Riga – die Perle des Baltikums

Zum Abschluss unserer Reise durch die Baltischen Staaten geht es in das elegante Riga, Hansestadt und Welthauptstadt des Jugendstils. Mit Jūrmala hat die Metropole Lettlands eines der schönsten Ostseebäder vor der Tür.

Jugendstil-Hauptstadt Riga

Anreise

1.Tag: Nach unseren Aufenthalten in Litauen und Estland reisen wir heute Vormittag mit einer Fokker 100 der Air Baltic von Tallinn nach Riga weiter. Der Flughafenbus fährt uns direkt vor unsere Unterkunft, dem „Reval Hotel Latvija“, wo wir für drei Nächte ein Doppelzimmer gebucht haben.

Christi-Geburt-Kathedrale Riga

Wenige Schritte aus dem Hotel und wir stehen vor der im Jahr 1884 erbauten orthodoxen „Christi Geburt Kathedrale“ mit einer wertvollen Inneneinrichtung. Wir gelangen bald darauf zum Freiheitsdenkmal. Auf dem 42 Meter hohen Obelisken steht eine Mädchenfigur aus Kupfer und hält mit erhobenen Händen drei vergoldete Sterne für die drei historischen Provinzen des Landes. Das Denkmal stammt aus der Zeit der Ersten Unabhängigkeit Lettlands und wurde 1935 eingeweiht. 

Nationaloper Riga

Linker Hand geht es zur Nationaloper im Stil des Neo-Klassizismus mit sechs Ionischen Säulen. Die Wallanlage mit dem Bastionshügel trennt die Neustadt von der Altstadt. Hier laden alte Bäume, Wasserläufe, Brunnen, und Statuen auf Grünflächen zum Spazieren ein.

Alberta Iela 11, Riga

Die Welthauptstadt des Jugendstils

2. Tag: Auf dem Weg zum Kronvaldpark kommen wir am Backstein-Gebäude der Kunstakademie vorbei. Hier mischen sich Historismus und Jugendstil.

In Riga gibt es etwa 800 Jugendstilbauten in einer Dichte wie nirgendwo sonst auf der Welt. Die schönsten Gebäude wurden von Michael Eisenstein in den Jahren 1901 bis 1906 erbaut. Sie befinden sich in den Straßen „Alberta Iela“ und „Elisabetes Iela“.

Elisabetes Iela 33, Riga

Im Jahr 1901 am Übergang vom Historismus zum Jugendstil entstand das Wohnhaus an der Elisabethstraße Nr. 33, das in der Fassade vor allem im 1.Stock schon einen reichen Figurenschmuck zeigt. 

Elisabetes Iela 33, Riga

Zwei nackte Frauengestalten sind die Stützsäulen für einen mit einem schönen schmiedeisernen Gitter ausgestatteten Balkon.

Elisabetes Iela 10 b, Riga

Das Haus Nr. 10 b direkt gegenüber zeigt an der Fassade fantasievolle Kompositionen von Masken, radschlagende Pfauen und großen, länglichen Köpfen mit geometrischen Figuren – Etage für Etage ein Meisterwerk des Jugendstils.

Strelnieku Iela No. 4 a

Mein „Lieblingshaus“ in Riga ist wegen seiner geometrischen Klarheit die ehemalige Privatschule in der Strelnieku Iela No. 4 a (oben und Titelfoto). Hier werden von Michael Eisenstein, ähnlich wie schon am Haus in der Elisabethstraße 10 b,  alabasterfarbene Elemente wie Säulen, Simse und Dachtürme mit hellblau glasierten Klinkersteinen in der Fassade kombiniert.

Alberta Iela Nr. 13, Riga

In der Alberta Iela Nr. 13 zeigt die ockergelbe Fassade dämonische, große Frauengesichter mit holen Augen und offenen Mündern.

Alberta Iela 12, Riga

Im Gebäude mit dem roten Dächern von Konstantinis Pēkšēns, das Haus Nr. 12, befindet sich das Jugendstilmuseum der Stadt Riga. Das Gebäude wurde 1903 in der Formensprache der Renaissance mit Turmelementen aus dem Mittelalter konzipiert.

Antonijas ielā No. 8, Riga

Dieser Architekt entwarf circa 250 Häuser des Jugendstils, so auch das Haus Antonijas ielā No. 8, über dessen Haustür zwei Drachen wachen.

Alberta Iela 11, Riga

Einen kleinteiligeren Fassadenschmuck verwendet der Architekt Eižens Laube im crèmefarbenen Wohnhaus an der Alberta Iela No. 11. Es wurde im Jahr 1908 im Stil der Nationalen Romantik, einer Weiterentwicklung des lettischen Jugendstils, mit runden Ecktürmen erbaut.

Alberta Iela 11, Riga

Im Dachaufbau fällt besonders das Medaillon mit einem Kopf im Strahlenkranz auf. Eižens Laube war ein Schüler und zeitweise Werkstatt-Mitarbeiter von Konstantinis Pēkšēns.

Österreichische Botschaft Riga

Bevor die Elisabethstraße im Nordwesten am Jachthafen von Riga endet, führt sie noch an den schönen Gebäuden der Botschaften von Österreich und Spanien vorbei. In der anderen Richtung geht es auf der Elisabethstraße an unserem Hotel vorbei weiter bis zum Hauptbahnhof im Südosten der Neustadt.

Blumenmarkt Riga

Auf dem Weg liegt der Blumenmarkt, der durch seine Größe, der großen Auswahl an kunstvoll zusammengestellten Blumensträussen und geschmackvollen Gestecken, die Bedeutung des Verschenkens von Blumen in Lettland deutlich macht.

Zentralmarkt Riga

Der riesige Zentralmarkt ist in fünf Zeppelinhallen untergebracht

2. Tag: Als wir nach dem Frühstück das Hotel verlassen, hat sich an der Rezeption eine lange Schlange mit neue angekommenen Gästen gebildet. Alle sind schwarz gekleidet. Wie sich herausstellt ist die Heavy Metall Band „Metallica“ in Riga und gibt ein Konzert. Aus ganz Skandinavien sind die Fans angereist.

Zentralmarkt Riga

Wir folgen der Elisabethstraße und erreichen hinter dem Hauptbahnhof den Zentralmarkt. Es ist der größte Markt, den ich jemals gesehen habe!

Zentralmarkt Riga

Fünf riesige Zeppelinhangar von 35 Meter Höhe, in Stahl-Glaskonstruktion während des 1. Weltkriegs in der Hafenstadt Liepāja errichtet, wurden 1930 nicht mehr gebraucht und nach Riga versetzt. Hier zog der Markt ein. In der Sowjetzeit kamen Händler aus allen Republiken hierher, um ihre Waren anzubieten.

Zentralmarkt Riga

Auch heute noch ist die Auswahl an Obst, Gemüse, Fleisch- und Wurstwaren, Eingelegtem und natürlich Fisch sehr groß.
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Majori Beach, Jurmala

Jūrmala – ein Urlaubsparadies an der Ostsee

Um die Mittagszeit fahren wir mit der Vorortbahn vom Hauptbahnhof in das Ostseebad Jūrmala. Es besteht aus mehreren Ortsteilen, die sich auf dem schmalen Landstreifen zwischen dem Fluss Lielupe und den schönen Sandstränden der Rigaer Bucht auf 25 Kilometer Länge erstrecken. Die Fahrt dauert nur eine halbe Stunde. Der beliebteste und belebteste Ortsteil von Jūrmala ist Majori. Hier steigen wir aus.

Villa in Jurmala

In den Seitenstraßen von Majori und Bulduri stehen hübsche Villen in Holzbauweise aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Villa in Jurmala

Auf der Jomas Iela, der Flaniermeile, herrscht reger Betrieb, eine Bühne ist aufgebaut und es spielt eine Band.

Bäderarchitektur in Majori, Jurmala

Der Strand von Majori ist auch gut besucht. Wir schauen ein wenig beim Beach-Volleyball im eigens aufgebauten Stadion zu und bewundern den Strandpavillon in Bäderarchitektur.

Majori Beach, Jurmala

In der Altstadt wird die Hansezeit lebendig

3. Tag: Heute nutzen wir das Angebot unserer Riga-Card zu einer Stadtführung. Treffpunkt ist um 10 Uhr vor der Nationaloper. Zunächst geht es durch die Wallanlagen zum Pulverturm, dem letzten von 28 Türmen der Stadtbefestigung aus dem 14. Jahrhundert. Die alte Stadtmauer wurde im 17. Jahrhundert durch die Wallanlagen ersetzt.

Jakobskasernen und Pulverturm, Riga

Der frei gewordene Raum gab Platz für die aus drei Häusern bestehenden Jakobskasernen. Durch das Schwedentor gelangen wir in die eigentliche Altstadt. Es wurde während der schwedischen Vorherrschaft einfach in ein Wohnhaus gebrochen um ohne Umwege zu den neuen Wallanlagen zu gelangen.

Saeima, Riga

Das Lettische Parlament, die „Saeima“, befindet sich in einem von 1863 bis 1867 erbauten Palast im Stil der Florentiner Renaissance.

St. Jakobs-Kathedrale, Riga

Daneben steht die katholische St. Jakobs-Kathedrale mit ihrem 80 Meter hohen Kirchturm. Seit 1225 steht hier eine Kirche, die aber über die Jahrhunderte häufig umgebaut wurde.

Ensemble Drei Brüder, Riga

Das Ensemble der „Drei Brüder“  besteht aus drei unterschiedlichen Häusern. Das rechte Haus mit einem gotischen Stufengiebel und dem kleinen Architektur-Museum im Erdgeschoss gilt als das älteste Haus von Riga (um 1490).

Ensemble Drei Brüder, Riga

Das große Haus in der Mitte ist auch aus dieser Zeit, bekam aber im Jahr 1646 eine neue Fassade im holländischen Barockstil. Das linke Haus jedoch ist ein Barockhaus aus dem 18. Jahrhundert.

Dom zu Riga

Unsere Gruppe läuft am „Grand Palace Hotel“ vorbei weiter zum Dom. Im Jahr 1211 legte Bischof Albert den Grundstein. Aus dieser frühen Zeit sind noch der Chor und das romanische Querschiff erhalten. Aus der gotischen Zeit stammt das Nordportal. Die Kirche ist das größte Gotteshaus des Baltikums und beherbergt seit 1563 die evangelisch-lutherische Gemeinde. Die Walcker-Orgel aus dem Jahr 1884 ist mit ihren 6.718 Pfeifen eine der größten Orgeln der Welt. Am Domplatz gibt es einige schöne Straßencafés.

Ehemalige Börse, Riga

An der Nordseite steht ein im Stil eines venezianischen Palazzo aus der Renaissance nachempfundenen, von 1852 bis 1855 errichteten Gebäude, die ehemaligen Börse.

Die Petrikirche in Backsteingotik diente seit 1209 der städtischen Gemeinde, bestehend aus Hanse-Kaufleuten und den Handwerkerzünften, als Gotteshaus und Versammlungsort. Der filigrane, 133 Meter hohe, spitz zulaufende Turm beherrscht das Stadtbild von Riga. Große Teile der Altstadt wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört, so auch das Rathaus.

Roland und Schwarzhäupterhaus, Riga

Vis-à-vis steht das beeindruckende „Schwarzhäupterhaus“, das im Jahr 1334 erstmals Erwähnung fand. Das in Backsteingotik erbaute Haus wurde nach Art der flämisch-holländischen Zunfthäuser im 17. Jahrhundert umgebaut und ausgeschmückt. Wie sein Namensvetter in Tallinn beherbergte das „Schwarzhäupterhaus“ von Riga die deutschen Kaufleute aus der Hansezeit. Der Name geht auf den Schutzpatron der Kaufleute, den Heiligen Mauritius zurück, der als Mohr dargestellt wurde. Auf dem Rathausplatz steht eine Roland-Statue.

Ethnographisches Freilichtmuseum von Lettland, Windmühle

Zum ältesten Freilichtmuseum Europas

Am Nachmittag fahren wir mit einem Stadtbus der Linie 1 zum „Ethnographisches Freilichtmuseum von Lettland“ etwas außerhalb von Riga. Das älteste Freilichtmuseum Europas erstreckt sich auf 80 Hektar Fläche.

Bauernhaus aus Vidzeme, Ethnographisches Freilichtmuseum von Lettland

Drei historische Holzkirchen, ein Wirtshaus, mehrere Windmühlen, zahlreiche Bauernhöfe aus der Provinz Vidzeme, eine Schmiede und ein komplettes Fischerdorf aus der Provinz Kurzeme komplett mit Kate und Räucherhütte sind zu sehen.

Bauernhaus in Vidzeme - Ethnographisches Freilichtmuseum von Lettland

Insgesamt gibt es in dem 1924 eröffneten Park heute mehr als 100 Gebäude aus der Lettischen Bauern- und Fischerkultur.

Fischerhaus in Kurzeme - Ethnographisches Freilichtmuseum von Lettland

Die Häuser, die teilweise 300 Jahre alt sind, stehen in schöner Landschaft verstreut auf Wiesen, im lichten Kiefer- und Laubwald oder direkt an einem See.

Blick von der Skyline-Bar auf Riga

Ein Abschieds-Drink im 26. Stock

Nach unserer Rückkehr im Hotel nehmen wir heute Abend als Abschluss unserer zweiwöchigen Rundreise durch die Baltischen Staaten einen Cocktail in der Skyline-Bar im 26. Stock und genieße die fantastische Aussicht auf die Altstadt von Riga und den an der Stadt vorbeiziehenden Fluss Düna.

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Die Altstadt und das Jugendstilviertel von Riga gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe. Über den Jugendstil in Darmstadt und Ljubljana habe ich weitere Berichte verfasst.

Service Riga:
Radisson Blu Latvija Conference & Spa Hotel (ehemals Reval Latvija Hotel) DZ ab 73 €.
Linienflug mit Lufthansa Frankfurt – Riga und zurück ab 160 €.
Riga Card für 72 h : 35 €  inkl. Flughafenbus, ÖPNV, Stadtrundfahrt, Stadtführung und Ermäßigungen in bestimmten Museen.
Architekturmuseum im Haus „Drei Brüder“ – Eintritt frei.
Ethnographisches Freilichtmuseum von Lettland – Eintritt 2 €.
Bahnfahrt Riga – Majori H+R 2,80 € (Zielort des Zuges ist Sloka).
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Diese Reise fand im Juli 2008 statt. Ich reiste mit meiner Frau. Tarifstand: Oktober 2019.

Kronvaldpark

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Weitere Berichte aus Osteuropa auf meiner Website:

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