Thüringen – Luther, Goethe und Schiller

Wandeln Sie mit mir anlässlich des 500. Reformationsjubiläums auf den Spuren Martin Luthers durch Erfurt, Weimar, Eisenach und auf die Wartburg. In Weimar sehen wir die Wirkungsstätten von Friedrich von Schiller, Johann Wolfgang von Goethe und Franz Liszt.

Erfurt – die schmucke Landeshauptstadt

1. Tag: Nach einer angenehmen Anreise von München über die Strecke der Frankenwaldbahn mit Umsteigen in Naumburg an der Saale erreichen wir Erfurt. Auf der Fahrt mit der Trambahn durch die weitgehend autofreie Altstadt und am Dom vorbei zum Hotel gewinnen wir einen ersten Eindruck. Wir wohnen im modernen Dorint Hotel am Dom. Die Architektur mit dem verglasten Atrium passt hervorragend zum gegenüber liegenden Glaskubus des Theaters.

Ein kurzer Weg führt uns zum Domberg mit dem imposanten Dom St. Marien und der daneben stehenden Kirche St. Severin. Der Dom wurde an der Stelle eines Vorgängerbaus aus der Zeit nach der Bistumsgründung durch den Heiligen Bonifatius im Jahre 742 von 1154 bis 1465 im romanischen und gotischen Stil erbaut. In St. Severin werden die Reliquien des Heiligen Severus von Ravenna verehrt. 836 hatte sie Erzbischof Otgar von Mainz nach Erfurt überführen lassen. Zum weiträumigen Domplatz führen 70 Stufen hinab.

 

 

Das Abendessen nehmen wir im Restaurant Kromer`s ein, einem Mitglied der Slow Food Bewegung und eine echte Empfehlung! Danach bummeln wir durch die hübsche Altstadt. Am Fischmarkt mit dem Rathaus stehen vor dem Renaissancehaus zum Breiten Herd Tische und Stühle. Es herrscht eine südländische Atmosphäre, die Menschen genießen den milden Frühsommerabend im Freien. Wenige Schritte weiter quert die Via Regia, ein Handelsweg der einst Nowgorod mit Paris verband die Gera auf der Krämerbrücke. Das Bauwerk ist die einzige bebaute und bewohnte Brücke nördlich der Alpen. 

 

 

2. Tag: Nach einem ausgezeichneten Frühstück am nächsten Morgen steigen wir direkt vom Theaterplatz über Stiegen hinauf zur gewaltigen Zitadelle auf dem Petersberg. Der Blick schweift über den Dom und die Altstadt zu den Plattenbauten in Südost. Wir gehen hinunter zur Michaelisstraße mit dem alten Hauptgebäude der Universität, das Collegium Maius. Im Haus Zum Schwarzen Horn erschienen 1518 die Rechenbücher von Adam Ries.

Im 1277 gegründete Augustinerkloster verbrachte Martin Luther von 1505 – 1511 sechs Jahre als Mönch, heute ist es eine evangelisch geführte Tagungs- und Begegnungsstätte.

 

 

Wir gehen weiter zum klassizistischen Kaisersaal. Er war das Universitätsballhaus . In ihm fand 1808 unter Napoleon I. der Erfurter Fürstenkongress mit Zar Alexander I. und den verbündeten deutschen Staaten statt und 1891 der Erfurter Parteitag der SPD. Künstler gingen ein- und aus wie Clara Schumann, Paganini, Franz Liszt, Schiller und Goethe. Heute gibt es hier regelmäßig Veranstaltungen und Bälle. Das zugehörige Restaurant Clara mit Küchenchef Johannes Wallner führt einen Michelin Stern.

Um die Ecke liegt das Haus zum Stockfisch (heute Stadtmuseum) mit einer markanten Fassade aus der Spätrenaissance. Hier in der Johannesstraße hatten die wohlhabendsten Waidhändler ihren Sitz. Am Anger wechselten im 12. Jahrhundert täglich 300 Wagenladungen mit Waidballen ihren Besitzer. Mit Waid konnte man Stoffe und Gläser blau färben. Auch heute ist der Platz der Verkehrsknotenpunkt der Stadt und der Abschnitt bis zum Bürgerpalais der Familie Dacheröden Einkaufsmeile.

Jetzt sind es nur noch wenige Schritte bis zur barock gestalteten Thüringischen Staatskanzlei, ursprünglich als Kurmainzer Statthalterei 1711-1720 von Maximilian von Welsch erbaut. Höchste Zeit für eine Rast – ein passender Platz findet sich auf der sonnigen Terrasse des Altstadtcafés am Fischersand direkt an der Gera. Am Abend besuchen wir in der frühgotischen Predigerkirche ein Konzert für Mezzosopran und Orgel im Rahmen der Franz-Liszt-Biennale. Bemerkenswert ist die Akustik der Bettelordenskirche und der Klang der Compenius-Orgel.      

Service Erfurt:
Anreise Bahn ab München: 2. Kl. ab 29,90 € / 1. Kl. ab 39,90 €  
Dorint Hotel am Dom Doppelzimmer ab 119 € 
 Weimar – deutsche Klassik und Bauhaus  

3. Tag: Am Vormittag reisen wir nach Weimar weiter. Wir wohnen dort im Dorint Hotel am Goethepark. Das gepflegte Haus nimmt den Weimarer Klassizismus als Thema auf und liegt zentral in Nachbarschaft zum Goethehaus mit Nationalmuseum.

 

 

Weimar steht gleich zweimal auf der UNESCO-Welterbeliste: Das Bauhaus und das Klassische Weimar. Unser erster Gang führt zur Tourist Information am Marktplatz. Wir erwerben eine „Weimar Card“. Erster Besichtigungspunkt ist das Wittumspalais. Nach dem Brand des Stadtschlosses im Jahr 1774 zog Herzogin Anna Amalia in das zweiflüglige Barockgebäude und lebte hier bis zu ihrem Tod 1807. Es war Treffpunkt der Persönlichkeiten des goldenen Zeitalters Weimars und damit Mittelpunkt von Geselligkeit und Gedankenaustausch.

Nebenan im Bauhaus-Museum findet man über 300 Ausstellungsstücke des 1919 von Walter Gropius gegründeten Staatlichen Bauhaus Weimar und des Vorgängerinstituts, der Großherzogliche Sächsischen Kunstgewerbeschule von Henry van der Velde, darunter einige Gemälde von Lyonel Feininger. In dem Gebäude fand am 11. 8. 1919 die Nationalversammlung statt, die die Weimarer Verfassung beschloß. Leider ist dieses ehemaliges Kulissenhaus zu klein – 2018 soll das Museum in ein neues und größeren Haus einziehen. Direkt gegenüber stehen Schiller und Goethe auf dem Sockel vor dem Nationaltheater.

Nach einer Pause bei Giancarlo besuchen wir im Historischen Friedhof im Süden der Altstadt die Fürstengruft mit den Sarkophagen der herzoglichen Familie. Daneben stehen zwei schlichte Eichensärge für Goethe und Schiller. Goethe fand hier seine letzte Ruhe aber der Sarg von Schiller ist leer. Warum dem so ist, erfährt man bei einer Stadtführung oder per Audioguide.

 

 

In der angebauten Russischen Kapelle ruht die Zarentochter und Großherzogin Maria Pawlowna (1786-1859). Mit ihr und ihrer Mitgift wurde das Silberne Zeitalter Weimars eingeläutet. Sie bezahlte den Aufenthalt von Franz Liszt und anderen Größen teilweise aus ihrer Privatschatulle.

Im Liszthaus am Rand des Parks an der Ilm lebte der Komponist und Klaviervirtuose Franz Liszt von 1869 – 1886 in den Sommermonaten und gab Studenten und Musikern aus ganz Europa Unterricht. In den anderen Monaten unternahm er als einer der bedeutendsten Musiker des 19. Jahrhunderts ausgedehnte Tourneen.

4. Tag: Wir haben uns für eine zweistündige Stadtführung angemeldet. Sie ist in der Weimar Card enthalten ist und beginnt um 10 Uhr am Marktplatz.

Am Traditionshotel Elephant (gegründet 1696) vorbei schlendert die Gruppe zum Fürstenhaus, in dem sich die Hochschule für Musik Franz Liszt befindet. Von hier hat man einen guten Blick auf das Stadtschloss unterhalb. Oberhalb liegt das Haus der Frau von Stein und die Herzogin Anna Amalia Bibliothek.

Hier biegen wir in den Park an der Ilm ab, einem Englischen Landschaftspark. An der Ruine des Tempelherrenhauses und am Liszthaus vorbei erreichen wir die Bauhaus Universität. Das Hauptgebäude und die Werkstätten wurden als Großherzoglich-Sächsischen Hochschule für Bildende Kunst und Kunstgewerbeschule Weimar von 1904 bis 1911 unter Henry van de Velde errichtet. Sein Nachfolger Walter Gropius gründete hier 1919 das Bauhaus.

 

 

Es folgt ein Rundgang über den Historischen Friedhof bevor die Führung am Theaterplatz endet. In der Herderkirche besichtigen wir das Triptychon von Veit Thim aus dem Jahr 1572, das Luther als Magister, als Mönch und als Junker Jörg zeigt und das Meisterwerk von Lucas Cranach: Der Flügelaltar, auf dem im zentralen Teil unten rechts ebenfalls Luther zu sehen ist. Im Schillerhaus wird das bewegte Leben des Friedrich von Schiller anschaulich. Mittagspause machen wir in der Crêperie du Palais.

Jetzt fehlt noch der Besuch des Goethehauses mit dem angeschlossenen Nationalmuseum. Die Repräsentationsräume liegen zum Frauenplan hin, die privaten Gemächer im Rückgebäude. Im Obergeschoß befindet sich die Bibliothek, das Arbeitszimmer und die Schlafkammer, mit dem Sessel, in dem Johann Wolfgang von Goethe gestorben ist.        

Am Abend geniesen wir ein Bachelorkonzert für Horn mit Klavierbegleitung im Fürstenhaus. 

Service Weimar:
Dorint Hotel am Goethepark Doppelzimmer ab 108 €
Weimar Card 48 Std. inkl. ÖPNV, Stadtführung & Eintritt zu 22 Sehenswürdigkeiten: 29,90 €
Eisenach und die Wartburg – Luther und Bach 

 

 

Auf der Rückfahrt mit dem ICE unterbrechen wir in Eisenach. Ein Bus fährt jede Stunde hinauf zur Wartburg. Auch die Wartburg gehört zum UNECO Weltkulturerbe. Die Aufzeichnungen über die Burg beginnen im Jahr 1080, die ritterlich-höfische Kultur der Ludowinger fand mit prächtigen Turnieren und Minnegesang von Wolfram von Eschenbach und Walther von der Vogelweide Anfang des 13. Jahrhunderts ihren Höhepunkt.

1211 kam die ungarische Königstochter Elisabeth im Alter von vier Jahren auf die Burg. Mit 14 wurde sie mit Ludwig IV. verheiratet. Sie stand unter dem Einfluss der Franziskaner, die in dieser Zeit die Lehren des Franz von Assisi nach Thüringen brachten. Elisabeths Demut und Barmherzigkeit gegenüber Armen war am Hof nicht gern gesehen und nach dem frühen Tod ihres Gatten im Jahr 1227 wurde sie von den Erben aus der Burg vertrieben. Schon 1235 sprach sie Papst Gregor IX heilig.

1521 wurde Martin Luther vom Kurfürst Friedrich dem Weisen auf der Wartburg versteckt. Hier übersetzte er das Neue Testament ins Deutsche. 1777 verbrachte Johann Wolfgang von Goethe einige Wochen auf der Burg. Herrlich ist der Blick auf den grünen Thüringer Wald.

Auf dem Rückweg steigen wir am Karlsplatz aus, dem Zentrum der Stadt. Gegenüber lädt das große Café Onkel Karl zu einer Pause ein. Danach gehen wir zu Fuss vom Lutherdenkmal durch das Nikolaitor und vorbei am frisch renovierten Hotel Kaiserhof in 10 Minuten zum Bahnhof zurück.

Service Wartburg:
Stadtbus 10 von Bahnhof über den Karlsplatz zur Wartburg 1,70 € (in der Sommersaison stündlich)
Wartburg Eintritt 12 €, es ist mit Wartezeiten von mehr als einer Stunde zu rechnen

Eine interessante Reise mit dem Schwerpunkt Kultur geht zu Ende. In Erfurt und Weimar laden die Innenstädte zum Verweilen im Freien ein, in Weimar kann man gut entlang der Ilm Radeln oder Spazierengehen und in Hörschel bei Eisenach beginnt der Rennsteig, ein bekannter, 170 km langer Wanderweg durch den Thüringer Wald nach Blankenstein. Auf unserer gesamten Reise waren die Züge pünktlich unterwegs, auch auf dem Heimweg nach München mit Umsteigen in Fulda am selben Bahnsteig.  

Diese Reise fand im Juni 2017 statt. Ich reiste mit meiner Frau.

Meine Bewertungen auf tripadvisor:
Erfurt:

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