Moskau und Leningrad – Wind of Change

Wir schreiben das Jahr 1990. Litauen hat als erster Teilstaat der Sowjetunion bereits seine Unabhängigkeit erklärt und die alte Weltordnung, die 1945 auf der Konferenz von Jalta festgelegt wurde, gilt nicht mehr. In dieser spannenden Zeit erreicht mich die Einladung von Austrian Airlines an einer Informationsreise nach Moskau und Leningrad, dem heutigen St. Petersburg, teilzunehmen.

Anreise

1. Tag/10. Oktober:  Die Teilnehmer treffen sich um 08:40 Uhr auf dem Flughafen München-Riem am Abfertigungsschalter der Austrian Airlines. Der Abflug erfolgt um 09:35 Uhr mit dem Flug OS 412 nach Wien. Nach der pünktlichen Ankunft in der Donaumetropole suchen wir unser Abfluggate auf. Mit OS 601 geht es um 11:30 Uhr weiter nach Moskau. 16:10 Uhr landet das Flugzeug auf dem Flughafen Sheremetjevo. Nach der Pass- und Zollkontrolle werden wir im Bus zu unserem Hotel im Norden der Stadt, dem Hotel Kosmos, gebracht.

Moskau – in einem der größten Hotels Europas

Das Hotel Kosmos wurde anlässlich der Olympischen Spiele 1980 geplant und 1979 eröffnet. Es hat 25 Stockwerke und verfügt über 1.777 Zimmer. 

Vor dem Eingang stehen etwa 40 Reisebusse mit laufenden Motoren. Wir kämpfen uns durch die Dieselschwaden bis zu einer breiten Rampe, die zur Rezeption führt, die im Tiefgeschoss gelegen ist. Das ganze hat den Charme einer Tiefgarage. Nach dem Check-in fahren wir mit dem Aufzug hinauf in unser Stockwerk. Dort erwartet uns eine Dame in Uniform hinter einem Schreibtisch. Ohne Kontrolle kommen wir nicht aufs Zimmer. Von unseren Zimmern können wir den 537 Meter hohen Fernsehturm sehen. Das Kosmonautenmuseum und das Denkmal der Weltraumeroberung liegen direkt gegenüber des Hotels in einem Park.

Das Abendessen im Hotel kann uns nicht begeistern. Es gibt eine große Rohkost-Platte mit Weißkraut und Wurzelgemüse und Fleisch mit Flachsen und Knorpel. Es herrscht Mangelwirtschaft und Hilfslieferungen aus der EU hängen an der Grenze in Brest und in den Häfen fest.

Moskau – auf Stadtrundfahrt

2. Tag/11. Oktober: Das sowjetische Staatliche Reisebüro Intourist schickt uns Ludmilla, eine mausgrau gewandete Reiseleiterin. Wir starten mit ihr im Bus zur Stadtrundfahrt, zunächst durch das moderne Moskau. Über die Gorkistraße fahren wir auf den Gartenring und auf dem Kutusow-Prospekt über die Moskwa. Manche Straßenzüge sind von hoch aufragenden Bauten aus der Stalinzeit gesäumt. Jeder Passant muss sich klein und unbedeutend vorkommen. Ebenfalls stalinistische Architektur begegnet uns an der Lomonossow-Universität. Das turmartige Hauptgebäude ragt bis zu 240 Meter hoch in den Himmel. Hier studierte auch Michail Gorbatschow.

Der erste Stopp erfolgt auf den Leninbergen. Die Terrasse der Parkanlage bietet uns einen sehr guten Ausblick auf die Stadt. Bald werden die Loipen und Skisprungschanzen wieder die Freunde des Wintersports anziehen. Unten im Bogen der Moskwa sehen wir das Olympiastadion Luschniki, mit einem Fassungsvermögen von circa 80.000 Zuschauern ist es das größte Stadion Russlands. Vor dem Haupttor steht eine der größten Lenin-Statuen.

Am nächsten Stopp darf unsere Gruppe die Künstlerstraße Arbat besuchen. Ölgemälde, Aquarelle und Souvenirs können hier erstanden werden. Danach fahren wir am Bolschoi-Theater vorbei zum Roten Platz.

Im Zentrum steht seit mehr als 400 Jahren die von Iwan dem Schrecklichen in Auftrag gegebene Basilius-Kathedrale. Sie hat neun verschiedenfarbige Kuppeln, die höchste ist 115 Meter hoch. Westlich erstreckt sich der Kreml, dessen Besichtigung uns Ludmilla für morgen angekündigt hat.

Wir schlendern zur Ostseite des Platzes. Dort steht das mit einer Dachkonstruktion aus Stahl und Glas überdachte Kaufhaus Gum. Wir machen Mittagspause im größten Warenhaus Europas. Der russische Otto-Normal-Verbraucher stellt sich schon vor der Eröffnung früh morgens an, um vielleicht die eine oder andere Mangelware zu ergattern, die sonst im Sowjetreich nicht zu bekommen ist.

Wir machen Mittagspause in einem Restaurant für westliche Touristen um die Ecke. Dort holt uns dann unser Reisebus wieder ab. Es geht zum Neujungfrauenkloster, 1524 vom Moskauer Großfürsten Wassili III. am Südrand der Stadtbefestigung als stärkstes und reichstes Wehrkloster erbaut. Bei Überfällen durch Krimtataren wurde das Kloster 1571 niedergebrannt und im Moskauer Barock wiederaufgebaut. Die Witwe von Zar Fjodor Iwanowitsch ging als Nonne 1598 in das Kloster. Ihr Bruder, Boris Godunow, wurde im selben Jahr in den Mauern des Klosters zum Zaren berufen. Fünfzig Jahre später nahm das Kloster Nonnen aus orthodoxen ukrainischen und weißrussischen Klöstern auf, die vom katholischen Polen bedrängt wurden. Das Neujungfrauenkloster entwickelte sich zu einem der reichsten Frauenklöster Russlands, das Ländereien um Moskau, am Onegasee und an der unteren Wolga verfügte mit 36 Dörfer und 15.000 Bauern. Die vergoldete Ikonostase von 1686 ist komplett erhalten geblieben. Mit der Verlegung der Hauptstadt im Jahr 1712 von Moskau nach Sankt Petersburg verlor das Kloster an Bedeutung.

Beim Abendessen im Hotelrestaurant glänzen die Ober weniger wegen ihres Service, als mit Geschäftstüchtigkeit. Sie Versuchen bei den Hotelgästen ihren Vorrat an Krimsekt und Kaviar, der in Sideboards im Speisesaal lagert, gewinnbringend an die Gäste zu verscherbeln und vernachlässigen das Servieren.

Moskau – eine sozialistische Oper im Bolschoi-Theater

Am Abend steht ein Besuch im berühmten Bolschoi-Theater an. Die Nordkoreanische Nationaloper gibt ein Gastspiel. Die Musik ist für unsere westeuropäische Ohren ungewohnt. Held ist ein junger Landarbeiter und Revolutionär, der gegen einen Großgrundbesitzer kämpft. Der Text wird auf Bildschirmen rechts und links der Bühne übersetzt. Die Architektur des Innenraums ist beeindruckend, ist doch das Haus mit 1.800 Zuschauerplätzen eine der schönsten traditionellen Opernhäuser der Welt.

Moskau – im Machtzentrum der Sowjetunion

3. Tag/12.Oktober: Nach dem Frühstück steht eine Besichtigung des Machtzentrums des größten Landes der Welt auf dem Programm. Vom Roten Platz erfolgt die Einfahrt der Politiker in den Kreml am Erlöserturm. Die Mauer hat 18 alte Türme aus der ersten Bauzeit in den Jahren 1485 bis 1499. Der rein dekorative Zarenturm kam erst 1680 hinzu.

Wir betreten den Kreml am Dreifaltigkeitsturm, dem höchsten Turm in der Kremlmauer. Hinter dem Durchlass rechts steht das jüngste Gebäude, der Kongreßpalast aus dem Jahr 1961. Er dient vorrangig der Abhaltung von Parteitagen der KPdSU. Dahinter folgt der Patriachenpalast mit der integrierten Zwölf-Apostel-Kirche.

Es folgt der Kathedralenplatz, der vom Glockenturm „Ivan der Große“ beherrscht wird. Er wurde zwischen 1505 und 1508 für die in unmittelbarer Nähe stehenden Erzengel-Michael-Kathedrale, Mariä-Entschlafens-Kathedrale und Mariä-Verkündigungs-Kathedrale gebaut, die keine eigenen Glockenstühle habe. Seine heutige Höhe von 81 Metern bekam der Glockenturm „Iwan der Große“ in den Jahren 1599–1600, als der damalige Zar Boris Godunow an den Turm noch ein zusätzliches Stockwerk mit dem heutigen Zwiebelturm hinzufügen ließ. Aufgrund seiner Höhe wurde der Turm auch als Beobachtungswarte genutzt, um Gefahren wie Brände oder Angreifer rechtzeitig erkennen zu können. Neben dem Turm befindet sich die riesige Zarenglocke von 1735, die nie geläutet wurde.

Auf der Moskwa-Seite steht die Maria-Verkündigungs-Kathedrale. Da die Kathedrale unmittelbar an die damaligen Großfürstengemächer im Kreml angrenzte, wurde sie vom Großfürsten zu seiner Hauskirche auserkoren. Es gibt einen direkten Treppenübergang von der Kathedrale zum Großen Kremlpalast. Der 1838–49 errichtete zentrale Zarenpalast dient heute für feierliche Veranstaltungen wie beispielsweise für die Ehrung der „Helden der Sowjetunion“.

Die Schatz- und Rüstkammer glänzt mit einer Ausstellung von Waffen, liturgischer Gegenständen aus den Kreml-Kirchen, Throne und Gewänder von Patriachen und Zaren, darunter die goldene und mit Edelsteinen verzierte „Mütze des Manomach“ aus Zobelfell, die Krone der Zaren bis hin zu Peter dem Großen. Eine separate Abteilung zeigt im Zarenhaus und beim Adel nach der Revolution beschlagnahmte Juwelen und Diamanten, darunter den 189,6 Karat schweren Orlow-Diamanten.

Wir kehren zurück zum Kathedralenplatz. Hier steht ebenfalls auf der Moskwa-Seite die Erzengel-Michael-Kathedrale. Sie ist die Begräbnisstätte aller russischen Großfürsten seit Iwan Kalita und fast aller russischen Zaren seit der Schaffung des Zarentums durch Iwan den Schrecklichen bis zu Iwan V., gestorben im Jahr 1696. Eine Ausnahme stellt Zar Boris Godunow dar, der ursprünglich zwar ebenfalls hier bestattet war, jedoch während der polnisch-litauischen Invasion wieder ausgegraben wurde. Heute ruht er und seine Familie im Dreifaltigkeitskloster von Sergijew Possad. Als allerletzter russischer Zar wurde Peter II. († 1730) in der Erzengel-Michael-Kathedrale beigesetzt. Er verstarb als Moskau für kurze Zeit wieder Sitz des Zarenhofes geworden war. In östlicher Richtung kommt man zum Gebäude des „Präsidialrat der UdSSR“, bis März das „Präsidium des Obersten Sowjets“ mit der dahinterliegenden Ausfahrt am Erlöserturm hinaus zum Roten Platz.

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Moskau – Kunst für die arbeitende Bevölkerung in der Metro

Nach dem Mittagessen fahren wir ein paar Stationen mit der Moskauer Metro. Wir fahren am Revolutionsplatz mit der Rolltreppe in den Untergrund und nehmen die U-Bahn bis zur Station Kiewskaja. Sie ist einer dieser wunderschönen unterirdischen „Tempel für die arbeitende Bevölkerung“.

Hier wird auf mit Weizenähren eingefassten Mosaiken die Wiedervereinigung von Russland und der Ukraine, die landwirtschaftlich geprägt ist, gefeiert. Die Idee für Arbeiter und Angestellte, die die Metro nutzen, eine so prächtige Umgebung auf den Weg zur Arbeit zu schaffen, finde ich sehr schön.

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Im „Roten Pfeil“ nach Leningrad

Wir fahren zurück zum Hotel Kosmos um die Koffer zu packen, das Abendessen im Hotel ist auch schon hergerichtet. Zum Leningrader Bahnhof sind es nur sechs Kilometer. Wir haben eine Reservierung im Nachtzug „Roter Pfeil“ in der ersten Klasse in Doppelabteilen. Das klingt gut, erweist sich aber als wenig komfortabel. Die Betten sind weder in der Breite noch im Komfort mit denen der DSG zu vergleichen. Auf den Toiletten am Wagenende ist der Boden so rostig, dass man mühelos durch Löcher im Boden auf die Gleise blicken kann. So wage ich die These, dass ein Neuaufbau nach der Perestroika nicht wie angekündigt fünf oder zehn Jahre, sondern 30 Jahre dauern wird.

Leningrad – auf Stadtrundfahrt

4. Tag/13. Oktober: Nach der Ankunft am Moskauer Bahnhof treten wir vor das Gebäude und befinden uns auf einer der berühmtesten Straßen Russlands, dem Newski-Prospekt. Er wurde zwischen 1711 und 1721 als Verbindung zwischen der Admiralität im Westen und dem Alexander-Newski-Kloster im Osten der Stadt angelegt. 1712 war St. Petersburg von Peter dem Großen zur russischen Hauptstadt erklärt worden. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts entwickelte sich der Newski-Prospekt zunehmend zur Prachtstraße, als die zahlreichen in der Stadt neu ansässigen Aristokraten hier ihre Residenzen errichten ließen. Wir werden von unserer flotten Reiseleiterin Tamara empfangen, die das krasse Gegenstück zur grauen Ludmilla in Moskau ist, und zu einem bereitstehenden Bus geführt.

Die Stadtrundfahrt beginnt mit einer Fahrt auf dieser Prachtstraße. Wir sehen das Anitschkow-Palais, den Jugendstilbau des Feinkostladens Jelissejew, das 1785 entstandene Gebäude des Kaufhauses Gostiny Dwor, zahlreiche Cafés, Museen und Kinosdas luxuriöse Grand Hotel Europe, die russisch-orthodoxe Kasaner Kathedrale und die große lutherische St.-Petri-Kirche.

Am Ende des Newski-Prospekts ragt die wunderschöne, goldene Turmspitze der Admiralität in den blauen Himmel. Um die Stadt vor schwedischen Schiffsangriffen zu sichern, ließ Peter der Große 1711 die Admiralität als befestigte Werft auf der anderen Seite der Newa gegenüber der Peter-und-Paul-Festung bauen. Dort gingen die ersten russischen Kriegsschiffe vom Stapel. Russland wurde zu einer Seemacht. Das imposante Admiralitätsgebäude mit einer 406 Meter breiten Fassade wurde von dem Architekten Andrej Sacharow bei einem Umbau entworfen und 1819 fertiggestellt.

Direkt neben der Admiralität am Senatsplatz steht der „Eherne Reiter“. Das bronzene Reiterstandbild zeigt Zar Peter den Großen auf seinem sich aufbäumenden Pferd. Unter den Hufen wird eine Schlange zertreten. Die Szene soll Zar Peters Sieg über die Schweden symbolisieren.

Im Zentralen Marinemuseum mit seinen 800.000 Exponaten bringt uns eine kurze Führung die Geschichte der russischen Flotte näher. Beeindruckend sind die zahlreichen Bilder der Marinemaler. Über die Newa hinweg blicken wir auf die Akademie der Künste auf der Wassiljewski-Insel. Es ist eines der ersten klassizistischen Gebäude St. Petersburgs, erbaut in den Jahren 1764 bis 1788. Die Akademie war von Zarin Elisabeth gegründet worden, um russische Künstler in den modernen westlichen Techniken auszubilden.

Letzter Programmpunkt am Vormittag ist das „Staatliche Gedenkmuseum für die Leningrader Verteidigung und Belagerung“. Dieses kleine, aber sehr bewegende Museum erinnert an die erschütterndste Zeit der Stadt – die 872-Tage-Blockade von Leningrad durch die deutsche Wehrmacht, die vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944 gedauert hat. Es gab eine Hungersnot, viel zu wenig Kraftstoff, Kohle und Holz. Die Bürger von Leningrad erlitten chronische Entbehrungen und ständige Bombardierung. Der einzige Zugang  erfolgte im Winter über den zugefrorenen Ladogasee. Vorwiegend in den Sommermonaten brachen Krankheiten aus. Insgesamt starben während der Blockade über 700.000 Zivilisten.

Leningrad – Gauguin und die Südsee

Nach der Mittagspause besichtigen wir den Winterpalast am Ufer der Newa. Der erste Winterpalast wurde 1711 gebaut und 1721 durch einen neuen ersetzt. Dieser war Zarin Elisabeth noch nicht imposant genug, so dass sie 1754 Bartolomeo Francesco Rastrelli mit dem Bau des heutigen Winterpalast, einem der Hauptwerke des russischen Barock, beauftragte. Vier Flügel schließen sich rechteckig um einen großen Innenhof. Jede Seite des Palastes variiert in der Größe und Anordnung der Fenster und in der Ausschmückung. Einheitlich sind die drei Stockwerke und die vorgestellten Säulen mit dem umlaufende Gesims über dem Erdgeschoss.

Leo von Klenze, bayerischer Hofarchitekt, erweiterte zwischen 1839 und 1852 den Palast um die Neue Eremitage. Sie ist vielleicht das einzige seiner Werke, das ohne die restriktiven Stilwünsche Ludwig I. von Bayern und somit ganz und gar nach Klenzes Vorstellungen entstand. Dieser Bau war dafür bestimmt, die Kunstschätze der gewachsenen Kunstsammlung aufzunehmen.

Die Eremitage ist  eine der bedeutendsten Gemäldesammlungen der Welt. Tamara führt uns zunächst zu den spanischen Meistern. Für mich ist das Werk „Die Apostel Petrus und Paulus“ von El Greco das eindrucksvollste dieser Gemälde. Anschließend geht es zu den Italienern, vertreten durch Caravaggio, Tintoretto, Veronese, Leonardo da Vinci und Michelangelo und zu einigen Gemälden flämischer und niederländischer Meister wie Rubens und Rembrandt. Leider bleibt für die Impressionisten nur noch wenig Zeit. Zu ihnen gehören sieben Bilder von Claude Monet, weitere von Édouard Manet, Pierre-Auguste Renoir, Alfred Sisley, Vincent van Gogh, Paul Cézanne und Paul Gauguin, von dem es einen ganzen Saal voller Gemälde gibt. Seine Südseemotive finde ich ganz wundervoll! Es gibt allein 37 Bilder von Henri Matisse und 31 Bilder von Pablo Picasso – man müsste mehr Zeit dafür haben!

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Zum Abendessen fahren wir zum Hotel Pulkovskaya, wo wir auch übernachten. Danach schließt sich eine Folkloreshow an – Ivan Rebroff lässt grüßen!

Leningrad – die Peter-und-Paul-Festung

5. Tag/14. Oktober: Nach dem Frühstück steht die Peter-und-Paul-Festung auf dem Programm. Der 16. Mai 1703 gilt als der Gründungstag St. Petersburgs. An jenem Tag wurde mit den Bauarbeiten der Festung auf der Haseninsel im sumpfigen Newa-Delta begonnen. Zehntausende Leibeigene, die in Hütten hausten, errichteten Erdwälle, die wenige Jahre später durch Steinmauern ersetzt wurden. Bei dem Bau der Festung starben mehr als 100.000 Menschen aufgrund von Fieber, Seuchen und Entkräftung. Nachdem Peter der Große die Schweden besiegt hatte, sollte nun der neue Zugang Russlands zur Ostsee gesichert werden.

Zu der Peter-Paul-Festung gehören sechs Tore. Das Haupttor der Festung bildet das Peterstor. Die allegorischen Reliefs hoch über dem Torbogen symbolisieren die Feier und den Sieg über die Schweden, darunter sehen wir den doppelköpfige Adler, das Wappen des russischen Zarenreiches. Die Festung kam nie militärisch zum Einsatz.

Das zweistöckige Kommandantenhaus wurde 1746 errichtet. Hier befand sich damals ein Gericht. Die politischen Gefangenen wurden verhört und von den Festungskommandanten schließlich verurteilt. Die Festung diente von 1872 bis 1924 als Gefängnis für Gegner des Zarenregimes und nach der Revolution von 1905 für politische Gefangene. Dostojewski wurde hier inhaftiert, bevor man ihn nach Sibirien deportierte. Der Bruder Lenins verbrachte nach seinem Attentatsversuch auf den Zaren die letzten Tage vor seiner Hinrichtung in diesem Gefängnis. Die prächtige Peter-und-Paul-Kathedrale beherbergt die Grablege der Zarenfamilie und ist das schönste Bauwerk der Festung.

Sie ist ein Meisterwerk des Architekten Trezzini und befindet sich in der Mitte der Festung. Der 62 Meter hohen Glockenturm trägt eine 60 Meter hohe goldene Spitze. Von diesem Wahrzeichen der Stadt haben wir einen wunderschönen Blick auf den Winterpalast auf der anderen Seite der Newa.

Leningrad – der Panzerkreuzer Aurora

An der Einmündung des Bolshaya-Nevka-Flusses in die Newa ist dieses historisch wichtige Schiff vertäut. Mit den revolutionären Ereignissen im Februar 1917 schloss sich die Besatzung der Aurora den Bolschewiken (wörtlich: Mehrheitler) an. Um das Hochziehen der Leutnant-Schmidt-Brücke zu verhindern und den Aufständischen der Zugang zur Innenstadt nicht abgeschnitten werden kann, erhielt die Besatzung der Aurora im Oktober 1917 den Auftrag, nahe der Brücke zu ankern. Am 25. Oktober um 21.45 Uhr wurde von dem Kreuzer der Schuss abgegeben, der den Start der Erstürmung des Winterpalastes signalisierte. Am darauffolgenden Tag ertönte Lenins Aufruf „An die Bürger Russlands“ über die Funkanlage der Aurora. Die ganze Welt erhielt dadurch Kenntnis vom Sieg der Sowjets.

Leningrad – Fronarbeit für eine Kirche

Die Inschrift „Für Peter den Ersten von Katharina der Zweiten“ ziert den Haupteingang der Isaaks-Kathedrale, der prächtigsten Kirche St. Petersburgs und eines der feinsten architektonischen Bauwerke des französischen Architekten Henri Louis Auguste Ricard de Montferrand. Sie wurde in mehr als 40 Jahren von 1810 bis 1858 erbaut und sollte die Position Russlands als neue europäische Großmacht zum Ausdruck bringen. Mehr als eine halbe Million Leibeigene leisteten schwerste Fronarbeit. Aus 112 festen Granitsäulen, die einzeln bis zu 114 Tonnen wiegen, wurde die imposante Isaaks-Kathedrale errichtet. Die gigantische Goldkuppel, deren Durchmesser 26 Meter beträgt, dominiert die Silhouette der Stadt. Die Kathedrale gehört zu den größten sakralen Kuppelbauten der Welt und kann 10.000 Menschen fassen.

Puschkin – zum wunderschönen Katharinenpalast

Nach dem Mittagessen in der Stadt geht es am Nachmittag 30 Kilometer südlich aufs Land. In Puschkin, früher Zarskoje Selo (= Zarendorf), steht der Katharinenpalast, die prunkvollste Zarenresidenz. Seit seinem 100. Todestag im Jahr 1937 trägt die Residenz den Namen „Puschkin“ zu Ehren von Alexander Puschkin, Russlands größtem Dichter. Der 12-jährige Alexander besuchte seit 1811 die Eliteschule für Jungen in Zarskoje Selo. Hier schrieb er seine ersten Gedichte. Das Lyzeum mit dem Puschkin-Museum befindet sich heute im rechten Flügel des Katharinen-Palastes.

Das Schloss entstand im Auftrag der Zarin Elisabeth, die es, zu Ehren ihrer Mutter Katharinen-Palast nannte. Der einzigartige Prunk und Glanz ist auf den berühmten Baumeister Bartolomeo Francesco Rastrelli zurückzuführen, der den Palast 1752 so errichtete, wie er heute noch zu bewundern ist. Er war die bevorzugte Residenz der russischen Zaren Katharina I., Katharina II., Alexander I. und Nikolaus II. Die schematisch angeordneten weißen, mit goldenen Elementen verzierten Säulen und Fensterrahmen der 300 Meter langen barocken Fassade heben sich gekonnt und wunderschön von den in lichtblau gehaltenen Wänden ab. Auch die Palastkirche mit ihren fünf Kuppeln wurde im russischen Barockstil gestaltet.

Das sagenhafte, einzigartige Bernsteinzimmer wurde 1755 von Rastrelli eingerichtet. Das dekorative Bernsteinmaterial mit der originalen Bernsteintäfelung von Andreas Schlüter schenkte König Friedrich Wilhelm I. von Preußen im Jahre 1717 dem Zar Peter dem Großen. Es wurde als 8. Weltwunder bezeichnet und ist seit dem 2. Weltkrieg verschollen.

Als Katharina die Große an die Macht kam, beauftragte sie den schottischen Architekten Charles Cameron damit, Rastrellis barockes Innere klassizistisch umzugestalten. Dennoch gab und gibt es genügend Räume im barocken Stil wie zum Beispiel den „Großen Saal“, der zu den größten und prunkvollsten Ballsälen Europas zählt oder der „Kavaliers-Speisesaal“, der mit St. Petersburgs kostbarstem Porzellan und Kristall ausgestattet wurde.

Der Katharinenpalast ist ein würdiger Abschluss unseres kurzen Besuchs in der Sowjetunion. Als nettes Andenken kaufe ich einem Künstler  ein kleines Aquarell mit der Palastkirche ab.

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Heute Abend ist die letzte Gelegenheit, den Kellnern während des Abendessens Krimsekt und Kaviar abzukaufen.

Kurioses auf einem Inlandsflug

6. Tag/15. Oktober: Die Nacht war kurz, schon früh um 06:00 Uhr müssen wir am Flughafen Pulkovo sein. Am Gate wartet nur unsere Gruppe. Wir verteilen uns nach dem Boarding großzügig auf die ganze Maschine, eine Tupolew 134. Die Stewardess scheucht uns aber alsbald auf die vorderen Plätze, wobei die Sitze der ersten Reihe kurioserweise entgegen der Flugrichtung montiert sind und sich zwischen der ersten und der zweiten Reihe ein Tisch befindet, wie in der Mitte eines Großraumwagen der Bundesbahn.

Jetzt strömen russische Passagiere in die Maschine, die nun bis auf den letzten Platz aufgefüllt wird. Sie haben wohl auf Stand-by in einem Warteraum gesessen. Nach gelungenem Start folgt die nächste Überraschung. Die Frühstücksverpflegung besteht aus einer Plastikschale mit Schiwasser.

Heimreise – ein Starkoch an Bord

Wir sind dann doch gut in Moskau angekommen und haben noch reichlich Zeit für ein vernünftiges Frühstück bis zum Abflug von OS 603 nach Wien. Die Maschine startet um 16:55 Uhr und erreicht Wien-Schwechat um 17:45 Uhr. Durch die kurzen Wege auf diesem Flughafen ist es kein Problem unseren Weiterflug mit Austrian Airlines OS 413 um 18:45 Uhr nach München-Riem zu erreichen. Die letzte Überraschung dieser spannenden Reise wartet auf Flughöhe. Eckart Witzigmann, der Starkoch des mit drei Michelin-Sternen dekorierten Restaurants Aubergine in München begrüßt uns. Hat doch eine Kollegin aus unserer Gruppe ihre Tochter bei ihm in Ausbildung und kennt ihn.

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Auch ein Gabelflug und/oder eine Kombination mit Austrian Airlines ist hier buchbar.

Fazit: Während in Moskau noch die Schatten der Vergangenheit zu spüren waren, schaute das weltoffene Leningrad schon nach Westen.

Service Moskau:
Linienflug München-Moskau-München mit Austrian Airlines oder Lufthansa ab  379 € inkl. Gepäck, Gabelflug mit Rückflug ab St. Petersburg ab 391 €
Visum für Russland 35 €
Hotel Cosmos Moskau DZ ab 31 €
Eintritt Kreml 7 € plus Rüstkammer 9,50 €
Eintritt Neujungfrauenkloster 5 €
Metro 90-Minuten-Ticket ab 0,80 €
Service St. Petersburg:
Visum für Russland 35 €
Bahnfahrt Moskau – St. Petersburg Roter Pfeil 2. Klasse ab 43 €, 1. Klasse ab 82 €
Linienflug mit Aeroflot St. Petersburg – Moskau ab 59 €
Hotel Park Inn Pulkovskaya DZ ab 41 €
Eintritt Eremitage 8 € (am Wochenende 9 €)
Eintritt Katharinenpalast 9 €
Eintritt Peter-und-Paul-Festung frei, Kathedrale innen 2 €, Museum 5 €

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2 Gedanken zu „Moskau und Leningrad – Wind of Change

    • Januar 23, 2019 um 10:41 am
      Permalink

      I am pleased about your comment. Thank you, Anabel.

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