Rumänien – vom Schwarzen Meer nach Transsilvanien

Ich nehme mir in meinem 40. Berufsjahr eine zusätzliche Auszeit und beschließe diese Zeit in Rumänien zu verbringen, das letzte EU-Land, das ich noch nicht bereist habe.

Anreise

1. Tag: Ich fliege am Vormittag mit der rumänischen Fluggesellschaft TAROM von München mit einer kurzen Zwischenlandung in Hermannstadt nach Bukarest. Das Flugzeug war pünktlich und der Service sehr gut. Ich nehme den Flughafenbus in die Stadt und steige an der Haltestelle „Piata Romana“ aus.

Service Anreise:
Flug München – Bukarest / Hermannstadt – München mit TAROM ab 152 € inkl. 1 Gepäckstück
Airport Bus Flughafen Henri Coanda – Innenstadt 0,75 €
Die Hauptstadt Bukarest (Bucuresti)

Nach einem gut zehnminütigen Fußweg stehe ich im Hotel Radisson Blu an der Rezeption. Hier habe ich für zwei Nächte ein Zimmer gebucht. Das Wetter ist hochsommerlich und so führt mich mein erster Weg zum großen Außenpool im Hof.

Beim Abendessen im schönen Terrassenrestaurant „Blanco Grill & More“ stelle ich fest, dass die Preise recht günstig sind und dass es für jede Zahlung einen elektronischen Beleg gibt, auch im Taxi und am Kiosk. Griechenland grüßt nicht!

2. Tag: Der Alte Hof im Zentrum wurde als Wohnsitz von Fürst Vlad III. Drăculea im 15. Jahrhundert erbaut.

Das Leipziger Viertel in der Altstadt ist Fußgängerzone mit vielen Restaurants und Bars, die Tische und Stühle ins Freie stellen. Es gibt einige schöne orthodoxe Kirchen und Klöster und prunkvolle Gebäude um den Universitätsplatz aus der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende, das Krankenhaus Coltea und das Athenäum.

Der riesige Parlamentspalast, den Nicolae Ceausescu von 1983 bis 1989 errichten ließ, ist das zweitgrößte Gebäude der Welt.

Service Bukarest:
Hotel Radisson Blu EZ ab 86 €
Am Schwarzen Meer

3. – 6.  Tag: Ich nehme den Interregio um 10:15 Uhr vom Gara de Nord nach Konstanza (Constanta). Der Zug passiert die letzte Eisenbahnbrücke vor dem Delta über die hier sehr breite Donau. Pünktlich um 13:07 Uhr komme ich in der Hafenstadt Kostanza an. Die Stadt wurde als Tomoi schon im 7. Jahrhundert vor Chr. gegründet.

Ich nehme den Oberleitungsbus in den acht Kilometer nördlich gelegenen Badeort Mamaia, der zwischen dem Schwarzen Meer und einer Lagune liegt. Es gibt einen schönen Sandstrand und seit 25 Jahren weht hier die „Blaue Flagge“ für sauberes Wasser. Ich verbringe vier Tage im Hotel Golden Tullip mit einem eigenen Strandabschnitt und Swimmingpool, Restaurant mit Terrasse zum Meer und abwechslungsreichen Buffets mit internationaler und Schwarzmeerküche.

Service Schwarzes Meer:
Bahn- und Busfahrten sind sehr preiswert 
Hotel Golden Tulip Mamaia EZ ab 51 € mit Frühstücksbuffet
Im Donaudelta

7. Tag: Nach geruhsamen Tagen am Meer reise ich vom Busbahnhof in Konstanza mit einem Kleinbus mit zwanzig Sitzen weiter ins Donaudelta nach Tulcea.

Mein Zimmer im Hotel Esplanada bietet einen schönen Blick auf den vorbeifließenden Donauarm. Ich spaziere die Flusspromenade entlang zum Öko-Museum des Donaudeltas mit interessanten Dokumentationen über das Biosphärenreservat und UNESCO Weltnaturerbe. Zwei Aquarien zeigen Fische aus dem Delta, wie kapitale Hechte, Waller und Störe und Bewohner des Schwarzen Meeres.

Am Abend würdige ich die Fauna noch zusätzlich durch den Verzehr einer köstlichen, großen Fischplatte. Diese kostet mich inklusive Wein 5 Euro.

8. Tag: Ich bekomme noch einen Platz auf einem kleinen, aber feinen Ausflugsboot. Mit einer zehnköpfigen Gruppe aus Bukarest geht es zunächst in Richtung Schwarzes Meer. Nach fünf Kilometer biegen wir in einen Seitenarm ab.

Angler und Naturfreunde bevölkern das Ufer. Das moderne Boot gleitet fast lautlos dahin, selten kommt uns ein anderes Boot entgegen. Die Kanäle werden enger, rechts und links Schilf und dichtes Grün und einige Fisch- und Graureiher sind zum greifen nah.

Nach gut drei Stunden Fahrt legen wir an einer Fischerhütte an und bekommen ein köstliches Essen serviert mit Fischsuppe, gegrillten Fischen, Bier und einem selbstgebrannten Schnaps zur Abrundung.

Service Donaudelta:
Hotel Esplanada Tulcea EZ mit Donaublick ab 75 € inkl. Frühstück
Bootsausflug 7 Stunden mit Mittagessen bei Fischern über Safca Tours

Ausflug nach Moldawien

9. Tag: Vom Busbahnhof, gleich neben dem Hotel, fahre ich mit einem Kleinbus zum Fähranleger und als Fußgänger mit der Fähre über die Donau nach Galatz (Galati). Hier nehme ich den Kleinbus um 13 Uhr nach Cahul, dem Hauptort der Bäder und Weinregion Süd-Moldau. Es geht durch hügeliges, grünes Agrarland mit kleinen Dörfern.

In Cahul vor der Universität steht eine weiße Stretch Limo und ein Brautpaar possiert auf dem Rasen vor dem Rosenbeet. Ansonsten läuft das Leben hier auf den ersten Blick auch nicht anders ab als in einer deutschen Kleinstadt. Ich wohne im modernen Hotel Azalia in einem großen Zimmer. Das Abendessen bekomme ich  auf der Hotelterrasse unter Weinlaub.

10. Tag: Die Rückfahrt ist leider schon um 5 Uhr früh terminiert, da die Mehrzahl der Passagiere Bauersfrauen auf dem Weg zum wochentäglichen Markt in Galatz sind. An der Grenze deckte man sich im Duty-Free-Shop noch mit Hochprozentigem ein, um diesen ebenfalls auf dem Markt zu verkaufen. Logisch, dass sich die Grenzkontrollen etwas in die Länge ziehen.

Service Moldawien:
Hotel Azalia Cahul EZ ab 60 €
In die Karpaten nach Sinaia

In Galatz nehme ich die Spur von Graf Dracula auf, der hier im Roman von Bram Stoker mit dem Segelschiff „Zarin Katharina“ aus London kommend anlandete. Er war auf der Flucht vor Dr. van Helsing und seinen Freunden. Wie diese Reisegruppe einst, reise auch ich von Galatz weiter in die Karpaten.

Die rumänische Bahn bringt mich entlang des Südrands der Karpaten mit einem betagten Interregio nach Bukarest mit gut halbstündiger Verspätung. Der Anschlusszug ist weg, ich nehme den nächsten Zug Richtung Kronstadt. Es ist ein moderner Schnellzug. Der Schaffner möchte einen Zuschlag von mir, den ich ihm aber nicht bezahle, da ja die Bahn für die Verspätung verantwortlich ist. Ein netter junger Mann sitzt mir gegenüber und übersetzt für mich. Nach einer knappen Stunde Fahrt rücken die Berge zusammen. Ich steige in Sinaia aus, der Sommerresidenz der rumänischen Könige.

Am Bahnhof warten zwei ältere Frauen auf dem Bahnsteig. Sie vermitteln mir für drei Nächte günstig ein Zimmer in der Pension „Baboi Dam“ im Ort. Ich darf den Garten mit seiner herrlichen Blumenpracht und eine Laube mitbenutzen. Von dort habe ich einen schönen Blick auf die Berge.

11. Tag: Heutzutage ist Sinaia im Winter auch ein anspruchsvolles Skigebiet, die Bergbahn führt von 880 auf 2.000 Meter Höhe und die höchsten Berge sind über 2.500 Meter hoch. Ich laufe hinauf zur Talstation der Bergbahn im oberen Ortsteil. Es geht durch den Bannwald mit der Gondel hinauf zur Bergstation. Jetzt im Frühherbst sind die Hochalmen ein schönes Wandergebiet. Sie gehören zum „Nationalpark Bucegi Berge“.

Im Bannwald und in den Seitentälern wird eindrucksvoll mit Plakaten vor wilden Braunbären gewarnt.

12. Tag: Ein Mönch gründete nach Rückkehr von einer Pilgerreise zum Sinai im Jahr 1695 ein Kloster im Wald und nannte es „Sinaia“.

Dieses besuche ich am Vormittag zuerst. Heute leben hier immerhin noch zwanzig rumänisch-orthodoxe Mönche. Im nächsten Tal begann 1873 der rumänische König Karl I. aus dem Geschlecht Hohenzollern – Sigmaringen mit dem Bau seiner Sommerresidenz mit 160 Zimmern.

Die Gegend erinnerte den Herrscher an seine alte Heimat im Schwarzwald. Schloss Peles war für seine Zeit hochmodern eingerichtet.

Es war das erste Schloss in Europa mit elektrischem Licht, Aufzug und Zentralstaubsauger. In der Folge zog die bessere Gesellschaft im Sommer in die Karpaten und erbaute zahlreiche schöne Villen, es gibt einen Kurpark, ein Casino und ein Grand Hotel.

Service Sinaia:
Seilbahn Sinaia 2000 Berg- und Talfahrt 12 €
Schloss Peles Eintritt mit Führung 13 € 

13. Tag: Heute fahre ich weiter mit dem Zug über den Pass Predeal in den ehemaligen k & k Herrschaftsbereich nach Siebenbürgen, das auf lateinisch und englisch „Transsilvania“ heißt.

Die Kirchenburg Tartlau in Siebenbürgen

In Kronstadt (Brasov) lasse ich mein Gepäck am Bahnhof und fahre mit einem Taxi nach Tartlau (Prejmer). Die Kirchenburg aus dem 15. Jahrhundert ist UNESCO Weltkulturerbe.

Die Kirche liegt in der Mitte und drumherum sind 200 Wohnungen, die Schule, Werkstätten und Vorratsräume im ovalen Kreis angeordnet. Nach außen ist die Kirchenburg stark befestigt und mit Fallgittern, Pechnasen und Todesorgeln versehen.

So bot die Anlage Schutz vor Überfällen von Türken und Tartaren. Am heutigen Hauptplatz von Tartlau gehe ich in ein einfaches Lokal zum Mittagessen. Ein Trauerzug mit einem zweispännigem Pferdefuhrwerk fährt vorbei.

Kronstadt in Siebenbürgen

Ich nehme den Linienbus zurück nach Kronstadt zum Bahnhof. Von hier fahre ich mit dem Stadtbus in mein Quartier „Residence Ambient“. Am Nachmittag geht es weiter in die Innenstadt. Als wir mit dem Bus an der orthodoxen Kirche Maria Verkündung vorbeifahren, bekreuzigen sich die meisten Fahrgäste. Ein bei uns in Mitteleuropa unbekanntes Bild.

Brasov ist eine sehr lebendige Stadt im Zentrum Rumäniens. Sehenswert sind die größte Kirche Südosteuropas, die gotische „Schwarze Kirche“, das Alte Rathaus, die orthodoxe Kathedrale, die Synagoge, die Weberbastei und die attraktive Fußgängerzone um die Purzengasse.

Am Rathausplatz gibt es Live-Musik, der „Romanian Music Awards 2013“ wird live im Fernsehen übertragen. Am Rand der Altstadt veranstaltet der ehemalige Becker-Manager, Unternehmer und Multimillionär Ion Tiriac das Kronstädter Oktoberfest auf einem Sportplatz mit einem großen Festzelt. Es gibt Obazdn, Radi, Leberkäs, Bratwürstl, Steckerlfisch und Brezn.

Es spielt eine Musikapelle auf und die Madl und Burschen bedienen in Tracht. Bloß das Bier wird leider im Plastikbecher ausgeschenkt. Eine lustige Szene spielt sich vor meinen Augen an einer Biertischgarnitur vor dem Zelt ab. Eine Gans zupft an der Verschnürung einer Lederhose. Der Träger derselben merkt nichts davon.

Die Kirchenburg Rosenau und das Dracula-Schloss Bran

14. Tag: Ich nehme wieder einen Linienbus und besichtige eine weitere imposante Kirchenburg hoch auf einem Bergrücken. Die Burg Rosenau (Rasnov) gehörte dem Deutschen Orden und wurde bereits im Jahr 1215 erbaut.

Im hübschen Ort zu Füßen der Burg gibt es einen kleinen Gemüsemarkt. Paprika, Kohl und Kartoffeln dominieren das Sortiment. Angeliefert wird die Ware von den Bauern häufig noch mit Pferdefuhrwerken.

Ich fahre weiter zur Törzburg / Schloss Bran. Die hoch auf einem Felssporn aufragende Burg mit Fachwerk-Ballustraten und Ziehbrunnen im Innenhof wird den Touristen als das Schloss von Graf Dracula verkauft.

Zurück in Kronstadt genieße ich das beste Abendessen meiner bisherigen Reise im ungarischen Restaurant „Pilvax“.  Der Wirt hat auch eine famose Weinauswahl.

Service Kronstadt:
Residence Ambient EZ ab 41 € mit Frühstück 
Wehrkirche Rosenau Eintritt 2,50 €
Burg Bran Eintritt 8,60 €
Das mittelalterliche Schäßburg in Siebenbürgen

 15. – 16. Tag: Im Stadtbus zum Bahnhof gibt es schon morgens eine Fahrkartenkontrolle. Ich hatte mir das Ticket geleistet und bleibe unbeanstandet. Ich fahre mit dem Zug weiter nach Schäßburg (Sighisoara) und wohne für zwei  Nächte im Gasthof Casa Wagner  in der wunderschönen mittelalterlichen Altstadt.

Sie steht unter dem Schutz des UNESCO Weltkulturerbes. Neun Türme und Stadttore sind erhalten, darunter der Seiler- und der Schusterturm. Jede Zunft musste im Mittelalter einen Turm errichten und unterhalten. Im Anbau zum Seilerturm aus dem 13. Jahrhundert wohnt heute noch der Friedhofswärter.

Das Wahrzeichen der Stadt ist der mächtige Stundturm. Von oben hat man eine wunderschöne Aussicht. Bedeutend sind auch die Bergschule von 1522 mit einer überdachten historischen Holztreppe und der Bergfriedhof.

Ich genieße den Aufenthalt in diesem wunderbaren Kleinod, auf den lauschigen Plätzen, in den romantischen Gassen und auf Mauern und Zinnen.

Service Schäßburg:
Hotel Casa Wagner EZ ab 51 € mit Frühstücksbuffet 
Stundturm Eintritt 1,30 €
Hermannstadt in Siebenbürgen

17. Tag: Heute geht es mit dem Nahverkehrszug entschleunigt in 3 1/2 Stunden Fahrt für eine Entfernung von 95 Kilometer von Schäßburg nach Hermannstadt (Sibiu). Hier quartiere ich mich im Best Western Hotel Silva ein, einem schönen Haus am Stadtpark gelegen.

Nachdem das Wetter zuvor in Siebenbürgen zwar meist trocken, aber etwas kühl gewesen war, hat es jetzt in Hermannstadt wieder 26°. So waren die Cafés am Großen und am Kleinen Ring sehr gut besucht. Am Großen Ring steht der

barocke „Brukenthalpalast“ mit einer Gemäldegalerie und das ehemalige  „Gasthaus zum Blauen Stern“ das zu Ehren von Kaiser Joseph II. von Österreich, der hier im Jahr 1773 übernachtete, in „Hotel Römischen Kaiser“ umbenannt wurde. Zum Kleinen Ring kommt man durch den Ratsturm. Hier befindet sich das „Ethnographisches Museum Franz Binder“, die eiserne Lügenbrücke, die Evangelische Stadtpfarrkirche mit ihrer Barockorgel von 1671 und der neuen großen Orgel von 1914,

die Nadelmauer, ein Treppendurchgang mit Torturm zwischen Ober- und Unterstadt und die orthodoxe Erzbischöfliche Kathedrale zur Dreifaltigkeit.

Service Hermannstadt:
Best Western Hotel Silva EZ ab 52 € mit Frühstück
Ethnographisches Museum Franz Binder Eintritt 1,10 €

18. Tag: Ich fahre mit dem Autobus aufs Land nach Städterdorf (Rasinari), ein typiches Siebenbürger Dorf mit einer 13 Kilometer langen Trambahn hinauf zum Bergkurort Hohe Rinne (Paltinis).

Am Nachmittag besuche ich noch das Franz-Binder-Museum der Siebenbürger Sachsen am Kleinen Ring, bevor ich mit TAROM wieder zurück nach München fliege.

Fazit: Ein sehr abwechslungsreiches Land mit ruhigen und freundlichen Leuten und einer zur Zeit noch sehr präsenten Kultur der Siebenbürger Sachsen.

 

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