Das Hôtel-Dieu stellt ein typisches Bauwerk der flämischen Gotik dar. Seine Inspirationen hatte sich Kanzler Rolin auf zahlreichen Reisen in das zur Burgund gehörenden Flandern geholt. Besonders auffallend sind die bunten Dächer, die aus verschiedenfarbigen glasierten Terrakotta-Ziegeln bestehen und zahlreiche Dachluken besitzen. Ursprünglich stammt diese Art von Dächern aus Ost-Österreich und Ungarn. Das Hospital fiel von Anfang an durch seine überaus prächtige Ausstattung auf, das Hôtel-Dieu sollte das schönste Hospital in ganz Frankreich werden.

Anhand eines detaillierten Inventars aus dem Jahre 1501 kann man heute noch nachvollziehen, dass Nicolas Rolin die Anstalt seit der Gründung mit Mobiliar, Wandteppichen und anderen Gegenständen ausgestattet hatte. Durch zahlreiche Stiftungen, Schenkungen und Vermächtnisse von Wohltätern oder Kranken nahm die Pracht des Gebäudekomplexes im Laufe der Jahrhunderte weiter zu. Eine Bestandsaufnahme belegt, dass ungefähr 2.500 Möbel, Betten, Truhen, sowie Gegenstände wie Wandteppiche, Bilder, Skulpturen und Apothekertiegel verzeichnet waren.

Um den rechteckigen Ehrenhof gruppieren sich zahlreiche Säle, die jeweils unterschiedlichen Aufgaben dienten.

Der Armensaal mit Kapelle ist der größte Saal für die Krankenpflege. Er wurde 1452 eingeweiht und beherbergte bis 1951 Kranke und Arme. Das Mobiliar besteht aus 30 Betten in zwei Reihen, in denen jeweils zwei Personen lagen. Dies erfolgte nicht aus Platzgründen, sondern um den Patienten die Möglichkeit zu geben, sich gegenseitig zu wärmen. Ansonsten waren zum Wärmen nur zinnerne Wärmflaschen, Wandteppiche und Vorhänge vorhanden. Eine Zentralheizung wurde erst 1925 eingebaut. Der Raum verfügt nur über wenige Fenster. Die Ärzte der damaligen Zeit waren der Überzeugung, dass sich gefürchtete Krankheiten wie Pest, Masern oder Grippe besonders gut in schlechter Luft ausbreiten würden. Ein Krankensaal musste also vor der von außen eindringenden, unreinen Luft abgeschottet werden. So hat man im Gebäude nur wenige, kleine Öffnungen zugelassen. Die Luft im Inneren hat man durch aromatische Duftstoffe, Kräuterauszüge und Weihrauch gereinigt. Die Decke ist ein Tonnengewölbe, gegliedert durch bemalte Stützbalken, die aus den Rachen mittelalterlicher Drachen ragen. Die Kapelle am Ende des Saales ermöglichte es den Kranken, vom Bett aus die Heilige Messe zu verfolgen und gleichzeitig mit ihren Gebeten den Wohltätern der Einrichtung zu danken. In dieser Kapelle hing damals das „Jüngste Gericht“, der Flügelaltar des flämischen Malers Rogier van der Weyden.

Im angrenzenden kleinen Saal „Sainte Anne“ wurden nur einige wenige Adelige versorgt. Auch der Saal „Saint Hugues“ diente zur Versorgung von begüterten Kranken. Die Einrichtung des Saales mit seinen 12 Betten wurde durch eine Spende im Jahr 1645 ermöglicht. Die prächtigen Bilder des Malers Isaac Moillon stellen Wunder aus dem Wirken Jesu dar und sollten den hier gepflegten Schwerkranken Hoffnung vermitteln.

Der Saal „Saint Nicolas“ war für Versorgung der akut in Lebensgefahr schwebenden Patienten gedacht. Im Jahre 1658 stellt der junge Ludwig XIV. die dazu notwendigen Mittel zur Verfügung. Somit konnte das Hôtel-Dieu stets eine Trennung der verschiedenen Krankheitsgrade erreichen. Erst von diesem Zeitpunkt an war auch die Trennung von weiblichen und männlichen Patienten möglich. Außerdem führt die Besichtigungstour in eine große Küche mit zeitgenössischem Geschirr und einem gotischem Kamin, in die Apotheke samt Zinngefäßen, Flakons und Fayencen aus Nevers, in ein angrenzendes kleines Labor zur Herstellung der Medikamente und in das Backhaus. Hier wurde das Brot gebacken, das man unter die Armen der Stadt verteilte. Bis ins 20. Jahrhundert kamen Alte, Behinderte, Waise, Kranke, Gebärende und Notleidende in diese Institution.

Heute geht es auf der Autobahn bis zur Ausfahrt Tournus. Auf der Landstraße fahren wir dann weiter durch Weinfelder. Der nächste Ort hat einen berühmten Namen:

Chardonnay, ein winziges Dorf mit 200 Einwohnern.

Der Ort war Namensgeber für die Weinsorte aus der Burgund, deren Name 1872 auf der Weinbauausstellung von Lyon festgelegt wurde.

Taize – der ökumenische Jugendtreff [108 km]

Die Gemeinschaft von Taizé ist ein internationaler ökumenischer Männerorden. Bekannt ist die Gemeinschaft vor allem durch die ökumenischen Jugendtreffen, zu denen jährlich rund 100.000 Besucher vieler Nationalitäten und Konfessionen kommen. Die Treffen werden in Taizé und verschiedenen anderen Orten ausgerichtet. Roger Schutz, der Gründer des Ordens, trug maßgeblich zur Popularität bei, die sich ungebrochen fortsetzt.

Der aus der Schweiz stammende Roger Schutz kam am 20. August 1940 nach Taizé, das damals nahe der Demarkationslinie im unbesetzten Teil Frankreichs lag und kaufte ein Haus. Er nahm Kriegsflüchtlinge und Juden auf, die auf der Flucht waren. Als die Wehrmacht die Zone Libre besetzte, war Schutz gerade in der Schweiz, wo er dann bis zum Herbst 1944 blieb. Nach der Befreiung Frankreichs durch die Westalliierten kehrte er mit drei Freunden nach Taizé zurück.

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg besuchten sie oft deutsche Kriegsgefangene eines nahen Gefangenenlagers und konnten mit der Zeit auch das Vertrauen der Wachen so weit gewinnen, dass sie Gefangene zum sonntäglichen Gottesdienst in der kleinen romanischen Dorfkirche Ste-Marie-Madeleine einladen durften.

1949 beschlossen die Brüder, deren Zahl weiter angewachsen war, sich endgültig dem gemeinsamen einfachen Leben in Ehelosigkeit zu verschreiben. Im Jahr 1949 legten die ersten sieben evangelischen Brüder ihr Gelübde ab. Beim katholischen Bischof holten sie die Erlaubnis ein, die romanische Dorfkirche mitnutzen zu dürfen. Der Bischof wurde von dem damaligen päpstlichen Nuntius und späteren Papst Johannes XXIII. in der Entscheidung bestärkt der Gemeinschaft die Nutzung zu erlauben. Nachdem schon die ersten katholischen Brüder in der Gemeinschaft mitgelebt hatten, legte 1969 ein junger belgischer Arzt als erster Katholik sein Gelübde ab. François Kardinal Marty, der damalige Erzbischof von Paris, gab dazu sein Einverständnis. Damit wurde die Communauté de Taizé „die erste ökumenische Brüdergemeinschaft der Kirchengeschichte“.

Frère Roger lag von Anfang an viel an einem Austausch mit der katholischen Kurie: Exemplarisch steht der gute Kontakt mit Karol Wojtyla, der als Krakauer Erzbischof 1964 und 1968 hier war. Nach seiner Wahl zum Papst nutzte Johannes Paul II. einen Frankreich-Besuch im Jahr 1986, um erneut Taizé zu besuchen. Der Papst beschrieb Taizé bei der Begrüßung in der „Kirche der Versöhnung“: „Man kommt nach Taizé wie an den Rand einer Quelle“. Jedes Jahr empfing Papst Johannes Paul II. Frère Roger zu einer Privataudienz, einmal mit den Worten: „Oh, Taizé, dieser kleine Frühling!“, um die Wertschätzung der ökumenischen Arbeit Taizés auszudrücken.

Taizé liegt auf einem Hügel in der burgundischen Landschaft. Die Klosteranlage, wo sich die Jugendtreffen abspielen, beginnt mit dem Empfangsgebaeude, wo man sich anmeldet. Auf einem leicht ansteigenden Gelände folgen der Glockenturm, die „Kirche der Versöhnung“, die Krankenstation, Unterkünfte und Sanitäranlagen für die Jugendlichen, für die Erwachsenen und nach etwa einem Kilometer Ameugny, wo Familien untergebracht sind. Der alte Dorfkern Taizés, in dem sich heute nur noch wenige Häuser befinden die landwirtschaftlich geprägt sind, schmiegt sich an den Fuß des Hügels an. Die Brüder wohnen in Häusern rund um die alte romanische Dorfkirche Ste.-Marie-Madeleine.

{Bis zu seiner Ermordung im Jahr 2005 war Schutz Prior der Gemeinschaft. 2018 zählten etwa 100 Brüder zur Communauté. Die Brüder sind Katholiken oder Mitglieder verschiedener evangelischer Kirchen. Sie stammen aus über 25 Ländern. Durch ihr Dasein selbst ist die Communauté ein konkretes Zeichen der Versöhnung unter den gespaltenen Christen und getrennten Völkern.}

Bout du Monde – am Ende der Welt

Das Tal der Cosanne endet hier jäh an einer steilen Felswand. Über die Cascade du Cul-de-Menevault stürzt Wasser aus der Höhe in den Talkessel herunter. In der Nähe befindet sich ein Quelltopf in einer 65 Meter tiefen Grotte. Schon Alexandre Dumas hat diese Landschaft bewundert.

Die romantische Burg La Rochepot [45 km]

Die Burg „La Rochepot“ liegt auf einem Kalkfelsen etwa 15 Kilometer südwestlich von Beaune. Die Anlage stammt aus dem 13. Jahrhundert, wurde während der Französischen Revolution konfisziert, auf Abbruch versteigert und anschließend als Steinbruch genutzt, sodass sie zu Beginn des 19. Jahrhunderts nur noch eine Ruine war. Diese wurde ab 1894 von Sadi Carnot im Stil des Historismus vollständig rekonstruiert. Als Vorlage dazu dienten Federzeichnungen aus dem Jahr 1645. Ausnahmen von der Originaltreue zum 15. Jahrhundert waren nur im Inneren gemacht worden, wo Carnot nicht auf zeitgemäßen Wohnkomfort hatte verzichten wollen, sodass die wiederaufgebaute Anlage über fließend Wasser, eine Zentralheizung, Elektrizität sowie Badezimmer und WCs verfügte. Zum Anwesen gehören rund 28 Hektar Landbesitz, der unter anderem aus Wäldern, Moorland, Wiesen und Äckern besteht. Auf den Flächen finden sich alte und seltene Baumarten, darunter Zeder, Linde, Hainbuche, Rosskastanie und Felsenkirsche.

Beaune, Chardonnay, Taize und die Burg La Rochepot lassen sich gut zu einem Tagesausflug zusammenfassen [209 km].

Service Burgund:
Ferienhaus/Gites in Gergueil und Umgebung ab 415 € pro Woche
Eintritt Herzogspalast Dijon frei / mit Führung 6 €
Eintritt Kathedrale St. Bénigne Krypta 2 €
Die Abtei von La Bussière ist heute ein Hotel der Relais & Chateau-Kette
Eintritt Abtei Fontenay 10 € / mit Führung 12,50 €
Eintritt Muséo Parc Alesia 10 €
Eintritt Schloss Bussy-Rabutin 8 €
Eintritt Hôtel-Dieu in Beaune 7,50 €
Eintritt Burg La Rochepot 8,50 €

Diese Reise fanden im August/ September 2000 statt. Ich reiste mit meiner Familie. Tarifstand September 2018.

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