Münster – Studenten-, Fahrrad- und Krimistadt

Es gibt mehr als 43.000 Studenten an der Westfälischen Wilhelms-Universität, 38 % aller Wege werden in Münster mit dem Fahrrad zurückgelegt und der Münsteraner Tatort und der Privatdetektiv und Antiquar Wilsberg sind bei den Fernsehzuschauern in der ganzen Republik beliebt.

Wir fahren mit ICE von München nach Hamm und von dort mit der Regionalbahn nach Münster weiter. Der Stadtbus 4 bringt uns zum Stadthotel in der Altstadt.

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Nach dem Abendessen bummeln wir zum Prinzipalmarkt mit seinen prächtigen Bürgerhäusern. Unter Laubengängen erreichen wir die Markt- und Stadtkirche St. Lamberti. Sie wurde von den Kaufleuten der Stadt als Gegenpol zum nahen Dombezirk erbaut. 

Die schauerliche Besonderheit der Kirche sind drei am Turm befestigte Eisenkörbe. In ihnen wurden 1536 die Leichen der drei hingerichteten Anführer des Täuferreichs von Münster zur Schau gestellt, nachdem sie auf dem Platz vor der Kirche öffentlich gefoltert und getötet worden waren. Um 9 Uhr hören wir dann die Türmerin ins Horn blasen – seit 1379 besteht diese Tradition.

Am nächsten Morgen frühstücken wir im Café Extrablatt am Aegidimarkt. Es ist schon sehr stark von jungen Leuten frequentiert.

Im Rathaus besichtigen wir den Friedenssaal. Hier wurde durch den Westfälischen Frieden nach langen Verhandlungen am 15. Mai 1648 der Dreißigjährige Krieg beendet. Gleichzeitig wurde hier der 80-Jährige Spanisch-Niederländische Krieg beendet und der Staat Niederlande gegründet.

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Danach fahren mit dem Schnellbus vom Stadtzentrum aus in das 30 Kilometer südwestlich gelegene Lüdinghausen um zwei typische Wasserburgen des Münsterlands kennen zu lernen.

Burg Vischering ist eine Rundburg aus dem 13. Jahrhundert mit Vorwerk, einer mauerbewehrten Zufahrt, einer Vorburg, Wassergraben und der Hauptburg. Die Wälle um die Burg sind mit 350 Jahre alten Hainbuchen bewachsen. Umgebaut wurde die Anlage in der Renaissance um sie wohnlicher zu machen. Leider ist die Hauptburg wegen Renovierungsarbeiten nicht zugänglich. In der Vorburg sind einige wenige Gegenstände ausgestellt.

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Ein Kilometer südlich in der Burg Lüdinghausen können wir dagegen den historischen Kapitelsaal mit seiner mächtigen Eichendecke, sowie das Wolfsberg- und das Tüllinghoffzimmer mit wappengeschmückten Kaminsimsen ansehen. 1624 auf dem Höhepunkt Hexenverfolgungen in Lüdinghausen wurden im Gerichtshaus auf der Burg Verfahren durchgeführt, wobei die Angeklagten beim „gütlichen“ Verhör und unter der Folter befragt wurden. Mindestens 20 Personen wurden unter dem Verdacht der Hexerei hingerichtet. Heute finden im Kapitelsaal Konzerte statt, es gibt einen Hochzeitsraum und im Anbau aus den späten 19. Jahrhundert hat die Volkshochschule Räume.

Nach einer kurzen Pause zurück im Hotel besichtige ich den St. Paulus-Dom, die größte Kirche Westfalens. Auf der kleinen Brücke über die Aa kommt man zu Wilsbergs Antiquariat, das außerhalb der Drehzeiten Antiquariat Solder heißt.

Durch die Frauenstrasse gehe ich zum Fürstbischöflichen Schloss, 1767 – 1787 durch Johann Conrad Schlaun im Barockstil erbaut. Heute befindet sich das Rektorat und die Verwaltung der Universität im Hauptgebäude. Auch die Nebengebäude werden durch die Universität genutzt.

Hier, am Rand der Altstadt, führt nicht wie in München ein vom Autoverkehr geprägter Altstadtring, sondern die „Promenade“, ein Fahrradschnellweg im Grünen an Stelle der alten Stadtmauer ums Zentrum. Vielerorts gibt es große Abstellplätze für die Räder, am Bahnhof sogar zweistöckig, ergänzt durch Fahrradparkhäuser und Verleihstationen.

Entlang der Promenade wandere ich leicht bergab zum Aasee, einem gut zwei Kilometer langen Stausee zum Hochwasserschutz angelegt. Es gibt zwei Segelclubs, einen Segelbootverleih und den Allwetterzoo. Im Sommer verkehrt ein solargetriebenes Passagierschiff. Bundesweit bekannt wurde der See durch „Petra“, einer Trauerschwandame, die sich in ein weißes Tretboot in Schwanenform verliebt hatte und drei Jahre nicht von dessen Seite wich. Ich sonne mich im Terrassenrestaurant A2 und trinke dort einen Gin Tonic.

Am Abend fahren wir mit dem Bus mit Umsteigen am Hauptbahnhof zum Stadthafen. Der Baubeginn war 1896 nach der Eröffnung des Dortmund-Ems-Kanals, an dem er liegt. In den letzten Jahrzehnten wurde der Hafen als Warenumschlagplatz immer unbedeutender und es nutzten alternative Unternehmen, linksgerichtete Verlage und Druckereien die Flächen. An der Nordseite, dem Kreativkai, siedelten sich vorwiegend kulturelle und gastronomische Betriebe an, am Südufer der Coppenrath Verlag, ein Jazz Club, die Ausstellungshalle für zeitgenössische Kunst sowie das Wolfgang Borchert Theater. Daneben sieht man einen unter Denkmalschutz stehender Getreidespeicher und eine neue gläserne Manufaktur und Schau-Käserei. Wir setzen uns auf die Terrasse des Café Med und genießen den warmen Abend.

Am nächsten Morgen setzen wir unsere Reise in einem Intercity nach Bremen fort. Auf der Rückreise machen wir einen kurzen Stopp in Fulda.

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Service Münster:
Bahn
ab München 5:27 Std. / Sparpreis 2.Kl. ab 29,90 €  1.Kl. 39,90 €
Stadthotel Doppelzimmer Kat. L ab 112,50 €
Friedenssaal Di – So 10 – 16/17 Uhr 2 €
Burg Lüdinghausen Sommer Mi – Sa 14 – 17 Uhr und So 10 – 17 Uhr Eintritt frei
Schnellbus S 90 / S 92  wochentags alle 30 Minuten  9 Uhr-Tageskarte bis zu 5 Personen: 22 €

Diese Reise fand im Juli 2017 statt. Ich reiste mit meiner Frau.

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