Bretagne – an der Küste des rosa Granits

Diese Urlaubsreise mit dem Auto führt durch geschichtsträchtige Orte in Nordfrankreich in die Bretagne und auf die Kanalinsel Jersey. Lernen Sie St. Malo und die Côtes d’Armor kennen.

Anreise über Lothringen, die Champagne und Paris.

1.Tag / 502 km: Ein Urlaub in der Bretagne bringt eine 1.400 Kilometer lange Anreise mit sich. Wir, meine Frau, unsere beiden Söhne im Alter von 8 und 6 Jahren und ich fahren mit unserem Familienkombi am ersten Tag bis Nancy, der schönen Hauptstadt von Lothringen. Wir übernachten im „Hotel Mercure Nancy Centre Place Stanislas“.

Porte de la Craffe in Nancy

Nancy mit seinem wunderschönen Place Stanislas.

2. Tag / 230 km: Zunächst gehen wir auf Stadtbesichtigung durch Nancy: Die „Porte de  la Craffe“ wurde im 14. Jahrhundert am Zugang zur Altstadt im gotischen Baustil errichtet. Der Spitzbogen ist mit einem Lothringer Kreuz verziert. Im 15. Jahrhundert wurden zwei mächtige Rundtürme hinzugefügt, die als Kerker dienten.

Place Stanislas in Nancy

Eine ganz besondere Sehenswürdigkeit ist der „Place Stanislas“, der zum UNESCO Weltkulturerbe gehört. Der Bau des Platzes erfolgte im Auftrag des französischen Königs und Herzogs von Lothringen Ludwig XV. Er war der Schwiegersohn des Königs Stanislas von Polen, nach dem als letzte Ehre dieser wunderschöne Platz benannt wurde. Der „Place Stanislas“ wurde von 1752 bis 1760 von dem Architekten Emmanuel Héré im Stil des französischen Klassizismus angelegt und erhält seinen einzigartigen Charakter durch die Fontänen und die den Platz begrenzenden, prachtvoll vergoldeten Schmuckgitter aus Schmiedeeisen.

Jugendstil Buntglasdecke in der Bank Crédit Lyonaise in Nancy

Außerdem gibt es in der Neustadt zahlreiche Jugendstil-Bauten. Begeistert hat uns die 250 m² große Jugendstil Buntglasdecke mit dem Monogramm CL für „Crédit Lyonaise“ um das sich Klematispflanzen als Verzierung ranken. Sie stammt aus der „École de Nancy“ von Meister Jacques Gruber und lässt ein schönes Licht in das Foyer der Bank.

Service Nancy:
Hotel Mercure Nancy Centre Place Stanislas DZ ab 87 €.
Buntglasdecke im Jugendstil in der LCL Banque et Assurances 9, Rue Saint-Georges. Werbung:
Jeanne d’Arc und Präsident Charles de Gaulle.

Dann geht es für uns weiter in ein kleines Dorf mit 130 Einwohnern: Domrémy-la-Pucelle. Hier steht das Geburtshaus der „Jeanne d’Arc“, der Jungfrau von Orleans.

Domrémy-la-Pucelle - Geburtshaus der Jeanne d'Arc, der Jungfrau von Orleans.

Das 19-jährige Bauernmädchen erschien im Jahr 1429 am Hof des Dauphins um dort die Botschaft zu verkünden, dass sie den göttlichen Auftrag hat, gegen die Engländer im 100-jährigen Krieg zu kämpfen. In weißer Rüstung und mit einem Lilienbanner gelang es ihr an der Spitze einer kleinen Schar die belagerten Bürger von Orléans zu unterstützen und die Engländer letztlich dort zum Abzug zu bewegen.

Colombey les deux Églises - Grab von Charles de Gaulle

Nur wenig größer ist das Dorf Colombey-les-Deux-Églises. In der Gemeinde starb am 9. November 1970 auf seinem Landsitz „La Boisserie“ Charles de Gaulle. Der General und 1. Präsident der Fünften Republik ist auf dem örtlichen Friedhof begraben.

Altstadt von Troyes

Troyes, Fontainebleau und Paris.

Am späten Nachmittag erreichen wir Troyes, den alten Sitz der Grafen der Champagne. Hier gibt es eine sehenswerte Altstadt mit vielen schönen Fachwerkhäusern. Wir übernachten im „Hotel Arcade“ am Rand der Altstadt.

Service Troyes, Domrémy-la-Pucelle und Fontainbleau:
Hotel Ibis Budget Centre Troyes (ehemals Hotel Arcade) DZ ab 43 €.
Domrémy-la-Pucelle – Museum Jeanne d’Arc – Eintritt 3 €.

Schloss Fontainebleau – Eintritt 12 €. Besuch der Gartenanlagen: frei. Werbung:

3. Tag / 193 km: Auf dem Weg nach Paris besichtigen wir Schloss Fontainebleau. Der erste Renaissancebau Frankreichs wurde ab dem Jahr 1528 an Stelle einer älteren Burganlage erbaut. Der Barockgarten und -park geht auf den Sonnenkönig Ludwig XIV. zurück.

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Am frühen Nachmittag erreichen wir Paris und bleiben für zwei Nächte im „Hotel Florida“ im 9. Arrondissement.

Schloss Fontainebleau

4. Tag: Wir unternehmen einen Tagesausflug in den „Parc Asterix“ nördlich der Stadt.

Durch die Normandie.

5. Tag / 388 km: Es geht weiter in Richtung Westen. Hinter Avranches erreichen wir den Atlantik am Golf von St. Malo. In der Bucht von Saint-Malo gibt es einen der größten Gezeitenunterschiede Europas: Bis zu zwölf Meter Differenz liegen zwischen Niedrigwasser und Hochwasser.

Le Mont Saint Michel

Der Mont-Saint-Michel, Wunder des Abendlandes und UNESCO Weltkulturerbe in der Bucht an der Grenze von der Normandie zur Bretagne gelegen ist unser nächstes Ziel. Die Ursprünge des Mont-Saint-Michel gehen auf das Jahr 708 n. Chr. zurück. Der Erzengel Michael war dem Bischof Aubert von Avranches drei Mal erschienen und forderte ihn auf eine Abtei auf diesem Felsen zu Gründen. Die Legende besagt, als nach dem dritten Mal immer noch nichts geschah, der Engel ungnädig wurde und dem Bischof mit seinem Finger ein Loch in den Schädel brannte. Daraufhin begann der Geistliche unverzüglich mit dem Bau des Klosters. Karte Anreise.

St. Malo - Bretagne
Die Stadt der Korsaren – St. Malo in der Bretagne.

In St. Malo in der Bretagne ist heute viel los, es findet eine internationale Regatta für Großsegelschiffe statt. Die Zufahrt zur Halbinsel ist gesperrt und wir müssen unsere Buchungsbestätigung vorweisen, um Einfahren zu können. Wir wohnen im „Hotel de l`Universe“ direkt hinter der Stadtmauer am Place Chateaubriand.

Im 12. Jahrhundert verstärkte sich der Druck auf die Siedlung am Ufer der Bucht durch Überfälle der Normannen immer mehr. Nur die nördlich gelegene Insel, heute „Intra muros“, schien den nötigen Schutz zu bieten. Im Jahr 1142 siedelte auch der Bischof auf die Insel und errichtete dort die Kathedrale Saint-Vincent. In den folgenden Jahren begann der Bau einer mächtigen Wehrmauer, die der Stadt, jetzt Saint-Malo genannt, lange Zeit Sicherheit und Unabhängigkeit geben sollte.

Seine Blütezeit erreichte St. Malo im 16. Jahrhundert. Durch Fischfang, Handel und Kaperfahrten erlangte Saint-Malo Wohlstand. Der Entdecker und Seefahrer Jacques Cartier war ein Sohn der Stadt. Im Jahr 1534 befuhr er erstmals den St.-Lorenz-Strom in Kanada.

St. Malo - Bretagne

Im Jahr 1590 wurde sogar eine eigene Republik ausgerufen, die jedoch nur kurz Bestand hatte. Gefürchtet war Saint-Malo bei holländischen und englischen Handelsschiffen, denn die Stadt war die Heimat von Korsaren. René Duguay-Trouin eroberte 1711 sogar Rio de Janeiro, Jaques Cassart zerstörte 1712 den florierenden portugiesischen Hafen Ribeira Grande auf den Kapverden, Robert Surcouf (1773–1827) war mit seinem schnellen und wendigen Schiff „Renard“ mit seinen Beutezügen so erfolgreich, dass er sich mit 35 Jahren zur Ruhe setzen konnte. Sie alle handeln im Auftrag des Staates, also legal, ausgerüstet mit einem Kaperbrief „La lettre de course“ und genauen Verträgen über ihren Anteil an der Beute. Die Anfang des 18. Jahrhunderts von den wohlhabenden Reedern und Korsaren erbauten Häuser aus Granit ragen noch heute über die dicken Festungsmauern, und innerhalb der Mauern versprechen heute Cafes, Restaurants und ein großes Angebot an Läden, Geschäften und Boutiquen einen kurzweiligen Aufenthalt.

Bei einem Spaziergang auf den Mauern haben wir einen schönen Blick auf die drei vorgelagerten Inseln mit Festungen. Grand Bé und Petit Bé sowie das Fort National sind bei Ebbe zu Fuß erreichbar. Auf Grand Bé befindet sich zudem das Grab des Schriftstellers, Politikers und Diplomaten François-René Vicomte de Chateaubriand.

6. – 12. Tag: Heute Vormittag besuchen wir einige der Großsegelschiffe, die nach der Regatta im Hafen liegen, darunter das polnische Schiff „Dar Młodzieży“ und das spanische Schulschiff „Juan Sebastián de Elcano“. Wir dürfen sogar an Deck.

Service St.Malo – Bretagne:
Hotel de l’Universe DZ ab 53 €. Werbung:
Jersey – schöne Sandstrände, Klippen und grüne Landschaften.

Dann fahren wir mit dem Auto auf die Schnellfähre „HSC Emeraude“, die uns in 90 Minuten auf die Kanalinsel Jersey bringt. Abfahrt in St. Malo / Bretagne ist um 13:15 Uhr. Achtung: auf Jersey herrscht Linksverkehr.

Royal Bay of Grouville – Jersey

Jersey ein gutes Stück größer als Sylt. Die Insel ist englischer Kronbesitz, somit kein Teil des Vereinigten Königreichs und gehört geographisch auch nicht zu den Britischen Inseln. Besiedlungsspuren reichen 250.000 Jahre zurück. Wir besichtigen „La Hougue Bie“, ein 6.000 Jahre altes neolithisches Ganggrab von 11 Meter Länge. Am meisten geprägt haben die Insel die Normannen, die im Jahr 933 auf die Insel kamen.

Wir wohnen bei Mrs. White im „Ivy Cottage“ im Ort St. Clement im Südosten von Jersey. Unsere Hausstrand, der Green Island Beach, ist ein Kilometer entfernt.

Green Island Beach – Jersey

Er ist bei den Einheimischen sehr beliebt und ausgezeichnet für seine gute Wasserqualität, allerdings gibt es bei Ebbe kein Wasser, wegen des hohen Gezeitenunterschieds.

Mount Orgueil Castle über dem Fischerort Gorey

Ein sehr schöner Sandstrand ist auch der Longbeach in der „Royal Bay of Grouville“ an der Ostküste. Die Bucht wird gesäumt vom „Mount Orgueil Castle“ über dem Fischerort Gorey. Direkt am Pier befindet sich das „Seascale Restaurant“ mit einer guten anglo-französischen Küche.

Nordküste von Jersey

Eine Fahrt auf engen Straßen begrenzt durch Feldsteinmauern führt durch die sattgrüne Landschaft mit Weiden, auf der die „Jersey Belles“ grasen, an Herrenhäusern mit blühenden Gärten vorbei zu den steilen Klippen im Norden der Insel. Karte Jersey.

Nordküste von Jersey

13. Tag / 154 km: Gestern haben wir über Mrs. White die Nachricht erhalten, dass die „HSC Emeraude“* einen Motorschaden hat und wir nicht wie gebucht um 14 Uhr zurück in die Bretagne fahren können. Der Wagen wird um 10:15 Uhr in St. Helier separat verschifft und wir fahren mit dem Tragflügelboot Trident um 12:30 Uhr nach St. Malo.

Service Jersey:
Flug München – Jersey im Sommer jeden Samstag nonstop mit Lufthansa ab 295 € inkl. 1 Gepäckstück bis 23 kg.
Autofähre Condor Rapide ab St. Malo / Bretagne nach St. Helier / Jersey – PKW + 2 Personen H+R ab 258 €.

La Hougue Bie Eintritt 9,90 € – Jersey Heritage Pass: 35,35 €. Werbung: Hotels auf Jersey über DERTOUR 



Das älteste Gezeitenkraftwerk der Welt liegt in der Bretagne am Atlantik.

Wir fahren über den Damm an der Flussmündung der Rance. Hier befindet sich mit der „Usine marémotrice de la Rance“ seit 1966 das weltweit erste und bis 2011 größte Gezeitenkraftwerk der Welt. Auf der anderen Seite liegt der mondäne Badeort Dinard an der Smaragdküste.

Unser Ferienhaus auf der Île Grande - Bretagne

Unser kleines Herrenhaus auf der Île Grande.

Über eine junge Arbeitskollegin und deren Familie aus Paris haben wir ihr Ferien-Domizil in der Rue des Îles Nr. 3 für zwei Wochen gemietet. Das aus groben Granitsteinen gemauerte mit Efeu umrankte Anwesen der Familie ist das größte Haus auf der Insel. Wir parken unser Auto auf den gekiesten Hof mit dem Ziehbrunnen und erkunden das Innere.

Unser Ferienhaus auf der Île Grande - Bretagne - Wohnzimmer

Im Obergeschoß befinden sich die Schlafzimmer und das Bad, im Untergeschoß die Wohnküche mit einem großen Tisch aus Naturholz und zwei lange Bänke. In der Ecke steht ein Klavier, das Wohnzimmer mit dem offenen Kamin ist zum Wintergarten ausgerichtet, der linke Anbau ist vermietet.

Unser Nachbar ist ein freundlicher Postbote, der uns einmal nach dem Einkauf von frischen Austern, beim Öffnen der Meeresfrüchte behilflich war, obwohl er selber gar keine Austern mag. Im rechten Anbau steht eine Tischtennisplatte. Der große Raum wird auch als Abstellraum und Lager genutzt.

Wintergarten – Haus Rue des Îles Nr. 3 – Île Grande – Bretagne

Nach einer kurzen Kaffeepause breche ich schon wieder auf, ich muss unsere Freiburger Freunde am Bahnhof in Lannion abholen. Ihr Zug kommt um 19:01 Uhr an. Lannion liegt am Mündungstrichter des Flusses Léguer, der sogar hier noch mitten in der Stadt das Spiel der Gezeiten sichtbar werden lässt. Am Ufer gibt es einige schöne alte Holzfachwerk- und Schieferhäuser, die ältesten aus dem 16. Jahrhundert. Karte Île Grande.

Admiralsplatte - Bretagne

Heute Abend werden wir von unseren Freunden großzügig in das Fisch- und Meeresfrüchte-Restaurant vis-à-vis von unserem Haus auf eine „Admiralsplatte“ eingeladen. Da der Hummer aus ist, gibt es dafür um so mehr Taschenkrebse, dazu Muscheln, Austern, Kaisergranat, Crevetten, Seeschnecken – alles frisch von den Küsten der Côtes d’Armor und einen passenden Wein dazu.

Zöllnerpfad - Küste des rosa Granits - Bretagne

Der Zöllnerpfad von Perros Guirec nach Ploumanac`h.

An der Küste des rosa Granits führt die eine 12 km lange Teilstrecke des großen Küsten-Wanderwegs GR 34 durch „eine der malerischsten bretonischen Landschaften“. Der erste 6 km langer Abschnitt zwischen Perros-Guirec und Ploumanac´h wird vom DuMont-Reise-Taschenbuch Bretagne sogar als „schönste Wanderstrecke der Bretagne“ bezeichnet.

Plage de Trestraou in Perros-Guirec - Bretagne

Dieser „Sentier des Douarniers“ startet unter Palmen oberhalb der Badebucht des „Plage de Trestraou“ in Perros-Guirec, dem hübschen Badeort an der Côtes d’Armor. Mit Blick auf das blaue Meer und die Inselgruppe der Sept-Îles wandern wir zur Halbinsel von Ploumanac´h, auf der riesige Felsblöcke mit ihrem Formenreichtum den Naturgesetzen trotzen. Der Leuchtturm „Meen Ruz“ ist die nördliche Landmarke der Halbinsel.

Île de Costaérès - Bretagne

Vor der Küste liegt dann die Île de Costaérès mit ihrem markanten neogotischen Schloss, das Dieter Hallervorden seit 1988 als Sommerwohnsitz dient.  Hier entstand auch der im Jahr 1895 erschienene Roman „Quo Vadis“ des polnischen Schriftstellers und Literaturnobelpreisträgers Henryk Sienkiewicz. Im kleinen Hafen von Ploumanac’h gibt es eine gern besuchte Crêperie, in der wir uns nach der Wanderung Galettes und Crêpes und eine kühle Flasche Cidre schmecken lassen.

Leuchtturm „Meen Ruz“ – Ploumanac’h – Küste des rosa Granits

Der Zöllnerpfad führt noch weiter ins benachbarte Trégastel, wo es bizarre Felsformationen wie den „Totenkopf“ gibt. Ein schöner Sandstrand wird eingerahmt von den rosafarbenen Felsen. Vorgelagert ist eine unbewohnte Insel, auf die man bei Ebbe zu Fuß gelangen kann. Hier sind wir oft beim Schwimmen. Karte Zöllnerpfad.

Das Radôme und die Cité des Télécoms in Pleumeur Bodou.

Die Île Grande ist durch einen Priel vom Festland getrennt über den eine Brücke führt. Die Insel gehört zur Gemeinde Pleumeur Bodou. Hier steht eine Pionieranlage der Weltraumtelekommunikation, das „Radôme“. Die Vereinigten Staaten forcierten unter John F. Kennedy Anfang der 1960er Jahre nach den frühen Erfolgen der Sowjetunion die Raumfahrt und die Eroberung des Weltalls. Zu den Projekten gehörten die Telekommunikationssatelliten Telstar 1 und 2. Die erste Live-Fernsehsendung zwischen den USA und Europa wurde 1962 übertragen. Die europäische Empfangsstation für den Telstar wurde in der Bretagne errichtet. Unter einer Radarkuppel mit 50 Meter Durchmesser befindet sich die schwenkbar gelagerte, hornähnliche, 340 Tonnen schwere Antenne. Das „Radôme de Pleumeur-Bodou“ wird weltberühmt und ist bis Anfang der 1980er Jahre in Betrieb.

Heute ist es ein Kommunikationsmuseum und steht unter Denkmalschutz. Es kann über die „Cité des Télécoms“ besucht werden, die das größte europäische Zentrum für Telekommunikation ist.

Ein gallisches Dorf sammelt Spenden für Afrika.

„Le village de Meem le Gaulois“, das Gallische Dorf, wurde ab 1986 von jungen Freiwilligen aus verschiedenen Ländern gebaut. Es entstand ein kleiner Spiel- und Freizeitpark für Kinder und Erwachsene. Der finanzielle Erlös durch Spenden und Eintrittsgelder dienen der Finanzierung und Unterstützung von 10 Schulen mit 3.300 Kindern in Norden Togos unter Leitung der „Frères de Ploërmel“. Außerdem beteiligt sich MEEM am Aufbau einer weiterführenden, staatlichen Schule, die von den Eltern und dem Togolesischen Hilfsverein C.A.P.A.S. verwaltet wird. 

Totenkopf von Trégastel – Küste des rosa Granits – Menhir von St. Uzec
Der Menhir von St. Uzec und die Dolmen auf der Insel.

Gegenüber der Île Grande steht auf dem Festland der 4.500 Jahre alte Menhir von Saint-Uzec. Der Hinkelstein ist etwa acht Meter hoch und drei Meter breit. Damit ist er der größte mit christlichen Symbolen versehene Menhir in Frankreich. Die Umgestaltung erfolgte im Jahr 1674 als Kampfansage an das auflebende Heidentum durch den Jesuitenpriester und bretonischen Orthografen Julien Maunoir, auch „Apostel der Bretagne“ genannt. Der Menhir trägt seitdem ein Kruzifix, in die Südseite sind Mond, Sonne und die Arma Christi eingemeißelt. Der Stein wurde in den Folgejahren gern in christliche Prozessionen einbezogen. Nach einer alten Sage wollte die Riesin „Gwrac´h,“ den Stein von der Île Grande zum 50 Kilometer entfernten Gipfel des „Méné Bré“ schleppen, schaffte das aber nicht und ließ ihn am jetzigen Standort erschöpft fallen.

Auf der Île Grande befindet sich ein großer Dolmen in Form einer „Allée couverte“ (dt.: Galeriegrab) von 8,5 Meter Länge und 1,6 Meter Breite. Er ist mit zwei 4,5 und 3,5 Meter langen Granitplatten bedeckt, die von neun 1,0 bis 1,4 Meter hohen Tragsteinen gestützt werden – sie bilden eine zugangslose Kammer. Karte Pleumeur Bodou.

Les 7 Îles - Bretagne

Les 7 Îles – eines der größten Vogelschutzgebiete in Frankreichs.

Ein sehr schöner Ausflug führt mit dem Boot von Perros Guirec auf die 7 Inseln. Auf der „Île aux Moines“, auf der es einen Leuchtturm und die Ruine einer Festung gibt, legen wir einen Stopp ein. Der eindrucksvolle Besuch des einzigartigen Vogel-Reservats stehen aber im Mittelpunkt der Tour.

Île de Rouzic - Bretagne

Vorbei an kleinen, aus dem Meer ragenden Felsen, auf denen die verschiedensten Vogelarten leben, nähern wir uns schließlich der felsigen „Île de Rouzic“ mit einer riesigen Kolonie von Basstölpeln, der einzige Brutstätte dieser seltenen Vogelart in Frankreich. Hier nisten über 16.000 Paare. Zur Fischjagd stürzen sich die Basstölpel aus bis zu 40 Meter Höhe ins Meer, tauchen bis zu 15 Meter tief unter und greifen ihre Beute wie Makrelen und Heringe von unten an. Die Beute wird Fisch für Fisch geschluckt und später einige davon wieder hervorgewürgt um die Jungen zu füttern. Karte Les 7 Îles.

Château de Tonquédec - Bretagne
Das Wanderziel Château de Tonquédec im Léguer-Tal.

Das Léguer-Tal oberhalb von Lannion lädt uns zum Wandern und ein. Es gibt hier eine „Heilige Quelle“, Kirchen, Kapellen, Burgen und Schlösser, beispielsweise das Château de Tonquédec oder das Château de Kergrist. Das Schloss von Tonquedec wurde im  XV. Jahrhundert mitten im grünen Wald auf einem Felsen errichtet, der den Fluss Léguer überragt. Mit seinen elf Türmen, wovon zwei Rundtürme durch eine Zugbrücke mit dem Hauptgebäude verbunden sind, ist die Ruine ein wichtiges Monument aus der Geschichte der Bretagne und ein prächtiges Denkmal der Militärarchitektur des Mittelalters. Es gehört dem Grafen und der Gräfin von Rougé und kann besichtigt werden.

Schloss Rosanbo - Bretagne

Schloss Rosanbo in Lanvellec – seit dem 14. Jahrhundert in Besitz der selben Familie.

Das 15 Kilometer westlich gelegene Schloss mit Befestigungsanlagen stammt ebenfalls aus dem 14. Jahrhundert. Schloss Rosanbo wurde in den folgenden Jahrhunderten mehrmals im Stil der jeweiligen Zeit erweitert, zuletzt im 19. Jahrhundert mit der Errichtung eines neugotischen Flügels und der neuen Kapelle. Das Schloss ist seit dem 1. Tag im Besitz der selben Familie. Nach der französischen Revolution wurden die meisten Familienmitglieder, die Ludwig XVI. nahegestanden sind, im Jahr 1793 hingerichtet. Das Schloss war danach einige Zeit unbewohnt und später renovierungsbedürftig. Doch Ende des 19. Jahrhundert nahm Henri Le Peletier, Marquis de Rosanbo, eine vollständige Renovierung in Angriff und zog anschließend in sein Schloss ein. Er vertraute die Gestaltung des Parks dem Landschaftsarchitekten Achille Duchêne an (1866-1947), der ca. 350 Parkanlagen und 6.000 Gärten in Frankreich geplant hat.

Der alte, vier Hektar große Obstgarten wurde für den Pferdesport, Spiele und Spaziergänge umgestaltet. Die neuen Baumgruppen und Rabattenanlagen werden durch eine 2.500 Meter lange Buchenalleen eingerahmt, davon von einem 500 Meter langer Laubengang. Der Park im französischen Stil gehört zu den ungewöhnlichsten historischen Gärten der Bretagne.

Alain Marquis de Rosanbo machte der Öffentlichkeit im Jahre 1958 das Schloss zugänglich. Es können heute der Bretonische Saal, der Große Salon, der Salon des 18. Jahrhunderts, der neogotische Speisesaal, der Speisesaal des 18. Jahrhunderts, die Bibliothek, der Treppenturm, die Galerie, der Keller mit Cidre und Calvados-Vorräten und die Küche aus dem 19. Jahrhundert besichtigt werden.

Zauberwald von Huelgoat - Bretagne

Der Zauberwald von Huelgoat.

Die Gemeinde Huelgoat (dt.: „der hohe Wald“) liegt im Herzen der „Monts d’Arrée“ an einem großen Teich inmitten des Naturschutzgebiets „Parc naturel régional d’Armorique“  – eine Gegend voller Naturgeheimnisse, rätselhafter Sagen und Jahrhunderte alter Legenden. Ein Wanderweg führt vom Teich entlang des Silberbachs durch eine bewaldete Schlucht. Hier dominieren Buchen, Eichen und Kastanienbäume. Wunderschöne Farne und Moose gedeihen in der feuchten Luft, die sie für ihr Wachstum brauchen. Manche in Europa sehr seltene Arten sind hier vertreten. Unzählige Felsen wurde durch Erosion freigelegt, manche rollten die Hänge hinab und kamen unten am Bach in einem riesigen Felshaufen gegen- und übereinander liegend zur Ruhe.

Nach der Überlieferung machte der Riese Gargantua eines Tages in Huelgoat halt und bat die Dorfbewohner, ihm zu Essen zu geben. Diese gaben ihm nur einen schlechten Buchweizenbrei, von dem er nicht satt wurde. Wütend und enttäuscht verließ Gargantua das Dorf und schwor Rache. Als er zur Küste kam hob er mit seinen riesigen Händen große, von der Brandung rund geschliffene Felsbrocken hoch, die er über die „Monts d’Arrée“ bis nach Huelgoat warf, wo sie entlang des Siberbachs und im ganzen Wald zu Boden fielen. Noch heute zeugen diese Felsen vom Zorn des hungrigen Riesen.
Wir kommen auf unserer Wanderung am „Chaos du Moulin“ (dt.: der Mühle), an der Teufelsgrotte und am „Gouffre“ (dt.:Abgrund) mit einem Wasserfall vorbei, dessen Wasser in der Erde verschwindet. Es gibt den „Haushalt de Heiligen Jungfrau“, den Pilz, einen Wildschwein- und einen Feenteich. Besonders interessant ist der große Wackelstein, der an der richtigen Stelle mit dem Finger angetippt, wippt wie von Zauberhand.

Oberhalb der Schlucht liegt eine archäologische Ausgrabungsstätte aus der Keltenzeit: „Camp d’Artus“.  In der Nähe befindet sich die  Artusgrotte, ein hoher Hohlraum von einem Felsdach bedeckt. Karte der Ausflüge in der Bretagne.

Centre Ornithologique  Côtes d’Armor auf der Île Grande.

Heute besuchen wir das LPO-Schutzzentrum mit Vogelwarte auf unserer Insel. Es ist auf die Aufnahme von verletzten Seevögeln spezialisiert, beherbergt gelegentlich aber auch Robben und Wale, bevor sie ins „Océanopolis“ nach Brest gebracht werden. Im Erdgeschoss studieren wir einige interessante Schautafeln über die Vögel und Meeresbewohner der Bretagne.

Grandes marées - Springflut in der Bretagne

Springflut – die Grandes marées.

26. Tag. Heute ist es soweit. Die „Grandes marées“ sorgen für ein faszinierendes Schauspiel in der Bretagne – wo Ebbe und Flut den größten Höhenunterschied von ganz Europa haben. Übersteigt der Gezeitenkoeffizient den Wert 90, dann spricht man von „Grandes marées“, oder auch Springflut. Der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser kann dann in der Bretagne durch eine besondere Sonne-Erde-Mond-Konstellation bis zu 14 Meter betragen.

Grandes marées - Springflut in der Bretagne

Wir laufen zum nordwestlichsten Kap unserer Insel, zum „Pointe de Toul-Ar-Staon“ um uns das Spektakel anzusehen. Die Wellen züngeln über die großen Granitsteine und die Gischt weht uns ins Gesicht. Wir sind sehr beeindruckt von diesen Kräften der Natur.

Service Bretagne:
Radôme in Pleumeur Bodou – Eintritt 9 €.
Das Gallische Dorf in Pleumeur Bodou – Eintritt 6 €.
Parc de Rosanbo – Eintritt 7 € – Schloss und Park Kombiticket 11 €.

Les 7 Îles mit Amor Navigation ab Perros Guirec 18,50 € – mit Stopp auf der Île aux Moines 22,50 €
Werbung: Ferienwohnungen und -häuser in der Bretagne (z.B. in und um Perros Guirec) bei DERTOUR


Die Kathedrale von Reims – das schönste Bauwerk Europas.

27. Tag / 661 km: Wir haben uns entschieden, auch auf dem Rückweg auf halbem Weg zu übernachten. Es gibt keinen schöneren Ort dazu als Reims in der Champagne. Die Kathedrale Notre-Dame de Reims gilt als eine der architektonisch bedeutendsten gotischen Kirchen Frankreichs, sie gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Kathedrale von Reims

Die dreischiffige Basilika war nach 75 Jahren Bauzeit bereits im Jahr 1286 weitestgehend fertiggestellt. Markantestes Merkmal der Kathedrale ist ihre mit Reliefs und Figuren reich verzierte Westfassade – ein großartiges Beispiel hoch­gotischer, mittelalterlicher Bildhauerkunst. 2.303 Skulpturen gibt es hier insgesamt. Nie zuvor gelang es Künstlern so gut, ihren Figuren Leben einzuhauchen. Beispiele dafür sind etwa der heilige Joseph, der lächelnde Engel oder die Dienerin. Ihre beiden gedrungenen Westtürme mit einer Höhe von 81 Metern sollten ursprünglich noch Turmspitzen für eine Gesamthöhe von 120 Metern erhalten. Die Mitte der Westfassade wird durch die Haupt­rosette geprägt. Die „Galerie der Könige“ oberhalb der Haupt­rosette zeigt die Taufe Chlodwigs I. und die Statuen seiner Nachfolger.

Im Inneren hat die Kathedrale eine Länge von 139 Metern. In dem dreischiffigen Querhaus mit doppelter Vierung ist sie 55 Meter breit, das dreischiffige Langhaus ist 32 Meter breit. Dank der zahlreichen Glasfenster ist das Kirchenschiff lichtdurchflutet. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen um sogenannte „Reimser Maßwerkfenster“. Nur rund ein Viertel der Originalfenster hat bis heute überdauert, der überwiegende Teil wurde während der Aufklärung und im Krieg zerstört. Im Jahr 1974 hat Marc Chagall die Kapelle in der Mitte des Chors mit drei Fenstern ausgestattet – sie zählen zu den berühmtesten der Kathedrale.

Für Frankreich ist die Stadt Reims von großer geschichtlicher Bedeutung. Im Jahr 496 ließ sich der Frankenkönig Chlodwig nach der Überlieferung Gregor von Tours’ in Reims taufen. Damit nahm die Geschichte Frankreichs als christliches Königreich ihren Anfang. Reims wurde zur Krönungskathedrale der französischen Könige. Dort ließen sich vom 13. bis zum 18. Jahrhundert fast alle Monarchen des Landes inthronisieren und salben. Die Kapitulation der Wehrmacht wurde von Generaloberst Alfred Jodl am 7. Mai 1945 im amerikanischen Hauptquartier in Reims unterzeichnet. Im Jahr 1962 nahmen Staatspräsident Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer gemeinsam an einer Fiedensmesse im Dom teil, um die deutsch-französische Freundschaft zu bekräftigen. Adenauer und de Gaulle waren beide gläubige Katholiken, für die es selbstverständlich war, zur Sonntagsmesse zu gehen. Bei der Aussöhnung spielte das gemeinsame, christliche Wertefundament eine wichtige Rolle.

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28. Tag / 755 km: Rückfahrt über Metz und Saarbrücken nach München.

Service Reims:
Holiday Inn Centre DZ ab 89 €.
Kathedrale – Eintritt 8 €. Werbung:

Diese Reise fand im August / September 1994 statt. Ich reiste mit meiner Familie. Tarifstand: Februar 2020.

Ivy Cottage – St. Clement – Jersey

Nachtrag:

*Das 1994 gebaute Fährschiff HSC Emeraude wurde im selben Jahr an die französiche Werft zurückgegeben und 1996 unter dem neuen Namen „Tamarii Morea VIII“ von der Reederei Leprado Valère bis zum Jahr 2000 auf der Strecke Papeete-Moorea eingesetzt. Von 2000 bis 2002 wurde die Fähre erneut umbenannt in „Corsaire“ und von der Reederei Aremiti auf den „Inseln über dem Wind“ in der Karibik eingesetzt. 2005 kam dann schon das Ende der Fähre wegen andauernder Maschinenprobleme.

Longbeach – Royal Bay of Grouville – Jersey

**Der Verein MEEM änderte seinen Namen während einer Generalversammlung am 23. März 2019. Sein neuer Name ist „Gallisches Dorf für Afrika (VGPA)“.

Auf einer früheren Jersey-Reise im Jahr 1976 – Heinz mit unseren zwei geliehenen Vespa-Rollern

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Weitere Berichte aus Frankreich auf meiner Website:

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