Berlin – die Siedlungen der Moderne

Die sechs unter dem UNESCO Weltkulturerbe stehenden Siedlungen der Architekten und Stadtplaner Bruno Taut und Martin Wagner liegen weit verstreut über die Hauptstadt. Sie sind zwischen 1913 und 1934 entstanden.

Die neuartigen Mietswohnungen mit eigenen Küchen, Bädern und Balkonen waren gut geschnitten, hell und freundlich. Die Grünflächen zwischen den Häusern wurde als „Außenwohnfläche“ aufgewertet, die offene Bebauung ließ Luft in die Höfe und die Balkone waren bevorzugt nach Süden zur Sonne ausgerichtet. Viele Bauteile waren in jeder Wohnung gleich und konnten erstmals seriell hergestellt werden. Dadurch wurden Kosten gespart und die Mieten blieben für die Bewohner bezahlbar. Mit ihren klaren Formen wurden die Siedlungen Vorbild für die Architektur und Stadtplanung des 20. Jahrhunderts.

Gartenstadt Falkenberg

Das Frühwerk von Bruno Taut unterscheidet sich noch recht stark von den nach dem 1. Weltkrieg entstandenen Großsiedlungen. Zusammen mit dem Landschaftsarchitekten Ludwig Lesser entstanden die Pläne zu dieser Gartenstadt. Hier sollte urbanes und ländliches Leben harmonisch verbunden werden, die Bewohner der Häuser sollten Obst, Gemüse und Kräuter in den Gärten zum Eigenbedarf anbauen.

Die farbigen Fassaden, Türen und Fensterrahmen der Häuser sind das Gegenstück zu den grauen Mietshäusern dieser Zeit.

Fakten zur Gartenstadt Falkenberg:
Lage: Bezirk Treptow-Köpenick im Südosten / S-Bahn Grünau S8, S45, S46, S85, Tram 68
Bauzeit: 1913 – 1916
Architekten: Bruno Taut und Ludwig Lesser
Größe:  4,4 ha / 128 Wohnungen, davon 80 Wohnungen in Doppel- und Reihenhäusern.

Siedlung Schillerpark

Die erste großstädtische Siedlung von Bruno Taut orientiert sich an der modernen Architektur Amsterdams und das zeigt sich auch in der Gestaltung der Backsteinfassaden. Die Farbigkeit der Tautschen Architektur beschränkt sich im Schillerpark auf die Innenräume. Es gab gemeinsame Waschküchen und einen Kindergarten, sowie Spielplätze in den grünen Außenbereichen. Die Wohnungsbaugenossenschaft „Berliner Spar- und Bauverein“ hatte Bruno Taut 1924 im Rahmen des Sozialen Wohnungsbau mit der Planung beauftragt. Eingezogen als Mieter sind letztendlich zahlreiche Gewerkschaftsfunktionäre und Mitglieder von SPD und KPD. Im Volksmund wurde die Siedlung bald „Rote Bonzenburg“ genannt.

Ein gemütliches, kleines Café ist das „Moccachino“ in der Schwyzer Straße 1 (nähe Haltestelle Bus 120)

Fakten zur Siedlung Schillerpark:
Lage: Bezirk Mitte – Stadtteil Wedding (nördlich des Zentrums)/ Bus 120 Bristolstraße und Bus 128 Dubliner Straße
Bauzeit: 1924 – 1930
Architekten: Bruno Taut
Größe:  4,6 ha / 303 Wohnungen
Großsiedlung Britz

Platz für bis zu 5.000 Menschen bietet die „Hufeisensiedlung“ im Bezirk Neukölln. Kern der Siedlung bilden hufeisenförmig angeordnete Wohnblocks um einen in der letzten Eiszeit entstandenen Teich. Die Farbgestaltung spielt auch hier beim Architekten Bruno Taut eine bedeutende Rolle: Farbiger Verputz der Häuser, varianten-, farb- und kontrastreich gestalteten Fenster und Eingangsbereiche und gelbe und rote Klinkerverblendungen an den Gebäudeecken.

Auch im Innenbereich herrschten zur Bauzeit kräftige Farben vor. Bunte Wandfarben ersetzten Tapeten und variierte je nach Lichteinfall und Funktion des Raumes. Andersfarbig gestaltete Kachelöfen, mit dem die Räume beheizt wurden, bildeten einen reizvollen Kontrast. Im letzten Bauabschnitt wurden die umliegenden Häuserzeilen mit einfacheren Fassaden und deutlich enger aneinander gebaut. Der Grund waren gekürzte Fördermittel.

Direkt gegenüber, an der offenen Seite des „Hufeisens“ entstand ab 1925 die von den Architekten Ernst Engelmann und Emil Fangmeyer geplante „Krugpfuhlsiedlung“ in deutlich traditionellerer Formensprache.

Fakten zur Großsiedlung Britz:
Lage: Bezirk Neukölln im Süden – Stadtteil Britz / U 7 Parchimer Allee
Bauzeit: 1925 – 1933
Architekten: Bruno Taut, Martin Wagner, Ernst Engelmann und Emil Fangmeyer
Größe:  37,1 ha / 1.964 Wohnungen, davon 679 Einfamilienhäuser
Wohnstadt Carl Legien

Diese Siedlung von Bruno Taut liegt der Innenstadt am nächsten. Entsprechend hohe Grundstückspreise zwangen Taut zu vier- bis fünfstöckiger Bauweise und größerer Verdichtung. Die Wohnungen sind an den Gartenhöfen ausgerichtet, weg von der Straße.

Loggien und gerundete Balkone prägen die Fassaden zur Hofseite.

Zentraler Ort und Treffpunkt der Mieter ist das Café Eckstern in der Erich-Weinert-Straße 101. Der lichtdurchflutete Innenraum mit seiner Einrichtung im Bauhaus-Stil und die große Sonnenterrasse passen wunderbar in diese schöne Siedlung.

Ich mache hier gerne eine Kaffeepause. Es werden Kaffees aus verschieden Anbaugebieten in Öko-Qualität angeboten und leckere Kuchen und Snacks.

Fakten zur Wohnstadt Carl Legien:
Lage: Bezirk Pankow  – Stadtteil Penzlauer Berg (nördlich des Zentrums) / Tram M2 Erich-Weinert-Straße
Bauzeit: 1928 – 1930
Architekten: Bruno Taut und Franz Hillinger
Größe:  8,4 ha / 1.149 Wohnungen
Weiße Stadt

Im Gegensatz zu den Tautschen Siedlungen dominieren hier bei Martin Wagner die weißen Fassaden. Farbakzente beschränken sich auf die Eingangstüren, Fensterrahmen, Dachüberstände und Regenfallrohre. Sorgfältige Planung in Hinsicht auf Rationalität und Wirtschaftlichkeit ermöglichte die Verwendung von noch mehr vorgefertigten Bauteilen.

Zahlreiche Läden, ein Café, eine Arztpraxis, ein Kinderheim und ein Fernheizwerk mit angegliederter Zentralwäscherei stellte die gute Versorgung der Bewohner sicher.

Fakten zur Weißen Stadt:
Lage: Bezirk Reinickendorf (nördlich des Zentrums)/ Bus 120 Weiße Stadt und Bus 122 und 125 Aroser Alleee/Gotthardstraße
Bauzeit: 1929 – 1931
Architekten: Martin Wagner, Otto Rudolf Salvisberg, Bruno Ahrends, Wilhelm Büning, Friedrich Paulsen und Ludwig Lesser
Größe:  14,3 ha / 1.268 Wohnungen
Großsiedlung Siemensstadt

Die Siedlung sollte Wohnraum für Angestellte und Arbeiter der nahen Siemenswerke schaffen. Die aufgelockerte Bebauung und der zwischen den Häusern erhalten gebliebene Baumbestand waren stilbildend für den Wohnungsbau nach dem 2. Weltkrieg. Die beteiligten Architekten gehörten der fortschrittlichen Gruppe „Der Ring“ an, weswegen das Ensemble auch „Ringsiedlung“ genannt wird.

Jeder Architekt hat in den von ihm geplanten Häusern seinen eigenen Stil eingebracht. Hans Scharoun zum Beispiel, hat einige Elemente aus der Schiffsarchitektur entliehen: Weiße Wände, kreisförmige Fenster, die an Bullaugen erinnern, Höhenunterschiede wie bei den Decks an Bord. Im Volksmund hieß sein Gebäude „Panzerkreuzer“.

Am westlichen Rand der Großsiedlung Siemensstadt findet man ein Gebäude von Walter Gropius, ein funktionalistischer, vergleichsweise sachlich, streng und beinahe kühl wirkender Entwurf. Die einzige Auflockerung der weißen Fassaden entsteht durch die dunkelgraue Farbgebung der Fenster.

Fakten zur Großsiedlung Siemensstadt:
Lage: Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf und Spandau im Nordwesten / Bus 123 Goebelplatz
Bauzeit: 1929 – 1934
Architekten: Martin Wagner, Hans Scharoun, Walter Gropius, Otto Bartning, Fred Forbat, Hugo Häring und Paul R. Henning.
Größe:  19,3 ha / 1.370 Wohnungen

Diese Reise fand im September 2018 statt. Ich reiste allein.

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3 Gedanken zu „Berlin – die Siedlungen der Moderne

  • März 5, 2019 um 11:28 am
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    Für alle Architektur-Interessierten ein sehr schöner Anreiz, mal unbekanntere Ecken kennenlernen, die nicht in jedem Reiseführer zu finden sind. Fotos und Kurzbeschreibungen machen richtig Lust, beim nächsten Berlinbesuch die Siedlungen der 30er-Jahre selbst zu durchstreifen und die spezielle Atmosphäre auf sich wirken zu lassen. Toll gemacht!!

    Antwort
  • Mai 21, 2019 um 6:00 pm
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    Immer wieder schön, über dieses reichlich unbekannte Berliner Welterbe zu lesen. Auch liegen die Siedlungen normalerweise nicht auf den Routen der Touren & Stadtführer. Zumindest in der „Großsiedlung Siemensstadt“ hat sich dies seit Mai 2019 geändert und es gibt regelmäßig Führungen: https://MannMitHutTouren.de

    Antwort

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