In der steirischen Waldheimat – Urlaub im Kinderhotel

Urlaub mit kleinen Kindern – Erholung und Spaß für die ganze Familie – das Konzept der Kinderhotels hat uns überzeugt.

Die Hotels liegen in Bayern, in Österreich und in Südtirol. Wir entscheiden uns für den Waldheimathof. Er liegt in einem großen zusammenhängenden Wald- und Almgebiet im Nordosten der Steiermark. Neben der intakten Natur spielt auch der gegenüber den zahlreichen Kärntner Kinderhotels günstigere Preis des Waldheimathofs für uns eine Rolle.

Anreise

Wir fahren mit dem Auto über Salzburg und auf der Tauernautobahn bis Altenmarkt, weiter auf der Bundesstraße an Schladming vorbei über Selzthal, St. Michael, Leoben und Bruck an der Mur nach Krieglach. Dort zweigen wir rechts ab und fahren die Bergstraße hinauf Richtung Alpl. Kurz vor der Passhöhe in 1081 Meter Höhe taucht nach insgesamt knapp fünfstündiger Fahrt links der Waldheimathof auf. Der Tageskilometerzähler zeigt 412 Kilometer an.

Das Kinderhotel

Wir werden vom Ehepaar Hans und Helga Bruggraber herzlich empfangen. Es gibt einen Begrüßungscocktail und eine Führung durch die Hotelanlage. Oberhalb des Haupthauses steht das Waldhaus, in dem wir ein Familienappartement gebucht haben, ausgestattet mit zwei Schlafzimmer und einer gemütlichen Sitzecke.

Weiter bergauf gibt es noch das Bio-Familienlandhaus, daneben einen Abenteuerwald, eine Ballwiese, ein großer Spielplatz mit dem Kinderclubhaus „Zickie“ und den Pool. Es folgt die Almkräuterwiese, ein BMX- und Mountainbike-Rundkurs, den Kneippwiesenweg, den Oberwasserfall (ein schwacher Säuerling) und die 500-jährige Linde mit ihrem positiven Kraftfeld. Im Sommer gehört ein Sandplatz für Tennis zum Anwesen und im Winter gibt es einige Pisten mit Schleppliften zum Skifahren.

Im Appartement ist die Kinderabhorchanlage mit dem Restaurant und der Bar verbunden, so dass wir uns keine Sorgen machen müssen. Claudia, Andrea und Gabi betreuen die Kinder wochentags vier Stunden lang, zusätzlich am Kinderstammtisch, während der bei den Eltern beliebten Langschläfertage und auf den Ausflügen.

So können wir schon am ersten Abend das Menü von Küchenchef Manfred Taibinger in aller Ruhe genießen. Sommelier Michael Pichlbauer empfiehlt uns dazu einen guten Wein aus der Südsteiermark. Jede Woche ist ein Abend mit Bauernbuffet und ein Grillabend, sowie eine Weinverkostung und ein Cocktailkurs angesetzt.

Am nächsten Morgen gibt es ein großartiges Frühstücksbuffet. Die Morgengymnastik haben wir am ersten Tag mal ausfallen lassen. Die Kinder machen heute mit den Hoftieren Bekanntschaft und toben sich auf dem Spielplatz aus. Wir genießen die gute Waldluft.

Roseggers Geburtshaus

In der ersten Woche nehmen wir an der geführten kleinen Wanderung zum Geburtshaus des Dichters, Schriftstellers und Journalisten Peter Rosegger  (1843-1918) teil. Er zählt zu den bekanntesten Steirern der Geschichte, er war Zeit seines Lebens Steirer mit Herz und Seele. Bis heute wird er von vielen Menschen als Vermittler der regionalen Geschichte und Zeuge des einfachen bäuerlichen Lebens geschätzt. Rosegger war ein Vordenker, Nach- und Querdenker, der sich schon sehr früh mit dem Umweltschutz, der Landflucht oder mit Bildungsfragen auseinandersetzte. So schrieb er bereits im Jahr 1913 über den Raubbau an der Natur „Des Geldes wegen wird Raubbau, um nicht zu sagen: perverse Naturkraftverschwendung getrieben. […] Wir dürfen es nicht darauf ankommen lassen, dass in unseren Ländern ein starker Baum, ein ursprüngliches Tier, ein wilder Bach zur Kuriosität wird.“  Im Jahr 1917 beschäftigte er sich etwa mit naturnaher Ernährung und schrieb „Mir scheint, wir erfahren es heute, dass es besser bekommt, wenn echte Naturprodukte schlecht gekocht werden, als wenn gefälschte Nahrungsmittel mit raffinierter Kunst bereitet auf den Tisch kommen.“ Ja, er regt uns bis heute zum Nachdenken an. Sein Lebenswerk umfasst 43 Bände, er war zu Lebzeiten schon berühmt. Mit 15 Millionen verkauften Büchern und Übersetzungen in mehr als 30 Sprachen gilt er als der meistgelesene Schriftsteller seiner Zeit und er war für den Literatur-Nobelpreis nominiert. Der Titel seiner 1877 erschienenen vierbändigen Kindheits- und Jugenderinnerungen heißt „Waldheimat – Erinnerungen aus der Jugendzeit“. Der Titel wurde daraufhin zum geographischen Begriff und Namensgeber für das Gebiet der Fischbacher Alpen, in dem sein Geburtshaus und die Waldschule liegen.

Das Geburtshaus, erbaut 1744 inmitten grüner Wiesen und Wälder, liegt auf 1.150 m Seehöhe und ist von alten, ortstypischen Weidezäunen umgeben. Wir können die große Stube zum Essen, Schlafen und Arbeiten, eine beeindruckende Rauchkuchl und die Brechelhütte besichtigen. In Peter Roseggers Kindheit galt der Hof als Bauernhof mittlerer Größe. Er bestand aus dem Wohngebäude, Stallungen für etwa 20 Rinder, 8 Schweine, 25 Schafe und Hühner und mehreren Wirtschaftsgebäuden wie Getreidescheunen, Heu- und Strohstadeln, Flachsbrechelhütte und Getreidemühle.

Regelmäßiger Schulunterricht war zur damaligen Zeit in abgelegenen Orten keine Selbstverständlichkeit. Alpl hatte aber das Glück, dass sich der in Sankt Kathrein entlassene Lehrer Michel Patterer der Bauernkinder annahm. Später war es Peter Rosegger ein großes Anliegen am Alpl eine Schule zu erbauen. Nach der Jahrhundertwende rief er daher zu einer großen Spendenaktion auf. Der Erfolg war überwältigend, 1902 konnte die Waldschule eröffnet werden. 55 Schüler besuchten anfangs die Schule, sie wurde allerdings 1975 wegen Schülermangels gechlossen und ist heute ein Museum.

Ein anderer bekannter Steirer ist Arnold Schwarzenegger. Der ehemalige Bodybuilder und Hollywood-Schauspieler hat einen Stammplatz in der gemütlichen, holzgetäfelten Stube des Waldheimathofs.

Die Lurgrotte – größte Wasserhöhle Österreichs
Ein Ausflug zur Lurgrotte gehört zu einem Aufenthalt in Alpl. Die Lurgrotte ist die größte aktive Wasserhöhle Österreichs. Durch sie hindurch fließt der Lurbach von Semriach hinab in das Murtal bei Peggau. Der „Große Dom“ mit unzähligen Tropfsteinen ist sehr sehenswert und die Führung für Familien mit Kindern besonders interessant.
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Steiermarks Landeshauptstadt – Graz
Ein „Muss“ für uns ist die Besichtigung der steirischen Landeshauptstadt Graz. Sehenswert ist insbesondere die sehr gut erhaltene, große Grazer Altstadt. Zentrum ist der Hauptplatz von dem die Herrngasse abzweigt. Hier entstand ab 1527 das Grazer Landhaus.
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Der ehemalige Sitz der Landstände zählt zu den bedeutendsten Renaissancebauten Mitteleuropas. Charakteristisch sind die kunstvollen Rundbogenfenster, die luftigen Laubengänge und der dreigeschoßige Arkadenhof. Die barocke Landstube ist heute der Sitzungssaal des Steiermärkischen Landtags, im Arkadenhof finden zahlreiche Veranstaltungen statt. Der Grazer Uhrturm auf dem Schloßberg ist das Wahrzeichen von Graz.
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Wir machen einen Bummel durch die Altstadt und kehren in einen Wirtshaus zu einer steirischen Brotzeit ein.
Die Semmeringbahn
Über 160 Jahre ist sie alt, die Semmeringbahn. Sie war 1854 die erste Gebirgsbahn der Welt. Die Semmeringbahn wurde schon zu ihrer Zeit als „harmonische Kombination von Technologie und Natur“ angesehen.
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Beeindruckend und faszinierend schlängelt sie sich durch steile Felswände hindurch, bietet wunderschöne Ausblicke, überquert hundert gemauerte Brücken und teils zweistöckige Viadukte und verschwindet immer wieder in einem der 15 Tunnels. Die Bahnstrecke überwindet eine Höhendifferenz von 457 Meter, der höchste Punkt liegt auf 896 Meter. Auf den Einsatz von Stahl und Eisen wurde vom Erbauer vollkommen verzichtet. Wir fahren die 41 Kilometer lange Gesamtstrecke von Mürzzuschlag bis Gloggnitz und zurück.
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Während unseres Aufenthalts im Waldheimathof gab es für die Kinder noch zwei mal Kinderdisco, Kinderkino, Zeichnen, Malen und Töpfern und Vorlesen am Kamin. Gut erholt fahren wir nach zwei Wochen in der Waldheimat nach Hause.
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Service Waldheimat:
Bahnfahrt mit Eurocity bis Leoben, weiter mir der S-Bahn bis Krieglach 2. Kl. ab 44,90 € pro Strecke.
PKW Vignette Österreich 10 Tage für 9 €
Anreise über Salzburg – dann A 1 Westautobahn und am Knoten Voralpenkreuz auf die A 9 (Busruck-Tunnel Maut 5,50 €)/(alternativ ab Salzburg auf der oder A10 Tauernautobahn bis Altenmarkt, B320 an Schladming vorbei und in Selzthal ebenfalls auf die A9 auffahren/ kürzere, landschaftlich schöne Strecke mit 398 Kilometer – ohne zusätzliche Maut) bis St. Michael. Schnellstraße S 6 Richtung Wien bis Krieglach. 4:20 Stunden – 425 Kilometer
Eintritt Lurgrotte 8 €
Semmeringbahn Mürzzuschlag – Gloggnitz u.z. 2. Kl. 18,60 €
Diese Reise fand im Juni  1991 statt. Ich reiste mit meiner Familie. Leider ist der Waldheimathof dauerhaft geschlossen. Die Vereinigung der Kinderhotels gibt es noch – mit einer großen Auswahl an vergleichbaren Unterkünften in anderen Gegenden. Die Region Krieglach/Alpl verfügt über eine Reihe von schönen Gasthöfen, Pensionen und Privatunterkünften.
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Die Altstadt von Graz und die Semmeringbahn sind mittlerweile UNESCO – Weltkulturerbe.

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