Samos, Ikaria und Patmos – wunderbare Ägäis

Drei sehr unterschiedliche Inseln, das bewaldete Samos, das ruhige Ikaria und Patmos mit dem Kloster des Heiligen Johannis, lassen sich ganz einfach zu einer kleinen Ägäis-Rundreise kombinieren.

Fischereihafen Ireon auf Samos

Anreise 

Wir können für lange Zeit das letzte Mal außerhalb der Ferienzeiten verreisen, unser älterer Sohn wird im September eingeschult. Wir entscheiden uns für einen Direktflug von München nach Samos in der Vorsaison. Die Entscheidung fällt auf diese Insel, da der Abflug um die Mittagszeit eine entspannte Anreise verspricht. Die weitere Recherche ergibt, dass sich die Inseln Ikaria und Patmos problemlos in die Reise einbauen lassen.

Wir verlassen München mit dem Condor-Flug DE 2832 um 13:30Uhr und landen um 17.00 Uhr Ortszeit auf Samos. Der Flughafen befindet sich an der Südküste zwischen Pythagórion und Ireon.

Apartments Leonidas Ireon auf Samos

Samos – der Fischerort Ireon im Süden

1. – 4. Tag: Das erste Quartier haben wir vorgebucht und uns für die Apartments & Studios Leonidas entschieden, eine kleine Anlage in einem weiß gekalkten Gebäude im griechischen Stil. Zum Kieselstrand sind es nur 150 Meter und es gibt im Ort Geschäfte, Tavernen und Kafenions.

Strand von Ireon auf Samos

Samos – der Tempel der Hera

Ein Ausflug führt uns zum nahen „Heraion“, das bei seiner Vollendung um 540 vor Christus als der größte Tempel Griechenlands galt mit 105 Meter Länge und 52,Meter Breite und einer Säulenhöhe von 18,5 Meter. Schon zwei Jahre nach seiner Fertigstellung wurde der Tempel durch ein Erdbeben zerstört. Der sofort eingeleitete Wiederaufbau wurde allerdings nie fertig gestellt.

Heraion von Samos

Eine große Säule des Tempels ist zur Hälfte erhalten, dazu einige Reste anderer Bauten. Das Tempelgelände ist von grünem Schilf umgeben.

Kokkari Samos

Samos – das romantische Kokkari im Norden

5. Tag: Wir fahren mit dem Linienbus an die Nordküste nach Kokkari. Wir finden bei Anthony und Maria Rigakis im Hotel „La Plage“ eine Unterkunft.

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In dem hübschen Badeort mit Kiesstrand können wir weiße Strandliegen und Stroh-Sonnenschirme mieten (Titelfoto). Malerisch ragt ein Felsen ins Meer, der mit acht alten Häusern bebaut und durch eine schmale kiesige Landzunge mit der Insel verbunden ist.

Vourliotis auf Samos

Samos – eine Wanderung durch die Weinberge

6. Tag: Heute lassen wir uns mit dem Taxi nach Vourliotes auf 360 Meter Höhe an den Nordhang der Ámpelos-Berge bringen. Der Weinort ist für den Samos Süßwein bekannt. Zunehmend werden hier auch die leichteren Samaina-Weine (Weißwein und Rosé) und der halbtrockene Rotwein aus der Fukiano-Traube angebaut. Der freundliche Taxifahrer lässt uns am Ortseingang aussteigen, da der zentrale Platz „Platea“ autofrei ist. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Ein beladener Packesel ist vor einem kleinen Laden angebunden.

Wir verlassen den Ort auf der unbefestigten Straße am anderen Ende des Bergdorfs und genießen auf den ersten zwei Kilometern unserer Wanderung den Blick über die Weinberge bis zum Kap Kotsikas im Osten.

Moni Vronda auf Samos

Samos – das älteste Kloster der Insel

Auf einer Allee mit Pappeln und Zypressen erreichen wir schließlich in 460 Meter Höhe „Moni Vronda“. Das Koster wurde im Jahr 1566 gegründet. Am Hinterausgang beginnt der Wanderweg durch den lichten Pinienwald hinunter nach Kokkari. Blattlose Orchideen (limodorum abortivum) säumen den Weg. Jetzt kommen wir in eine Schlucht mit Felswänden zu unserer Linken. Rechts unten hat jemand leider Matratzen und einen Kühlschrank in der schönen, ursprünglichen Natur entsorgt.

Blick auf Kokkari / Samos

Am Fuß der Schlucht haben wir einen schönen Ausblick auf  Kokkari und das Meer. Die Länge der Tour ist 8 Kilometer und in gut zwei Stunden zu bewältigen. Die Entfernung auf der Straße beträgt 12 Kilometer.

7. Tag: Das gestrige Abendessen in einer Taverne am Strand setzt mich Schach matt. Der Wirt hatte wohl den Tintenfisch in seiner Auslage mehrfach aufgetaut und wieder eingefroren. Das ist unverantwortlich und so habe ich mir eine Fischvergiftung zugezogen.

Arkadia Lines vor Samos

Überfahrt von Samos Stadt nach Ikaria

8. –  13. Tag: Es geht mir etwas besser und so können wir nach Ikaria aufbrechen. Wir besteigen in Samos Stadt ein Fährschiff der Arkadia-Lines, Abfahrt um 13:00 Uhr. Wir fahren zunächst an der Nordküste von Samos entlang mit Blick auf die Kerkis-Bergkette. Die Vigla mit 1.434 Meter Höhe ist der höchste Berge der Ägäis. Nach zwei Stunden erreichen wir Agios Kirykos, die Hauptstadt und der größte Hafen von Ikaria im Osten der Insel.

Hier wollen wir aber nicht bleiben. Uns locken die schönen Sandstrände im Westen der Insel.

Strand von Arministis auf Ikaria

Ikaria – im abgelegenen Badeort Armenistis

Leider ist der einzige Linienbus der Insel heute defekt oder der Fahrer erkrankt – er fährt jedenfalls  nicht. So müssen wir ein Taxi mieten um auf die andere Seite der Insel zu kommen. Wir bekommen ein Zimmer in der Pension Fotinos von Dimitris und Eleni. Das weiße Haus am Hang über dem Meer mit Terrassen ist ein Traum. Dimitris ist ein ehemaliger Kapitän und grüßt alle vorbeiziehende Fährschiffe von seiner Terrasse aus und diese grüßen zurück.

Pension Fotinos auf Ikaria

Der Strand von Livadi ist fantastisch, feiner Sand und ganz wenige Badegäste. In einem kleinen Zufluss zum Meer leben zahlreiche Ostmediterrane Bachschildkröten, die die Kinder von Zeit zu Zeit gerne füttern.

Am Abend gehen wir in die urige Taverne, die etwas oberhalb von unserer Pension liegt. Hier wird ein roséfarbener Wein serviert, der aus der hier noch angebauten alten Weinsorte der Insel gekeltert wird. Die besten Tropfen werden nach der Ernte noch mit den Füssen im Steintrog zerstampft und anschließend in Amphoren kühl gelagert.

Wir genießen die Tage himmlischer Ruhe, das klare Wasser, den Sandstrand und unsere Abende auf der Terrasse unter Weinlaub.

Der Linienbus von Ikaria

Service Ikaria:
Blue Star Ferries (FS Nissos Mykonos) ab Samos Stadt (Vathy) nach Agios Kirykos: Deckspassage 10,50 €
Taxi Agios Kirykos – Armenistis (50 km) ab 60 €
Pension Fotinos Armenistis DZ ab 39 €

14. Tag: Heute fährt der Bus und bringt uns in den 50 Kilometer entfernten Hafen. Wir haben Fahrkarten für den „Fliegenden Delphin“ von Agios Kirykos auf Ikaria nach Patmos.

Fliegender Delfin der Ilio Lines in Skala auf Patmos

Das orange-rote Tragflügelboot der Ilio Lines pflügt in Windeseile übers Meer. Wir landen in Skala, wo wir in einem einfachen Gästehaus ein Zimmer finden.

Patmos – der Evangelist Johannes

wurde im Jahr 95 n. Chr. vom römischen Kaiser Domitian nach Patmos verbannt. 18 Monaten später wird der Kaiser ermordet. Alle seine Anordnungen wurden widerrufen und der neue Kaiser Nerva holt alle Verbannten zurück.

Heilige Grotte der Apokalypse auf Patmos

Patmos – Die Heilige Grotte und das Kloster der Apokalypse

Das bedeutendste Heiligtum der Insel ist die Grotte, in der der Heilige gelagert hat. Ein Kreuz wurde von ihm in den Stein gehauen und es sind die drei Spalten im Fels zu sehen, aus der die Stimme tönte, die Johannes befahl das Buch der „Apokalypse“ zu schreiben.

Sein Schüler Prochoros verfasste eine auf Pegament geschriebene, 245 Seiten umfassende Handschrift, die im Archiv des großen Klosters des Heiligen Johannes auf der Insel aufbewahrt wird.

Im Jahr 1088 wurde das St. Anna Kirchlein vor die Grotte gebaut, Anfang des 17. Jahrhundert wurde auch an der Grotte ein zusätzliches Kloster gegründet und die Kapellen der Heiligen Nikolaos und Artemios angebaut, sowie der gesamte Komplex umfriedet.

Kloster des Heiligen Johannes auf Patmos

Patmos – Das Kloster des Heiligen Johannes in Chora

wurde im Jahr 1088 weit oberhalb der Grotte auf einem Berg 240 Meter über dem Meer erbaut und ragt heute über den weißen Häusern des Ortes Chora auf. Die gewaltigen grauen Mauern sind 15 Meter hoch. Wegen der Angriffe des Piraten Emir Tzacha wurde die Anlage stark befestigt. Im Jahr 1100 lebten schon 150 Mönche im Kloster. Von Zeit zu Zeit fanden weiterhin Angriffe von Piraten, Normannen und von Kreuzfahrern statt. Im Lauf der Jahrhunderte konnte sich das Kloster dann zumeist mit den jeweiligen Herrschern in der Ostägäis arrangieren.

Hinter der mächtigen Holztür führt ein vier Meter langer Durchgang und eine Treppe zum mit Kieseln ausgelegten Innenhof hinauf, der mit Bögen geschmückt ist. Hoch darüber ragt der markante Turm mit fünf Glocken empor. Das Katholikon ist die alte Hauptkirche des Klosters, dazu kommen zehn Kapellen. Alt ist auch das Refektorium mit zwei langen Marmortischen zum Speisen. Die Bibliothek birgt viele Schätze, darunter 33 Seiten aus dem Markus-Evangelium aus dem 6. Jahrhundert.

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Wir nutzen die Busverbindung von Skala nach Chora, besichtigen das Kloster des Heiligen Johannes und wandern den schönen Fußweg hinunter zum Kloster der Apokalypse mit der Heiligen Grotte, die für uns sehr beeindruckend ist. Auf dem weiteren Weg zurück nach Skala blicken wir auf den Naturhafen. Dort liegt ein Kreuzfahrtschiff auf Reede zur Ausschiffung mit Tenderbooten. Oben im Kloster haben wir beobachtet, dass einige der Amerikaner wegen ihrer Bekleidung mit Shorts vom Abt nicht ins Kloster gelassen wurden. Hier sollte doch vom Reiseleiter-Team auf dem Schiff darauf aufmerksam gemacht werden, auf solche Ausflüge nur mit angemessener Kleidung zu gehen.

Patmos – der Hafenort Skala

15. – 18.Tag: Neben den Besichtigungen der Klöster baden wir am Strand von Merika, der in auf der anderen Seite der Insel liegt, aber zu Fuss in gut 10 Minuten von Skala aus erreicht werden kann. Schöner noch ist der Sandstrand in der Bucht von Grikou 4 Kilometer südlich von Skala. Nach Grikou gibt es eine Busverbindung. Wanderungen führen an Einsiedeleien vorbei und oberhalb der Küste entlang mit schöner Aussicht auf die kleine, zerklüftete Insel.

Beim Mittagessen in Skala probiere ich einmal Okra, das mir nicht bekannt ist, kann mich aber mit der schleimigen Konsistenz der Schote nicht anfreunden.

Service Patmos:
Tragflügelboot Dodekanes Seaways: Ikaria – Patmos ab 22 €, Patmos – Samos ab 30 €
ANE Ferry FS Nissos Kalymnos Patmos – Pythagórion (Samos) ab 9,50 €
Grotte der Apokalypse Eintritt 2 €
Stürmische Überfahrt von Patmos nach Samos im umgebauten Fischerboot

19. Tag: Heute geht es mit einem kleinen Schiff für etwa 20 Personen von Skala zurück nach Samos in den Hafen von Pythagórion. Die Nussschale schaukelt stark, haben wir doch einen kräftigen Nordwind, den Meltemi, der im Sommer häufig auftritt. Wir finden Gott sei Dank schnell ein schönes Quartier in der Altstadt. Die Pension Victoria von Dina Rampidis liegt an einer engen Gasse mit Treppen, die zur Oberstadt hinaufführen. So können wir uns am Nachmittag gut von der stürmischen Überfahrt erholen.

Pythágoras-Denkmal auf Samos

Samos – geschichtsträchtiges Pythagórion

Die Stadt heißt erst seit 1955 nach ihrem berühmtesten Sohn Pythágoras Pythagórion, von der Antike bis ins 15. Jahrhundert war ihr Name schlicht Samos und sie war damals die Hauptstadt der Insel.

Schon 3000 v. Chr. besiedelt, blühte sie unter dem Tyrannen Polykrates im 6. Jahrhundert vor Christus auf und wurde zu einer der bedeutendsten Handelsplätze der Region mit 25.000 Einwohnern. Künstler, Naturwissenschaftler und Philosophen wurden angezogen.

Das Denkmal des Pythágoras am Hafen ist uns schon bei der Ankunft aufgefallen. Der Mathematiker hält ein Geodreieck in der linken Hand und seine rechte zeigt ins Weltall. Das imposante Denkmal wird ausführlich und treffend von Wolfgang Volz beschrieben.

Rathaus von Pythagórion auf Samos

Eine Büste von Pythágoras steht auch noch vor dem Rathaus etwas oberhalb des Hafens.

20. Tag: Heute besichtigen wir eines der größten technischen Werke des Altertums und steigen hinauf zum Eupalinos-Tunnel, der nach seinem Baumeister Eupalinus von Megara benannt ist. Durch den 1.047 meter langen Tunnel und über einen 800 Meter langen unterirdischen Zuleitungskanal wurde Wasser aus den Ámpelos-Bergen in die Stadt geleitet. Ein kurzes Stück des Tunnels können wir besichtigen.

Burg des Logothétes auf Samos

Samos – die Monumente im Kampf gegen das Türkenjoch

21. Tag: Wir steigen auf den Hügel oberhalb des Hafens zur Burg des Freiheitskämpfers Lykourgos Logothétes. Sie wurde von 1822 – 1824 während des Kampfes gegen die Türken erbaut und ist heute nur noch eine Ruine. Hier stand in der Antike der Palast und die Festung des Polykrates. Sie war Teil eines ehemals 6.500 Meter langen Befestigungsgürtel mit bis zu sechs Meter hohen und 4,5 Meter dicken Mauern rund um die antike Stadt Samos. 35 Türme und 12 Tore gehörten damals zu dieser beeindruckenden Anlage.

Von hier haben wir einen schönen Blick auf die türkische Küste. Sie ist nur 7 km entfernt.

Friedhof von Pythagórion auf Samos

Danach schreiten durch das von einem Uhrturm flankierten Tor zum großen Friedhof. Hier steht der Kuppelbau der Kirche Metamorphósis, die ebenfalls von Logothétes im Jahr 1833 erbaut wurde zum Dank für die Abwehr eines Türkenangriffs am 6. August des Jahres 1824. Noch heute ist das ein Festtag, an dem Menschen aus allen Teilen der Insel nach Pythagórion strömen.

Friedhof von Pythagórion auf Samos

Service Samos:
Flug München – Samos – München mit CONDOR ab 149,99 € inkl. 1 Gepäckstück
Apartments Leonidas Ireon Studio ab 47 €
Hotel La Plage Kokkari DZ ab 100 €

Eupalinos-Tunnel Eintritt 5 €
Heraion Eintritt 3 €
Mietwagen bei Sunny Cars Opel Corsa 1 Woche ab 159 €

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Sunny Cars – Mietwagen in 140 Ländern an 8.000 Stationen – gegründet 1991. 

Der Heimflug von Samos nach München

22. Tag: Auch ein dreiwöchiger Urlaub geht zu Ende. Wir fliegen mit Condor Flugnummer nach DE 2833 zurück nach München, die Maschine startet pünktlich um 10:45 Uhr. Auf dem Flug dürfen unsere Söhne ins Cockpit und sogar die Mütze des Kapitäns aufsetzen. Was für ein Urlaubsabschluss!

Diese Reise fand im Juni / Juli 1993 statt. Ich reiste mit meiner Familie. Tarifstand: Oktober 2019.
Das Kloster Moni Vronda ist bei Waldbränden in Jahr 2000 ausgebrannt. Der Wiederaufbau ist noch nicht abgeschlossen, die Wanderwege sind wieder begehbar und neu markiert.

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