Schloss Linderhof – Rückzugsort des bayerischen Märchenkönigs
Schloss Linderhof mit seinem ausgedehnten Landschaftspark liegt im abgelegenen Graswangtal. Ab 1870 ließ König Ludwig II. von Bayern diese königliche Villa inmitten des Ammergebirges bauen, fertiggestellt wurde sie im Jahr 1878.
Schon ab 1877 wurde Schloss Linderhof zum Hauptwohnort des Königs. Er verbrachte die Wintermonate hier und das Schloss diente ihm auch im Sommer als Ausgangspunkt zu zahlreichen, einwöchigen Ausflügen zu Jagdhäusern und -hütten in den umliegenden Bergen.

In seinem parallellaufenden Großprojekt Neuschwanstein, Baubeginn war hier 1869 – die Fertigstellung seiner Gemächer erfolgte aber erst 1884, verbrachte Ludwig II. bis zu seinem Tod lediglich 172 Tage. Im großen Inselschloss Herrenchiemsee, Baubeginn 1878, wohnte er insgesamt nur 10 Tage (im September des Jahres 1885). Den Mai verbrachte Ludwig II. jeweils in Schloss Berg am Starnberger See und so mied er die Münchner Residenz so weit wie möglich.

Er in lebte Linderhof meist völlig allein, fernab des höfischen Protokolls und widmete sich seiner Liebe zur Kunst, Musik und Literatur. Seine Regierungsgeschäfte konnte er mit Hilfe der Telegrafie und den raschen Ausbau der Kabelverbindungen in dieser Zeit auch außerhalb seiner Hauptstadt ausüben, zumal das königliche Kabinettssekretariat jeweils in Reichweite seiner aktuellen Unterkunft mitzog.

Ursprünge von Linderhof.
Die Hofstelle gehörte wohl schon im 14. Jahrhundert zu dem 11 Kilometer östlich am Taleingang gelegenem Kloster Ettal. Im Jahr 1479 wurde der Hof an Hans Linder verpachtet. 1565 kam die Familie Gindhart zum Zug, der Hausname Linderhof blieb. 1815 verkaufte Josef Gindhart den Hof an das Gestüt Schwaiganger. 1842 wählte der spätere König Maximilian II. und Vater von Ludwig II. den Linderhof als Stützpunkt für seine Hofjagden und ließ das Anwesen für sich herrichten.

Schloss Linderhof – die königliche Villa.
Sein Sohn, der Linderhof schon seit seiner Jugend kannte, kaufte zusätzlichen Grund auf und ließ das Jagdhaus seines Vaters 200 Meer nach Westen versetzen, um auf der frei gewordenen Fläche ab 1870 das Schloss Linderhof zu bauen. Er beauftragte damit seinen Hofarchitekt Georg von Dollmann.

Zuerst wurden die Innenräume innerhalb einer Holzverkleidung ausgebaut, später die Holzverkleidung durch barocke Steinfassaden ersetzt. Im Inneren ließ er die Räume großteils mit Elementen des französischen Rokokos gestalten, ganz im Stil seines großen Vorbilds Ludwig XIV., dem französischen Sonnenkönig. Aber auch heimische Vorbilder wie die Amalienburg in Nymphenburg und die Reichen Zimmer der Münchner Residenz waren für den Märchenkönig eine wichtige Vorlage.

Er brachte seine Ausführungswünsche mit vielen Details zu Papier und kümmerte sich um jede Kleinigkeit. In der Bibliothek des Schlosses finden wir noch Pläne, Skizzen und kunsthistorische Ausführungen zu zahlreichen Schlössern und Residenzen, wie Versailles, Ansbach, Bamberg, Bruchsal, Würzburg und Schwetzingen. Vorrang für Ludwig II. hatte zuerst die Fertigstellung seiner Wohnräume.

Eine Besonderheit ist das „Tischlein-Deck-Dich“. Der versenkbare Esstisch im Speisezimmer ermöglichte es dem König seine Mahlzeiten ohne anwesendes Bedienpersonal einzunehmen. Der Tisch konnte mit einer Kurbel in die darunter liegende Küche gefahren werden, dort vom Kochpersonal gedeckt und wieder hochbefördert werden.

Die Hauptfassade im Süden zeigt im Giebel das bayerische Königswappen, von zwei göttlichen Fama-Figuren gehalten, die Ruhm und Nachruhm verheißen. Seitlich davon stehen jeweils zwei Figuren, die links Ackerbau und Handel und rechts Industrie und Wissenschaft darstellen. Gekrönt wird der Giebel von einem das Himmelsgewölbe tragenden Atlas.

In der Mittelnische des Obergeschoss befindet sich die römische Siegesgöttin Victoria. Auf den zwei Säulen in der Mitte stehen zwei Genien mit Lorbeerkränzen und auf den Außensäulen vier Putti, die für die Musik, Bildhauerei, Dichtkunst und Architektur stehen.

An der Ostfassade bestimmt die Figur der Aurora das Bild. Sie ist die der Göttin der Morgenröte und wird eingerahmt von den seitlich stehenden Nischenfiguren „Friede und Glückseligkeit“. Das Pedant dazu findet sich an der Westfassade mit Apollo, dem Gott des Lichts, der Weissagung und der Künste, insbesondere der Musik, der Dichtkunst und des Gesangs. Die Nischenfiguren neben Apollo sind die Musen Euterpe und Erato.

Der Schlosspark Linderhof.
Einmalig sind die Parkanlagen von Linderhof. Rund um das Schloss breitet sich ein französischer Barockgarten aus der in einen englischen Landschaftspark übergeht. Die Übergänge zum natürlichen Bergwald sind fließend gestaltet. Das idyllische Graswangtal und die Ammergauer Alpen ist in den Park miteingebunden. Kilometerlange Wege führen weiter in die Berge.

Das Wasserparterre
erstreckt sich südlich der Hauptfassade. Ein von Hainbuchen-Hecken umgebenes großes Wasserbecken mit der vergoldeten Figurengruppe „Flora und Putten“ von Michael Wagmüller bildet das Zentrum.

Dort steigt eine nur durch den Druck des natürlichen Gefälles betriebenen Fontänen bis zu 22 Meter in die Höhe.

Die Terrassengärten
steigen in drei Stufen hinter der Fontäne den Hang hinauf bis zum Venustempel. Sie sind wie ein italienischer Renaissancegarten gestaltet mit einem Nejadenbrunnen auf der ersten Stufe, einer grottenartigen Nische mit der Büste der Königin Marie Antoinette von Frankreich auf der zweiten

und geometrischen Blumenbeeten mit kleinen Wasserbecken samt Glockenbrunnen auf der oberen Stufe, dazwischen gibt es breite Freitreppen. Zinkgussvasen stehen auf den Treppengeländern und Begrenzungsmauern.

Der Venustempel
bildet den krönenden Abschluss der Terrassenanlage. In einem griechischen Rundtempel steht eine überlebensgroße Marmorfigur der Venus flankiert von zwei Amoretten, hinter denen die Kuchelbergspitze mit einer Höhe von 2.020 Meter aufragt.

Die St. Anna-Kapelle
ist das älteste Gebäude im Schlosspark Linderhof. Es wurde 1684 unter dem Ettaler Abt Roman Schretler errichtet und befindet sich östlich des Wasserparterres. Das Altargemälde, das die Heilige Familie darstellt, stammt noch aus der Erbauungszeit. König Ludwig II. stattete das Gotteshaus zudem mit einem neogotischen blauen Sternenhimmel und Buntglasfenstern aus, die u.a. den Sonnenkönig, Richard Löwenherz und den Komponisten Richard Wagner zeigen.

Das Westparterre
wurde als erster Gartenteil bereits 1872 mit farbenfrohen Blumenrabatten und den vergoldeten Brunnenfiguren „Fama“ und „Amor mit Delfinen“ angelegt. Steinfiguren symbolisieren die vier Jahreszeiten und hübsche Majolika-Vasen aus der Nymphenburger Manufaktur ergänzen das Ensemble.

Der Neptunbrunnen
steht gegenüber der Nordfassade des Schlosses mit dem Schlafzimmer des Märchenkönigs. Die Gruppe überlebensgroßer Zinkgussfiguren besteht aus dem römischen Gott der fließenden Gewässer und der springenden Quellen und drei eindrucksvoll wasserspeienden Rössern.

Seit 1878 schmückt der Brunnen den unteren Abschluss der Kaskade, die aus Bergquellen in 1.300 Meter Höhe gespeist wird und vom Hennenkopf in 30 Stufen hinunterstürzt. Die Kaskade wird von zwei Linden-Laubengängen eingefasst.

Der Musikpavillon
aus grüngestrichenem Holz bildet den oberen Abschluss der Kaskade und ist ein beliebter Aussichtspunkt im Schlosspark Linderhof, kann man doch von hier große Teile der Parkanlage mit den umliegenden Ammergauer Alpen überblicken. Der Märchenkönig liebte diesen Platz und ließ sich bei seinen Aufenthalten in dieser überaus filigranen Holzkonstruktion gerne Musik vorspielen.

Das Ostparterre
ist ein in drei Ebenen gegliederter Gartenbereich im französischen Stil. Neben der steinernen Skulptur „Venus und Adonis“ entzückt besonders der Springbrunnen mit der vergoldeten Figur des Armors, der seine Pfeile verschießt.

Über eine Freitreppe mit zwei Absätzen gelangen wir zur Steinbüste von König Ludwig XVI. von Frankreich in einem Laubengang. Weitere Laubengänge mit Linden bepflanzt führen weiter am Hang des Hennenkopf hinauf zum Musikpavillon links und zum Maurischen Kiosk rechts.

Der Maurische Kiosk
wurde für die Weltausstellung in Paris 1867 gebaut. Der Märchenkönig kaufte ihn im Jahre 1876 und ließ ihn zusätzlich mit Glaslüster, Marmorbecken und einem kostbaren Pfauenthron ausstatten. Hier vertiefte er sich in seine Lektüre und ließ sich Tee servieren, während orientalisch gekleidete Diener im Hintergrund Wasserpfeife rauchten.

Zum Maurischen Kiosk gibt es eine aktuelle Mitteilung der Schloss- und Gartenverwaltung Linderhof: „Der Maurische Kiosk wird momentan umfassend saniert; ein kurzer Film ermöglicht dennoch einen Einblick in das faszinierende Bauwerk. Zum Film: „Der Maurische Kiosk im Schlosspark Linderhof“ (YouTube).

Die Venusgrotte von Schloss Linderhof.
Der Höhepunkt des Rundgangs durch den Park von Linderhof ist unser Besuch in der Venusgrotte, die 10 Jahre lang aufwendig restauriert wurde und erst seit dem Sommer 2025 wieder besichtigt werden kann.

Die künstliche Tropfsteinhöhle wurde ab 1875 in den Hang des Hennenkopfes (1.768 m) eingebaut. Im Zentrum der Höhle befindet sich ein kleiner See auf dem sich der Märchenkönig in einem muschelförmigen, goldenen Kahn herumrudern ließ. Im Hintergrund sieht man eine Bühne mit dem von Richard Wagner persönlich entworfenen Bühnenbild zum 1. Akt der Oper „Tannhäuser“ mit dem Venusberg.

Die Musik Richard Wagners begeisterten Ludwig schon früh, er liebte die im Mittelalter angesiedelte romantische Sagenwelt des Komponisten und er begann ihn schon bald zu fördern. In den folgenden Jahren wurden in München die Opern „Tristan und Isolde“ (1865), „Die Meistersinger von Nürnberg“ (1868), „Das Rheingold“ (1869) und „Die Walküre“ (1870) uraufgeführt, später noch „Der Ring des Nibelungen“ und „Parsifal“ in Bayreuth.

Von 1878–1881 erhielt die Grotte eine innovative elektrische Beleuchtung. Die dafür notwendigen 24 Dynamomaschinen neben der Venusgrotte gelten als erstes fest installiertes Kraftwerk der Welt. Mit Hilfe auswechselbarer farbiger Glasvorsätze konnte die Grotte in verschiedene Farben getaucht werden.

Mit Pumpen wird ein mehrere Meter hoher Wasserfall, der sich in den See ergießt, angetrieben. Das Wasser des Sees konnte erwärmt werden, so dass König Ludwig II. im See baden konnte.

Nächtliche Schlittenfahrten.
Modernste Technik wurde auch für die fantastischen Kutschen und Schlitten verwendet, in denen der König sich bevorzugt nachts fortbewegte. Von Kindheit an kannte Ludwig II. die prachtvollen spätbarocken Gefährte seiner Vorfahren, darunter auch Schlitten mit vollplastischen Figuren.

Ab 1870 entstanden für Ludwig II. mehrere Kutschen und Schlitten. Die kunsthandwerkliche Qualität übertraf alle Vorbilder. In einem Artikel vom 13. Dezember 1872 schwärmte die Landshuter Zeitung: „Gestern und vorgestern strömten Hunderte von Leuten in die Schönfeldstraße, um in der Hofwagen-Fabrik von Mayer einen Gala-Schlitten, der dort auf Bestellung für den König gefertigt wurde, zu besichtigen.

Dieser Schlitten ist ein wahres Meisterwerk der Bildhauerei, Malerei, Stickerei und über alle Beschreibung schön und reich. Dazu kommen die zu diesem Schlitten ebenfalls von Mayer gefertigten Pferdegeschirre, die an Eleganz und Reichtum alles übertreffen.“

Außen Rokoko – innen modernste Technik – der Wagenkasten konnte auf unterschiedliche Fahrgestelle gesetzt werden, ob mit Kufen als Schlitten oder mit Rädern als Kutsche. Der König weilte Weihnachten 1872 derweil in Hohenschwangau und wartete mit Ungeduld auf die Lieferung seines weihnachtlichen Präsents.






Die Zeit nach Ludwig II.
Schon sechs Wochen nach dem ungeklärten Tod von König Ludwig II. im Starnberger See im Jahr 1886 wurde das Schloss zur Besichtigung freigegeben, erste Touristen kamen in das einsame Tal. Der Bau der 1900 eröffneten Eisenbahnstrecke ins nahegelegene Oberammergau erhöhte die Besucherzahlen Linderhofs stark.

Die Schlossbesucher mussten auch verköstigt werden, deshalb entstand um 1900 ein Hotel in Linderhof. Das Graswangtal wurde unter Prinzregent Luitpold wieder für Jagden genutzt, die unter Ludwig II. dort verboten waren.

Für seine Aufenthalte benutze Luitpold das Königshäuschen als Jagdhaus – das nebenan gelegene Schloss blieb der öffentlichen Besichtigung vorbehalten. 1918 fiel die Schlossanlage Linderhof an den Freistaat Bayern und wird seitdem von der Krongutverwaltung bzw. Bayerischen Schlösserverwaltung betreut.
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1932 wurde die Straße Ettal – Linderhof ausgebaut und Automobilverkehr zugelassen. Seit dieser Zeit hat das Schloss Linderhof nichts an Anziehungskraft eingebüßt, im Jahr 2018 waren es allein 437.122 Besucher.

Seit 2025 gehören die Schlösser König Ludwigs II. von Bayern mit Neuschwanstein, Linderhof, Herrenchiemsee und dem Königshaus am Schachen zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Service Oberammergau:
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Einige Parkbauten wurden erst in jüngerer Zeit in den Schlosspark verlegt: Das Marokkanische Haus war ursprünglich auf einer Lichtung im Bergwald hoch über Linderhof aufgestellt.
Es wurde nach dem Tod Ludwigs II. abgebaut und verkauft. Nach seiner Rückerwerbung 1994 wurde es an seiner jetzigen Stelle im Park platziert.

Hundinghütte und Einsiedelei standen im Ammerwald nahe der Grenze zu Tirol. Nach dem Tod des Königs wurden das beliebte Ausflugsziele. Die Hundinghütte brannte 1945 ab und die Einsiedelei verfiel im Laufe der 1960er Jahre. Beide Gebäude wurden an ihrer jetzigen Stelle im Park rekonstruiert, die Hundinghütte bis 1990 und die Einsiedelei bis 2000.
Service Linderhof:
Schloss Linderhof Eintritt 11 € mit Führung.
Venusgrotte Eintritt 9 € mit Führung.Kombiticket Schloss und Venusgrotte 18 € mit Führung.
Parkanlagen: Eintritt frei.Parkplatz 5 €.
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