das Schiff ist inzwischen von Mannheim aus den Neckar hinaufgefahren, hat dabei einige Schleusen passiert und legt direkt am Marstall an. Nach dem Ablegen am gibt es das Mittagsmenü. Geplant war die Weiterfahrt bis Eberbach und Übernachtung am dortigen Kai. Indes dreht das Schiff nach fünf Kilometern Fahrt vor Neckarsteinach um. Pascal, der Kapitän, erscheint im Speisesaal und erklärt, dass man bei den andauernden Regenfällen nicht mehr sicher sein könne, am nächsten Tag noch unter den Brücken unterhalb von Heidelberg durchzupassen und er sich daher entschieden habe, gleich nach Mannheim zurückzufahren und dort über Nacht an der Rheinbrücke anzulegen. Passagiere, die nach Eberbach wollen, würden im Bus von Heidelberg aus hingefahren und später zum Schiff nach Mannheim zurück gebracht. Eine Busladung Unverdrossener kommt zusammen und nimmt an diesem Ausflug teil.

BASF Ludwigshafen am Rhein

3. Tag: Heute ist es trocken, aber bedeckt. Wir fahren zunächst auf dem Rhein kilometerlang an den Anlagen der Badischen Anilin- und Sodafabrik BASF in Ludwigshafen vorbei. Danach kommt die Nibelungenbrücke von Worms und der Kaiserdom ins Blickfeld.

Nibelungenbrücke über den Rhein bei Worms

Mittags passieren wir die Mainmündung und Mainz. Das Schiff legt in Rüdesheim am Rhein an. Dort erwarten uns zwei kleine, motorgetriebene Züglein, Winzerexpress genannt, die uns vom Anleger durch die Stadt hinauf zu „Siegfried´s Mechanischem Musikkabinett“ bringen.

In Siegfried´s Mechanischem Musikkabinett - Rüdesheim am Rhein

Die Sammlung ist eine der größten und schönsten ihrer Art. Während der hochinteressanten Führung können wir insgesamt über 350 selbstspielende Musikinstrumente aus dem 18. bis 20. Jahrhundert ansehen und teilweise auch -hören, von der zarten Spieluhr bis zum riesigen Konzert-Piano-Orchestrion. 

Drosselgasse Rüdesheim am Rhein

Nach einem Bummel durch die Drosselgasse mit ihren unzähligen Gaststätten, Spelunken und Weinlokalen gönnen Roli und ich uns in einer Gartenwirtschaft einen „Rüdesheimer Kaffee“ mit Sahne und Schokoladenraspeln und mit Asbach Uralt flambiert. Das Schiff bleibt nachts vor Anker.

4. Tag: Es geht weiter rheinabwärts durch das Mittelrheintal (UNESCO WELTKULTURERBE) mit seinen zahlreichen Winzerorten und Burgen. Leider ist es immer noch trüb und an Deck recht frisch. Steuerbord taucht als erstes die Burgruine Fürstenberg mit ihrem gut erhaltenen Rundturm auf, es folgt Lorchhausen mit der großen Pfarrkirche. Backbord thront die Jugendherberge Burg Stahleck über dem Winzerort Bacharach am Rhein.

Pfalzgrafenstein im Rhein

Die Burg Pfalzgrafenstein steht auf einer kleinen Insel mitten im Rhein. Am rechten Ufer folgen Kaub und die Burg Gutenfels. Die Schönburg macht Ihrem Namen alle Ehre.

Schönburg über dem Rhein

In Oberwesel sehen wir den Hirtenturm am Hang und am Fluss steht der Katzenturm. Die Kurve an der Loreley ist für uns heute kein großes Problem. Der Sage nach saß ein bezauberndes Mädchen mit langen blonden Haaren namens Loreley auf dem Felsen am Rhein, kämmte ihr goldenes Haar und sang dabei eine liebliche Melodie. Die abgelenkten Schiffer fuhren auf die gefährlichen Riffe, Felsen und Untiefen des Rheins an dieser Stelle und so mancher kam dabei ums Leben.

Es folgen rechts die Burg Katz, links St. Goar mit der Burg Rheinfels und die „Feindlichen Brüder“, die Burgen Sterrenberg und Liebenstein.

Spay am Rhein

Backbord ziehen wir an den hübschen Fachwerkhäusern von Spay vorbei, Steuerbord thront die Marksburg auf einem Felsen. Es kommt uns unser Schwesterschiff MS „Gérard Schmitter“ entgegen und wird gebührend mit dem Schiffshorn begrüßt. An der mächtigen Burg Ehrenbreitstein biegen wir am Deutschen Eck vorbei vom Rhein in die Mosel ein. An der Altstadt entlang erreichen wir die Schleusse Koblenz.

Kapitän Pascal steht persönlich am Steuerstand auf dem Vorderdeck. Die Moselschleussen sind recht eng. Die Burg Bischofstein, der Moseldom Karden mit seinen wuchtigen, rechteckigen Türmen und die steilen Weinberge, wie der „Pommerner Goldberg“, sind die nächsten Höhepunkte. 

Nach passieren einiger weiterer Schleusen erreichen wir am Nachmittag Cochem. Beim Winzer Hieronomi gibt es für die Gäste eine ausführliche Erklärung zum Weinbau an der Mosel, Besichtigung einiger Weinkeller und eine Weinprobe mit Müller-Thurgau und den typischen Rieslingweinen.

Nach zwei Stunden im Weinkeller klart es auf und die Sonne kommt heraus. Ich bummle noch etwas durch das hübsche Städtchen. Durchs Enderttor aus dem Jahr 1332 komme ich zum gemütlichen Marktplatz. Dort stehen einige stattliche Fachwerk-Giebelhäuser mit Moselschiefer gedeckt und das barocke Rathaus. Das Ensemble wird von der Reichsburg aus dem 12./13. Jahrhundert überragt.

Wir bleiben über Nacht in Cochem.

5. Tag: Endlich ein warmer und sonniger Tag und so können wir vom Sonnendeck die schöne Flusslandschaft genießen.

Wir passieren Traben-Trarbach mir seinen Jugendstilgebäuden und einige bekannte Weinorte wie Ürzig und Kröv. Der bekannteste Weinberg ist die Lage „Kröver Nacktarsch“.

Nach der nächsten Kurve kommen die Pfeiler der im Bau befindlichen Hochmoselbrücke in Sicht, die die schöne Tallandschaft zukünftig verschandelt. Mittags legen wir in Bernkastel-Kues an und ich spaziere mit Roli durch den malerischen Ort. Die Pfarrkirche St. Michael beeindruckt mit ihrem imposanten 600 Jahre alten Turm.

Das Rathaus mit dem massiven Erdgeschoß aus dem Jahr 1416 markiert den Übergang von der Renaissance zum Barock. Am bezaubernden Spitzhäuschen und dem Doktorkeller vorbei, steigen wir hinauf zum Schützenhaus mit einer schönen Aussicht auf den Ort und das Tal.

Am Nachmittag lockt wieder das Sonnendeck bis zum Abendessen. Danach gibt es im Salon einen bunten Abend mit Showeinlagen der Besatzung. Zuvor haben wir schon in Trier (UNESCO WELTKULTURERBE) angelegt, leider weit abseits des Zentrums im Industriehafen.

6. Tag: Schon um 8 Uhr am nächsten Morgen werden wir mit drei Bussen abgeholt und zur Porta Nigra, dem alten römischen Stadttor gefahren. Dort stehen Stadtführer für uns bereit. Trier ist die älteste Stadt Deutschlands und war im 3. und 4. Jahrhundert eine große Metropole des römischen Reiches und unter Kaiser Konstantin Regierungssitz. In dieser Zeit wurde das römische Reich christlich. Im Mittelalter war Trier die „Heilige Stadt“ mit vielen Kirchen und Klöstern und ein bekannter Handelsplatz,

das Marktkreuz auf dem Hauptmarkt, die gotische Steipe und die Löwen-Apotheke zeugen davon. Das frühgotische Dreikönigenhaus entstand aus einem romanischen Wohnturm. Nach Jahrzehnten des Niedergags kam zu Beginn des 18. Jahrhunderts ein neuer Aufschwung: Das Kurfürstliche Palais wurde erbaut und der Palastgarten im Rokokostil angelegt.

.   

Unsere Tour führt an der Konstantin-Basilika, einer römischen Palastaula vorbei zum Dom. Der Dom hat seinen Ursprung schon im 4. Jahrhundert, die benachbarte Liebfrauenkirche ist die älteste gotische Kirche Deutschlands. Auf dem Rückweg kommen wir am Wohnhaus des bedeutendsten Sohnes der Stadt vorbei: Karl Marx. Er wurde am 5. Mai 1818 in der Brückenstraße geboren, die Familie zog ein Jahr später in das Wohnhaus in der Simeonstr. 8 ein.  

Heute pendeln viele Trierer nach Luxemburg zum Arbeiten.

Nach der interessanten Stadtführung werden wir nach Saarburg gebracht, wo inzwischen unser Schiff liegt. Hier setzt sich nach dem Frühnebel in Trier auch wieder die Sonne durch und das Schiff passiert Mettlach. Hinter der Barockfassade des ehemaligen Klosters verbirgt sich heute die Firmenzentrale von Villeroy und Boch, der bekannten Porzellanfabrik im Dreiländereck Luxemburg, Frankreich und Deutschland. 

Danach steuert das Schiff durch die Saarschleife, einem landschaftlichen Höhepunkt unserer Flussreise. Der Saarradweg ist gut frequentiert. Bei Völklingen passieren wir die berühmte Stahlhütte, die unter UNESCO WELTKULTURERBE steht.

Während des Galadinners legen wir am Abend in Saarbrücken an.

7. Tag: Nach dem Frühstück nehmen wir Abschied vom Schiff, der Besatzung, Helmut und Marietta und fahren mit Rosi und Klaus mit dem Stadtbus zum Bahnhof. Wir verbringen noch einige Zeit zusammen in der Sonne bis unser TGV nach Mannheim einfährt. 

Er kommt aus Paris und fährt weiter bis Frankfurt. Von Mannheim geht es mit der S-Bahn nach Heidelberg, wo wir den Eurocity nach München (Zielort Graz) erreichen.
Werbung:



Fazit: Die Mittags- und Abendmenüs wurden durchwegs sehr schön angerichtet, sind abwechslungsreich, schonend gegahrt und waren sehr wohlschmeckend. Es gab z.B. Lauchquiche, gefüllte Lachsröllchen, Tomaten mit Büffelmozzarella, Kabeljau, Entenbrust in Pinot-noir Sauce, Tafelspitz, Elsässisches Sauerkraut, Kalbsragout, Seehecht, Tiramisu, Crèpes, Suprême Liégrois, Mirabellen-Tart, Himbeer-Sorbet, Brie, Münsterkäse und Café. Nach dem Abendessen gab es jeweils ein kleines Programm mit Spielen, Quiz, Tanz und Musik im Salon. Manche der älteren Gäste tanzten ausdauernder als so manche junge. 

Die Fahrtstrecke betrug ca. 700 km.

Service Flusskreuzfahrt:
Zauberhaftes Deutschland ab 1098 € inkl. Vollpension plus, Getränke und Ausflüge.
Diese Reise fand im September 2014 statt. Ich reiste mit einem Freund. Reisepreis: Stand 2018.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.