Seoul – hip und traditionell

Die Hauptstadt Koreas hat zehn Millionen Einwohner und neben fünf sehenswerte Königspalästen, einer eigenständigen, schmackhaften Küche auch eine hippe Jugendkultur und viel moderne Kunst und Architektur zu bieten.

Anreise

1. Tag: Ich nehme den direkten Lufthansa-Flug von München nach Incheon, der Hafenstadt am Gelben Meer mit dem auf einer Insel vorgelagerten internationalen Flughafen. Die Maschine vom Typ Airbus A340-300 startet um 12:00 Uhr und erreicht Korea am nächsten Morgen um 06:30 Uhr.

2. Tag: Nach den Zoll- und Einreiseformalitäten bringt mich der Airport Express in einer knappen Stunde in die 50 Kilometer nordöstlich gelegene Hauptstadt Seoul. Ich steige an der Station „Gongdeok“ in die U-Bahn Linie 5 um, dann noch neun Minuten oder fünf Haltestellen bis zur Station „Jongno 3“. Der Stadtteil Jongno-Gu ist das historische Zentrum Seouls und hier mitten im Viertel in einer der Gassen liegt die Pension Yim’s House**. Hier habe ich für vier Nächte ein Zimmer gemietet.

Nach einer kurzen Mittagspause nehme die U-Bahn Linie 1 zum Rathaus im neuen Zentrum der Stadt. Zur City Hall sind es nur zwei Stationen. Gegenüber steht

der Deoksugung Palast mit einer farbenprächtige Wachablösung.

Er ist einer von fünf koreanischen Königspalästen. Die ehemalige Villa eines Prinzen wurde 1598 provisorischer Sitz des Königshauses, als im Imjin-Krieg alle anderen Paläste zerstört wurden. Am Haupteingang, dem Daehanmun-Tor, findet drei Mal täglich die farbenprächtige Wachablösung der Königlichen Garde statt.

Die Hauptstraße Taepyeongno ist die längste und breiteste Verkehrsachse durchs Zentrum. Ich gehe an der Samsung Plaza vorbei zum alten Südtor Namdaemun.

Der Namdaemun Markt – Arbeitsplatz für 10.000 Menschen

ist der größte traditionelle Markt Koreas, seit 1414 befindet er sich an diesem Platz, 900 Meter südlich des heutigen Rathauses.

Mehr als 10.000 Menschen arbeiten in den Läden, Verkaufsständen und Restaurants oder als Lastenträger. In einer kleinen Halle arbeiten ein Dutzend Schneiderinnen an ihren Nähtischen, Haushaltswarengeschäfte reihen sich aneinander, Töpfe und Pfannen hängen in der Auslage.

Im Lebensmittelbereich des Marktes werden Gewürze und Knoblauch, Fisch und Tintenfisch angeboten.

Der Fisch ist sorgsam an Schnüren, die von der Decke hängen, aufgefädelt. Die meisten Läden bieten Kimschi an. Das ist fermentiertes Gemüse, meist Chinakohl, das traditionell Ende November von koreanischen Hausfrauen eingelegt wird und ehemals als wichtiger Ersatz für frisches Gemüse im Winter diente.

Die Einführung und Verbreitung der Chilischote im Fernen Osten im 17. Jahrhundert durch die Portugiesen veränderte die gesamte koreanische Küche. Es gibt bis zu 160 verschiedene Kimchisorten, die meist recht scharf sind.

Der Changdeokgung-Palast – die Schönheit koreanischer Landschaftsarchitektur

3. Tag: Der „Palast der glänzenden Tugend“ steht gleich um die Ecke von Yim´s House. Er ist nicht nur einer der fünf noch erhaltenen Königspalästen aus der Joseon-Dynastie, sondern auch eine von zwei UNESCO-Weltkulturerbestätten.

Er war 270 Jahre lang die Hauptresidenz der koreanischen Könige. Hier lebten 14 Herrscher, so auch Koreas letzter König Sunjong bis zu seinem Tod 1926 und die letzten Mitglieder der königlichen Familie bis 1989.

Der Changdeokgung-Palast besteht aus drei Bereichen: dem Verwaltungsbereich, dem Wohnbereich und dem hinteren Garten.

Zum Verwaltungsbereich gehören das Haupttor Donhwamun und die große Audienzhalle Injeongjeon.

Zum Wohnbereich gehören Huijeongdang, die Privatgemächer des Königs, Daejojeon die Privatgemächer der Königin sowie Nakseonjae, die letzte Residenz der königlichen Familie.

Hauptattraktionen des Palastes sind jedoch der hintere Garten Huwon und der geheime Garten Biwon. Die Gärten sind 32 Hektar groß und fügen sich harmonisch in das hügelige Terrain ein. Zahlreiche Pavillons, Lotusteiche und teils über 300 Jahre alte Bäume – das alles bezaubert mich.

Früher durfte nur die der königlichen Familie das Tor passieren und den „Geheimen Garten“ betreten.

Insa Dong – das traditionellste Viertel

Am Nachmittag besuche ich das Viertel Insa Dong nur 500 Meter östlich meiner Pension. Es wurde vor mehr als 500 Jahren als Viertel der Regierungsbeamten am Hof gegründet. Heute ist es eine Mischung aus alt und modern und gilt bei Einheimischen und Besuchern als das traditionellste Viertel Seouls.

In den historischen Häusern der Beamten und in den Residenzen der höheren Beamten in Ruhestand sind heute meist Restaurants, traditionelle Teehäuser, Kunsthandwerk, Galerien und Antiquitätenhändler untergebracht. In den Nagwan Arkaden mit einem Markt für Musikinstrumente gibt es Spezialgeschäften für Reiskuchen und für koreanische Spezialitäten.  

Jongmyo – der Königliche Schrein

4. Tag: Heute morgen besuche ich den Königlichen Schrein Jongmyo. Er liegt 700 Meter östlich von Yim’s House und ist der Ahnenverehrung und den Seelen der Könige und Königinnen der Joseon Dynastie gewidmet, die Korea von 1392 bis 1910 beherrschte und den Konfuzianismus in Korea förderte. Der Schrein gehört zum UNESCO Weltkulturerbe. Das jährlich im Schrein abgehaltene Ritual der Ahnenverehrung und die dazugehörige Musik gehören zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit.

Jongmyo besteht aus zwei Hallen: der Haupthalle Jeongjeon und der Nebenhalle Yeongnyeongjeon, die getrennt voneinander in einem Park liegen.

Jeongjeon hat eine Länge von etwa 100 Metern und ist damit der längste einteilige Holzbau in traditionellem Stil in Korea. Unter einem Vordach öffnen sich die Eingänge zu 19 Kammern, in denen die Gedenktafeln von 19 Königen und 30 Königinnen aufbewahrt werden.

Der Hof, in dem die Halle liegt, ist etwa 140 Meter lang und 90 Meter breit. An der Eingangsseite des Hofs liegt rechts des Torbaus der Schrein Gongsindang in dem 83 Gedenktafeln für verdiente Untergebene der Joseon-Dynastie aufbewahrt werden und links Shilsadang, ein Schrein für die Götter des Himmels und der Erde.

Auch Yeongnyeongjeon ist eine langgestreckte Halle, jedoch nur etwa 70 Meter lang. Sie ist ähnlich aufgebaut wie Jeongjeon, hat aber einen leicht erhöhten Mittelteil. Die Halle hat 16 Kammern, in denen die Gedenktafeln von 16 Königen und 18 Königinnen aufbewahrt werden. Dazu zählen auch vier Generationen von Taejos Vorfahren und Mitglieder der königlichen Familie, die postum zum König oder zur Königin ernannt wurden. Der ummauerte Hof, in dem die Halle liegt, ist etwa 90 Meter breit und 80 Meter tief.

Gyeongbokgung Palast – der größte der fünf Königspaläste

Der Palast der „strahlenden Glückseligkeit“ ist der erste und zugleich größte von fünf Königspalästen. Der Gründer der Joseon-Dynastie Taejo hatte Seoul 1394 zur Hauptstadt gemacht und im Jahr 1395 den Palastbau begonnen.

Der Palast steht heute Nachmittag auf meinem Programm. Er liegt einen Kilometer westlich meines Gästehauses. Ich fahre ab der Metrostation Anguk mit der U-Bahn-Linie 3 nur eine Station weit.

Vom Eingang aus gehe ich auf den Geunjeongjeon zu. Das Gebäude mit seinem Vorhof diente als Zeremonienhalle bei Krönungen und beim Empfang hoher Gäste.

Heute findet hier zweimal täglich eine eindrucksvolle Parade mit Wachwechsel statt. Mit den ersten Trommelschlägen bereitet sich die Wache vor, mit den zweiten setzt sich der Zug in Bewegung. Das einstöckige Gebäude Gyeonghoeru liegt malerisch auf einer kleinen Insel in einem Lotusteich. Dahinter ragen die Berge nördlich der Hauptstadt auf. Hier fanden einst rauschende Palastfeste statt.

Das Nationale Volkskundemuseum

befindet sich ebenfalls auf dem Gelände. Es zeigt die Geschichte und Kultur des koreanischen Volkes. So wird ein Schlafraum gezeigt, Möbel, wie silberbeschlagene Truhen mit Intarsien aus Schildpatt, ein Webstuhl,

eine Hutkollektion, Masken und Vasen. Besonders interessant fand ich den Klassenraum einer Volksschule. Der Lehrer sitzt an der Stirnseite hinter einem kleinen Pult und die Schüler knien rechts und links daneben, vor sich Unterlagen und Schreibzeug. Alle sind in weiß gewandet. 

Am Cheonggyecheon-Fluss – ein besonderer Spaziergang im Grünen

5. Tag: Südlich der historischen Altstadt fließt der Cheonggyecheon-Fluss  von Ost nach West. Er wurde in den letzten Jahren renaturiert und eine neue Promenade angelegt und ist ein grünes Band durch die Hochhäuser der City.

Schon im Jahr 1410 wurde über den Fluss die Gwangtonggyo-Brücke für die königliche Familie und ihre Minister gebaut. Ich schlendere von hier ostwärts zu einem wegen seiner hohen Kosten umstrittenen Attraktion am Fluss, dem Banchado. Das ist eine Reproduktion des größten Kachelgemälde der Welt. Es ist 192 Meter lang und besteht aus 5.120 individuell gestaltenden Kacheln. Es stellt die Pilgerreise des 22. Königs der Joseon-Dynastie Jeongjos zum Grab seines Vaters dar. Es zeigt die formelle Rangordnung der 1.779 abgebildeten Personen, die an der achttägigen Prozession teilnahmen, den Stil und die Kleidung der Zeit um das Jahr 1795 und zusätzlich 779 Pferde im Gefolge.

Es folgt in der Nähe der Ogansumun-Schleußentore aus der frühen Joseon-Zeit die modern gestaltete „Wand der Kultur“ von fünf zeitgenössischen Künstlern. Weiter sehe ich die Saekdong-Regenbogenwand in den für Korea typischen Regenbogenfarben. Hinter der Brücke Dasangyo stoße ich auf die Rekonstruktion des Historischen Waschplatzes, wo die Frauen früher am Wasser die Wäsche wuschen.

Eine andere Kachelmauer wurde von 20.000 Koreanern aus Nord- und Südkorea und im Ausland lebenden Landsleuten gestaltet. Sie heißt „Mauer der Hoffnung“ und bringt den Wunsch auf nationale Einheit und Wiedervereinigung zum Ausdruck. So wurde für mich ein schöner Spaziergang im Grünen auch ein Einblick in die Geschichte, Kunst und Kultur des Landes.

Nördlich des Flusses gibt es zahlreiche Restaurants. Bilgogi sind hauchdünn marinierte Rindfleischstreifen, die über offenem Feuer gebraten werden, Galbi, marinierte und gegrillte Rinderrippchen und Bibimbap, ein Reisteller mit Gemüse, Ei und roter Chilipaste. Weitere kulinarische Genüsse sind ein Gemüse-Reiseintopf mit fermentierter Bohnenpaste und ein ganzes Huhn mit Klebreis, Ginsengwurzeln, Jujuben und Knoblauchzehen gefüllt.

Die Fressgassen im Gwangjang-Markt sind ebenfalls stark frequentiert. Es gibt eine „Grillfischgasse“, eine „Gasse für ganze Hühnchen“, eine für Nudelgerichte und Verkaufsstände

für koreanische Omeletts, die mit Pak Choi, Frühlingszwiebeln, Chili und Gelben Rüben zubereitet werden. Etwas weiter südöstlich an der Metrostation „Gwanghui Dong“, kann man Lamm-Kebab in zentralasiatische Imbissstuben bekommen. Sie sind der Treffpunkt der Gastarbeiter aus Usbekistan, Kasachstan, der Mongolei und Kirgisien.

Vier Minuten Fahrt und ich bin mit der U 5 wieder zurück im meinem Viertel Jongno-Gu. Am Nachmittag besichtige ich den

Changgyeonggung-Palast – Wohnsitz der Königinnen und Konkubinen.

Er ist ebenfalls einer der fünf Königlichen Palästen und liegt 800 Meter nordöstlich meines Quartiers. Er wurde im Jahr 1419 errichtet und diente oft in seiner Geschichte als Wohnsitz der Königinnen und der Konkubinen.

Tongmyeongjeon, die Residenz einer Königin, ist das größte von mehreren Gebäuden mit unterschiedlich hohen Dächern. Sie bilden ein reizvolles Bild mit dem im Hintergrund aufragenden modernen Fernsehturm und der Skyline von Seoul.

Gangnam – das hippe Viertel der Studenten

Am Abend überquere ich den breiten Han-Fluss. Drüben, im Süden von Seoul, liegt die National University und daneben der Stadtteil Gangnam. Es ist das Ausgehviertel der Stadt mit Restaurants, Kneipen, Cafés, Diskotheken, Nachtclubs und Kinos. Die U 3 bringt mich später in 36 Minuten zurück zur Station „Jongno 3“.

6. Tag: Heute geht es tief in den Süden Koreas, genauer gesagt auf die subtropische Vulkaninsel Jeju. Ich fahre mit der U-Bahn-Linie 5 in 42 Minuten zum nationalen Flughafen Gimpo. Er liegt ganz im Westen der Stadt.

Service Seoul:
Linienflug mit Lufthansa ab/bis München ab 689 € inkl. 1 Gepäckstück
Pension Yim´s House EZ ab 34 €
Airport Express Incheon – Seoul 8,20 €
U-Bahn zum Flughafen Gimpo 3,10 €
Metro Ticket ab 1 €
Eintritt Deoksugung Palast mit Wachablösung 0,80 €
Eintritt Changdeokgung Palast 2,40 € Huwon 4 €
Eintritt Jongmyo 0,80 €
Eintritt Gyeongbokgung Palast 2,40 € inkl. Wachablösung
Audio Guide im Volkskundemuseum 0,80 € (die Eintrittskarte für den Gyeongbokgung Palast gilt auch für das Museum)
Eintritt Changgyeonggung Palast 0,80 €
Kombiticket Changdeokgung Palaces mit Huwon, Changgyeonggung Palast, Deoksugung Palast, Gyeongbokgung Palast, Jongmyo Schrein 8 €

Diese Reise fand im März 2010 statt. Ich reiste allein. Tarifstand März 2019

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