Jeju – die Insel der Taucherinnen

Jeju ist eine sehr fruchtbare, subtropische Vulkaninsel im Ostchinesischen Meer vor der Küste von Südkorea. Sie hat knapp die Größe Teneriffas und ist von Seoul in einer guten Flugstunde erreichbar. Folgen Sie mir in die Heimat der „Haenyeo“, der Taucherinnen von Jeju.

Die Nordküste mit der Provinzhauptstadt Jeju-City

6. Tag: Ich habe meinen Besuch in der Hauptstadt Seoul beendet und bin mit der U-Bahn zum Flughafen Gimpo gefahren. Der Flug nach Jeju mit Asiana Airlines, dem Partner der Lufthansa, dauert eine gute Stunde. Ich habe bei Avis einen Mietwagen gebucht und erhalte den Schlüssel und die Papiere für einen weißen Hyundai Avant i ausgehändigt.

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An der Ausfahrt des Flughafens begrüßt mich die schon der erste „Steingroßvater“, das sind Steinskulpturen aus schwarzer Lava, die einen freundlichen Alten darstellen und Schutzgötter sind. Sie sind auf der Insel an jedem Ortseingang zu finden. Hier an der Nordküste liegt die Provinzhauptstadt Jeju-City mit ihrem Fährhafen. Westlich davon steht der Yongduam-Felsen an der Küste, eine Basaltformation, die wie ein Kopf mit einem offenen Schlund aussieht.

Die Mitte der Insel mit dem höchsten Berg Südkoreas

Ich verlasse die Nordküste und fahre hinauf bis zur Raststätte „Hill Rest 1100“ auf 1.100 Meter Höhe am Hang des Hallasan gelegen. Der nicht mehr aktive Schildvulkan ist mit 1.950 Meter Höhe der höchste Berg Südkoreas  und eines der drei Gebiete auf der Insel die zum UNESCO Weltnaturerbe zählen. Vom Parkplatz aus führen einige Wanderwege in den Nationalpark hinein.

Der Süden mit den Ferienresorts

Ich fahre weiter in Richtung Süden. Die Landschaft ist durch den Vulkanismus sehr fruchtbar. Im subtropischen Klima gedeihen Südfrüchte hervorragend, überall hängen gelbe und orangefarbige Zitrusgewächse an den Bäumen.

An Verkaufsständen werden frische Orangen, Mandarinen und Pampelmusen angeboten. Auf den Feldern blüht der Raps und schon bald taucht die Südküste am Horizont auf.

Wenig später erreiche ich das Jungmun Resort. Ich habe mir ein Zimmer im luxuriösen „Hyatt Regency Hotel“ direkt an der Steilküste reserviert. Wie alle Häuser dieser Kette finde ich auch hier einen hohen, lichten Innenhof vor mit Teichanlage und Grünpflanzen, die sich über die Stockwerke hinaufranken.

Ein gläserner Aufzug bringt mich in die 7. Etage. Mein Zimmer ist sehr groß, mit Schreibtisch, Sessel und Sofa, Barschrank mit Kaffeemaschine und einem Balkon mit seitlichem Meerblick ausgestattet.

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Zum hellen Sandstrand führt ein Pfad hinunter, der von großen Pinien beschattet wird. Am Ende der Bucht ragen die Jusangjeolli Dae ins Ostchinesische Meer. Das sind Klippen, die aus vielen, hoch aufragenden und eckigen Basaltsäulen bestehen.

Zum Abendessen im Panorama-Restaurant lasse ich mir eine frisch vor der Küste gefangene rosafarbene Meerbrasse schmecken.

Die Westküste mit dem Fischereihafen Hallim

7. Tag: Heute fahre ich die Westküste entlang. Als erstes erreiche ich die Yongmeori Coast, ein felsiger Küstenabschnitt mit einer tief eingeschnittenen Schlucht, die zum Meer führt.

Hier erlitt der Seefahrer Hendrick Hamel 1653 mit dem Schiff „De Sperwer“ Schiffbruch. Er war im Auftrag der VOC – Niederländische Ostindien-Kompanie  – unterwegs. Er und 36 überlebende Holländer wurden festgenommen. Der Prefekt von Jeju ließ Jan Janse Weltevree zum Übersetzen holen, ein Landsmann Hamels, der schon 27 Jahre früher in Korea gelandet war. Der Vorfall wurde auch dem König in Seoul gemeldet. Dieser wollte die Gefangenen am Hof sehen und so verbrachten die Holländer zwei Jahre in Seoul, wo sie zeitweise sogar in der königlichen Garde dienten. Später fielen sie in Ungnade und wurden schließlich in die Jeolla Provinz verbannt. Nach insgesamt 13 Jahren Gefangenschaft gelang es Hamel 1666 mit sieben Besatzungsmitgliedern in einem Fischerboot nach Japan zu fliehen. Von dort kehrte Hendrick Hamel ein Jahr später ins Hauptquartier der VOC-Handelsschifffahrt nach Batavia (heute Jakarta) zurück. So gelangte ein erster, ausführlicher Bericht über Korea nach Europa. Ein Nachbau der „De Sperwer“ und ein Museum können hier am Strand besucht werden.

Auf der Weiterfahrt komme ich an dem Vulkanberg Sanbang mit seinen Höhlensystemen vorbei. Wie ein Monolit beherrscht er die Landschaft im Südwesten der Insel. Ein weiterer Vulkan namens Songak-San liegt direkt an der Küste.

Etwas nördlich, von einem roten, eisernen Leuchtturm aus blicke ich auf die Insel Chagwi Do.

Hallim ist der größte Fischereihafen an der Westküste. Um die Mittagszeit liegen die Kutter noch dicht an dicht im Hafen, später werden Sie auslaufen und ihre Beute am frühen Morgen anlanden.

Im Vulkangebiet am Fuß des Hallasan

8. Tag: Heute fahre ich an der Südflanke des Hallasan an den Rand des San-Gumburi Kraters der einen Umfang von zwei Kilometern hat. In der Nähe auf den mit Steinwällen (Batdam) begrenzten Felder besichtige ich Steinwallgräber (Sandam).

Einige Kilometer weiter liegt der Einstieg zur „Manjanggul Lava Tube“, mit einer Breite von bis zu 23 Meter, einer Höhe von 30 Meter und einer Länge von knapp 9 Kilometer ist sie eine der längsten Lavaröhren der Welt. Sie zählt zum UNESCO-Weltnaturerbe.

Eine Treppe führt hinunter zum Zugang in diese Unterwelt. Es gibt sogar Leben in der Dunkelheit. Neben der Jeju Höhlenspinne leben 30.000 Langschwingen-Fledermäuse hier.

Zurückgekehrt ins Tageslicht, bewundere ich im Kassenbereich die Beete mit verschiedenfarbigem Zierkohl, angelegt wie Blumenrabatte bei uns. Es zeigt die Wertschätzung dieses Gemüses in Korea.

Mehr über die Einwohner erfahre ich dann am Nachmittag im „Jeju Folk Village Museum“ in Seongeup-ri . Es werden Tanzvorführungen geboten.

Weiß gekleidete Frauen und Männer mit roten und gelben Hüftschals tanzen und musizieren mit Trommeln, Tamburinen, kleinen Gongs und Schellen. Das Volkskundedorf besteht aus strohgedeckte Häusern und Höfen mit Mauern aus Lavastein.

Auf dem Heimweg komme ich am Stadion von Seogwipo-si vorbei, das für die Fussballweltmeisterschaften 2002 in Korea und Japan erbaut wurde und in dem zwei Vorrundenspiele und das Achtelfinale Deutschland : Paraguay ausgetragen wurden. Markant ist die sichelförmige Dachkonstruktion.

Haenyeo – die Taucherinnen von Jeju

9. Tag: Mein Highlight des Aufenthalts auf der Vulkaninsel ist die heutige Begegnung mit den Taucherinnen von Jeju und ihrer Geschichte. Dazu fahre ich zunächst ins Museum an der Ostküste bei Gujwa-eup. Die „Haenyeo“ tauchen ohne Sauerstoff ungefähr zwei Minuten in bis etwa zehn Meter Tiefe um Meeresfrüchte zu sammeln.

Im Saal 1 wird das Modell eines traditionellen Fischerdorfs gezeigt. Vor der Siedlung aus strohgedeckten Häusern wurde im Meer eine halbkreisförmiger Wall aus Lavasteinen (Wondam) errichtet um Fische zu fangen. Am Kai stehen zwei Türme, von einem wird bei Tauchgängen in der Nacht das Meer ausgeleuchtet und der andere Turm soll böse Mächte bannen. An einem Feuerplatz konnten sich die Frauen nach getaner Arbeit aufwärmen.

In Saal 2 sind die Arbeitsutensilien der Taucherinnen ausgestellt. Im Saal 3 wird auch das Leben der Ehemänner der Taucherinnen gezeigt, die in Fischerbooten aufs Meer gefahren sind um Fische zu fangen.

Auch die Taucherinnen sind aufs Meer hinaus gefahren und haben vor den Küsten der koreanischen Halbinsel getaucht, sind über das Gelbe Meer bis China und übers Japanische Meer zu den Inseln des Kaiserreichs und bis Russland vorgedrungen. Die alten Lieder der Frauen werden eingespielt. Im Saal 4 wird das Leben der Taucherinnen kindgerecht aufbereitet.

Ganz im Osten in Seongsan-po, dem „Hafen am burgartigem Berg“, konnte ich den Taucherinnen bei der Arbeit zusehen.

Sie tauchen in Neopren-Anzügen und mit Flossen und haben altmodische Tauchbrillen auf. An einem Gürtel hängt ein Netz zum einsammeln der Tintenfische, Seeigel, Seeschnecken, Muscheln und Austern.

Die Frauen sind meist schon älter und es fehlt an Nachwuchs. Keine junge Frau möchte diesem schweren Beruf nachgehen und so wird diese alte Tradition wohl aussterben.

Der Sonnenaufgangsberg im Südosten

Fehlt mir noch der Aufstieg zum Seong San Ilchulbong, dem „burgähnlichen Sonnenaufgangsberg“, dem dritten UNESCO Weltnaturerbe der Insel. Er ist einer der 360 Nebenvulkane und Vulkanschlote der Insel. Schüler und Schülerinnen einer Schulfahrt stellen sich auf einer breiten Wiese zum Foto bereit. Dahinter beginnt der Treppenweg hinauf zum Krater.

Der Gombawi Felsen auf halben Weg ist ein beliebtes Fotomotiv. Während der Verschnaufpausen lasse ich den Blick über die wunderbare Landschaft und das Meer schweifen. Oben gibt es eine hölzerne Plattform, die einen Blick in den Schlund des Vulkans ermöglicht.

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Auf dem Weg zurück ins Hotel nehme ich die südliche Küstenstraße. Am Strand sind Tintenfische an einer Leine zum Trocknen aufgehängt (Titelfoto) und die enge, kurvenreiche Straße ist mit niedrigen Steinmauern begrenzt. Steinmännchen sind an Weggabelungen aufgeschichtet und eine kleine Pagode mit einer großen Glocke im Inneren bildet den Mittelpunkt einer kleinen Siedlung.

Auf einem bewaldeten Fußweg wandere ich zum Cheonjiyeon-Wasserfall der sich von den Klippen in ein Becken mit klarem Wasser ergießt.

10. Tag: Nach einem ausführlichen Frühstück in Jungmun fahre ich über die an der Ostküste zum Flughafen im Norden der Insel zurück. Ich gebe meinen Mietwagen ab und fliege zurück nach Seoul. Dann nehme ich die Schnellbahn zum internationalen Flughafen, der auf einer Insel im Gelben Meer vor der Stadt Incheon liegt. Der Hotel-Shuttle des Queen Airport Hotels bringt mich in mein Quartier. Gegenüber des Hotels esse ich in einem netten Restaurant zu Abend.

11. Tag: Mein Lufthansa-Flug nach München hebt pünktlich um 13:15 Uhr ab und landet um 17:10 Uhr noch am selben Nachmittag (Ortszeit) in München.

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Service Jeju:
Linienflug Seoul(Gimpo) – Jeju und zurück mit Korean Air ab 256 € mit Gepäck
Hotel Hyatt Regency EZ ab 159 €
Mietwagen von Avis , Kat. Mittelklasse (Hyundai Avant i) für 5 Tage ab 325 €
Lava Tube: Eintritt 2 €
Hallasan Nationalpark: Eintritt frei.
Queen Airport Hotel Incheon EZ ab 99 €

Diese Reise fand im März 2010 statt. Ich reiste allein. Tarifstand März 2019.

Meine Bewertungen:

Hyatt Recency Jeju

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