Albanien – durch das Land der Skipetaren

Ich durchquere Albanien mit meinem eigenen Auto vom Südwesten in den Osten. Ich erlebe dabei alle vier UNESCO-Weltkulturerbestätten des Landes: Butrint, Gjirokastra, Berat und den Ohridsee. Ich besuche das „Blaue Auge“ und genieße die schöne Fahrt entlang der Ionischen Küste.

Anreise mit der Fähre von Venedig nach Igoumenitsa (GR).

1. Tag / 484 km: Bei scheußlichem Regenwetter breche ich in München auf und fahre über Mittenwald und Innsbruck zum Brennerpass. Erst nach Sterzing wird das Wetter schöner, ich bin jetzt schließlich in Italien. In Trient verlasse ich die Autobahn und fahre aus dem Etschtal hinauf in die Berge bei Pian dei Pradi. Erst auf kurvenreicher Straße, dann ein breites Tal hinunter erreiche ich über Lastebasse den Anfang der Autobahn A 31 bei Piovene-Rocchette. Es geht flott weiter über Vicenza nach Mestre und Marghera.

Fusina bei Venedig

Die beiden Industrie- und Hafenorte werden die hässlichen Schwestern von Venedig genannt. In Marghera habe ich ein Zimmer im modernen „Gästehaus BB Cinzia“ gebucht. Abends besuche ich in der Nähe die „Pizzeria Capri“ und bekomme luftgetrocknetes Rindfleisch aus dem Veltlin (Bresaola) mit Parmesan und Rucola, eine Pizza mit Blauschimmelkäse und Spinat und einen guten Schoppen Hauswein. 

2. Tag: Der nette Gastgeber Paolo richtet mir in meinem Gästehaus ein italienisches Frühstück mit zwei Brioche, Früchten und zwei guten Tassen Kaffee her. Dann fahre ich die 7 Kilometer zum Fährterminal in Fusina um meinen Schifffahrtsschein im Hafenbüro der „ANEK-Lines“ umzutauschen. Anschließend geht es auf die „FS Hellenic Spirit“, eines der schnellsten Schiffe auf dem Mittelmeer.

Venedig in der Ferne

Punkt 12 Uhr legen wir ab und fahren durch die Lagune zwischen dem Lido und der Insel Pellestrina hinaus in die Adria. Zum Mittagessen gibt es ein griechisches Essen: Hähnchen-Souvlaki mit Tsatsiki. Den Nachmittag verbringe ich auf dem windgeschützten Sonnendeck. Für die Nacht habe ich eine Innenkabine zur Alleinbenutzung gebucht. Die See bleibt ruhig.

FS Hellenic Spirit in der Straße von Korfu

3.Tag / 91 km: Nach dem Frühstück im Selbstbedienungsrestaurant taucht Backbord die Küste von Albanien auf und wenig später die Insel Korfu auf Steuerbord.

Das Schiff fährt durch die Straße von Korfu und kommt gut zwei Stunden später im Fährhafen von Igoumenitsa in der griechischen Provinz Epirus ein.

Service Anreise:
Mautgebühren:
– Vignette Österreich 10 Tage 9,20 €.
– Brennerautobahn Österreich Innsbruck-Brenner 9,50 €.
– Brennerautobahn Italien Brenner-Trient Süd 11,10 €.
– Autobahn Italien Piovene-Rocchette – Mestre 7,50 €.
B & B Cinzia in Marghera 
DZ zur Alleinbenutzung inkl. Frühstück ab 70 €. 
Fährpassage Venedig – Igoumenitsa
mit ANEK LINES PKW und Innenkabine zur Alleinbenutzung ab 249 €.

Ein Wegweiser in Richtung Albanien gibt es nicht, aber ein freundlicher Tankwart bringt mich auf den richtigen Weg. Die Landschaft ist karg. 33 Jahre nach Franz Josef Strauß reise auch ich auf dem Landweg in Albanien ein. Die Einreise verläuft problemlos. Es werden neben dem Personalausweis der Kraftfahrzeugschein und die Grüne Versicherungskarte verlangt.

Albanien - Ionische Küste

Einreise nach Albanien.

Kurz nach der Grenze biege ich auf eine Nebenstraße ab. Das Bankett ist unbefestigt und ich muss vielen Schlaglöchern ausweichen.

Venezianische Festung bei Butrint in Albanien

Kurz nach der venezianischen Festung ist die Straße zu Ende. Eine Seilfähre bringt mich mit meinem Wagen über den Vivarkanal, der die Lagune des Butrintsee mit dem Ionischen Meer verbindet. Der Tarif für Touristen mit Fahrzeug, die nicht in Besitz der Landeswährung sind, beträgt 4 €.

Fähre über den Vivar-Kanal Albanien

Die hellenistischen und römischen Ruinen von Burint liegen am anderen Ufer. Sie sind als UNESCO-Weltkulturerbe gelistet. Bald erreiche ich den Badeort Ksamil und wenig später

Saranda Albanien

Saranda (Albanien) am Ionischen Meer.  

Mein erster Eindruck: Ein gepflegter Urlaubsort an einer weiten Bucht. Ich habe im „Hotel Titania“ direkt an der Strandpromenade für drei Nächte gebucht und bekomme ein schönes und modernes Zimmer im 2. Stock mit einer geschmackvollen Einrichtung und einem Balkon mit herrlichem Blick auf die Bucht.

Hotel Titania mit Strandpromenade - Saranda in Albanien

Am Abend gehe ich auf der belebten Promenade bis zum „Summer Restaurant“. Ich setze ich mich auf die Terrasse und bekomme ein Pastizio und einen super-frischen Tomatensalat mit milden Gemüsezwiebeln und Gurken serviert. Der junge Kellner spricht gut Englisch.

Service Saranda in Albanien:
Hotel Titania DZ, Balkon mit seitlichem Meerblick und Frühstücksbüffet ab 35 €.

Achilleion Korfu

Ein Tagesausflug nach Korfu.

4. Tag: Nach einem kräftigen Frühstück auf der Dachterrasse meines Hotels spaziere ich zum nahen Hafen und kaufe einen Fahrschein für das Tragflügelboot von Saranda nach Korfu. Der Bericht über diesen schönen Ausflug finden Sie hier: Korfu – Sissi, Kaiser Wilhelm und die Venezianer.

Ausflug zum „Blauen Auge“ und nach Gjirokastra.

5. Tag / 122 km: Das Frühstück gibt es wieder auf der schönen Dachterrasse.

Dachterrasse des Hotel Titania - Saranda in Albanien

Eierspeisen werden nach Wunsch zubereitet. Auf dem Buffet stehen neben Wurst und Käse, Schafskäse, Tomaten, Gurken, Müsli, Milch, Saft, Tee, gekochte Eier, Toast und Brot auch eine Lavazza Kaffeemaschine. Danach fahre ich durch das fruchtbare Tal von Mesopotam hinauf ins Küstengebirge von Albanien.

Syri I Kalter - Albanien

Vor dem Pass zweigt ein unbefestigter und holpriger Fahrweg in ein Seitental ab zum „Syri I Kalter“, dem Blauen Auge, einer einzigartigen Karstquelle, aus der 6.000 Liter Wasser in der Sekunde sprudeln. Auf der anderen Seite führt die Passstraße ins breite Dropull-Tal hinunter mit der gut ausgebauten Hauptstraße von Griechenland zum Adriahafen Durres im Norden von Albanien. Ich folge ihr ein Stück nordwärts bis links am Hang Gjirokastra auftaucht.

Gjirokastra - Albanien

Diese Stadt mit ihrem byzantinischen Ursprung, der um 1200 errichteten Festung, den engen kopfsteingepflasterten Gassen und der osmanischen Architektur wird „Stadt der Steine“ genannt.

Gjirokastra - Albanien

Der kommunistische Diktator Enver Hoxha, der in Albanien von 1944 bis 1985 herrschte, wurde hier geboren. Die Stadt gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Am Abend, zurück in Saranda, esse ich einen gegrillten Fisch mit Salat im Restaurant des benachbarten „Hotel Royal“.

Ionische Küste - Albanien

Auf der Küstenstraße entlang der Ionischen Küste.

6. Tag / 202 km: Nach dem Frühstück fahre ich die kurvenreiche, aber gut zu befahrende Küstenstraße Richtung Norden. Eine ganze Weile grüßt die Insel Korfu im Südwesten.

Himare - Albanien

Ich passiere die hübschen Badeorte Himare und Dhermi, die überwiegend von einer griechisch-orthodoxen Gemeinschaft bewohnt werden, bevor es in vielen Kehren auf den 1.027 Meter hohen Llogara-Pass hinaufgeht. Hier ist die Wasserscheide zwischen dem Ionischem Meer und der Adria. Landkarte: Albaniens Ionische Küste.

 

Llogara-Pass in Albanien

In der Hafenstadt Vlora an der Adria fahre ich auf die vierspurige Schnellstraße Richtung Tirana bis zur Stadt Fier. Über Nebenstraßen, an Ölquellen vorbei, geht es ins Tal des Osum.

Berat - Albanien

Berat (Albanien) – die Stadt der Tausend Fenster

Bald taucht Berat auf, eine weitere Stadt unter dem Schutz des UNESCO-Weltkulturerbes. Um meine „Pension Arben Elezi“ zu erreichen, muss ich eine steile, mit groben Kopfstein gepflasterte Straße hinauf fahren.

in Berat Albanien

Mira bereitet mir einen herzlichen Empfang, ihr Mann parkt meinen Wagen in der verwinkelten Garage und ich bekomme die Sehenswürdigkeiten der Stadt von ihr erklärt. Es gibt drei Stadtviertel: Die Pension liegt in Mangalem mit 70 % moslemischer Bevölkerung, über uns thront der urprünglich christliche Burgberg Kalaja mit seinen orthodoxen Kirchen und Kapellen und auf der anderen Seite des Osum liegt Gorica mit 80 % christlicher Bevölkerung.

Königsmoschee Berat - Albanien

Ich laufe am Palast des Paschas vorbei zur Königsmoschee, der ältesten Moschee Albaniens. Daneben steht der Versammlungsraum des Derwischordens und ein „Han“, die örtliche Karawanserei aus dem 17. Jahrhundert. In Gorica besichtige ich die Kirche St. Thomas. Vom Burgberg grüßt Sankt Michael herüber.

St. Michael in Berat - Albanien

In einem traditionellen Gasthaus serviert man mir zum Abendessen Reissuppe und das örtliche Moussaka, das in Albanien mit Hackfleisch, Auberginen und Weißkraut zubereitet wird.

Service Berat in Albanien:
Guesthouse Arben Elezi Doppelzimmer zur Alleinbenutzung mit Garage und Frühstück ab 20 €.
Moscheen und Kirchen Eintritt frei. 

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Zum Ohridsee nach Mazedonien.

Pension Arben Elezi in Berat - Albanien

7. Tag / 179 km: Mira serviert mir ein opulentes Frühstück auf der sonnigen Dachterrasse. Es steht eine Überlandfahrt auf teils guten Nebenstraßen und teils auf Rüttelpisten durch endlose Straßenbaustellen an. Erst geht es durch Weinberge und später an einigen der 80 kreisrunden Karstseen der Gegend vorbei. An diesen Seen haben sich einige kleinere und größere Siedlungen gebildet. In Elbesan erreiche ich die Hauptstraße in Richtung Mazedonien.

Alte Brücke von Berat - Albanien

An einem Rasthaus mache ich Mittagspause, die Gulaschsuppe dort schmeckt mir nicht. An einem der zahlreichen Autowaschplätze lasse ich mein Auto mit der Hand waschen, auch die Innenholme und Schweller, sowie die Fenster innen und außen werden gründlich gesäubert.

Berat - Albanien

Das frisch geputzte Fahrzeug ist wohl dem albanischen Grenzer verdächtig oder auf seiner Check-Liste sind heute noch nicht genug Posten eingetragen. Jedenfalls muss ich auf die Hebebühne, wo vor mir gerade noch ein Fahrzeug aus Landshut stand. Es ist noch früh am Nachmittag, so kann ich den Zeitverlust verschmerzen. Doch passe ich meine geplante Reiseroute an, um unnötige Grenzübertritte zu meiden. Ich streiche den Tagesausflug von Ohrid nach Korca in Albanien und werde nicht über Albanien in den Kosovo reisen, sondern direkt von Mazedonien aus. Landkarte: Von der Adria an den Ohridsee.

Villa Mesokastro, Ohrid

Meine Autoreise führt mich weiter über die Grenze nach Mazedonien zum Ohridsee, durch den Kosovo, zu den höchsten Bergen des des westlichen Balkans an der Grenze von Albanien und Montenegro und von dort weiter nach Serbien bis in die Metropole Belgrad an der Donau. Zum Schluss werden von mir noch die Hauptstädte Zagreb (Kroatien) und Laibach (Slowenien) besucht.

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Diese Reise fand im September/Oktober 2017 statt. Überarbeitung und Tarifstand: November 2019.

Meine Bewertungen:

Venedig-Marghera:

 Saranda (Albanien):

Berat (Albanien):

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Weitere Berichte aus Südost-Europa auf meiner Website:

4 Gedanken zu „Albanien – durch das Land der Skipetaren

  • November 5, 2017 um 6:57 am
    Permalink

    Spannender Bericht mit sehr schönen Fotos von einer eindrucksvollen Reise.

    Antwort
    • November 9, 2017 um 9:44 am
      Permalink

      Es freut mich, dass der Beitrag gefallen hat. Vielen Dank für den Kommentar!

      Antwort
  • Dezember 1, 2017 um 9:12 pm
    Permalink

    Lieber Michael,
    wieder unglaublich spannend und individuell.Habe sofort Lust, diese Reise nachzufahren.
    Herzliche Grüße Brigitt

    Antwort
    • Dezember 5, 2017 um 3:02 pm
      Permalink

      Vielen Dank für das positive Feedback. Das ist eine schöne Motivation für die nächsten Beiträge. Danke!

      Antwort

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