Straubing – die schöne Herzogstadt an der Donau
Die Herzogstadt Straubing hatte ihre „Goldene Zeit“ von 1353 bis 1425, als zum Herzogtum Niederbayern-Straubing die Gebiete Holland, Friesland, Seeland und das Hennegau gehörten. Damals entstanden die meisten der prächtigen Bauwerke, die heute noch das Stadtbild prägen.
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Die Keimzelle von Straubing
liegt außerhalb der heutigen Innenstadt knapp zwei Kilometer östlich direkt an der Donau. Der fruchtbare Gäuboden war schon ab 5.600 v. Chr. besiedelt, in der Römerzeit gab es in der Gegend vier Kastelle. Nach den Römern folgenden die Bajuwaren, die erste urkundliche Erwähnung von Straubing erfolgte schon im Jahr 897. Ausgrabungen förderten ein erstes Gotteshaus aus Stein zu Tage. Der römisch-deutsche Kaiser Heinrich IV. schenkte im 11. Jahrhundert das Gut Straubing seinem Bruder Bruno, dem Bischof von Augsburg. Rund um den Gutshof entstand eine Siedlung und die karolingische Kirche wurde vergrößert.

Ende des 12. Jahrhunderts entstand an deren Stelle die große romanische Kirche St. Peter, eine Pfeilerbasilika mit zwei Türmen. Die Kirche ist von einem Friedhof mit altem Baumbestand und einer Mauer umgeben. Die Siedlung rund um St. Peter blieb bis zum Jahr 1537 im Besitz des Domkapitels zu Augsburg.
Die Gründung der Neustadt von Straubing.
Der Wittelsbacher Herzog Ludwig der Kelheimer gründete im Jahr 1218 die Neustadt von Straubing zwei Kilometer westlich der Siedlung um St. Peter als Gegenpool zu den Augsburger Domherren, der Reichsstadt Regensburg und den einflussreichen Grafen zu Bogen. Die Herzogstadt entwickelte sich rasch, schon im 14. Jahrhundert entstanden der Stadtplatz, der Stadtturm und die St. Jakobs-Kirche.

Die Hauptstadt des Herzogtums Niederbayern-Straubing-Holland.
Nach dem Tod von Kaiser Ludwig dem Bayern im Jahr 1353 wurde Straubing durch die „Wittelsbachische Erbteilung“ zur Hauptstadt des Herzogtums Niederbayern-Straubing, zu dem auch Holland gehörte, das teilweise auch von Den Haag aus regiert wurde. Zum Besitz des Straubinger Herzogs gehörten zudem Friesland, Seeland und das Hennegau. Bereits 1425 erlosch diese Linie der Wittelsbacher und das Herzogtum wurde unter den anderen drei bayerischen Herzogtümern aufgeteilt, Straubing fiel an Bayern-München. Albrecht III. verwaltete für seinen Vater Herzog Ernst von Bayern-München das Gebiet Straubing.

Die nicht standesgemäße Verbindung seines Sohnes mit der Baderstochter Agnes Bernauer aus Augsburg war dem Vater ein Dorn im Auge. Er ließ sie 1435 in Abwesenheit von Albrecht in der Donau ertränken. 1436 stiftete er die zur Sühne die Agnes-Bernauer-Kapelle auf dem Friedhof St. Peter.

Ab 1474 wurde der Befestigungsring u.a. mit dem Pulverturm und der Fronfeste erweitert und die Donau näher an das Herzogschloss verlegt, um den Fluss besser kontrollieren und entsprechende Zolleinnahmen generieren zu können. Später litt Straubing besonders stark unter dem 30-jährigen Krieg. In der Barock- und Rokokozeit spielten die Gebrüder Asam mit ihrem letzten gemeinsamen Werk, der Ausgestaltung der Ursulinenkirche in der Nähe des Schlosses, eine große Rolle.
Schon seit 1812 gibt es in Straubing das Gäubodenfest als Landwirtschaftsfest nach dem Münchner Vorbild auf der Theresienwiese (auf Anordnung des ersten bayerischen Königs Max I. Joseph). Nach einem Besuch des Königspaares Ludwig I. und Therese wurden die beiden Teile des 600 Meter langen Stadtplatz von Straubing nach ihnen umbenannt. Werbung: Hier in Straubing }
Der Friedhof von St. Peter.
Wir beginnen unsere Stadtbesichtigung im ältesten Teil der Stadt, in dem sich früher bereits ein römisches Kastell befand. Rund um die romanische Kirche St. Peter, deren Innenraum mehrfach umgestaltet wurde, sind vor allem der Friedhof mit seinen zahlreichen historischen Grabmälern unter alten Bäumen und drei Kapellen von Interesse.


Die älteste der drei ist die „Kapelle zu unserer Lieben Frau“, für das Seelenheil der Kranken um 1425 im gotischen Stil erbaut. Im Kellergeschoss befand sich ein Beinhaus mit separatem Eingang.
Die Agnes-Bernauer-Kapelle ist eine Stiftung von Herzog Ernst von Bayern-München, die er zur Sühne nach dem Mord an der Baderstochter aus Augsburg 1436 errichten ließ. In ihr befindet sich außer dem schönen Altar mit zahlreichen plastischen Figuren aus Stuck ein Epitaph aus Rotmarmor und ein Porträt der Unglücklichen.

Schließlich gibt es noch die „Totentanzkapelle“, erbaut 1486 und im Jahr 1763 mit eindrucksvollen Totentanzfresken durch Felix Hölzl versehen. Wir laufen jetzt entlang der Uferstraße flussaufwärts bis zur Schlossbrücke.

Das ehemalige Herzogschloss liegt direkt an der Donau. Es wurde im Jahr 1356 erbaut und 1422 aufgestockt. Heute sieht es mehr nach einem Zweckbau aus, denn nach einem herrschaftlichen Wohn- und Regierungssitz, beheimatet es doch das Finanzamt, die Stadtbibliothek und das Stadtarchiv.

Der 400 m² große Rittersaal wurde 1422 fertiggestellt und dient jetzt als Veranstaltungssaal, der gemietet werden kann. Der Torturm existierte schon vor dem Bau des Schlosses und war Teil der Stadtbefestigung.

Westlich des Schlosses sind entlang der Straßen Fronfeste und Am Pulverturm noch Reste der alten Stadtmauer zu sehen. Hier befand sich früher das Gerber- und Handwerkerviertel von Straubing.

Sehenswert ist die Stadtpfarrkirche St. Jakob und Tiburtius, die größte Kirche in Straubing. Der Meister Hans von Burghausen hat sie im Stil der Spätgotik ab dem frühen 15. Jahrhundert erbaut. Das Langhaus wurde erst 1512 fertiggestellt und der knapp 90 Meter hohe Turm nochmal 80 Jahre später.

Zu beachten ist das „Mosesfenster“ nach einem Entwurf von Albrecht Dürer und die prächtige Kanzel im Stil des Rokokos aus dem Jahr 1752.

Am südlichen Pfarrplatz steht ein mächtiges, gotisches Haus, heute Sitz der Sparkasse. Auf der Jakobsgasse gelangen wir nun zum Theresienplatz, dem westlichen Teil des 600 Meter langen Marktplatzes. In der Mitte steht der frühbarocke Tiburtius-Brunnen aus dem Jahr 1685.

Der Straubinger Stadtheilige Tiburtius war ein römischer Märtyrer. Daneben befindet sich die korinthische Dreifaltigkeitssäule von 1709 aus Adneter Marmor mit der wertvollen, vergoldeten Verkündigungsgruppe am oberen Ende

und den Alabasterfiguren der Jungfrau Maria und des Erzengels Gabriel in den Bögen des Sockels, gefertigt vom Salzburger Hofbildhauer Michael Bernhard Mandl. Die Jesuitenkirche mit einer schönen Stuckdecke im Inneren schließt den Theresienplatz nach Westen hin ab.

Der Theresienplatz ist von zahlreichen schönen Bürgerhäusern gesäumt. Besonders zu erwähnen sind der ehemalige spätmittelalterliche Stadtpalast am Theresienplatz 3 mit einer spätbarocken Fassade von 1752 und der barocke ehemalige Adelspalast am Theresienplatz 15, erbaut Anfang des 18. Jahrhunderts.

Im Osten teilt der Stadtturm den Marktplatz in zwei Hälften, westlich des Stadtturms heißt er Ludwigsplatz. Der Stadtturm ist das 68 Meter hohe Wahrzeichen der Stadt. Die Grundsteinlegung des ursprünglich dreistöckigen Turmes erfolgte 1316. Unter der Regentschaft von Herzog Albrecht II. in der Zeit des Herzogtums Straubing-Holland wurde er achtstöckig und später noch durch die Türmerwohnung und die fünf Spitzen ergänzt.

Die Anbauten an den Seiten kamen im 15. Jahrhundert hinzu, um dem Turm zu stützen und Raum für die Stadtwache, die Amtswaage und das Brothaus zu schaffen.

Von oben eröffnet sich ein herrlicher Blick auf die mittelalterliche Stadtanlage von Straubing, die Donau, die goldgelben Ackerflächen des Gäubodens und den grünen Bayerischen Wald.

Auch den Ludwigsplatz schmückt ein Brunnen, der Jakobsbrunnen aus dem Jahr 1644. Bedeutende Häuser auf der Südseite des Platzes sind

ein Renaissancehaus mit Ecker aus dem 17. Jahrhundert am Ludwigsplatz 20 und ein Stadtpalast mit Steildach und Attikafassade am Ludwigplatz 14-16, erbaut um 1700.

Auf der Nordseite stehen das Haus der Löwenapotheke, Ludwigsplatz 23, im Kern spätmittelalterlich mit Steildach und einer expressionistischen Fassade aus den 1920-er Jahren, das Haus Ludwigsplatz 15 mit einem Kern aus dem 16. und 17. Jahrhundert und einer Neorenaissancefassade um 1900,

das Haus am Ludwigsplatz 9 aus dem 15. Jahrhundert mit neogotischer Treppengiebelfassade aus dem Jahr 1922 und das schmale Haus am Ludwigsplatz 7 mit einer Jugendstilfassade um 1905.

Auf dem Ludwigsplatz findet an 6 Tagen der Woche der Wochenmarkt statt. Am östlichen Ende des Platzes schiebt sich der 1922 erbaute Wasserturm in die Sichtachse. Er ist 65 Meter hoch und wurde im Stil der Neorenaissance erbaut.

Auf der Fraunhoferstraße kommen wir zum nördlich der Ludwigstraße gelegenen Gäubodenmuseum. Von der Jungsteinzeit über die Kelten, Römer und Bajuwaren bis ins Mittelalter gibt es hier zahlreiche Funde zu bewundern. Ein bedeutender Römerschatz wurde 1950 an der Donau gefunden, Römische Paraderüstungen, Gesichtsmasken, Beinschienen und Rossstirne. Eine Abteilung befasst sich mit der Stadtgeschichte von Straubing und eine andere mit sakraler Kunst.

Die schmale Zollergasse führt uns nun zur Karmelitenkirche, der Hofkirche des herzoglichen Schlosses. Die Klosterkirche wurde zwischen 1368 und 1430 im Stil der Backsteingotik errichtet.

Im 18. Jahrhundert wurde die Innenausstattung durch Wolfgang Dientzenhofer barockisiert. In der Kirche befinden sich mehrere Grabstätten, darunter das Hochgrab von Herzog Albrecht II. hinter dem Hochaltar.
Ein Ausflug zum Bogenberg.
13 Kilometer östlich der Stadt ragt der Bogenberg 118 Meter hoch über der Donau auf. Auf ihm steht die älteste Marienwallfahrtskirche Bayerns.

Im Jahr 1104 soll sich der Ursprung der Wallfahrt abgespielt haben. Eine Steintafel in der Vorhalle der Kirche erzählt die Geschichte. 1223 wurde der Bogenberg als „Berg der heiligen Maria“ durch Papst Honorius III. beurkundet.

Die spätgotische Hallenkirche, die wir heute sehen, wurde zwischen 1463 und 1513 erbaut. Im 16. Jahrhundert wurde von 25.000 Pilgern jährlich berichtet.

Schön ist die Aussicht auf die Donau von hier oben. Im Westen können wir die Türme von Straubing gut erkennen.
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Wochenmarkt auf dem Ludwigsplatz: Mo – Do 8-13 Uhr / Fr 8 – 17 Uhr / Sa 8 -14 Uhr.
Gäubodenmuseum: Eintritt 5 €.Stadtturm: Nur im Sommerhalbjahr und nur mit Führung Tel. 09421 / 94469199.
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