Vom Dachstein an die Donau – der Enns-Radweg

Die größte Klosterbibliothek der Welt in Admont, der Nationalpark Gesäuse mit 1.000 Meter hohen Felswände und die schmucke Stadt Steyr liegen auf der Strecke. Der Enns-Radweg ist eine leichte Tour für die ganze Familie.

Auf dem Enns-RadwegVorschau der Änderungen (öffnet in neuem Tab)

Anreise

1.Tag / 30 km: Wir fahren mit dem Eurocity von München Hbf nach Bischofshofen und steigen dort in einen Regionalzug um. Der erste Bahnhof am Oberlauf der Enns ist Altenmarkt im Pongau auf 842 Meter Höhe.

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Enns-Radweg R 7 am Dachstein

Am Dachstein und Grimming

Hier steigen wir aus und folgen dem Flusslauf auf dem Enns-Radweg. Er ist mit dem Kürzel R7 gut beschildert. Die Landschaft ist sehr lieblich, blühende Bergwiesen, Wälder, Felder und Hügel.

Wiese am Enns-Radweg

Wir passieren Radstadt. Als einzige im Gebirge liegende Stadt bekam sie 1289 durch den Salzburger Erzbischof Rudolf von Hohenegg das Stadtrecht verliehen. Der Ort war ursprünglich keltisch, dann für die Römer von geografischer Bedeutung auf der Achse Aquileia – Salzburg und wurde von Bayern im 7. Jahrhundert erneut besiedelt.

Enns-Radweg mit Blick auf den Dachstein

Auf der Weiterfahrt auf dem Enns-Radweg ragt zur Linken die mächtige Dachstein-Südwand 850 Meter über dem Ort Ramsau in die Höhe. Der Hohe Dachstein selbst ist 2.995 Meter hoch. Unser jüngster Sohn soll in der Schule Kräuter und Blumen für ein Herbarium sammeln und wird rechts und links des Radwegs immer wieder fündig.

Wiese und Stadel am Enns-Radweg

Kurz vor Schladming überqueren wir auf dem Enns-Radweg die Landesgrenze zwischen Salzburg und der Steiermark. Schladming, früher eine Minenstadt mit Kupfer- und Silberabbau, wurde 1982 durch die Alpinen Ski-Weltmeisterschaften bekannt. Die berühmteste Piste ist die Abfahrtsstrecke „Planai“. Heute geht es für uns noch bis Haus. Hier wurde 1951 die erste Seilbahn der Steiermark eröffnet und alle Damenrennen der Weltmeisterschaften am Hauser Kaibling (2015 m) ausgetragen.

Blumenwiese am Enns-Radweg

Wir finden ohne Probleme ein Quartier in der Frühstückspension Watzinger.

2. Tag /  50 km: Nach dem guten Frühstück mit frischen Kaisersemmeln geht es mit den Rädern mal rechts, mal links der Enns auf meist geteertem Weg durch kleine, beschauliche Dörfer. In Weißenbach ist der Blumenschmuck in den Gärten besonders schön und in Aich gibt es einen kleinen Badesee.

Am Enns-Radweg

Bei Moosheim steht etwas erhöht die ehemalige Burg Thanegg, die 1150 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Der Besitzer war damals Ritter Rudolf von St. Michael. Nach achtjähriger Sanierung und Wiederaufbau wurde 1992 ein Hotel mit Schloss-Schänke eröffnet.

Am Enns-Radweg

In Öblarn, unterhalb des 2351 Meter hohen Grimming, gibt es das Villenviertel am Schattenberg, wo sich um 1890 bürgerliche Herrschaften aus Wien zur „Sommerfrische“ einfanden. Beim sonntäglichen Zusammentreffen vor der Dorfkirche wurde von den Menschen aus der Hauptstadt französisch gesprochen.

Butterblumen am Enns-Radweg

Bei Irdning öffnet sich das Tal und zur rechten liegen zwei Schlösser am Hang. Schloss Gumpenstein wurde 1616 von einem Gutshof in ein Schloss umgebaut und beherbergt heute die Lehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft.

Karte Enns-Radweg

Schloss Pichlarn wurde im Jahr 1009 erstmals urkundlich erwähnt. 1150 vererbte Leo der Edle das Gemäuer dem Stift Admont und es diente fortan als Erholungsresidenz für geistliche Würdenträger u.a. für Papst Pius II. 400 Jahre später, wieder in Privatbesitz, wurde das Schloss von den Herren von Stainach im Renaissancestil mit zwei Rundtürmen umgebaut. In den 1970er Jahren baute der Industrielle Fritz Ries das Anwesen schließlich in ein Schlosshotel mit Golfplatz um. Zu den Gästen gehörten seine Freunde Franz Josef Strauß, Richard Stücklen, Helmut Kohl und Hanns Martin Schleyer.

Dunkle Wolken ziehen auf und wir beeilen uns auf dem Enns-Radweg nach Liezen zu kommen. Leicht durchnässt kommen wir im Gasthof Lasser an. Im großen Familienzimmer können wir unsere Sachen zum Trocknen ausbreiten.

Das Stift Admont

3. Tag / 48 km: Der Regen hat in der Nacht aufgehört, es hängen aber morgens noch viele Wolken in den Bergen. Unser Ziel am Vormittag ist das zwanzig Kilometer entfernte Stift Admont. Erste urkundliche Erwähnung war 859, die Stiftsgründung fand 1074 statt.

1776 wurde die größte Klosterbibliothek der Welt fertiggestellt. Im dem Barocksaal haben 70.000 Bücher und 1.400 mittelalterliche Handschriften platz. Der gesamte Bestand umfasst 200.000 Exemplare. Im Kloster gibt es noch ein Kunsthistorisches und ein Naturhistorisches Museum und die Sammlung mit Gegenwartskunst.

Durch das Gesäuse

Nach einem Mittagessen geht es auf dem Enns-Radweg weiter zum Gesäuse. Hier soll im nächsten Jahr der jüngste Nationalpark Österreichs entstehen. Die Enns bewältigt auf 15 Kilometer Strecke ein Gefälle von 150 Höhenmeter. Steile, bis zu 1.000 Meter aufragende Felswände säumen die Schlucht. Im Norden ragt der Große Buchstein mit 2.224 Meter Höhe, im Süden das Hochtor mit 2369 Meter als höchste der Kalkberge empor.

1872 wurde die Kronprinz-Rudolfsbahn, die durch die Schlucht führt, eröffnet. Um die  stark frequentierte B 146 entlang des Flusses zu meiden, nutzen wir die Bahn ab Johnsdorf Bahnhof. Am Fuss des Gesäuses liegt Hieflau, eine Eisenwerksiedlung südlich des großen Erzbergs. Bis hierhin wurde Holz für die Schmelzöfen durch das Gesäuse getriftet.

Das „Güldene Märkt´l“  Weyer und die schmucke Stadt Steyr

Wir fahren mit dem Zug bis Weyer. Das „Güldene Märkt´l“ wurde im 12. Jahrhundert gegründet und erlangte dank seines Wasser- und Holzreichtums rasch überregionale Bedeutung. Die Besitzer von Roheisen verarbeiteten Hammerwerken wurden reich und bauten prächtige barocke Wohnhäuser am Marktplatz.

Die Sonne schaut wieder heraus und so radeln wir auf dem Enns-Radweg gemütlich mal rechts, mal links der Bahn und durch blühende Wiesen bis nach Großraming. Im Lehnerhof, oberhalb des Ortes finden wir Quartier. Er liegt schön inmitten von Streuobstwiesen.

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Abends fahren wir den Kilometer auf dem Höhenweg ins Dorf und essen beim Kirchenwirt sehr gut zu Abend.

4. Tag / 60km : Die Dörfer im idyllischen Ennstal, die wir heute durchqueren, haben alle mit Messing- und Eisenproduktion zu tun. In Reichraming stand ab 1424 ein großer Eisenhammer und später eine Gußstahlhütte, in Losenstein mit seiner Burgruine aus dem 12. Jahrhundert gab es 140 Werkstätten mit Nagelerzeugung und in Trattenbach werden seit 500 Jahren Taschenmesser hergestellt. Hier schauen wir uns die letzte Manufaktur in der Hammerstrasse 15 an. Vor dem ersten Weltkrieg betrug die Jahresproduktion noch 20 Millionen Messer.

In Garsten steht im schönsten Hochbarock die Stiftskirche, erbaut von den Brüdern Carlone und ausgestattet von Jakob Prandtauer. Noch drei Kilometer leicht bergab und wir erreichen den beeindruckenden Marktplatz von Steyr. Die prächtigen Gebäude stammen aus der Spätgotik, sind barock überformt und mit Renaissance-Innenhöfen ausgestattet.

Alles Eisen, das am Erzberg und im Ennstal produziert wurde kam hier zum Umschlag und so entwickelte sich Steyr zum reichsten Ort Oberösterreichs mit Handelsverbindungen nach Polen, über Russland bis Asien und später über England, Spanien und Venedig auch nach Amerika. In der Neuzeit wurde die Steyr-Daimler-Puch AG für die Stadt bedeutend. Ab 1988 wurden die verschiedenen Bereiche von SKF, MAN, ZF Friedrichshafen und dem Magna-Konzern Frank Stronach übernommen. 1979 entstand zudem ein großes Motorenwerk von BMW.

Wir fahren auf der linken Seite der Enns weiter zum Kraftwerk Mühlrading und wechseln dort auf das rechte Ufer. Jetzt sind wir in Niederösterreich. Bei Ennsdorf wechseln wir wieder hinüber nach Oberösterreich. Von hier sind es noch fünf Kilometer bis zur Donau.

Enns – die älteste Stadt Österreichs

Bei Karl Wall – nomen est omen – finden wir ein einfaches Quartier an der Stadtmauer. Enns ist die älteste Stadt Österreichs, bekam 212 als „Lauriacum“ das römische Stadtrecht und erhielt genau 1.000 Jahre später von Leopold VI. das gleiche Privileg. Wahrzeichen sind neben der Stadtbefestigung von 1193, der von Kaiser Maximilian erbaute 60 Meter hohe Stadtturm auf dem schönen Hauptplatz.

Die Heimreise

5. Tag: Die ÖBB bietet einen tollen Service für Radwanderer. Der Eilzug Wien – Passau fährt im Bahnhof Enns ein. Es gibt zwei Fahrradwagen, einer für Radwanderer die unterwegs aussteigen wollen und einen für Fahrräder nur nach Passau. Wir sind begeistert. In Passau holt uns der Regen wieder ein. Wir essen erst zu Mittag und unternehmen dann einen kurzen Spaziergang zum Donauufer mit aufgespanntem Regenschirm. Danach steigen wir in den bereitstehenden Regionalexpress nach München ein.

Diese Reise fanden im Juni 2001 statt. Ich reiste mit meiner Familie. Die Kinder waren 14 und 12 Jahre alt. Tarifstand: Juli 2019.

Service Enns-Radweg:
Bahn München – Altenmarkt SuperSparpreis Europa 2 Erw. und 2 Kinder ab 39,80 € über Bischofshofen   
Internationale Fahrradkarte 10 €
Haus Watzinger in Haus DZ 46 €, Dreibettzimmer 69 € inkl Frühstück  
Gasthof Lasser in Liezen (wurde 2015 abgerissen)
Stift Admont Eintritt 11,50 €, Familienkarte 26 €
Kronprinz-Rudolf-Bahn Johnsbach im Nationalpark nach Hieflau oder Weißenbach-St. Gallen pro Person 11 € (Freizeit Ticket Steiermark) – Kinder frei – leider nur noch eine Verbindung Samstag und Sonntag
Lehnerhof in Großraming DZ ab 80 € inkl. Frühstück
Museen Trattenbach Eintritt 8 €, Familienkarte 14 €
Pension Karl Wall in Enns DZ Standard 45 €, DZ Komfort 58 € 
Bahn Enns – München  Sparschiene RailJet 2 Erw. und 2 Kinder ab 38 € über Linz (den Radler-Eilzug von Wien nach Passau gibt es leider nicht mehr)

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